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7. Eigenwille oder Gottes Wille?

Veröffentlicht am 08.05.2016

Ohne lange Überleitung möchte ich auf den Gedanken zurückkommen, mit dem das letzte Kapitel geendet hat, und dies war die Feststellung, dass sich im Leben von Jesus alles um den Willen des Vaters drehte. Sein Leben, Sein Reden, Sein Denken und Handeln war ausschließlich dem Willen des Vaters unterstellt. ER war so auf den Willen Seines Vaters fokussiert, dass ER sagen konnte: Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe (Joh 4,34). Das allein war der Inhalt Seines Lebens, das war es, was IHN antrieb und was Sein Leben ausmachte.

Doch wie sieht es nun bei uns aus, die wir uns als Christen bezeichnen, und damit vorgeben Seine Nachfolger zu sein? Ist es da auch so wie bei Jesus, können auch wir sagen, dass es unser Lebensinhalt ist, den Willen Gottes zu tun? Natürlich ist Jesus in diesem Punkt unerreichbar, aber dennoch sollte dies für jeden wahren Gläubigen das Ziel sein. Doch wie ist es nun in der Realität, wem gleichen wir denn eher, dem HERRN, der dem Willen Gottes völlig ergeben war, oder jenen Israeliten, um die es im letzten Betrag ging, die nur vorgaben dem Wort des HERRN gehorchen zu wollen, aber letztlich das durchgezogen haben, was sie sich vorgenommen hatten?

Befassen wir uns hierzu zunächst einmal mit denen, die ganz vorne stehen, die in wichtigen Führungspositionen sind und immer die ersten sein wollen (vgl. 3.Joh 9). Schauen wir uns an, wie sie das Reich Gottes mit menschlichen Mitteln herbeiführen wollen. Schauen wir auf ihre Einheitsbestrebungen innerhalb Allianz und Ökumene oder jetzt ganz aktuell, auf eine Veranstaltung wie das Christival in Karlsruhe, wo man Karlsruhe und die Welt rocken will. Fragen wir uns doch einmal diesbezüglich, ob derartige Aktivitäten im übertragenen Sinne nicht exakt der Haltung jener abtrünnigen Israeliten entsprechen, die zu Jeremia sagten: Den Worten, die du im Namen des HERRN uns sagst, wollen wir nicht gehorchen, sondern wir wollen all die Worte halten, die aus unserm eigenen Munde gekommen sind, und wollen der Himmelskönigin opfern und ihr Trankopfer darbringen, wie wir und unsere Väter, unsere Könige und Oberen getan haben in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems.

Beim Christival scheint jedes Mittel recht, um die Jungend anzulocken. Auf der Einladung ist da zu lesen: „Wer nach einem vollen Chritivaltag noch nicht müde geworden ist, stürzt sich ins Nachtprogramm. Ab 21:30 Uhr geht’s los! In Locations in Innenstadt und Messe feiern wir raus, was noch in unseren Knochen steckt“. Geht es hier wirklich um Jüngerschaft, um Selbstverleugnung, so wie es Jesus sagte: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach (Mk 8,34)? Haben derartige Veranstaltungen nicht ebenso wenig mit dem in der Bibel überlieferten Glauben zu tun, wie die Einheitsbestrebungen, bei denen man im Namen einer falschverstanden Toleranz, alles vereinen will, das irgendwie den Anschein von Religiosität hat. Alles wird in einen Topf geworfen: Die katholische Kirche, die getreu dem Motto: „Wir wollen der Himmelskönigin unser Dankopfer darbringen“, an ihrer Marienverehrung festhält. Die liberalen Theologen, die ihren Intellekt und den Zeitgeist über das Wort Gottes stellen. Die Verkündiger des Wohlstandsevangeliums, bei denen das persönliche Wohlbefinden oberstes Gebot ist, und nicht zuletzt die verschiedensten charismatischen Strömungen, die ständig auf der Suche nach neuen übernatürlichen Erfahrungen und Erlebnissen sind. Doch damit ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht, denn nicht nur alle Gruppierungen, die sich als „christlich“ bezeichnen, sollen an einem Strang ziehen, nein auch andere Religionen sollen integriert werden. Ist es bei all diesen Aktivitäten nicht allzu offensichtlich, dass man Beschlüsse verfasst und bestimmte Wege einschlägt und dann allenfalls im Nachhinein in der Schrift nach Argumenten sucht, die diese Entscheidungen rechtfertigen? Sollte sich dabei herausstellen, dass die Schrift etwas Gegenteiliges lehrt, dann ist die Reaktion genau dieselbe, wie bei den unbelehrbaren Israeliten, mit denen wir uns im letzten Kapitel befasst haben. Ihr Widerspruch gegen den Weg Gottes lautete: Den Worten, die du im Namen des HERRN uns sagst, wollen wir nicht gehorchen, sondern wir wollen all die Worte halten, die aus unserm eigenen Munde gekommen sind (Jer 43,16).

Übertragend auf unsere Generation lautet dies beispielweise: „Wir wollen dem Wort Gottes nicht gehorchen, sondern lieber auf die Worte von Marketingexperten und modernen Psychologen hören!“ Bei anderen lautet der Widerspruch: „Wir wollen nicht tun, was die Schrift lehrt, sondern halten uns lieber an unsere kirchlichen Traditionen!“ Und wieder andere sagen: „Wir sind ein eingetragener Verein, wir können nicht auf das Wort Gottes hören, wir müssen tun, was unsere Vereinssatzung sagt!“
Wer diesbezüglich an die neutestamentlichen Anweisungen und Mahnungen erinnert, der wird schnell als gesetzlich abgestempelt. Wen scheren da noch Bibelworte wie: Hab Acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre in diesen Stücken! (1.Tim 4,16).

