und

6. Die zuverlässige Grundlage des Glaubens

30.07.2017

 

Denn wir sind nicht klug ersonnenen Legenden gefolgt, als wir euch die Macht und Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus wissen ließen, sondern wir sind Augenzeugen seiner herrlichen Majestät gewesen. Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit, als eine Stimme von der hocherhabenen Herrlichkeit an ihn erging: »Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!« Und diese Stimme hörten wir vom Himmel her ergehen, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren. Und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu achten als auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, dass keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet (2.Petr 1,16-21).

 

Wie dieser Textabschnitt zeigt, war es Petrus wichtig, den Gläubigen deutlich vor Augen zu stellen, worauf ihr Glaube gegründet war. Es war ihm zwar bewusst, dass er sich dabei wiederholen würde, dennoch hielt er es für angebracht, es erneut hervorzuheben, um sicher zu gehen, dass die Adressaten seines Briefes auch nach seinem Abscheiden, diese wesentliche Grundwahrheit im Gedächtnis behielten (vgl. 2.Petr 1,13-15). Hier sehen wir das Hirtenherz des Apostels, der dafür Sorge trug, dass auch die Generation nach ihm, im Glauben fest auf die Grundwahrheit des Evangeliums gegründet war. Um dieses Vertrauen zu festigen und zu stärken, versichert er den Empfängern des Briefes, dass es sich bei dem Evangelium, das er und die anderen Apostel lehrten, nicht um Fantasiegeschichten, sondern um Augenzeugenberichte handelte. Genau wie die anderen Apostel, legte er sehr viel Wert auf die Betonung der Glaubhaftigkeit des apostolischen Zeugnisses. Die Gläubigen sollten wissen, dass der Bericht, den die Apostel über das Leben von Jesus Christus weitergaben, dem entsprach, was diese mit ihren eigenen Augen gesehen, und mit ihren eigenen Ohren gehört hatten. Drei von ihnen, nämlich Petrus, Johannes und Jakobus hatten sogar das große Vorrecht, einen Vorgeschmack auf die Herrlichkeit Jesu zu bekommen. Es ist dieses Ereignis, von dem Petrus schreibt: Wir sind Augenzeugen seiner herrlichen Majestät gewesen. Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit, als eine Stimme von der hocherhabenen Herrlichkeit an ihn erging: »Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!« Und diese Stimme hörten wir vom Himmel her ergehen, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren.

Der Grund warum Petrus dieses besondere Ereignis, nämlich die Verklärung Jesu, hier anführt, ist eine Art Beweisführung. Doch was will er klarstellen? Nun, sein Hauptthema ist die Hoffnung auf die Wiederkunft des HERRN in Macht und Herrlichkeit. Die Empfänger seines Briefes hatten um ihres Glaubens willen sehr viel zu erdulden, so richtete er ihren Blick auf die Wiederkunft des HERRN. Petrus war es wichtig, ihnen deutlich zu machen, dass dies eine zuverlässige Prophetie war. Um dies zu bekräftigen, führte er verschiedene Argumente an, sein erstes ist sein Erlebnis auf dem heiligen Berg. Er erwähnt dies um die Gewissheit des apostolischen Zeugnisses zu unterstreichen. Im Prinzip verbindet er damit die alttestamentlichen Prophetien mit den neutestamentlichen um die Unumstößlichkeit des prophetischen Wortes hervorzuheben. Was diese Erfahrung mit der Wiederkunft des HERRN zu tun hat, wird deutlich, wenn wir beachten, dass Jesus Seinen Jüngern unmittelbar vor diesem Ereignis folgendes angekündigt hat: Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn kommen sehen in seinem Reich (Mt 16,28).

