und

Am Guten haltet fest!

22.08.2016

J. C. Ryle (1816-1900)



Es gibt nur wenige Dinge im Glauben, die die Menschen so schnell vergessen, wie die Pflicht, für den „ein für allemal überlieferten Glauben zu kämpfen“ und an der Wahrheit festzuhalten.

Kontroversen sind selten populär. Die meisten Menschen mögen ein ruhiges Glaubensleben. Sie schrecken vor Kampf, Schwierigkeiten, Streitfragen und Anstrengungen zurück. Sie werden alles daran setzen für den fadenscheinigen Vorwand, den Frieden wahren zu wollen. Sie sind schnell bereit zu vergessen, dass es nicht wert ist, Frieden ohne die Wahrheit zu haben. Kurz gesagt, sie müssen an die goldenen Worte des Paulus erinnert werden: „Am Guten haltet fest!“

Leser, als Paulus sagte „haltet fest“, schrieb er als einer, der wusste, wie die Herzen aller Christen beschaffen waren. Er wusste, dass unser Verständnis des Evangeliums bestenfalls sehr kalt ist – dass unsere Liebe schnell schwach wird – dass unser Glaube bald schwankt – dass unser Eifer schnell versiegt – dass Routine im Umgang mit den Wahrheiten Christi oft eine Art von erbärmlichen Christen hervorbringt – dass wir, wie Israel, dazu neigen, wegen der Länge der Reise entmutigt zu werden – und dass wir wie Petrus bereit sind, in dem einen Moment zu schlafen, um im nächsten Moment zu kämpfen – aber dass wir wie Petrus nicht bereit sind zu „wachen und zu beten.“ An all dies erinnerte sich Paulus, und er ruft wie ein treuer Wächter durch den Heiligen Geist: „Am Guten haltet fest!“

Leser, wenn es jemals eine Zeit in der Welt gegeben hat, in welcher die Kirchen geprüft wurden, ob sie an der Wahrheit festhalten oder nicht, dann ist es die gegenwärtige Zeit, und die Kirchen, um die es sich handelt, sind die protestantischen Kirchen unseres eigenen Landes. Das Papsttum, dieser alte Feind unserer Nation, bricht über uns wie eine Flut herein. Offen werden wir von Feinden von außen angegriffen, und von innen werden wir von falschen Freunden beständig verraten. Römisch-katholische Kirchen und Kapellen und Schulen und Konvente und Klöster nehmen um uns herum zu. Monat für Monat hören wir neue Botschaften, wie Männer aus den Rängen der Kirche von England zu der Kirche von Rom überlaufen. Schon hat der Papst unser Land in Bistümer eingeteilt, und er spricht als Einer, der sich ausmalt, wie er die Beute nach und nach aufteilen kann.

Lasst uns sicher sein, dass wir alle die Wahrheiten Christi persönlich kennen. Leser, es wird weder dich noch mich erretten, wenn wir alle Kontroversen kennen und alles erkennen können, was falsch ist. Kopfwissen wird weder dich noch mich in den Himmel bringen. Wir werden nicht dadurch errettet, dass wir mit den Katholiken argumentieren oder die Irrtümer der päpstlichen Bullen oder Pastoralbriefe erkennen können. Lasst uns darauf achten, dass wir Jesus Christus selbst besitzen durch unseren eigenen persönlichen Glauben. Lasst uns darauf achten, dass ein jeder von uns Zuflucht bei der Hoffnung sucht, die uns in seinem herrlichen Evangelium gegeben ist. Lasst uns dies tun, und es wird uns wohl ergehen, was immer auch uns zuwiderläuft. Lasst uns dies tun, und dann werden alle Dinge unser sein. Die Kirche mag versagen. Der Staat mag in den Ruin gehen. Die Grundfeste der Institutionen mögen erschüttert werden. Die Feinde der Wahrheit mögen für eine Zeit die Oberhand gewinnen; aber was uns angeht, wird alles gut sein. Wir werden Frieden in dieser Welt haben, und in der kommenden Welt ewiges Leben, denn wir werden Christus haben.

Leser, wenn du die Hoffnung in Christus noch nicht ergriffen hast, suche sie sofort. Rufe den Herrn Jesus an, dass Er sie dir geben möge. Lasse Ihm keine Ruhe, bis du weißt und fühlst, dass du Ihm gehörst.

Wenn du diese Hoffnung ergriffen hast, halte sie fest. Betrachte sie als einen hohen Wert, denn sie wird bei dir sein, wenn alles andere vergeht.


J. C. Ryle, Hold Fast. (auszugsweise)

Quellangabe und Dank: http://distomos.blogspot.de

 


 

Weiterführend zu diesem Thema empfehle ich den Beitrag "Für den überlieferten Glauben kämpfen", von Rudolf Ebertshäuser.

 

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