und und

Christi Himmelfahrt

10.05.2018

 

Den ersten Bericht habe ich gegeben, lieber Theophilus, von all dem, was Jesus von Anfang an tat und lehrte bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den Heiligen Geist Weisung gegeben hatte. Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt; denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?
Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen (Apostelgeschichte 1,1-11).

 

Bei genauem Betrachten, ist nicht nur die Tatsache, dass Jesus direkt vor den Augen Seiner Jünger in den Himmel auffuhr, unfassbar und überwältigend, sondern auch Seine gewaltige Aussage: „Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde!“. Und zwar sowohl aufgrund des gigantischen Ausmaßes, nämlich dass sie das Zeugnis ihres HERRN bis an die Enden der Erde tragen würden, als auch in Bezug auf die Ankündigung, dass sie mit der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt werden sollten. Jesus hatte dies bereits schon viel früher zugesagt. Auch den Zeitpunkt hatte ER genannt, es würde sein, wenn ER diese Erde wieder verlassen würde. Denn so hatte ER es ihnen versprochen, als ER sprach: Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. Ich werde euch nicht verwaist zurücklassen, ich komme zu euch (Joh 14,16-18).

Nun unmittelbar vor Seiner Himmelfahrt, hatte ER diese Ankündigung wiederholt, um ihnen deutlich zu machen, wozu sie mit der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt würden. Es sollte geschehen, um sie für ihren Zeugendienst auszurüsten und zu befähigen. Nur zehn Tage später haben sich die Worte Jesu erfüllt. Es war an Pfingsten als die Jünger die Kraft des Heiligen Geistes empfingen, und die erste Auswirkung war, dass genau das geschah, was Jesus gesagt hatte. Plötzlich trat ausgerechnet jener Petrus, der seinen HERRN noch vor wenigen Tagen dreimal verleugnet hatte, mutig vor die Menge, und verkündigte freimütig, was der HERR aufgetragen hatte. Auf den Inhalt dessen, was Petrus sagte möchte ich später noch zurückkommen, an dieser Stelle sei nur betont, dass es nur durch Kraft des Heiligen Geistes zu erklären ist, dass dieselben Jünger, die sich bei der Festnahme ihres Herrn noch versteckt hatten, plötzlich den Mut aufbrachten, ihren HERRN öffentlich zu bezeugen. Und dies ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass sie dies wohlwissend der Tatsache machten, dass sie dieses Zeugnis ihr Leben kosten konnte, was letztlich auch bei den meisten Jüngern der Fall war.

Des Weiteren wird hier aber noch etwas deutlich, und das ist die Tatsache, dass es von Anfang an darum ging, den HERRN Jesus Christus zu bezeugen. Genau wie es Jesus gesagt hatte: „Ihr werdet meine Zeugen sein!“, war das Zeugnis des HERRN unverkennbar Hauptthema der christlichen Botschaft. Es ging nie um Religion, sondern immer um die Person und das Werk Jesu Christi, der nicht irgendein gewöhnlicher Mensch war, sondern Gott und Mensch zugleich. Inhalt des Evangeliums kann nur Jesus Christus sein. ER ist die einzigartigste Persönlichkeit, die diese Erde je betreten hat. Seine Menschwerdung, Sein Leben, Sein Tod und Seine Auferstehung sind das mit Abstand erstaunlichste und bedeutendste Ereignis das jemals hier auf Erden geschehen ist. Wenn dieser Christus nicht Zentrum der Botschaft ist, dann handelt es sich nicht um das wahre Evangelium. Und wenn Christus nicht verherrlicht wird, dann geschieht die Verkündigung auch nicht in der Kraft des Heiligen Geistes (vgl. Joh 16,14). Treffend sagte Martyn Lloyd-Jones: Welche Lehre uns ein Mensch auch bringen mag, wenn nicht Christus am Kreuz von Golgatha im Mittelpunkt seiner Verkündung steht, dann sage ich dir: Er ist ein falscher Prophet und Lehrer. 1

Da es innerhalb der gesamten Kirchengeschichte wohl kaum eine Zeit gab, in der mehr Verwirrung geherrscht hat, was unter Mission, unter Evangelium, was unter dem Heiligen Geist und nicht zuletzt, was unter Christentum und Kirche zu verstehen ist, halte ich es für notwendig die Grundlegende Wahrheit, die uns dieser Bibeltext deutlich macht, etwas genauer zu betrachten.