Jesus hat hier Seine Verklärung angekündigt, die eine Vorausschau Seines Kommens in »Macht und Herrlichkeit«, war. Dass dem so ist, geht aus dem Bericht des Matthäus Evangeliums hervor, wo zu sehen ist, dass Petrus, Jakobus und Johannes den Herrn Jesus in derselben Herrlichkeit sahen, die IHN umstrahlen wird, wenn ER wiederkehrt um diese Erde 1000 Jahre zu regieren. Genau wie es Jesus angekündigt hatte, sahen diese drei Jünger die Herrlichkeit Seines kommenden Reiches. Was Petrus und die beiden anderen Jünger dabei erlebten, war wirklich gewaltig. Matthäus berichtet: Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm (Mt 17,2-3). Petrus war so überwältigt, dass er zu Jesus sagte: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine (V 4). Worauf eine Wolke kam, und sie überschattete, und aus dieser Wolke erging die Stimme, auf die Petrus in seinem Brief zu sprechen kam. Es war die Stimme Gottes, der sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! (V 5). Genauso wie bei der Taufe Jesu, hat Gott auch an dieser Stelle bestätigt, dass Jesus wahrhaftig Sein Sohn ist und ebenso erneut bezeugt, dass Sein Wohlgefallen auf IHM ruhte (vgl. Mt 3,17). Petrus hat die Verklärung Jesu bewusst erwähnt, um den Empfängern des Briefes zu eindrücklich zu verdeutlichen, dass sich das apostolische Zeugnis nicht auf Fabeln oder Märchen gegründete, sondern dass es von zuverlässigen Zeugen überliefert wurde. In diesem Fall waren es drei Zeugen, die es bestätigen konnten. Gerade weil er dies in den Gegensatz von Mythen und Märchen stellt, sehen wir, wie wenig die moderne Bibelkritik mit wahrem Glauben zu tun hat. Völlig zurecht entlarvt Rolf Wiesenhütter diese modern getarnte Irrlehre, indem er festhält: Die sogenannte Aufklärung hat definitiv nicht die Wahrheitsfrage gestellt, sondern haarsträubende Denkverbote, maßlose Ignoranz und philosophischen Unsinn hervorgebracht, der ansonsten allenfalls den Märchenerzählern vorbehalten ist. Wahrheit ist relativ geworden, und endgültige Wahrheit gäbe es nicht. So hat man aus menschlichem Sinn, Unsinn und Starrsinn das Evangelium rhetorisch verfälscht und ist auch noch stolz darauf. 1

Ungeachtet dessen, was Petrus hier vermittelt, wird durch die Bibelkritik alles zerpflückt, zerlegt und so lange umgedeutet, bis es nach jedermann Geschmack ist. Der Gipfel dieser unverfrorenen Vermessenheit ist die Begründung, dass dies notwendig sei, damit die wesentlichen Wahrheiten des christlichen Glaubens erhalten blieben. Bei all diesem Treiben, ist man sogar regelrecht mit Stolz erfüllt, das Evangelium so darzustellen, dass es nicht im Widerspruch zur Evolutionstheorie stehen müsse und auch sonst alles im Bereich des menschlich Erklärbaren sei. Petrus hingegen war es wichtig, solchen Fehldeutungen vorzugreifen, indem er die Zuverlässigkeit der prophetischen Worte der Heiligen Schrift bestätigt hat. Zum einen argumentiert er, dass das apostolische Zeugnis ein Augenzeugenbericht ist. Die Apostel hatten sich weder die Evangelien noch die Lehrbriefe selbst ausgedacht, es waren keine menschlichen Überlegungen. Petrus stellt dies deutlich heraus, indem er schreibt: Denn wir sind nicht klug ersonnenen Legenden gefolgt, als wir euch die Macht und Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus wissen ließen, sondern wir sind Augenzeugen seiner herrlichen Majestät gewesen.

Im Gegensatz zu selbsterdachten Mythen, konnten Petrus und die anderen Jünger, die leibliche Gegenwart des Sohnes Gottes bezeugen. „Wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater! (Joh 1,14), bekundet Johannes und versichert genau wie Petrus und die anderen Jünger immer wieder, dass das, was sie zu berichten hatten, ein Tatsachenbericht dessen sei, was sie gesehen und gehört hatten (vgl. 1.Joh 1,1-3; Apg 4,20; Offb 22,8). Und so war es auch bei der Verklärung. Drei Jüngern war es vorbehalten, Jesus in Seiner Herrlichkeit zu sehen, doch sie hatten auch das Zeugnis des Hörens, sie hörten die Stimme Gottes aus der Wolke.

