und

7. Ist Gehorsam nur eine Option?

04.12.2016


Vor kurzem war ich bei einer Beerdigung, der Pfarrer hatte sehr tröstende Worte, er sprach davon, dass Gott all unsere Tränen sammeln würde, und dass ER uns wie eine Mutter trösten würde. Weiter kam er auch auf den Himmel zu sprechen, indem er folgende Verse aus Offenbarung 21 zitierte:

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! (Offb 21,1-6). Das sind ohne Frage sehr erbauliche und ermutigende Verse, doch die Frage ist, kann man einer großen Trauergemeinde diese hoffnungsvollen Verse vorlesen, ohne zu erwähnen, dass der Mensch nicht automatisch Anwärter auf das Reich Gottes ist? Es war nämlich keineswegs so, dass der Saal voll gläubiger Menschen war, dennoch bekam jeder der Anwesenden die Zusage, dass Gott all seine Tränen abwischen würde. Jedem der Anwesenden wurde diese herrliche Zukunft in Gottes unvergänglichem Reich in Aussicht gestellt. Und genau hier haben wir das Dilemma der modernen Verkündigung, man greift nur die positiven Aussagen der Bibel heraus, lässt aber sowohl die göttlichen Anweisungen, als auch die Kehrseite der Botschaft unerwähnt. Dies dürfte auch der Grund sein, warum sich so viele Menschen irrtümlicherweise für sichere Anwärter auf das Reich Gottes halten. Hätte der Pfarrer nur einen Vers mehr gelesen, hätte er nicht mit Vers 6 geendet, sondern auch Vers 7 vorgelesen, hätte es vielleicht den ein oder anderen zum Nachdenken gebracht, denn da heißt es: Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein (Offb 21,7). Dieser eine Satz hätte schon ausgereicht, um zu verdeutlichen, dass der Weg zum Himmel kein Selbstläufer ist. Noch deutlicher wäre es gewesen, die Verse 8-9 hinzuzufügen, in denen es heißt: Die Feigen aber und Ungläubigen und Frevler und Mörder und Unzüchtigen und Zauberer und Götzendiener und alle Lügner, deren Teil wird in dem Pfuhl sein, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod. Und es kam zu mir einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen mit den letzten sieben Plagen hatten, und redete mit mir und sprach: Komm, ich will dir die Frau zeigen, die Braut des Lammes. Gottes Wort unterscheidet also zwischen jenen, die Wohlgefallen an Lüge und Ungerechtigkeit haben, und jenen, die zur Brautgemeinde des Lammes gehören. Die Braut hat keine Freude an Ungerechtigkeit und Lüge sondern im Gegenteil, sie möchte dem Bräutigam gefallen, daher hat sie die Lüge abgelegt und ihre Lenden mit Wahrheit umgürtet (vgl. Eph 4,25: 6,14).

Vielleicht hätte dies bei der Trauerrede zu weit gegangen, aber was ich vermisst habe, war die Betonung, dass der Himmel nur den Gläubigen versprochen ist. Doch selbst der Begriff „gläubig“ ist mittlerweile so abgeflacht, dass sich jeder Problemlos darunter einordnen kann. Und bei diesem Punkt geht es mir nicht nur um die typischen Traditionschristen, bei denen es offensichtlich ist, dass sie nur Namenschristen sind, sondern auch um jene, für die der christliche Glaube noch etwas mehr beinhaltet, als die reine Kirchenmitgliedschaft. Jene, die sich vielleicht sogar selbst als bibelgläubig bezeichnen, die regelmäßig Gottesdienste besuchen, die täglich einen christlichen Kalenderspruch oder vielleicht sogar einen Abschnitt aus der Bibel lesen, aber in deren Leben sich kaum das widerspiegelt, was sie vorgeben zu glauben. Laut der gängigen Auffassung unserer Tage ist dies aber nicht weiter schlimm, denn Gott ist ja gnädig, errettet werden wir ja aus Gnade und nicht aus Werken. Und aufgrund dessen will man alles nicht mehr so eng sehen, sondern denkt, wer irgendwann in seinem Leben, ein Übergabegebet gesprochen hat, der ist auf jeden Fall ein sicherer Anwärter auf das Himmelreich. So läuft ein typisches Seelsorgegespräch nach dem Motto: „Wenn du nach vorne gegangen bist, wenn du ein Entscheidungskärtchen ausgefüllt hast oder auch nur deine Hand gehoben hast, dann darfst du nie daran zweifeln, dass du errettet bist!“. Man meint, oberste Priorität sei es, dass alle sich gut fühlen, doch wurde der Gläubige etwa errettetet, um weiter in Sünde zu leben? Oder lehrt die Bibel nicht, dass wir vom Tag unserer Errettung im Kampf gegen die Sünde stehen? Meinem Eindruck nach, haben viele Gläubige eine viel zu lockere Einstellung gegenüber der Sünde, so dass kaum etwas darauf hindeutet, dass sie einen Kampf gegen die Sünde führen, vielmehr scheint es so, als hätten sie kapituliert. Auch wenn es kaum jemand offen ausspricht, sagt man sich praktisch: „Hurra, wir sind im Zeitalter der Gnade, jetzt können wir so leben wie wir wollen!"