Unsere Generation braucht offensichtlich keine Lehre, wir wissen ja alle bestens Bescheid und warum sollte man sich noch ein so altes verstaubtes Buch wie die Bibel halten, wenn man so gute Leiter und so tolle Konzepte hat? Außerdem leben wir ja im Zeitalter der Gnade, da ist doch jedem freigestellt, was er macht. Ein Jesus als der HERR, der befiehlt, der passt nicht in unser verklärtest, romantisches Bild. Heute will man einen Jesus, als freundlichen Lebensbegleiter, der sich dezent im Hintergrund hält und nur auf den Plan tritt, wenn wir ihn brauchen. Man will den coolen Party-Jesus, den „Hip hop Jesus“ und den „Heavy metal Jesus“, aber nicht den unbequemen, der davon sprach, dass wir die Kosten der Nachfolge abwägen müssen (vgl. Lk 14,28). Was ein Großteil der modernen Christenheit betreibt, ist nichts anderes als der Tanz um das goldene Kalb. Es ist Gottesdienst zum Selbstzweck, wir lobpreisen weil es uns gut tut und weil es uns Spaß macht. Überhaupt ist der Spaßfaktor das aller Wichtigste, ein Pastor sagte mal in einer Predigt, das Entscheidende für ihn sei, dass es ihm Spaß macht, und so funktioniert für ihn auch die Unterscheidung der Geister. Er sagte: „Wisst ihr wie ihr prüfen könnt, ob der Heilige Geist zu euch redet? – Das ist ganz einfach, wenn euch ein Gedanke in den Sinn kommt der euch gefällt, dann ist er vom Heiligen Geist; wenn euch der Gedanke nicht gefällt, dann kommt er nicht von Gott“.
Irgendetwas müssen wohl die Apostel falsch verstanden haben, denn sie berichten uns: Bis auf diese Stunde leiden wir Hunger und Durst und Blöße und werden geschlagen und haben keine feste Bleibe (1.Kor 4,11). Wo ist hier der Spaßfaktor, warum haben sie so viele Entbehrungen auf sich genommen, anstatt Party zu machen?

Heute ist man ja so tolerant, verständnisvoll und vor allem sehr harmoniebedürftig. Man will keine Glaubengeschwister, die auf Missstände hinweisen, sondern nur solche, die alles gut finden und nur von Liebe und Toleranz reden. Toleranz ist ohnehin das Schlagwort unserer Generation, doch wie tolerant ist denn die Schrift, wenn es um Sünde und Götzendienst geht, und wie tolerant ist Gottes Wort, wenn man das Evangelium auf den Kopf stellt? Galater 1,8-9 lässt keinen Zweifel, dass es hier keine Toleranz gibt, denn da steht geschrieben: Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht. Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn jemand euch ein Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht (Gal 1,8-9). Und was ist diese moderne Religionsvermischung anderes, als ein verfälschtes Evangelium? Sie führt weg von der Schrift, sie führt weg vom Heilsweg Gottes, sie lenkt ab von Jesus, als dem Lamm Gottes, und führt letztlich scharenweise Menschenseelen ins Verderben. Kein Wunder, dass Gott hier keine Toleranz kennt. Bedenken wir auch, dass über Jesus gesagt wird: Du hast geliebt die Gerechtigkeit und gehasst die Ungerechtigkeit; darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl wie keinen deinesgleichen (Hebr 1,9; vgl. Am 5,15).

Heute ist man ja so stolz darauf, dass man sich so gut mit der Welt arrangiert hat. Dass Gottes Wort uns mahnt, dass Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist (Jak 4,4), scheint da keinen mehr zu interessieren. Kommen wir an dieser Stelle noch einmal auf das sichtbare Volk Gottes aus der Zeit des Alten Bundes zurück. Wie wir im Text gesehen haben, wollte Gott, dass sie im Heiligen Land bleiben, sie jedoch hatten Angst vor dem König von Babel und wollten lieber nach Ägypten ziehen. Wenn wir nun zurückdenken, wie Gott Sein Volk zu Zeit Moses aus der Sklaverei Ägyptens befreit hatte, dann erkennen wir wofür Ägypten geistlich steht, es steht geistlich für die Sklaverei der Sünde und die Liebe zur Welt. Dies wird auch unterstrichen durch den Wunsch nach Götzenverehrung und Religionsvermischung.

Genau dahin steuert auch unsere verweltlichte Christenheit, man hat die Welt wieder lieb gewonnen (vgl. 2.Tim 4,10). Man will nichts verpassen, man will zwar die Segnungen Gottes, doch die weltlichen Genüsse will man auch in vollen Zügen auskosten. Letztlich ist ein Großteil der sichtbaren Gemeinde irdisch gesinnt (vgl. Jud 19) und vielen geht es nur noch um Erlebnisse und Erfahrungen. Man hat nicht die Haltung eines Knechtes oder eines Sklaven, der seinem Herrn ergeben ist und den die Frage bewegt, wie er seinem Herrn gefallen kann, sondern ist von einer ganz anderen Motivation angetrieben. Das Motto unserer Tage lautet: „Ich will Spaß, ich will Unterhaltung, ich will Heilung!“ Nicht mehr der HERR ist der Mittelpunkt, sondern der Mensch mit seinen Wünschen und Bedürfnissen. Und weil dem so ist, ist man auch ständig am Tagen und am Beraten, wo man noch mehr Abstriche vom Wort Gottes machen kann. Ständig werden neue Zugeständnisse gemacht, doch man findet kein Ende, weil es ein Fass ohne Boden ist. Man hat die Quelle des Lebens gegen eine Zisterne eingetauscht, die das Wasser nicht halten kann. Man hat das Wort Gottes verworfen und es durch menschliche Konzepte und ausgeklügelte Programme ersetzt.