Missverständnis Nummer 1, ist die Annahme, das Christentum sei eine Religion. Eben eine von vielen, die gleichberechtigt neben anderen herläuft. So wird das Christentum gerne in den Medien dargestellt, und so wollen es auch viele der Kirchenführer vermitteln. Man hört dann immer vom Dialog der Religionen und erweckt den Eindruck, alle Religionen hätten gute Ansätze, so dass es lediglich darum ginge, Übereinstimmungen zu erkennen und aus all dem, was die unterschiedlichen Religionen lehren, das Beste herauszuziehen. Entsprechend sind dann auch die Ansätze dessen, was man als Evangelisation bezeichnet, nicht darauf ausgelegt, Gläubige anderer Religionen für den christlichen Glauben zu gewinnen, sondern sich mit diesen zu verbrüdern. Überhaupt hält man es für unangemessen andere zu korrigieren, oder den Anspruch zu erheben, dass den Menschen nur im Namen des HERRN Jesus das Heil gegeben ist. So will man auch nichts mehr Trennendes, sondern nur noch Gemeinsames, sehen. Alles läuft auf eine universelle Einheitsreligion hinaus, und gerade aus dem Lager, das sich als christlich bezeichnet, aus dem, was als offizielle anerkennte Kirche in Erscheinung tritt, wird der christliche Glaube so dargestellt, als sei das Hauptziel dessen, was Jesus vermitteln wollte, eine Art Völker-verständigung. So als wäre es Jesus nur darum gegangen, die Welt zu verbessern. Jesus der Pazifist, der mit Seinen Ideen dafür sorgen wollte, dass diese Welt ein besserer Ort wird. Wie weit diese Ansicht am Kern des Evangeliums verbeigeht, möchte ich mit einem weiteren von Zitat Martyn Lloyd-Jones verdeutlichen, sehr treffend sagt er: Die Botschaft des Christentums handelt nicht davon, wie man die Welt verbessern kann, sondern davon, wie Menschen trotz der Welt verändert und auf die kommende Herrlichkeit vorbereitet werden können. Jesus ist immer noch aktiv und arbeitet auf dieses Ziel hin, und er wird es weiter tun, bis alle Erlösten gesammelt sind. 2

Hier bringt Martyn Lloyd-Jones genau das auf den Punkt, was der gesamten Lehre des Neuen Testaments entspricht. Es geht weder darum, dass sich Christen der Welt anpassen sollen, noch darum die Welt moralisch zu verbessern; nein, es geht darum, dass einzelne Menschen aus diesem gefallenen System herausgerufen und gerettet werden. Immer wieder wir uns im Neuen Testament der Gegensatz zwischen Welt und Gemeinde vor Augen gestellt. Heute will man diese Grenzen verwischen und alles harmonisieren. Heute meint man, ein fauler Kompromiss sei im christlichen Sinne, doch das ist weit gefehlt, die Schrift lehrt uns klar, dass Licht und Finsternis nichts gemeinsam haben. Ebenso klar ist die Lehre, dass Gott Licht ist, und dass in IHM überhaupt keine Finsternis ist. Auf der anderen Seite aber zeigt uns die Bibel, dass der Mensch, so wie er in diese Welt hineingeboren wird, im krassen Gegensatz dazu steht. Ob der Mensch es wahrhaben will oder nicht, er steht unter dem Herrschaftsbereich der Finsternis, denn alles was nicht mit der Heiligkeit Gottes zu vereinbaren ist, das ist Sünde, und Sünde trennt von Gott. Sünde ist Rebellion gegen Gott, und davon ist die gesamte menschliche Rasse seit dem Sündenfall gekennzeichnet. Denn in einem Standpunkt sind sich alle einig, und der lautet: „Wir wollen nicht, dass dieser über und herrsche!“ (Lk 19,14). Mit anderen Worten, der natürliche Mensch lehnt den Herrschaftsanspruch Gottes ab. Er will keinen HERRN über sich, sondern will lieber sein eigener Herr sein. Seine sündhafte Natur gibt den Ausschlag, dass sich bei ihm die Nackenhaare aufstellen, wenn er hört, dass er sich Gott unterordnen soll. Sprich ein Verbot aus, und sofort wird der Mensch dagegen protestieren. Selbst bei relativ belanglosen Dingen wird ein Aufschrei der Empörung erfolgen. Sofort ist von Diskriminierung die Rede, denn nichts ist schlimmer in unserer Welt, als dass einem Menschen irgendetwas verwehrt wird.