Oder wie ist es sonst zu erklären, dass so viele Christen eine solch lockere, unbekümmerte Einstellung gegenüber der Sünde haben? Wie ist es zu erklären, dass viele meinen, man müsse nicht mehr ernst nehmen, was geschrieben steht, und könne den Willen Gottes getrost ignorieren. Wie kann es sein, dass der Eigenwille des Menschen über den Willen Gottes gestellt wird? Wenn Gottes Wort noch Beachtung findet, dann oft nur sofern die biblischen Anweisungen den eigenen Wünschen und Plänen nicht im Wege stehen. Um dennoch einen frommen Schein zu wahren, hat man sich in Bezug auf Gottes Wort daran gewöhnt, nur noch das zu hören, was man hören will. Entsprechend sucht man sich dann auch die passende Gemeinde und den passenden Verkündiger, also jemanden, der das Wort Gottes genauso selektiv betrachtet, wie man selbst. Es ist wie eingangs gesehen, man greift sich nur die positiven Aussagen heraus, aber macht sich keine Gedanken, wem diese gelten. Denn wo wird denn noch verkündigt, dass das Reich Gottes nur den Überwindern versprochen wird? (vgl. Offb 21,7), oder dass die Schrift vom Ausharren der Gläubigen spricht, worunter ein Standhalten gegenüber Anfechtungen, sei es in Form von Krankheit, von Verfolgung oder Verführung, zu sehen ist. Wer hier klein bei gibt oder kapituliert und sich dennoch einredet, er sei gerettet, hat eine falsche Heilsgewissheit. Bis tief in evangelikale Kreise ist die Irrlehre eingedrungen, dass man ein einfaches Übergabegebet für eine Versicherungspolice für das Himmelreich hält, so als sei man jetzt gegen alles abgesichert und könne völlig unbekümmert und sorglos in den Tag leben. Ja, man glaubt tatsächlich, es sei möglich Jesus nur als Erretter annehmen zu können und IHM dennoch die Herrschaft über das eigene Leben zu verweigern. Ein „Ja“ zu Jesus als Retter und ein „Nein“ zu IHM als HERR, ist laut moderner Theologie kein Problem.

Wolfgang Lindemeyer bringt diesen Missstand sehr gut auf den Punkt, indem er schreibt: Jesus wird zwar als Retter akzeptiert, aber er darf nicht als der Herr gelten, der als souveräner Gott das Sagen über unser Leben hat. Es wird manchmal unterschwellig vermittelt, dass eine Bekehrung keinerlei Verpflichtungen wie Gehorsam, Heiligung und Absonderung von der Welt mit sich bringen muss. Abkehr von Sünde und eine Veränderung des Lebensstiles wird nicht mehr gepredigt.1


Doch wer auch immer ein solches Evangelium lehrt, ob nun offen oder dadurch, dass er nur die halbe Botschaft weitergibt, der verbreitet einen trügerischen Irrtum, der sich nicht mit der Schrift deckt. Die Schrift kennt keinen rettenden Glauben ohne Gehorsam, vielmehr hängen Glaube und Gehorsam so untrennbar zusammen, dass von Glaubensgehorsam die Rede ist (vgl Röm 16,26). Wer meint, man könne dies voneinander trennen, der benutzt die Gnade letztlich als Deckmantel für ein zügelloses Leben. Und jene, die einen solchen Lebenswandel durch ihre Verkündigung bestätigen, indem sie “errettet sein“ auf ein einmaliges Erlebnis reduzieren, das sich nicht zwingend auf den Lebenswandel auswirken müsse, verkünden eine falsche Freiheit. Im 2. Petrusbrief lesen wir diesbezüglich: Dabei verheißen sie ihnen Freiheit, obgleich sie doch selbst Sklaven des Verderbens sind; denn wovon jemand überwunden ist, dessen Sklave ist er auch geworden (2.Petr 2,19).