Die Schrift bezeichnet so etwas als Abfall, wir hingegen nennen es Nachfolge. Doch wem folgen wir nach? Ist es nicht eindeutig, dass es nicht das Wort Gottes, sondern der Entschluss unseres eignen Herzens ist? Wie wahr ist doch was Jeremia 17,1 besagt: Die Sünde Judas ist geschrieben mit eisernem Griffel und mit diamantener Spitze gegraben auf die Tafel ihres Herzens. Doch nicht nur bei ihnen war es so, nein das menschliche Herz ist von Natur aus so beschaffen. Die Sünde ist regelrecht eingraviert ins menschliche Herz. Wir sehen diese Festgefahrenheit besonders im hartnäckigen Beharren auf antichristlichen Lehren innerhalb unserer prunkvollen Kirchen. Doch als ob ihr geistlicher Niedergang nicht schon schlimm genug wäre, setzen sie alles daran, auch treue Gotteskinder zu vereinnahmen, um sie vom Weg des Glaubens abzudrängen (vgl. Ps 40,5).

Es gibt hierzu ganz krasse Beispiele, mit denen man Seiten füllen könnte, und über die viele Bücher geschrieben wurden, ich möchte daher an dieser Stelle nur wenige Punkte herausgreifen, um zu verdeutlichen, wie weit der Abfall im Christentum schon vorangeschritten ist. Da gibt es beispielsweise namhafte Theologen, bis hin zum Papst, die behaupten, alle Menschen seien Kinder Gottes, obwohl die Schrift lehrt: Wie viele ihn (Jesus) aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben (Joh 1,12). Oder wie es an anderer Stelle gesagt wird: Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus (Gal 3,26).

Die Bibel lehrt auch unzweideutig, dass nur den Kindern Gottes das Versprechen gilt, dass sie das Reich Gottes erben werden (vgl. Röm 8,17).
Doch diese biblische Lehre wird völlig ignoriert. Es wird allen der Himmel versprochen, obwohl die Schrift sagt, dass nur die Gläubigen gerettet werden. Ebenso leugnet man auch den Schöpfungsbericht, die Jungfrauengeburt und die Auferstehung und trotzdem bestehen solche Leute darauf, Christen zu sein. Doch damit nicht genug, wer in seiner Sünde verharrt und nicht bereit ist Gottes Wort als Autorität über seinem Leben anzuerkennen, dem sichert man dennoch Gottes Segen zu. So haben dann solche Geistliche auch kein Problem, Homosexuelle zu trauen, obwohl Gottes Wort diese Lebensform als Sünde bezeichnet. Und diese Menschen wiederum pochen auf den christlichen Segen. Sie bestehen darauf, als Christ anerkannt zu werden, obwohl sie nicht bereit sind, sich Christus zu unterstellen. Zweifellos ist Christus auch für Homosexuelle, für Unzüchtige und für Prostituierte gestorben, auch sie können durch Sein Blut gerettet werden und die Wahrscheinlichkeit dafür ist sogar größer, als dass ein Pharisäer zum Glauben kommt (vgl. Mt 21,31), doch die Voraussetzung dafür ist Umkehr und Buße (vgl. 1.Kor 6,9-11; Joh 8,11). Wer hingegen an diesem Lebensstil festhält und trotzdem darauf beharrt, er sei Christ, der gleicht einem Menschen, der zwar nicht bereit ist auf den Verzehr von Fleisch zu verzichten, aber dennoch darauf besteht Vegetarier zu sein. Wer Fleisch ist, kann sich weder zu Recht als Vegetarier, noch als Veganer bezeichnen, und wer nicht bereit ist, Jesus als seinen HERRN anzunehmen, hat nicht das Recht, sich als Kind Gottes zu bezeichnen. John MacArthur bringt dies durch folgende Formulierung sehr gut auf den Punkt: Wer behauptet, zu Christus zu gehören, aber weiter im Ungehorsam lebt, zeigt damit, dass sein Bekenntnis falsch ist.13

Nachdem es bislang überwiegend um den Extremfall ging, gehen wir nun noch einen Schritt weiter und beschäftigen uns mit jenem Teil der großen Christenheit, der sich als „bibeltreu“ bezeichnet. Es gibt ja sehr viele Gemeinden, Bibelschulen und viele Pastoren und Älteste, die sich das auf die Fahne geschrieben haben. Die Frage jedoch ist, wie sieht diese bibeltreue in der Praxis aus? Ist es nicht vielfach so, dass bibeltreue nach dem modernen Verständnis bedeutet, nach außen zu bekunden, auf Gottes Wort hören zu wollen, doch in Wahrheit sieht es dann so aus, dass man den Ungehorsam nur fromm verpackt, indem man die Bibelstellen, die einem nicht so zusagen, einfach dadurch entkräftet, dass man hier von einer Interpretation des Schreibers spricht? Mit anderen Worten, „ob es sich hier wirklich um ein göttliches Gericht handelt, können wir nicht sagen, dies ist nur die Interpretation von Johannes“, oder der Klassiker: „Dies war nur die persönliche Meinung des Apostel Paulus“.
So kann man sich und anderen dann einreden, bibeltreu zu sein, doch in Wahrheit kommt es auf dasselbe raus, als wenn man sagt: Den Worten, die du im Namen des HERRN uns sagst, wollen wir nicht gehorchen, sondern wir wollen all die Worte halten, die aus unserm eigenen Munde gekommen sind.