Sie hatten damit das hörbare Zeugnis, dass Jesus wahrhaft der Sohn Gottes ist. Beachten wir, Petrus betont ausdrücklich, dass es die »Stimme Gottes« war, die sie gehört hatten. Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit, sagt Petrus in Bezug auf Jesus, doch bleibt nicht bei diesem eindrücklichen Erlebnis stehen, sondern kommt zur Schlussfolgerung: Und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu achten als auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.

Erstaunlich dabei ist, dass er seine Erfahrung nicht als Hauptargument oder eigentliche Grundlage des Glaubens darstellt, sondern diese hauptsächlich aufführt, um damit die Zuverlässigkeit der biblischen Prophetie zu bekräftigen. Die Argumentation „und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort“, zielt darauf ab, dass sich all das, was er und die anderen Jünger erlebt hatten, mit den alttestamentlichen Prophezeiungen über den Messias deckte. Es waren nicht irgendwelche losgelösten mystischen Erfahrungen, nein, in der Menschwerdung von Jesus hat sich buchstäblich die biblische Prophetie erfüllt und zwar genauso wie es der Apostel Johannes auf den Punkt bringt, indem er berichtet: Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit (Joh 1,14). Alles was in Bezug auf das erste Kommen des Messias prophezeit wurde, das hat sich in Christus erfüllt, somit können wir gewiss sein, dass sich auch alles, was in Bezug auf Sein zweites Kommen in Macht und Herrlichkeit angekündigt wurde, ebenso erfüllen wird. Petrus, Johannes und Jakobus hatten einen Vorgeschmack davon bekommen. Sie hatten das große Vorrecht, Jesus in hellstrahlenden Kleidern zu sehen, sie sahen IHN so, wie IHN einst alle Welt sehen wird, wenn ER wiederkehrt um Sein Reich aufzurichten. An jenem Tag werden sich alle Knie vor IHM beugen und alle Zungen bekennen, dass ER der HERR ist. Dann wird ER das Recht auf Erden aufrichten, jenen, die IHM vertraut haben wird Lohn zuteilwerden, Seine Feinde hingegen wird ER richten. Für die einen wird es ein Tag unaussprechlicher Freude sein (vgl. Jes 35,10; 1.Kor 2,9), die anderen hingegen werden zu den Bergen und zu den Felsen sagen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! (Offb 6,16; vgl. Joel 2,11)

Das will Petrus uns hier vor Augen stellen, das ist, wie gesagt, der Hintergrund seiner Aussage: Und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu achten als auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. Dies war insbesondere sein Anliegen, weil die Empfänger des Briefes sehr viel um ihres Glaubens Willen zu erdulden hatten. Anders wie die heutigen Verkündiger des Wohlstandsevangeliums, konnte er nicht mit der Behauptung auftreten, dass wer auch immer Jesus nachfolgen würde, ein sorgenfreies Leben zu erwarten hätte. Das Versprechen: „Komm zu Jesus und ER schenkt Dir Reichtum, Gesundheit und ein Leben in dem Du von jeglichem Leid verschont bleibst!“, wäre nicht nur unglaubwürdig gewesen, sondern wäre der reinsten Verhöhnung der verfolgten und bedrängten Gemeinde gleichgekommen. Hätte er ihnen doch durch diese Botschaft signalisiert, dass sie sich ihre Lage selbst zuzuschreiben hatten. „Hättet ihr mehr geglaubt, hättet ihr euren Wohlstand und eure Gesundheit in fester Glaubensüberzeugung in Existenz gesprochen, dann wäre euch all das, was ihr momentan durchlebt, erspart geblieben!“.

