und

Billige Gnade

Ebenso wie man die Liebe Gottes oft falsch versteht, verhält es sich auch mit seiner Gnade. Im Brief des Judas (nicht Judas der Verräter) wird vor Leuten gewarnt, die sich in die christlichen Gemeinden eingeschlichen hatten, obwohl sie Gott nicht ernst nahmen. Über sie wird gesagt: „Sie deuten die Botschaft von der Gnade unseres Gottes als Freibrief für ein zügelloses Leben und verraten damit Jesus Christus“ (Jud 4).

Es handelte sich also um Menschen, die sich nach ihrem eignen Verständnis für Christen hielten, ihr zügelloses Leben machte jedoch deutlich, dass dies eine Lüge war. Der biblische Grundsatz lautet nämlich ganz klar: „Ob wir Gott wirklich kennen, erkennen wir daran, dass wir auf seine Befehle hören. Wer behauptet: »Ich kenne Gott«, ihm aber nicht gehorcht, ist ein Lügner und die Wahrheit lebt nicht in ihm“ (1.Joh 2,3-4).

Dieses Scheinchristen hatten sich zwar auf Gottes Gnade berufen, doch leider fehlte ihnen jegliches Verständnis, was unter der Gnade Gottes zu verstehen ist. Dieser Selbstbetrug führte zu einem sehr oberflächlichen Glauben, dem jeglicher Inhalt fehlte. Leider ist im heutigen Christentum genau dieses Verhalten immer mehr zu beobachten. Alle halten sich für Christen oder zumindest für gute Menschen und meinen der "Liebe Gott" ist ja eh so lieb und gnädig, da kann es ja gar nicht anders sein, dass wir alle auf dem richtigen Weg sind.

Um nicht falsch verstanden zu werden - Gottes Wort lehrt unmissverständlich, dass wir uns den Himmel nicht durch gute Taten verdienen können. Es wird ganz klar betont, dass wir nur durch Gnade gerettet werden, doch wir müssen eben auch beachten, was die Bibel unter Gnade versteht. Hier sei zunächst einmal sei gesagt, dass die Gnade Gottes frei ist und jedem Menschen unverdient angeboten wird. Niemand kann sich Gottes Gnade durch eigene Anstrengungen verdienen. Wenn ein Mensch schuldbeladen zu Gott kommt, wird er ohne jegliche eigene Vorleistung so angenommen, wie er ist, entscheidend ist jedoch, dass Gott ihn nicht so lässt wie er ist. Gottes Gnade beinhaltet nämlich nicht nur vollständige Vergebung, sondern, und das ist der entscheidende Punkt, auch die Befreiung von der Macht der Sünde. Darum lehrte auch der Apostel Paulus, dass die Sünde nicht mehr über dem Gläubigen herrschen wird. Weil genau dieser Punkt unterschlagen wird, gleicht dieses, wie man meint, moderne, aufgeklärte, Evangelium, der Verkündigung der falschen Propheten des Alten Testaments. Ihre Visionen waren nur Schmeichelreden und sie heilten den Bruch des Volkes nur oberflächlich. Egal wie weit das Volk von Gott abgedriftet war, egal wie sehr sie Gottes Namen entehrt haben, egal wie viele Götzen sie angebetet haben, die falschen Propheten kamen nie auf die Idee, nur den leisesten Hauch von Kritik durchklingen zu lassen. Stattdessen beschwichtigten sie die Leute nach dem Motto: „Keine Panik, Gott ist doch gütig und barmherzig, er schenkt euch auch weiterhin seinen Frieden. Auch bei uns ist diese “Wir kommen alle in den Himmel – Theologie“, weit verbreitet. Es soll sich ja keiner Gedanken machen, geschweige denn überlegen, ob das war er unter Glauben versteht überhaupt etwas mit dem Glauben zu tun hat, von dem die Bibel redet.

Jesus fragte: 
Wie könntet ihr denn auch zum Glauben an mich kommen? Ihr legt ja nur Wert darauf, einer vom andern bestätigt zu werden. Aber die Anerkennung bei Gott, dem Einen, zu dem ihr euch bekennt, die sucht ihr nicht" (Joh 5,44).


Müssen wir uns das nicht auch fragen oder meinen wir wirklich, dass unsere Generation so viel besser ist, als die Zeitgenossen von Jesus? 
Wie zu allen Zeiten gibt es auch in unserer Zeit zur Genüge falsche Lehrer und falsche Propheten, die den Leuten nach den Ohren reden, sie versprechen: „Friede, Friede! - und da ist doch kein Friede" (Jer 8,8-10). Die Tatsache, dass Gottes Wort ganz klar sagt: „Kein Frieden den Gottlosen“ (Jesaja 48,22), wird dabei völlig ignoriert, damit haben sie aber kein Problem, denn sie haben das Wort Gottes, selbst wenn sie sich gelegentlich darauf berufen, längst verworfen. Darum fragt Gott durch den Propheten Jeremia: „Wie könnt ihr nur sagen: »Wir sind so klug, wir besitzen doch die Gesetze des Herrn«? Das, worauf ihr euch beruft, ist doch von euren Lehrern vollständig verfälscht worden! Eure Weisen werden beschämt und verwirrt dastehen, sie werden sich in ihrer Weisheit widerlegt sehen. Wie können sie auf den Gedanken kommen, dass sie weise sind, wenn sie doch das Wort des Herrn verworfen haben?“ (Jer 8,8-9).