Leider leben viele mit dieser Einstellung und halten sich dennoch für gläubig, ganz genauso wie sich die abtrünnigen Israeliten als Gottes Volk sahen, doch bedenken wir was Römer 9,6 sagt: Nicht alle, die aus Israel sind, die sind Israeliten. Ebenso gilt: Nicht alle, die zur sichtbaren Gemeinde gehören, sind Christen (vgl. Mt 13,47-50). Wir müssen uns bewusst sein, die Schreiber der Bibel haben uns nicht Menschenwort, sondern Gottes Wort überliefert. Wenn es wirklich unser Wunsch ist, dass der HERR durch Sein Wort zu uns redet, haben wir ein sehr gutes Motiv, doch wir müssen lernen ein gesundes Misstrauen gegen uns selbst zu entwickeln. Wir machen so schnell einen Haken hinter unserer vermeintlichen Bibeltreue, doch oftmals sind wir schon so festgefahren in unserer eigenen Meinung, dass wir nicht bereit sind, uns durch Gottes Wort korrigieren zu lassen. Natürlich muss klar sein, jeder Christ macht noch Fehler, niemand ist vollkommen, wir alle leben aus der Gnade, doch gerade unsere Generation tendiert immer mehr dazu, die Gnade als Deckmantel für Treulosigkeit zu missbrauchen, so als wären wir frei alles tun, weil ja Gott ohnehin so gnädig sei (vgl. 1.Petr 2,16). Wer die biblischen Mahnungen in den Wind schlägt und alles ganz locker und unverbindlich sieht, muss sich fragen, ob wirklich der Geist Gottes in ihm wohnt. Eine Auswirkung des Heiligen Geistes im Leben des Gläubigen ist es, dass er beginnt die Dinge zu lieben, die Gott liebt, und die Dinge zu hassen, die Gott hasst. Natürlich ist dies ein Wachstumsprozess, aber wenn diese Tendenz im eigenen Leben nicht vorhanden ist, dann ist etwas faul. Wachstum hat mehrere Voraussetzung, aber die Grundvoraussetzung ist so banal es klingen mag, Leben. Darum sagte Jesus zu Nikodemus, dass er von oben geboren werden müsse, um ins Reich Gottes eingehen zu können. Nur Gott kann uns diese geistliche Geburt schenken, aber da wo dies geschieht, da bleibt es nicht ohne Folgen, sondern hat Auswirkungen auf unser Leben.

Wir sind heilsgeschichtlich sehr weit vorangeschritten. Gottes Geist hat durch die Schrift ausdrücklich bezeugt, dass in späteren Zeiten manche vom Glauben abfallen werden, indem sie auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen achten (1.Tim 4,1). Diese spirituelle Welle hat mittlerweile die meisten Gemeinden durchwandert und nun könnte man natürlich sagen: „Ok, wir leben in der Zeit des großen Abfalls, das müssen wir einfach so hinnehmen und den Dingen ihren Lauf lassen!“. Nun, wir können es tatsächlich nicht verhindern, denn Jesus sagte weder, es kann so kommen, noch, es wird so kommen, sondern, dass es so geschehen muss (Mt 24,6; Offb 1,1: 4,1: 22,6).

Es gibt zwei Möglichkeiten darauf zu reagieren, entweder wir sagen uns tatsächlich, nun gut wir leben eben in dieser Phase des Abfalls, also lassen wir einfach allen Dingen ihren Lauf, es muss ja ohnehin so kommen, und beschränken uns einfach drauf, selbst an Ziel zu kommen. Darauf zu achten ans Ziel zu kommen, ist sicher richtig, die Schrift sagt sehr wohl: So habt nun Acht auf euch selbst“, doch bedenken wir, das ist nur der halbe Bibelvers, die vollständige Aufforderung lautet: So habt nun Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde (Apg 20,28). Wer den HERRN liebt, liebt auch die Gemeinde und daher sollte uns der Zustand der Gemeinde nicht egal sein (vgl. 1.Joh 4,20; Amos 6,6).

Vielleicht denkt manch einer beim Lesen dieser Zeilen, dass ich mich über andere erheben wollte, mich für besser halten würde, aber das ist gewiss nicht der Fall, ich möchte lediglich anhand der Schrift aufzeigen, dass viele auf Abwege geraten sind, ohne sich dessen bewusst zu sein. Dabei geht es um Abwege die ich selbst hinter mir habe, und es ist tatsächlich so, manchmal muss uns jemand auch eine unbequeme Wahrheit weitergeben, damit wir unseren falschen Kurs ändern, und genau darum soll es gehen. Denken wir hier zum Beispiel an den Propheten Nathan, der zu David sagte: „Du bist der Mann!“ (2.Sam 12,7).