Um nicht falsch verstanden zu werden, ich behaupte nicht, dass sich der Gläubige die Rettung durch das Einhalten von Regeln und Geboten, sowie durch gute Werke verdienen muss. Die Errettung geschieht allein aus Gnade, doch wer diese Gnade erfahren hat, wem dieser rettende Glaube zuteilwurde, den fordert die Schrift auf: Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid; stellt euch selbst auf die Probe! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, daß Jesus Christus in euch ist? (2.Kor 13,5). Wir sollen uns also prüfen, ob Christus durch Seinen Geist in uns ist, denn wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein (Röm 8,9). Folglich muss es auch Prüfkriterien dafür geben, und tatsächlich, die Schrift nennt uns ganz konkrete Erkennungsmerkmale, indem geschrieben steht: Und hieran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben; wenn wir seine Gebote halten. Wer sagt: Ich habe ihn erkannt, und hält seine Gebote nicht, ist ein Lügner, und in dem ist nicht die Wahrheit. Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollendet. Hieran erkennen wir, dass wir in ihm sind. Wer sagt, dass er in ihm bleibe, ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie er gewandelt ist (1.Joh 2,4-6). Das Erkennungsmerkmal derer, die Christi Geist haben, derer über die Jesus zum Vater sagte: Ich in ihnen und du in mir (Joh 17,23), ist der Gehorsam gegenüber Seinem Wort. Aus diesem Grund sprach der HERR: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen! Der Christ wird nicht gerettet weil er Frucht bringt, sondern umgekehrt: Er bringt Frucht weil er gerettet ist. Und eine der ersten Auswirkungen ist die Frucht der Buße! (Mt 3,8), womit eine klare Abkehr vom alten, von Selbstsucht bestimmten Leben, und eine Hinkehr zu Christus gemeint ist. Denn schließlich wurde der Gläubige bei seiner Rettung von der Sünde befreit und daher lautet die Schlussfolgerung: Nun aber, da ihr von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden seid, habt ihr darin eure Frucht, dass ihr heilig werdet; das Ende aber ist das ewige Leben (Röm 6,22).


Man kann nicht in der Heiligung leben und sich zugleich über Gottes Wort hinwegsetzen. Heilig bedeutet für Gott ausgesondert zu sein, um nicht mehr für sich selbst - nicht mehr für die eigene Ehre zu leben, sondern für den, der für uns gestorben und auferstanden ist (vgl. 2.Kor 5,15). Jeder Gläubige ist durch das Blut des Lammes gerecht gemacht, doch er wurde nicht gereinigt, um sich weiterhin im Dreck zu wälzen (vgl. 2.Petr 2,22). Sollte er sich jedoch im Dreck wohlfühlen, stellt sich die Frage, ob er wirklich wiedergeboren ist, ob er wirklich Anteil an der göttlichen Natur hat. Denn wer wirklich eine Pflanzung des HERRN ist, in dessen Leben wird sich dies auch auswirken. Darum ist die Frage, leben wir wirklich zur Ehre des HERRN, sind wir ein Werk Seiner Hände, IHM zum Ruhm? (vgl. Jes 60,21). Die Ungehorsamen hingegen sind lediglich „Herr, Herr“-Sager, die aber durch ihr Leben deutlich machen, dass sie immer noch ihr eigener Herr sind. Denn welche Autorität hat Jesus in unserem Leben, wenn wir Sein Wort nicht ernst nehmen? Leider ist das Christentum in unseren Tagen so abgeflacht, dass man meint, Gehorsam sei eine mögliche Option: Die einen nehmen es eben etwas genauer und die anderen gehen es etwas lockerer an, doch gerettet werden am Ende natürlich alle. So lebt ein Großteil der christlichen Bekenner nicht nach dem Gesetz des Geistes, sondern nach dem Gesetz des Fleisches. Anstatt der Heiligung nachzujagen, lebt man in einer fleischlichen Gesinnung und redet sich ein, dennoch auf dem schmalen Weg des Glaubens zu sein. Doch jene, die alles auf die leichte Schulter nehmen, sollten sich folgendes Bibelwort zu Herzen nehmen: Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten (Gal 6,7-8).