Nein, dies entspricht ganz und gar nicht dem wahren Evangelium, vielmehr handelt es sich um eine verfälschte Botschaft, irdisch gesinnter Menschen, die das Heil nur im irdischen Leben sehen wollen, aber keinen Blick für das Zukünftige haben. Daher stimme ich den Worten von Martyn Lloyd-Jones zu, der treffend feststellt: Der natürliche Mensch steht seiner ewigen Bestimmung gleichgültig gegenüber. Für ihn ist dies die einzige Welt. Er denkt nur an sie, er lebt für sie und wird von ihr bestimmt. Der Christ dagegen geht durch dieses Leben auf der Erde in dem Bewusstsein, dass es nur eine Durchgangsphase ist, sozusagen eine Vorschule. Er sollte sich immer der Gegenwart Gottes bewusst sein und der einstigen Begegnung mit ihm. Dieser Gedanke sollte sein ganzes Leben bestimmen und kontrollieren. 2

Der Christ also lebt in dem Bewusstsein, einst Seinem Schöpfer gegenüberzustehen. Aus diesem Grund geht er nicht leichtfertig durchs Leben und redet sich ein, man müsse nicht ernst nehmen, was Gott sagt. Dennoch geht er der Zukunft nicht zitternd entgegen, sondern in der Gewissheit und Zuversicht, dass Christus für ihn eine vollständige Erlösung erworben hat. Wenn er aufgrund seines Glaubens in diesem Leben viele Nachteile erfährt, dann findet er Trost in der zukünftigen Belohnung. Denn während die Welt auf das Strafgericht Gottes zusteuert, lebt der Christ in der Vorfreude auf die zukünftige Herrlichkeit. Um diesen Blick – um diese Aussicht – geht es Petrus, wenn er den Gläubigen die Hoffnung ihres Glaubens ins Gedächtnis ruft, indem er ihre Gedanken auf die Wiederkunft des HERRN richtet.

Diese Hoffnung sollten die Gläubigen im Herzen haben. Anstatt auf Grund der widrigen Lebensumstände zu resignieren, sollten sie ihren Blick auf ihren wiederkommenden HERRN richten. Und dies umso mehr, wenn sich die Macht der Finsternis breitmacht und die Gesetzlosigkeit zunimmt. Gerade wenn dies der Fall ist, wenn die Gläubigen unter der Gottlosigkeit ihres Umfeldes zu leiden haben, wenn sie Bedrängnis erleben bis hin zur Verfolgung, gelten Jesu Worte: Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht (Lk 21,28). Solche Ermutigungen, wie die unzähligen weiteren Verheißungen zur Wiederkunft des HERRN und der Hoffnung auf die zukünftige Herrlichkeit, sollen die Herzen der Gläubigen erfüllen. Sie sind wie das Licht das ihnen den Weg von Gottes Heilsplan vor Augen ausleuchtet, damit sie sich allezeit ins Gedächtnis rufen können, was ihnen von Gott geschenkt ist und welche herrliche Zukunft ihnen bevorsteht. Je finsterer die Umgebung, je mehr weiß man das Licht zu schätzen.

Aber gleichermaßen wie dieses Licht von Gottes Wort, für Hoffnung steht, so ist es uns auch zur Orientierung gegeben. Die einzig reale Hoffnung in dieser gefallenen Welt, ist allein Jesus Christus und die zuverlässige Quelle, aus der wir dies erfahren, ist das Wort Gottes (vgl. 1.Tim 1,1; Apg 4,12). Wie sehr das Leben der ersten Christen durch diese Hoffnung geprägt war, wie real für sie die Naherwartung der Wiederkunft Christi war, sehen wir in dem, was sie alles um ihres Glaubens Willen erduldet haben. Allein diese Hoffnung befähigte sie, all die Entbehrungen, Benachteiligungen und Verfolgungen bis hin zum Märtyrertod in Kauf zu nehmen, und im Glauben standhaft zu bleiben. Sie hatten das feste Vertrauen, dass Jesus kein leeres Versprechen gemacht hatte, als ER Seinen Jüngern sagte: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin (Joh 14,1-3). Sie vertrauten auf das, was die Engel den Jüngern angekündigt hatten, als Jesus vor ihren Augen in den Himmel emporgehoben wurde. „Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel“ (Apg 1,11), hatten diese gesagt.