Ich kann diese Zeilen nur schreiben, weil ich vom Dienst einiger treuer Gottesdiener profitiert habe. Wer mehr dazu erfahren will, der kann dies gerne beim Thema „Mein bisheriger Glaubensweg“ nachlesen. Alles was ich kritisch anspreche, habe ich selbst durchlebt und mitgemacht, es geht mir nicht darum, mit Steinen auf andere zu werfen, sondern nur um das Aufzeigen von Missständen, mit dem Ziel, dass etliche ihren Glaubensweg wieder neu überdenken und von ganzem Herzen zum HERRN umkehren. Wer treu in der Nachfolge ist, muss sich hier nicht angesprochen fühlen. Hier möchte ich niemand entmutigen, sondern im Gegenteil, ich hoffe dass solche Glaubensgeschwister durch meine Beträge Bestätigung finden. Denn das ist auch wichtig, dass treue Gotteskinder, die oft viele Widerstände überwinden müssen, auf ihrem Weg bestätigt werden. Letztlich ist es natürlich der Geist Gottes, der unserem Geist Zeugnis gibt, dass wir Kinder Gottes sind (vgl. Röm 8,16), doch das Mittel, das ER dafür verwendet, ist in erster Linie das geschriebene Wort Gottes. Der Geist Gottes macht es in unseren Herzen lebendig. Doch dies soll nicht bedeuten, dass wir die Bestätigung der Gotteskindschaft vorrangig durch Gefühlsausbrüche bekommen, sondern durch die Feststellung, dass unser Weg mit dem in der Schrift überlieferten Glauben übereinstimmt. Manche blenden das aus, sie verlassen sich auf Eindrücke, Gefühle und Visionen und auch diesen Weg bin ich einst gegangen, doch durch Gottes Gnade durfte ich erkennen, dass der mystische Weg, ein Irrweg ist. Daher möchte ich an dieser Stelle warnen, dass der charismatische Weg aufs Glatteis führt. Natürlich kann Glatteis ein fester Grund sein, doch es kann einem auf Dauer keinen sicheren Halt geben. Davon abgesehen, besteht das Hauptproblem dieser Bewegung darin, dass der Geist dieser Bewegung nicht ins Wort hinein, sondern vom Wort weg führt. Doch je weiter der Weg vom Wort weg führt, hin zu Erfahrungen und Erlebnissen, je dünner wird das Eis, auf dem man sich bewegt. Ich selbst bin darin völlig eingebrochen und habe einen völligen Zerrbruch erlebt, doch im Nachhinein kann ich zur Ehre Gottes sagen, dass mir bitteres Leid zum Heil wurde (vgl. Jes 38,17). Oder wie es der Psalmschreiber sagt: Bevor ich gedemütigt wurde, irrte ich. Jetzt aber halte ich dein Wort (Ps 119,67).

Damit kommen wir wieder zurück zum Ausgangsthema, zum Umgang mit dem Wort und zum Thema „Bibeltreue“. Da man in unserer Zeit nichts mehr als selbstverständlich voraussetzen kann, reicht es nicht nur, zu bekunden, dass man bibeltreu sei. Denn leider entspricht diese vermeintliche Bibeltreue, oft dem Verhalten der Israeliten, mit denen wir uns im letzten Kapitel auseinander gesetzt haben, auch sie hatten bekundet, dem Wort des HERRN gehorchen zu wollen, doch letzten Endes sind sie doch ihren eigenen Weg gegangen. Wenn ich jetzt mal von mir selbst ausgehe, habe ich mich seit meiner Bekehrung im Jahr 1989 für bibeltreu gehalten, doch es gab Phasen in meinem Leben, da habe ich die Texte nicht im Zusammenhang gelesen, sondern einfach willkürlich die Bibel aufgeschlagen und mir einen Satz ausgesucht. Das war dann für mich das Wort Gottes, das direkt in meine Situation sprach, falls mein Finger jedoch an einer Stelle gelandet war, die nicht so gut gepasst hat oder die mir vielleicht gar nicht gefiel, habe ich den Vorgang eben wiederholt. So kann man natürlich auch an die Schrift herangehen und sich einreden man sei bibeltreu.

Eine andere Art von Bibeltreue sieht so aus, dass man in Hauskreisen so lange über eine Stelle diskutiert, bis man entweder Einigkeit hat, was der Text zusagen hat, oder man eben am Ende auseinandergeht nach dem Motto, nun ja, für dich bedeutet der Text eben dieses und für mich eben jenes. Gerade in unserer postmodernen Zeit, in der man nicht wahrhaben will, dass es eine verbindliche Wahrheit gibt, neigt man dazu, alles zu relativieren oder zur Ansichtssache zu erklären. Daher ist die Vorstellung, dass die biblische Botschaft von jeden Menschen individuell interpretiert werden kann, heute sehr weit verbreitet. Man behandelt Gottes Wort, wie das Werk eines abstrakten Künstlers, der ein undefinierbares Etwas gezeichnet hat und nun alle Welt rätseln lässt, was er wohl damit ausdrücken wollte. Dem einen sagt ein bestimmter Bibelvers dies, dem anderen das und dem dritten eben jenes, und sollten sich die Ansichten auch völlig widersprechen, hat Gott doch zu jedem durch den Text geredet. Das Problem ist, dass wir mit der falschen Haltung an das Wort herangehen, anstatt zu fragen, was will der Schreiber wirklich sagen, wie steht der Text im Zusammenhang mit dem Bibelabschnitt und dem Gesamtkontext, fragen wir lieber: „Was kann ich da für mich persönlich herausziehen?“