In der modernen Verkündigung wird dieser Vers gerne so ausgelegt, als würde es hier nur um die Frage der Belohnung gehen. So als würden die Gehorsamen mehr Lohn bekommen und die Ungehorsamen etwas weniger. Doch achten wir auf die beiden aufgezeigten Gegensätze, nur jenen, die auf den Geist säen, wird zugesagt, dass sie ewiges Leben ernten, jenen aber, die auf das Fleisch säen, wird gesagt, dass sie das Verderben ernten. Wem dies nicht deutlich genug ist, der beachte, was Paulus im 5. Kapitel dieses Briefes bezüglich den Werken des Fleisches und den Werken des Geistes sagt, und wie eindeutig seine Schlussfolgerung besagt, dass jene, die nach dem Fleisch leben, nicht in das Reich Gottes eingehen werden (vgl. Gal 5,21). Es ist ein fataler Irrtum zu meinen, es sei dem Gläubigen freigestellt, ob er der Heiligung nachjagt oder nicht, vielmehr lehrt die Schrift unmissverständlich, dass ohne Heiligung niemand den Herrn sehen wird! (Hebr 12,4). Doch Heiligung ist nicht etwas Passives, das uns automatisch in den Schoß fällt, sondern etwas, dem wir nachjagen sollen. Egal was ich nachjagen will, ich kann es nicht so nebenbei machen, beim Nachzujagen ist die volle Aufmerksamkeit gefragt, denn die Beute fällt einem nicht einfach so in den Schoß, man muss etwas dafür tun. So ist es auch bei der Heiligung, wir müssen aktiv daran mitwirken. Daher gilt es, das Wort Gottes aufmerksam zu lesen und darauf zu achten, ob unser Leben damit übereinstimmt, anstatt zu denken, Gott wird uns schon vergeben. Denn geschrieben steht: Gehorsam ist besser als Opfer und Aufmerken besser als das Fett von Widdern (1.Sam 15,22).


Diese Worte waren an König Saul adressiert, einen König, der es mit Gottes Anweisungen nicht so genau nahm. Beachten wir, die Gläubigen werden im Neuen Testament als königliches Priestertum bezeichnet. Das ist ein wunderbares Vorrecht, gegen das sich kaum jemand wehren wird, doch wie steht es mit der damit verbundenen Verantwortung? Im selben Vers ist nämlich auch von einem heiligen Volk, ja von einem Eigentumsvolk die Rede, das berufen wurde von der Finsternis zum Licht (vgl. 1.Petr 2,9). Der Heiligung nachzujagen, bedeutet nichts Anderes als im Licht zu wandeln. Und wenn geschrieben steht, Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege (Ps 119,105), dann bedeutet im Licht zu wandeln, dass wir die göttlichen Anweisungen ernst nehmen, indem wir unser Leben danach ausrichten (vgl. 1.Joh 1,7). Spurgeon schrieb diesbezüglich: Wer es wagt, die Unterweisungen des Herrn zu missachten, hat sich niemals aufrichtig entschlossen, heilig zu sein. 2