Das hatten die ersten Christen im Blick, das war es, was sie dazu befähigte, selbst den Raub ihrer Güter mit Freuden hinzunehmen (vgl. Hebr 10,34). Ihr Blick war wirklich auf die zukünftige Herrlichkeit fokussiert und Petrus war es wichtig, sie darin zu bestärken, und zugleich zu unterstreichen, dass alles worauf sich ihre Hoffnungen gründete auf eine zuverlässige Quelle zurückzuführen war. Grundlage war und ist das Wort dessen, der nicht lügen kann. Seine Zusagen sind gewiss und Sein Wort hat Bestand bis in Ewigkeit. Dies hebt Petrus noch einmal klar und deutlich hervor, indem er in den letzten zwei Versen des Kapitels betont, dass die prophetischen Schriften unter göttlicher Inspiration geschrieben wurden. So schreibt er: Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, dass keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet.

Hier sehen wir, wie wichtig Petrus die Betonung ist, dass vor allem das zählt, was geschrieben steht. Kinder Gottes müssen vor allem wissen, dass keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Was nicht so zu verstehen ist, dass es hier um die Auslegung der Schrift ginge, sondern vielmehr um den Inhalt selbst, dieser ist keine Sache eigener Deutung, sondern Ergebnis göttlicher Inspiration. Mit anderen Worten, es geht hier um die Herkunft des prophetischen Wortes, nicht darum, wie es durch Menschen ausgelegt wird. Die prophetischen Worte der Schrift sind keineswegs selbsterdachte Zukunftsprognosen der Propheten, sondern die Wiedergabe dessen, was diese von Gott empfangen hatten. Ihre Worte sind somit weder menschlicher Natur noch menschlichen Ursprungs, sondern göttlicher Natur und göttlichen Ursprungs. Nur deshalb ist dieses Wort irrtumslos und unvergänglich. So kann man auch sagen, die Quelle ist nicht aus Raum und Zeit, sondern entspringt der Ewigkeit, die Quelle ist der unveränderliche Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der sich uns Menschen in Seinem Wort offenbart. Das unterscheidet die Bibel von jedem anderen Buch, das macht sie zum Buch der Bücher und gibt ihr diese einzigartige Stellung, unveränderliches, ewig gültiges Wort Gottes zu sein. Petrus hat dies bereits in seinem 1.Brief deutlich gemacht, indem er den Gläubigen schrieb: Denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, durch das lebendige Wort Gottes, das in Ewigkeit bleibt. Denn »alles Fleisch ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie die Blume des Grases. Das Gras ist verdorrt und seine Blume abgefallen; aber das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit.« Das ist aber das Wort, welches euch als Evangelium verkündigt worden ist (1.Petr 1,23-25; Jes 40,6-8).

Auch wenn wir oft sagen, Paulus schreibt oder Petrus argumentiert, so ist es genau genommen immer der Heilige Geist, der durch die Schrift redet. Die Schreiber der Heiligen Schrift sprachen, weil sie vom Heiligen Geist dazu getrieben wurden. Und wie wir von manchen Propheten wissen, hatten sich diese nicht dazu aufgedrängt, im Gegenteil, Jeremia beispielsweise hätte lieber geschwiegen. So lesen wir im 20 Kapitel des Prophetenbuches, wie Jeremia mit Gott haderte, indem er sprach: Du hast mich ergriffen und überwältigt. Ich bin zum Gelächter geworden den ganzen Tag, jeder spottet über mich. Ja, sooft ich rede, muss ich schreien, "Gewalttat" und "Zerstörung" rufen; ja, das Wort des HERRN ist mir zur Verhöhnung und zur Verspottung geworden den ganzen Tag. Doch sooft ich mir sage: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen reden, wird es in meinem Herzen wie brennendes Feuer, eingeschlossen in meinen Gebeinen. Und ich habe mich vergeblich abgemüht, es weiter auszuhalten, ich kann nicht mehr! (Jer 20, 7-9). Die Botschaft, die der HERR dem Propheten aufs Herz gelegt hatte, kam beim Volk nicht gut an, im Gegenteil, Jeremia erfuhr sehr viel Widerstand und Anfeindung. Dennoch wurde er vom Geist Gottes gebraucht, um genau das niederzuschreiben, was der Geist durch ihn sagen wollte. Und so zieht es sich durch die ganze Schrift hindurch. Bis hin zum Buch der Offenbarung, handelt es sich bei der Botschaft um das, was der Geist der Gemeinde zu sagen hat (vgl. Offb 2,7.11,17,29: 3,6.13.22). Auf diese Weise kam das Wort Gottes zustande, dies ist die Herkunft und der Ursprung, und dies verdeutlicht Petrus unmissverständlich, indem er weiter erklärt: Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet.