Mir ist bewusst, dass diese Ansicht im heutigen Christentum sehr populär ist, doch die Frage ist, darf man wirklich so mit Gottes Wort umgehen? Hat Gott uns Sein Wort gegeben, damit jeder raus lesen kann, was ihm gefällt, können wir es uns so hinbiegen, wie es für uns persönlich passt? Haben wir wirklich das Recht Gottes Wort nach Belieben zu interpretieren?
John MacArthur gibt dazu eine sehr treffliche Antwort, indem er sagt: Die Botschaft der Bibel ist nicht formbar. Sie ist nicht für jeden Menschen individuell anders. Sie wird nicht durch persönliche Erfahrungen oder Meinungen bestimmt… Wir können nicht den Worten irgendeine beliebige Bedeutung verpassen, so dass dadurch unsere eigene Hineinlegung zum Wort Gottes wird. Nur die wahre Auslegung des Textes ist das authentische Wort Gottes. Jede andere Auslegung ist einfach etwas anderes als das, was Gott sagt… Wir müssen bedenken: Gottes Wort ist die objektive, offenbarte Wahrheit, und deshalb hat es eine vernünftige Bedeutung. Allein diese Bedeutung ist die Wahrheit. Die Bibel richtig zu verstehen, ist von höchster Wichtigkeit. Deshalb ist es so entscheidend, dass wir die Bibel sorgfältig auslegen, um sie richtig zu verstehen.14

Wir dürfen Gottes Wort nicht mit der Brille einer vorgefassten Meinung lesen, sondern müssen es so betrachten und verstehen, wie es sich selbst in seiner Gesamtheit präsentiert. Dazu müssen wir die biblischen Bücher komplett lesen, ehe wir aus Einzelversen voreilige Schlüsse ziehen. Wichtig ist auch, dass wir uns darüber im Klaren werden, aus welchem Grund der Text verfasst wurde. Oft finden wir dazu einen ganz konkreten Hinweis. Dazu ein paar kurze Beispiele: Johannes schreibt am Ende seines Evangeliums: Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen (Joh 20,30-31).

Paulus erklärt am Ende des Römerbriefes: Ich weiß aber selbst sehr wohl von euch, liebe Brüder, dass auch ihr selber voll Güte seid, erfüllt mit aller Erkenntnis, sodass ihr euch untereinander ermahnen könnt. Ich habe es aber dennoch gewagt und euch manches geschrieben, um euch zu erinnern kraft der Gnade, die mir von Gott gegeben ist, damit ich ein Diener Christi Jesu unter den Heiden sei, um das Evangelium Gottes priesterlich auszurichten, damit die Heiden ein Opfer werden, das Gott wohlgefällig ist, geheiligt durch den Heiligen Geist (Röm 15,14-16). Im Hebräerbrief lesen wir: Und ihr, die ihr längst Lehrer sein solltet, habt es wieder nötig, dass man euch die Anfangsgründe der göttlichen Worte lehre und dass man euch Milch gebe und nicht feste Speise.…  Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, nehmt dies Wort der Ermahnung an; ich habe euch ja nur kurz geschrieben (Hebr 4,12: 13,22). Und Judas schreibt: Ihr Lieben, nachdem ich ernstlich vorhatte, euch zu schreiben von unser aller Heil, hielt ich's für nötig, euch in meinem Brief zu ermahnen, dass ihr für den Glauben kämpft, der ein für alle Mal den Heiligen überliefert ist (Jud 3).

Solche Hinweise müssen wir beachten, um der Argumentation eines Schreibers folgen zu können. Darum dürfen wir bestimmte Aussagen eines Briefes auch nicht jede beliebige Richtung deuten, sondern müssen sie uns uns fragen: in welche Richtung er argumentiert. Verteidigt er das Evangelium gerade gegen eine Irrlehre? Will er andere geistliche Missstände korrigieren? Was ist letztlich das Ausgangsthema seiner Argumentation. Wir müssen dies beachten, weil ansonsten die Gefahr besteht, dass wir eine Aussage in jede beliebige Richtung deuten und darin das Wort Gottes sehen wollen. Bedenken wir hierbei was Petrus diesbezüglich über die Missdeutungen der Paulusbriefe schreibt, wenn er sagt: Davon redet er (Paulus) in allen Briefen, in denen einige Dinge schwer zu verstehen sind, welche die Unwissenden und Leichtfertigen verdrehen, wie auch die andern Schriften, zu ihrer eigenen Verdammnis (2.Petr 3,16).

Doch achten wir auch darauf, was uns über diese Menschen gesagt wird. Petrus beschreibt sie nicht nur als unwissend, sondern auch als leichtfertig, doch er kommt nicht zu dem Schluss, dass man hier eben tolerant sein müsse, weil es ja immer im Ermessen jedes Einzelnen liegen würde, wie er das Wort Gottes interpretieren möchte, sondern er schreibt, dass sie dieses zu ihrer eigenen Verdammnis tun. Hier sehen wir, dass die oberflächliche, laxe Haltung mir der man in unserer postmodernen Zeit an die Bibel herangeht, keineswegs ohne Belang ist. Natürlich will ich damit nicht behaupten, dass es bei bestimmten Lehrfragen nicht auch unterschiedliche Auslegungen geben kann, doch worum es mir geht, ist die Tatsache, dass der Kern des Evangeliums so unmissverständlich klar in der Schrift offenbart ist, dass sich am Ende niemand herausreden kann, ihm sei nicht klar gewesen, dass nur in dem Namen Jesus das Heil zu finden ist. So muss man unterscheiden zwischen gravierenden Abweichungen und solchen, die vielleicht nicht gleich zum Abfall führen, aber zu unnötigen Missverständnissen, die zur Folge haben können, dass der Glaube unnötig in Verruf gerät. 