Doch der Gott der Bibel gebietet und verbietet und genau hier wird der Mensch zum Rebell, hier kommt die typische Reaktion: „Ich lasse mir von niemand etwas sagen, ich mache, was mir passt und ich mache es, wann es mir passt!“. So gibt es trotz aller Unterschiede, trotz aller Konflikte, eine Solidarität innerhalb der gesamten Menschheit, und das ist die Sünde. Jeder Christ war vor seiner Errettung fester Bestandteil dieses gefallenen Systems. Ein System, indem Gott ausgeklammert wird, ein System, das auf seine Unabhängigkeit von Gott pocht. Durch Gottes Gnade ist der Gläubige jedoch herausgerissen aus diesem gegenwertigen bösen Weltlauf. Genau an diese Tatsache erinnert Paulus zu Beginn des Galaterbriefes, indem er den Gläubigen schreibt: Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus, der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat, damit er uns herausreiße aus der gegenwärtigen bösen Welt nach dem Willen unseres Gottes und Vaters (Gal 1,3-4).

Was Paulus hier beschreibt, entspricht exakt dem Bericht der Apostelgeschichte. Überall da, wo die Botschaft des Evangeliums sich verbreitete, verursachte es eine Spaltung. Menschen wurden abgesondert, sie wurden herausgerettet, aus dem Machtbereich der Finsternis und versetzt in das Reich des Sohnes. Das ist wahres Christentum, es ist nicht zu verwechseln mit einer toten, verstaubten Kirchentradition, wo es nur darum geht, Gott von Zeit zu Zeit einen formellen Besuch abzustatten und man ein Kirchengebäude lediglich betritt, um an einer religiösen Zeremonie teilzunehmen. Es geht auch nicht darum die Kirche nur aus Tradition oder Pflichtgefühl aufzusuchen und dann innig zu hoffen, dass der Gottesdienst nicht zu lange dauert. Und ebenso wenig darum, das kirchliche Programm nach den Wünschen der Zuhörer auszurichten. Überall da, wo Kirche nur noch ein reiner Dienstleister ist, der nur den Zweck erfüllt, bestimmten Feierlichkeiten, wie Kindertaufen, Hochzeiten oder Beerdigungen, den feierlichen Rahmen zu bieten, und wo sich der Gottesdienstbesucher als reiner Kunde sieht, mag man dies vielleicht Religion nennen, mit wahrem Christentum jedoch, hat es überhaupt nichts zu tun. Die Haltung: „Ich bezahle meine Kirchensteuer, also habe ich einen Anspruch auf diese Leistungen!“, hat nichts das Geringste mit dem zu tun, was die Bibel als christlichen Glauben definiert. Die wahre christliche Gemeinde ist kein religiöser Verein, sondern die bluterkaufte Schar aller Erlösten und somit aller, die aus dem Herrschaftsbereich der Finsternis, herausgerettet wurden. Sie sind herausgerufen und zugleich berufen, ihren HERRN und Erlöser zu bezeugen. Dabei darf es ihnen nicht darum gehen, die Erwartungen der Menschen zu erfüllen, sondern die Erwartungen ihres HERRN. Und Seine Erwartung ist, wie gesehen, die, dass Seine Nachfolger IHN bezeugen. Somit ist Person und das Werk Jesu Christi, der Inhalt der Botschaft. Und genau dies sehen wir auch gleich zu Beginn der Apostelgeschichte, die Lukas mit folgenden Worten beginnt: Den ersten Bericht habe ich verfasst, Theophilus, von allem, was Jesus angefangen hat, zu tun und auch zu lehren, bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er sich auserwählt, durch den Heiligen Geist Befehl gegeben hatte. Diesen hat er sich auch nach seinem Leiden in vielen sicheren Kennzeichen lebendig dargestellt, indem er sich vierzig Tage hindurch von ihnen sehen ließ und über die Dinge redete, die das Reich Gottes betreffen (Apg 1,1-3).