Wer heute auf den biblischen Zusammenhang zwischen Glaube und Gehorsam hinweist, wird gerne belehrt, dass er zu gesetzlich sei, doch welche Gemeinde im Neuen Testament fällt uns als erstes ein, wenn wir von einer gesetzlichen Gemeinde hören? Sind es nicht die Galater? Sollte es uns da nicht zu denken geben, dass die Aussage: Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten (Gal 6,7-8), ausgerechnet in dem Brief zu finden ist, der an diese Gemeinde adressiert war? Wir finden in diesem Brief zwar sehr wohl die Aussage: Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder. Doch die Schlussfolgerung lautet nicht, dass dies als Freibrief für ein selbstsüchtiges Leben zu verstehen sei, sondern vielmehr wird gesagt: Nur gebraucht nicht die Freiheit als Anlass für das Fleisch. Danach werden die Werke des Fleisches aufgelistet, und daraufhin wird gesagt: Von diesen sage ich euch im Voraus, so wie ich vorher sagte, dass die, die so etwas tun, das Reich Gottes nicht erben werden (Gal 5,13: 21). Die Worte: „Von diesen sage ich“, beziehen sich auf all jene, deren Leben nicht vom Geist, sondern vom Fleisch regiert wird. Über sie wird unmissverständlich gesagt, dass sie das Reich Gottes nicht erben werden. Wer Gottes Anweisungen missachtet, wer IHM den Gehorsam verweigert und nicht bereit ist, sich Seiner Herrschaft unterzuordnen, wird nicht in Sein Reich eingehen. Gottes Wort ernst zu nehmen, hat also nichts mit Gesetzlichkeit zu tun. Doch offensichtlich herrscht in unseren Tagen sehr viel Unklarheit darüber, was die Bibel unter Gesetzlichkeit versteht. Sehen wir uns dazu mal an, wo das Problem dieser Gemeinde war. Paulus bringt es gegen Ende des Briefes wie folgt auf den Punkt: Alle, die im Fleisch wohlangesehen sein wollen, nötigen euch, daß ihr euch beschneiden laßt, nur damit sie nicht um des Kreuzes des Christus willen verfolgt werden (Gal 6,12). Es gab Widerstand um des Kreuzes Willen, es gab Anfeindung, und so wurden die Gläubigen genötigt, die religiösen Erwartungen zu erfüllen, sie sollten sich beschneiden lassen. Doch was war die Antwort des Paulus? Er schrieb: Denn nicht einmal sie selbst, die sich beschneiden lassen, halten das Gesetz, sondern sie verlangen, daß ihr euch beschneiden laßt, damit sie sich eures Fleisches rühmen können. Von mir aber sei es ferne, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern eine neue Schöpfung. Die Schlüsselaussage lautet: Was vor Gott zählt, sind nicht irgendwelche religiösen Zeremonien, sei es jetzt, wie damals, die Beschneidung oder, wie bei uns üblich, die Kindertaufe, sondern eine neue Schöpfung. Und über diese neue Schöpfung nun wird gesagt: Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden (2.Kor 5,17). Da eben genau dies auf jeden wahren Gläubigen zutrifft, fordert uns die Schrift auf: Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid; stellt euch selbst auf die Probe! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, daß Jesus Christus in euch ist? (2.Kor 13,5). Denn wenn dieses neue Leben sich nicht bemerkbar macht, wenn es keinen Einfluss auf unsere alltäglichen Entscheidungen und Handlungen hat, dann muss ernsthaft infrage gestellt werden, ob jemand wirklich ein Kind Gottes ist.


Wir werden nicht zu Kindern Gottes indem wir uns anstrengen alle Gebote zu halten, sondern indem wir dem HERRN unser Versagen bekennen und Jesus Christus als HERR und Erlöser annehmen. Geschieht diese wirklich in einem ernsthaften Gebet, so wird ER in unserem Leben nicht mehr außenvorstehen, so dass ER sagen muss: „Siehe ich stehe vor der Tür…, sondern wird durch Seinen Geist in unserem Herzen Wohnung nehmen. Wenn ER aber durch Seinen Geist in uns wohnt, dann wird sich dies auf unser Leben auswirken. Dann werden wir nicht mehr vom Fleisch (von unseren selbstsüchtigen Wünschen), sondern von Seinem Geist geleitet. Doch weil der HERR unsere Mitarbeit erwartet, sind wir nicht zu Passivität aufgerufen, sondern vielmehr heißt es: Bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern! Denn Gott ist es, der in euch wirkt, sowohl das Wollen als auch das Wirken zu seinem Wohlgefallen. Tut alles ohne Murren und Zweifel, damit ihr tadellos und lauter seid, unbescholtene Kinder Gottes inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter dem ihr leuchtet wie Himmelslichter in der Welt, indem ihr das Wort des Lebens festhaltet (Phil 2,12-16).