Um nur ein Beispiel einer häufig auftauchenden Fehldeutung zu nennen, möchte ich kurz auf eine Aussage eingehen, die im 1.Timotheusbrief zu finden ist. Hier schreibt der Apostel Paulus seinem Schüler Timotheus: Denn die leibliche Übung ist zu wenigem nütze, die Gottseligkeit aber ist zu allen Dingen nütze, weil sie die Verheißung des Lebens hat, des jetzigen und des zukünftigen (1.Tim 4,8).

Oft wird dieser Vers herangezogen und zu argumentieren, dass Christen keinen Sport treiben sollen. Wenn man diesen Vers isoliert betrachtet, ist dies durchaus nachvollziehbar, sieht man jedoch den Zusammenhang und überlegt, wozu Paulus dieses Argument einsetzt, dann wird deutlich, dass es hier nicht um sportliche Übungen geht. Vielmehr setzt Paulus diesen Vers gegen Irrlehrer ein, die ganz besonders fromm und heilig sein wollten. Kapitel 4 beginnt nämlich mit der bereits zitierten Aussage: Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten manche vom Glauben abfallen werden, indem sie auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen achten, durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind, die verbieten, zu heiraten, und gebieten, sich von Speisen zu enthalten, die Gott geschaffen hat zur Annahme mit Danksagung für die, welche glauben und die Wahrheit erkennen.
Das sind die leiblichen Übungen durch die sich diese Menschen als besonders heilig hervorheben wollten. Dazu zählt auch ein sich selbstkasteiendes Mönchstum.

Entscheidend ist also, dass wir uns bewusst machen, nicht unsere Interpretation ist Gottes Wort, sondern der wahre Sinn, der hinter einem Text steht. Es gibt wie gesagt sicher Themen, bei denen man geteilter Meinung sein kann, wie beispielsweise der Zeitpunkt der Entrückung. Wenn hier kein einheitliches Schriftverständnis zustande kommt, liegt es meines Erachtens daran, dass niemand den genauen Zeitpunkt kennt. Und dafür gibt es einen guten Grund, denn der Punkt ist, dass wir jeden Tag damit rechnen sollten. Dies machen die Worte: Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr's nicht meint (Mt 24,44) deutlich. Ich kenne die unterschiedlichen Standpunkte, bei denen die einen der Meinung sind, die Entrückung sei vor der großen Trübsal, die anderen die Auffassung vertreten der Zeitpunkt sei die Mitte der großen Trübsal und dritte Gruppe der Überzeugung ist, es sei am Ende der großen Trübsal, doch wenn hier so viele unterschiedliche Standpunkte vertreten werden, und jede dieser drei Gruppen in der Lage ist, etliche Bibelstellen für ihre Auslegung heranzuziehen, ist dies für mich kein Punkt, der heilsentscheidend ist.

Es ist kein Punkt, an dem man sagen kann, wer jene Position vertritt, kann kein wiedergeborener Christ sein. Entscheidend ist hier nur, dass der HERR uns wachend vorfindet. Und wachend bedeutet nicht, dass wir uns hinter Klostermauern zurückziehen sollen, sondern, dass wir dem HERRN treu dienen sollen, bis ER wieder kommt. Denn ER selbst war es, der sagte: Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr über seine Leute gesetzt hat, damit er ihnen zur rechten Zeit zu essen gebe?  Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, das tun sieht (Mt 24,45-46).

Doch wie gesagt, man muss unterscheiden zwischen den Hauptthemen, die die Kernbotschaft des Evangeliums ausmachen, dazu gehört beispielsweise, die Lehre, dass alle Menschen unter die Sünde versklavt sind, und dass nur Jesus, der Sohn Gottes die Macht hat, einen Menschen aus dieser hoffnungslosen Lage zu befreien. Diese Lehre besagt auch, dass die Errettung allein aus Gnade geschieht, gute Werke sind nicht die Ursache der Errettung, sondern nur die Auswirkung davon. Die Schrift ist diesbezüglich sehr klar und lässt keine Mehrfachdeutungen zu. Hier darf man auch nicht „toleranter“ sein, als die Schrift. Wenn die Schrift sagt, verflucht sei wer ein anderes Evangelium verkündet, kann man als Christ nicht sagen, es sei zweitrangig, ob das in der Schrift überlieferte Evangelium oder ein anderes verkündigt wird. Viele nennen sich Christen und doch meinen sie, man müsse dies nicht so eng sehen. Doch wer gibt ihnen das Recht, die enge Pforte breiter zu machen? Wenn sie nicht bereit sind, auf Jesus zu hören, warum geben sie dann vor, Seine Nachfolger zu sein? Um von ihrem Selbstbetrug befreit zu werden, sollten sich solche Leute fragen, welche Autorität Jesus über ihrem Leben hat, wenn sie Sein Wort nicht ernst nehmen?

Damit kommen wir wieder zurück zu Ausgangspunkt und der Frage, wie sieht es mit unserer Bibeltreue aus? Wir haben bezüglich des Evangeliums eine klare Botschaft, ebenso sind auch die neutestamentlichen Anweisungen an die Gläubigen klar und verständlich. Und dass Jesus erwartet, dass diese gelehrt und gelebt werden, geht unzweideutig aus dem Missionsbefehl hervor, indem ER Seinen Jüngern gebot: So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe (Mt 28,19-20).