Der erste Bericht, den Lukas hier erwähnt, war das Evangelium das er verfasst hat. Was war der Inhalt? Es war die Person und das Werk Jesu Christi, und genau diesen Bericht hat Lukas mit der Apostelgeschichte fortgesetzt. Er zeigt uns, wie die Jünger den Missionsbefehl in der Kraft des Heiligen Geistes umgesetzt haben. Er zeigt uns, wie sich diese Botschaft wie ein Lauffeuer verbreitet hat und wie die Jünger förmlich die ganze Welt auf den Kopf stellten. Heute ist es umgekehrt, heute ist es, wie John MacArtur in seinem Buch „Wenn Salz kraftlos wird“, festgehalten hat: Die ersten Christen haben die Welt auf den Kopf gestellt. In unserer Generation stellt die Welt die Kirche auf den Kopf 3.

Was der Bericht auch zeigt, ist, dass diese Botschaft, wie bereits erwähnt, immer eine Scheidung bewirkt hat. Jene, die errettete wurden, blieben nicht bei ihren alten Gewohnheiten, sondern wurden durch die Kraft des Heiligen Geistes herausgerettet. Sie wurde nicht nur von ihren Sünden errettet, sondern auch von der Macht der Sünde befreit. Entsprechend schreibt der Apostel den Gläubigen in Rom: Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen (Röm 6,14). Das bedeutet zwar nicht, dass der Christ vom Tag seiner Bekehrung ab, ein vollkommen sündloses Leben führt, was er aber wahrnehmen wird, ist die Tatsache, dass er sich in einem geistlichen Kampf befindet. Worte, wie wir sie in 1.Petrus 2,11 vorfinden, wo gesagt wird: Enthaltet euch von fleischlichen Begierden, die gegen die Seele streiten, werden für ihn ebenso relevant sein, wie die Aufforderung, die uns so leicht umstrickende Sünde abzulegen (Hebr 12,1). Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man gegen die Sünde ankämpft oder ob man seinen Frieden damit geschlossen hat. Es geht dabei gewiss nicht darum, dass sich der Christ durch Perfektionismus den Weg zu Gott ebnen müsste. Doch die Frage lautet: Verteidige ich mich, so wie es die Schrift fordert, gegen die Sünde oder verteidige ich meinen sündigen Lebensstil gegenüber der Schrift? Entweder ich richte mein Leben nach der Schrift aus oder aber ich versuche die Schrift an mein Leben anzupassen. Die erstgenannte Haltung, entspricht einem erneuerten Herzen, die zweite einem verstocken Herzen. Die erste, ist ein Zeichen von Demut und Zerbrochenheit, die zweite ein Zeichen von Stolz und Rebellion. Beachten wir die Gegensätze, die in Sprüche 3,34 genannt werden: Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. Und Psalm 34 lesen wir: Nahe ist der HERR denen, die zerbrochenen Herzens sind, und die zerschlagenen Geistes sind, rettet er (Ps 34,19).

Um es kurz zu machen, die Errettung hat immer eine Auswirkung auf das Leben der Erretteten. Und genau hier sind wir beim Hauptthema des Evangeliums, es geht um „verloren sein“ oder „gerettet sein“, dazwischen gibt es nichts. Jeder Mensch wird durch die Botschaft des Evangeliums vor eine Entscheidung gestellt. Die Botschaft zeigt uns, wer Jesus ist, warum ER Mensch wurde, was getan und gelehrt hat und berichtet davon, dass ER Sein Leben geopfert hat. Geopfert, um eine Menschheit, die sich von Gott abgewandt hat, mit dem Vater zu versöhnen. Nur Sein Sühneopfer, nur Sein Blut am Kreuz kann den gerechten Zorn Gottes stillen. Doch wir haben keinen Anteil an diesem überragenden Erlösungswerk, solange wir Jesus Christus ablehnen. Daher lautet die Frage: „Wie reagiere ich auf diese Botschaft?“ Es ist wahr, an Christus scheiden sich die Geister, ER ist der Stein des Anstoßes und der Fels des Ärgernisses, und wer nun versucht das Kreuz in Watte zu packen, der verkündigt irgendwas, aber nicht das Evangelium. Wie gesagt, es geht bei der Verkündigung des Evangeliums darum, Jesus Christus zu bezeugen. Dies war der Grund, warum die Jünger mit der Kraft des Geistes ausgerüstet wurden. Es war nicht um in Ektase zu geraten, nicht um aufgeputscht zu werden. Der Heilige Geist ist gewiss keine Ersatzdroge, es ging nicht um die Berauschung der Jünger, sondern um die Befähigung und den Mut, wirklich Zeugen ihres HERRN zu sein. Es ging um die Kühnheit, die Botschaft des Evangeliums unverfälscht weiterzugeben, indem Jesus Christus, der Gekreuzigte bezeugt wird.