Meine feste Überzeugung anhand der Schrift ist, dass die Errettung allein aus Gnade geschieht, doch wenn die Errettung keine Auswirkung auf unser Leben hat, dann ist sehr fraglich, ob wir errettet sind. Gottes Geist wohnt nicht passiv in den Gläubigen, wenn ER tatsächlich in unserem Herzen wohnt, dann wird sich dies auf unser Leben auswirken. Der billige Abklatsch dessen, was heute als Evangelium gelehrt wird, ist leider nur die halbe Wahrheit. Rettung wird so dargestellt, als hätte man eine Versicherung abgeschlossen. Doch das Leben als Christ ist kein Freibrief zur Sünde, sondern ein Überwinderleben. Überwinden kostet uns aber etwas, es kostet uns unser altes Leben. Nur wenn wir es wirklich mit Christus in den Tod gegeben haben, und ER auf dem Thron unseres Herzens sitzt, ist ER in Wahrheit unser HERR. Denn eine echte Hinwendung zu IHM, bedeutet eine klare Abwendung von unserem alten Leben. Allein solchen Menschen ist das Himmelreich versprochen. Wer wirklich diesen schmalen Weg geht, der darf sich zu Recht an solchen Versen erfreuen. Immer wieder berichten die Schreiber der Bibel über diese herrliche Aussicht für die Gläubigen. Liest man jedoch die Schrift im Zusammenhang, wird deutlich, dass es kein Pausschalversprechen für alle ist.

Exemplarisch möchte ich kurz auf den 2. Petrusbrief eingehen. Auch hier ist von dieser überwältigenden Hoffnung die Rede, wenn der Apostel schreibt: Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt (2.Petr 3,13), doch beachten wir, was Petrus nur einen Vers später schreibt: Darum, Geliebte, weil ihr dies erwartet, so seid eifrig darum bemüht, daß ihr als unbefleckt und tadellos vor ihm erfunden werdet in Frieden! Wenn man ferner sieht, dass er in diesem Brief das Gericht über Gottlose und Irrlehrer ankündigt und unmittelbar vor dieser Verheißung folgende Aussage triff: Da nun dies alles aufgelöst wird, wie sehr solltet ihr euch auszeichnen durch heiligen Wandel und Gottesfurcht, indem ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und ihm entgegeneilt (V 11), dann wird deutlich, woran unsere moderne Verkündigung krankt: Man selektiert Verheißungen, die für Gläubige bestimmt sind aus dem Kontext, stellt nur diese in den Raum, und lässt damit alle in dem Glauben, sie hätten Anteil am Reich Gottes. Doch genau das ist der Geist des Irrtums, vor dem immer wieder in der Schrift gewarnt wird. Man beruft sich auf das Wort Gottes, hält sich für gläubig, doch wo ist die Frucht? Man sucht sie leider oft vergebens. Ich möchte niemand entmutigen, der dem HERRN treu nachfolgt, sondern im Gegenteil, wer IHM treu nachfolgt, der hat keinen Grund traurig zu sein oder zu resignieren. Wir leben mitten in der Zeit des großen Abfalls, wir sehen wie die Gesetzlosigkeit immer mehr überhandnimmt, doch die Schrift lässt uns wissen, dass dies so kommen muss, es ist das Gericht über die Ungläubigen. Denn über jene, die die Lüge mehr lieben als die Wahrheit, sagt die Schrift: Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, dass sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit (2.Thess 2,11-12). Den Treuen hingegen gelten die Worte: Fürchtet euch nicht! Ihnen wird gesagt: Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht (Lk 21,28). Wer Christus im Herzen hat, wartet nicht auf den Sohn des Verderbens, sondern auf seinen Erlöser. Doch eben, weil wir mitten im Abfall leben, müssen wir auch wachsam sein, und die Bibel als Ganzes ernst nehmen, nicht nur unsere Lieblingsverse. So möchte ich schließen mit einem letzten Zitat aus 2.Petrus, es sind die Schlussworte dieses Briefes, in denen der Apostel sagt: Ihr aber, Geliebte, da ihr dies im voraus wißt, so hütet euch, daß ihr nicht durch die Verführung der Frevler mit fortgerissen werdet und euren eigenen festen Stand verliert! Wachst dagegen in der Gnade und in der Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus! Ihm sei die Ehre, sowohl jetzt als auch bis zum Tag der Ewigkeit! Amen.

 


Quellnachweis:
1. Wolfgang Lindemeyer - Ist die zukünftige Bekennende Gemeinde, die Hausgemeinde der Zukunft?, S.24
2. C.H. Spurgeon, -Andachtsbuch “Besser als Gold“ 22.Okt


 

Folgende Predigten von Tim Kelly möchte ich zu diesem Thema empfehlen:
 

Unser Gott ist ein verzehrendes Feuer

 

Gottes Gericht beginnt bei seinen Kindern

​ 

 

www.evangeliums-botschaft.de

Nach oben