Überall da wo das Wort Gottes verworfen wird, beruht der Glaube nur auf Menschenweisheit, doch die kann keinen Menschen von der Macht der Sünde befreien, denn das kann nur der Sohn Gottes. Die Bibel macht deutlich, dass sich der Mensch durch die Sünde selbst zu Grunde richtet. Er betrübt damit nicht nur Gott und das allein wäre schon schlimm genug, sondern er schadet sich auch selbst. 

Doch dank der überwältigenden Gnade Gottes, ist durch Jesus Christus Rettung möglich. Sein gnädiges Eingreifen bewirkt eine so tiefe Veränderung, dass die Bibel uns erklärt: „Ist jemand in Christus ist er eine neue Kreatur!“ (2.Kor 5,17). Und an anderer Stelle lesen wir dazu: Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen, und unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Lüste verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf (Tit 2,11-12). 

Hier wird deutlich, die Gnade Gottes bewirkt im Gläubigen eine völlig neue Lebensausrichtung und hilft, das zu tun, was man ohne Gottes Hilfe nicht zustande bringt. Das bedeutet, Gottes Gnade beinhaltet die Befähigung zu einem überirdischen Lebensstil. In Christus schenkt Gott dem Gläubigen alles, was er zu einem Gottwohlgefälligen Leben braucht, darum fragt auch Paulus: „Was hast du was du nicht empfangen hast?“ Somit ist es schon wahr, dass alles unverdiente Gnade ist, doch wer behauptet Christ zu sein, ohne sich an Gottes Wort zu halten, lebt in einem großen Selbstbetrug. Die Bibel kennt keinen Glauben ohne Gehorsam, sondern redet von Glaubensgehorsam. Da Gott dem Gläubigen ein neues Herz gibt, in das er seine Gebote hineinlegt und da Gott selbst es ist, der das Wollen und Vollbringen schenkt, kann Johannes auch sagen, dass seine Gebote nicht schwer sind. Wir haben vor allem hier in Deutschland eine sehr armselige Vorstellung, von dem was den christlichen Glauben ausmacht. Die Bibel lehrt uns das Gläubige teuer erkauft sind und fordert uns auf, würdig des Evangeliums zu leben, denn wer behauptet: »Ich kenne Gott«, ihm aber nicht gehorcht, ist ein Lügner und die Wahrheit lebt nicht in ihm“ (1.Joh 2,4). Darum werden wir aufgefordert: „Prüft euch, ob euer Glaube echt ist. Prüft euch selbst“ (2.Kor 13,5).Jesus selbst warnt uns in vielen Gleichnissen vor Selbstbetrug und musste selbst den geistlichen Führern seiner Zeit aufzeigen, dass sie in Wirklichkeit nicht das waren, was sie sich eingeredet hatten. Sie bestanden darauf Kinder Gottes zu sein, doch er musste ihnen sagen."Ihr seid Kinder des Teufels, der ist euer Vater" (Joh 8,44).

Das ist doch ein erschütterndes Urteil. Man bedenke, Jesus sprach hier zur geistlichen Elite seiner Zeit. Er sprach zu den angesehen Kirchenführern, den Würdenträgern mit Rang und Namen, die überall die besten Plätze zugewiesen bekamen. Also jene, zu denen das Volk aufschaute und die auf der Straße hochachtungsvoll gegrüßt wurden. Doch Jesus ließ sich weder von ihrem Amt noch von ihrem äußeren Schein blenden. Er kannte ihre Herzen und kam, wie gesehen, zu einem ganz anderen Urteil. Doch nicht nur das, an andere Stelle sagte er sogar: "Was bei den Menschen Eindruck macht, das verabscheut Gott" (Lk 16,15).

Menschen kann man mit Scheinheiligkeit und prunkvollem Auftreten sehr leicht beeindrucken, doch Gott kann man nichts vormachen. Er weiß wie es in unserem Herzen aussieht und er verabscheut jede Art von Heuchelei. Wonach er Ausschau hält, sind Menschen, die ihm mit ungeteiltem Herz nachfolgen. Ein Paradebeispiel dafür sind die ersten Apostel, doch sie zählten nicht zu den gesellschaftlich Angesehenen, sondern waren im Kontrast zur geistlichen Elite, die Verachteten. Damit erging es ihnen wie ihrem Herrn. Der Apostel Paulus schreibt diesbezüglich: Bis zur Stunde hungern und dürsten wir, gehen in Lumpen, werden mit Fäusten geschlagen und sind heimatlos. Wir plagen uns ab und arbeiten mit eigenen Händen; wir werden beschimpft und segnen; wir werden verfolgt und halten stand; wir werden geschmäht und trösten. Wir sind sozusagen der Abschaum der Welt geworden, verstoßen von allen bis heute (1.Kor 4,10).