„Ihr werdet meine Zeugen sein“, hatte Jesus gesagt, wodurch auch deutlich wird, dass es um Wahrhaftigkeit und Wahrheit geht. Denn für was steht ein Zeuge, wenn nicht dafür, dass er die Wahrheit berichtet? Ein Zeuge hat nicht die Aufgabe seine Botschaft beliebt zu machen, er hat auch nicht die Aufgabe sich selbst in Szene zu setzen, die einzige Erwartung, die an ihn gestellt wird ist, dass er sich bei seinem Bericht an die Wahrheit hält. In Sprüche 25,13 wird gesagt: Wie die Kühle des Schnees in der Erntezeit, so erfrischt ein treuer Bote die, welche ihn gesandt haben; er erquickt die Seele seines Herrn. Es erfreut den HERRN wenn wir treue Boten sind, doch das können wir nur sein, wenn wir Seine Botschaft unverfälscht weitergebeben. Beachtet man zudem, dass der Heilige Geist, also jener Geist, der die Jünger zum Zeugendienst befähigte, auch Geist der Wahrheit genannt wird, wird dies umso deutlicher unterstrichen. Beachten wir weiter, dass Jesus nicht nur vom Heiligen Geist sprach, sondern dass ER sagte: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen“, wird ein weiteres geistliches Prinzip deutlich, und dieses Lautet: Wenn der HERR einen Auftrag gibt, dann befähigt ER auch dazu.

Damit können wir festhalten, nicht nur der Auftrag ist klar, sondern auch die Kraftquelle ist klar benannt worden. Es war die Kraft des Heiligen Geistes, die die Jünger dazu befähigte, diese gewaltige Aufgabe umzusetzen. Es sollte nicht durch ihre eigene Kraft oder ihr eigenes Vermögen geschehen, sondern durch die Kraft des Heiligen Geistes. So hatte es der HERR versprochen und so erfüllte es sich nach nur zehn Tagen zu Pfingsten. Seit jener Zeit ist jeder Gläubige mit der Kraft des Heiligen Geistes ausgerüstet. Seit jener Zeit müssen Gläubige nicht mehr auf diese Erfüllung warten, vielmehr werden sie bei der Wiedergeburt, mit der Kraft des Geistes erfüllt. In Titus 3,5-6 lesen wir dazu: Denn einst waren auch wir unverständig, ungehorsam, gingen in die Irre, dienten mancherlei Begierden und Lüsten, führten unser Leben in Bosheit und Neid, verhasst, einander hassend. Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Retter-Gottes erschien, rettete er uns, nicht aus Werken, die, in Gerechtigkeit vollbracht, wir getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit durch die Waschung der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes. Den hat er durch Jesus Christus, unseren Retter, reichlich über uns ausgegossen.

Unverkennbar machen diese Verse deutlich, dass Gott Seinen Geist nicht spärlich ausgegossen hat, oder dass sich diese Ausgießung nur auf einen besonderen Personenkreis bezieht, sondern dass der Geist Gottes über alle Wiedergeborenen reichlich ausgegossen ist. Im Umkehrschluss gilt sogar, wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein (Röm 8,9). Was ein eindeutiger Beleg dafür ist, dass die pfingstlerische Sonderlehre von einer sogenannten zweiten Erfahrung keine biblische Grundlage hat. Es gibt kein Zweiklassenchristentum, alle Gläubigen sind durch einen Geist in einen Leib getauft (1.Kor 12,13). Jeder wahre Christ hat also die Grundvoraussetzung, um seinen Glauben zu bezeugen, und jeder Christ ist auch dazu aufgerufen; und jeder auch dazu befähigt, den jedem Gläubigen gelten die Worte aus 2.Timotheus 1,7: Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht.