Man hat sich sehr stark auf den Taufbefehl konzentriert, doch die Wasserbesprengung von Säuglingen, macht niemanden zu einem Jünger. Auch die Erwachsenentaufe kann kein Ersatz für Jüngerschaft sein, entscheidend ist, wie auch an anderer Stelle deutlich wird, der Glaube (vgl. Mk 16,16). Doch dieser Glaube beinhaltet mehr als nur zu sagen „ich glaube schon“, er beinhaltet Nachfolge, er beinhaltet Jüngerschaft und wie gesehen, bedeutet dies nicht weniger, als das zu halten, was Jesus befohlen hat. Wir neigen dazu, in den biblischen Anweisungen nett gemeinte Ratschläge zu sehen, doch Jesus ist der HERR, wenn wir wirklich zu Seinen teuer erkauften Schafen gehören, dann müssen wir uns auch darüber im Klaren sein, dass wir uns nicht mehr selbst gehören, sondern Ihm. Wir sind durch Sein Blut erkauft, wir sind Sein Eigentum, daher hat ER auch das Recht, uns zu befehlen, alles zu halten, was ER uns geboten hat. Wenn da das Wort „alles „ steht wird auch deutlich, dass wir uns nicht aussuchen können, was uns zusagt, und anderes einfach unter den Tisch fallen lassen können. Ebenso sollte uns auch wieder neu bewusst werden, der christliche Glaube dreht sich nicht um uns, sondern um Jesus. Heute wird das Evangelium vielfach so präsentiert, als ginge es um unsere Selbstverwirklichung, so ganz nach dem amerikanischen Motto, „lebe deinen Traum“. Doch das ist ein großer Irrtum, der Weg der Nachfolge ist nicht der Weg der Selbstbestimmung, sondern der Weg der Selbstverleugnung.
Doch all das sollte uns nicht zur Verzweiflung oder Resignation treiben, denn das Gute ist, wir müssen diesen Weg der Nachfolge nicht alleine gehen, sondern haben Sein Versprechen: Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen (Hebr 13,5).

Und weil wir diese feste Zusage haben, dürfen wir auch getrost in die Zukunft sehen. Natürlich kann man sagen, alles zu halten ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn wir auf uns blicken ist diese Feststellung durchaus berechtigt, doch sollten wir dies tun, haben wir ganz einfach die falsche Blickrichtung; wir dürfen nicht auf uns blicken, wir müssen auf Ihn blicken. Überall da wo wir versagen oder versagt haben, dürfen wir Ihm dies im Gebet bekennen und wissen, dass ER treu und gerecht ist und uns gerne vergibt (vgl. 1.Joh 1,9). Wenn wir es dann noch zu unserem Gebetsanliegen machen, dass der HERR uns täglich Kraft zum Überwinden schenkt, ja wenn wir IHN um ein gehorsames Herz und einen willigen Geist bitten, dann ist dies gewiss eine Bitte in Seinem Sinn, und somit gilt uns die Verheißung: Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn (Joh 14,13).

Zum Abschluss noch ein paar ganz einfache Fragen, die ich mir natürlich zuerst selbst stellen muss, aber die auch jeder Leser auf sich anwenden sollte: Wozu studiere ich Gottes Wort, will ich mir Wissen anhäufen, um andere zu beeindrucken? Suche ich nur nach Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin, oder ist mir wirklich daran gelegen, den Weg Gottes für mein Leben zu erfahren? Suche ich nur nach Segensworten, oder bin ich auch bereit Mahnungen und Korrektur anzunehmen? Wie treffe ich die wichtigen Entscheidungen in meinem Leben? Ist Gottes Wort hier wirklich der Maßstab für mein Leben, oder halte ich mich nur daran, wenn es zufällig mit meinen Plänen übereinstimmt? Wie verbringe ich meine Freizeit? Was für Filme schaue ich mir an? Mit wem verbringe ich meine Freizeit? Beachte ich biblische Mahnungen wie: Irrt euch nicht: Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten (1.Kor 15,33)? Mit was fülle ich meine Zeit aus? Kaufe ich sie wirklich aus, so wie es im Epheserbrief gesagt wird: So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist (Eph 5,15-17)?

Auch wenn ich noch etliches zu diesen Fragen hinzufügen könnte, würde ich es wohl kaum besser auf den Punkt bringen, als mit dem folgenden Appell von Spurgeon: Wir müssen das Böse hassen und uns ein für alle mal von der Sünde lossagen. Wir können nicht gegen den König rebellieren und doch in seiner Nähe bleiben wollen. Wir müssen nicht nur sündige Gewohnheiten aufgeben, sondern fortan auch alle Orte, Gefährten, Beschäftigungen und Bücher meiden, die uns irreführen können. 15

Damit möchte zum Ende kommen und mit einem Gebet schließen, zu dem ich jeden Leser einladen möchte, es auch zu seinem Gebet zu machen: HERR, bitte gib mir Ohren wie ein Jünger hat, Ohren die bereit sind, DEIN Wort zu hören, und gib mir ein Herz, das bereit ist, DEINEN Willen zu tun. Lass mich bitte allezeit einen Hunger nach DEINEM Wort haben und gieße aus über mich, den Geist des Flehens und Gebets. Bitte lehre mich beten und lasse mich DEINEN Willen mehr und mehr erkennen, damit ich in DEINER Kraft ein Leben führen kann, das des Evangeliums würdig ist. Alles was DIR missfällt, nimm DU hinweg und lass mich nicht abirren vom Weg der Gnade. DIR allein sei über allem die Ehre, das Lob und der Dank. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen 

 

 

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