Die Frage ist, auf welcher Seite wollen wir stehen? Wollen wir in dieser Welt angesehen und beliebt sein oder sind wir wirklich bereit, Jesus nachzufolgen?

Hier wird deutlich, so billig wie der Glaube heutzutage verkauft wird, ist er wirklich nicht. Jesus sagte ja nicht umsonst: „Wer mir folgen will, muss sich und seine Wünsche aufgeben, sein Kreuz auf sich nehmen und auf meinem Weg hinter mir hergehen. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Aber wer sein Leben wegen mir und wegen der Guten Nachricht verliert, wird es retten. Was hat ein Mensch davon, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber zuletzt sein Leben verliert? Womit will er es dann zurückkaufen?  Die Menschen dieser schuldbeladenen Generation wollen von Gott nichts wissen. Wenn jemand nicht den Mut hat, sich vor ihnen zu mir und meiner Botschaft zu bekennen, dann wird auch der Menschensohn keinen Mut haben, sich zu ihm zu bekennen, wenn er in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln kommt!" (Markus 8, 34-38).

Vielleicht denkt jetzt mancher, das alles sei völlig lieblos und meint, diese Zeilen sind nicht mit Gottes Liebe in Einklang zu bringen. Hier müssen wir uns aber auch im Klaren sein, dass Gottes Liebe untrennbar mit der verbunden Wahrheit ist. Darum wird uns auch im Korintherbrief gesagt, dass sich die Liebe nicht am Unrecht freut, sondern wenn die Wahrheit siegt.

Eine Liebe, die ohne Wahrheit Probleme lösen will, die aus Menschenfurcht nicht ermahnen und konfrontieren will, ist eine falsch verstandene Liebe, die nichts mit der Liebe Gottes zu tun hat. Gottes Geist ist ein Geist der Wahrheit, wir können Gottes Liebe nie losgelöst von Wahrheit und Gerechtigkeit sehen. Gott ist Licht und in ihm wohnt keine Finsternis. Er gab uns sein Wort als Schwert des Geistes, um ganz klar zu trennen, zwischen Licht und Finsternis, zwischen Lüge und Wahrheit.

Weil Gott uns Menschen liebt, will er, dass allen Menschen geholfen wird, doch das kann nur geschehen, wenn sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Jeder Christ, der behauptet, seine Mitmenschen zu lieben, hat die Verantwortung, ihnen die Wahrheit zu sagen. Jesus selbst sagte: „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis gebe“ (Joh 18,37).

Doch wie sah dieses Zeugnis aus, was sagte Jesus über die Welt? Er sagte etwas, das wir nicht gerne hören wollen, er sagte, die Welt würde ihn hassen, weil er ihr bezeugt, dass ihre Werke böse sind (vgl. Joh 7,7).

Warum gibt Jesus der Welt dieses Zeugnis, warum sagt er, dass die Werke der Menschheit böse sind? Ist es nicht lieblos so etwas zu sagen? Nein, das Gegenteil ist der Fall, er sagt es gerade weil er uns liebt. Echte Liebe besteht nämlich nicht darin, alles schön zu reden, sondern jemanden, der auf einen Abweg geraten ist, zu warnen. Wenn ein Blinder auf einen Abgrund zuläuft, dann müssen wir ihn doch warnen, wir können ihn doch nicht ermutigen und sagen, er sei auf einem guten Weg. Leider gibt es viele Theologen, die genau das mit den Menschen machen. Sie sprechen jedem den Segen zu, egal in welchen Sünden er auch verstrickt ist. Außerdem wird von vielen Kanzeln verkündigt, dass jede Religion zu Gott führt, doch das ist nicht wahr. Jesus sagte ganz klar: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch mich" (Joh 14,6).

Nur sein Kreuzestod kann uns mit Gott dem Vater versöhnen und ich sage das gewiss nicht um jemanden zu verärgern, sondern weil ich als Christ dazu verpflichtet bin. Ich weiß es macht mich nicht bei jedem beliebt, aber darum geht es auch gar nicht. Gottes Wort sagt: Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst (3.Mo 19,17).

Ich kann jedem versichern, dass Gott uns Menschen liebt, er liebt uns so sehr, dass er seinen einzigen Sohn auf diese Welt gesendet hat, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben. Ich befürchte nur, dass viele ein falsches Bild von Gott und seiner Liebe haben. Wie schon gesagt, denkt man vielleicht, der liebe Gott, der kann doch keinem böse sein und ist dann ganz entsetzt, wenn uns die Bibel vor der Realität der Hölle warnt. Aber wie ich schon sagte: „Wenn ein Blinder auf einen Abgrund zuläuft, muss man ihn warnen!“ Genauso ist es auch mit der Bibel: Sie erklärt, dass wir Menschen aufgrund der Sünde, für die geistlichen Realitäten blind sind, aber sie lässt uns nicht ohne Vorwarnung ins Verderben rennen, sondern zeigt uns in Christus, den Ausweg. Er kam um uns von unseren Sünden zu retten.


 


 

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• Mit Gott auf dem Weg - J C Ryle

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