Wie gesagt, die Bibel lehrt, die Gläubigen nicht, dass sie nach einer zweiten Erfahrung streben sollen. Es gibt nicht eine einzige Bibelstelle, die dazu auffordert. Es ist nur der Zeitpunkt zwischen Himmelfahrt und Pfingsten, worauf sich das Warten bezieht, vom dem Jesus sprach. Wer daraus ableitet, dies würde auch für unsere Generation gelten, der missachtet sowohl den Kontext, als auch die Gesamtlehre des Neuen Testaments. Wäre die Lehre der Pfingstler wahr, warum haben es dann alle Schreiber versäumt, die Gläubigen darauf hinzuweisen? Es kann nur eine Antwort geben, weil es eine Irrlehre ist, die sich nicht mit der Lehre der Schrift deckt. Darum sei es noch einmal wiederholt: Christen werden nicht angehalten, auf eine zweite Erfahrung zu warten, vielmehr steht geschrieben: „Werdet voll Geistes“ (Eph 5,18). Doch dies geschieht nicht, indem man versucht irgendwie in Ekstase zu geraten, oder sich durch entsprechende Lobpreismusik seelisch hochpuscht, sondern indem man die von Gott verordneten Gnadenmittel anwendet. Und das bedeutet Zeit ins persönliche Bibelstudium zu investieren und sich gedanklich mit dem Wort auseinanderzusetzen, indem man darüber nachsinnt, indem man es im Gebet bewegt und nicht zuletzt, indem man beachtet, was in Hebräer 10,25 gesagt wird. Diese Auflistung entspricht übrigens exakt der Beschreibung der ersten Christen über die gesagt wird: Sie blieben beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und in den Gebeten (Apg 2,42). Hier sehen wir die Erfüllung dessen, was Jesus angekündigt hatte, das Kennzeichen der ersten Christen war die Geistesfülle, und diese machte sich in den eben beschriebenen Merkmalen bemerkbar und die Folge davon war der mutige Zeugendienst, den Jesus angekündigt hatte.

Beachten wir hierbei noch einmal, dass Jesus nicht sagte: „Ihr müsst meine Zeugen sein!“ Es heißt auch nicht: „Ihr sollt meine Zeugen sein!“, sondern: „Ihr werdet meine Zeugen sein!“ Woher wusste Jesus, dass dies so sein würde? ER wusste es, weil der Geist es in den Gläubigen bewirkt. Wie extrem diese Auswirkung war, können wir darin sehen, dass sich die Jünger nicht einmal unter Androhung von Gewalt, davon abhalten ließen, ihren HERRN zu bezeugen. Sie ließen sich nicht Mundtot machen, nein ihre Haltung war das Gegenteil davon: „Wir können's ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben“, lesen wir in Apostelgeschichte 4,20.

Die Jünger waren ganz gewöhnliche Menschen, es war allein die Kraft des Heiligen Geistes die sie zu diesem kühnen Zeugendienst befähigte, und es ist auch heute noch derselbe Geist, der die Kinder Gottes dazu bewegt, dies zu tun. Es ist nicht die eigene Kraft oder das eigene Vermögen, sondern wie Jesus es angekündigt hatte, die Kraft des Heiligen Geistes. Beachten wir nun, dass die Schrift uns sagt, dass nicht jene, die durch ihren eigenen Willen geleitet werden, Kinder Gottes sind, sondern jene, die durch den Geist Gottes geleitet werden (Röm 8,14), dann sehen wir ganz deutlich, dass man dem Missionsbefehl nicht gerecht wird, wenn man ihn mit menschlichen Mitteln und Methoden umsetzen will. Dies bedeutet nicht, dass man nicht kreativ sein darf, sondern nur, dass in allem, was wir tun, die Ehre Gottes im Vordergrund stehen muss. Unser Dienst muss sich um IHN drehen, nicht um uns. Es geht nicht darum, dass wir uns selbstverwirklichen, sondern dass unser HERR verherrlicht und verehrt wird. Lernen wir hierbei etwas von der Haltung die Johannes der Täufer hatte. Johannes, der Vorbote des HERRN, sagte: „Er (Jesus) muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ (Joh 3,30). Achten wir also darauf, dass wir uns durch unseren Dienst nicht selbst erhöhen, sondern dass der erhöht wird, dem die Ehre gebührt, und das ist Jesus Christus, der Sohn Gottes, der Sein Leben für uns in den Tod gab, um uns mit Gott dem Vater zu versöhnen. IHM allein gebührt die Ehre, IHM allein der Dank und die Anbetung, jetzt und bis in alle Ewigkeit.


 

Quellangaben
1. Martyn Lloyd-Jones, Licht an einem dunklen Ort, S.130/131
2. Martyn Lloyd-Jones, Apostelgeschichte Band 1, S.27
3. John MacArthur, Wenn Salz kraftlos wird, S.56

 

 

www.evangeliums-botschaft.de

Nach oben