Die Aussage: niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht“ stellt unmissverständlich heraus, dass die Heilige Schrift nicht durch menschlichen Willen oder menschliche Überlegungen zustande kam, sondern durch den Heiligen Geist. Es handelt sich also ebenso wenig um Fantasie oder Spekulation, wie um ausgeklügelte Vernünfteleien oder sonstige Einsichten auf Grundlage menschlicher Intelligenz. Obwohl der Heilige Geist die Persönlichkeit der einzelnen Verfasser weder unterdrückte noch deren Schreibstil zerstörte, konnte er sie auf ihre Art genauso gebrauchen, wie es im Sinne Gottes war. Wenn Petrus dies hervorhebt, und seiner Argumentation die Worte, „das sollt ihr vor allem wissen“ voranstellt, dann unterstreicht er, wie entscheidend es für den christlichen Glauben ist, an der wörtlichen, uneingeschränkten Inspiration und Irrtumslosigkeit von Gottes Wort festzuhalten. Das heißt, der ursprüngliche Bibeltext wurde wortwörtlich inspiriert, indem er den Autoren durch den Geist Gottes eingehaucht wurde (vgl. 1. Kor 2,13). William MacDonald kommentiert: Gott gab ihnen keine allgemeine Ausarbeitung seiner Ansichten, damit sie diese dann nach ihren Vorstellungen formulieren konnten. Jedes einzelne Wort, das sie schrieben, ist ihnen vielmehr »vom Heiligen Geist« eingegeben worden. Mit Vollinspiration meinen wir, dass die Bibel vom 1. Buch Mose bis zur Offenbarung gleichermaßen von Gott eingegeben ist. Sie ist das Wort Gottes (vgl. 2. Tim 3,16). Mit »irrtumslos« meinen wir, dass das daraus resultierende Wort Gottes im Original völlig ohne Irrtum ist, nicht nur bezüglich der Lehre, sondern auch hinsichtlich der geschichtlichen, wissenschaftlichen, chronologischen und aller sonstigen Aspekte. 3

Wenn wir nun dies alles berücksichtigen und uns zurückbesinnen, dass Petrus diese Welt als einen finsteren Ort beschrieben hat – ein Ort geistlicher Verfinsterung - wenn wir ferner sehen, dass nicht einmal der Apostel Petrus seinen Glauben allein auf Erfahrungen, sondern auf das geschriebene Wort gegründet hat, wird klar ersichtlich, dass es nur eine sichere Grundlage für unseren Glauben geben kann, und das ist einzig allein das geschriebene Wort Gottes. Wenn wir zudem wahrnehmen, dass die Finsternis unaufhaltsam voranschreitet und die Nacht bereits weit vorgerückt ist (vgl. Röm 13,12), was kann dann Grund unserer Hoffnung sein, was kann uns in dieser finsteren Welt Halt und Orientierung geben? Allein Gottes Wort, das ist es worauf die ganze Argumentation dieses Bibeltextes abzielt. Der Schlüsselvers dazu lautet: Und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu achten als auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.

Im Bild des aufgehenden »Morgensterns« ist das Kommen Christi für Seine Heiligen zu sehen. Dieses Bild sollen wir im Herzen haben, diese Hoffnung ist wie eine „Lampe“ in dieser finsteren Welt, bis zur Vollendung dieses Zeitalters – bis zu dem Tag an dem Christus wiederkommen wird in den Wolken, um Sein Volk heimzuholen in Sein Reich. Wie geschrieben, wird ER denen zum Heil erscheinen, die ihn erwarten (Hebr 9,28). Dies ist die Hoffnung des Glaubens, und das Ziel auf das alle wahren Kinder Gottes zusteuern.

 

Quellangaben
1. Rolf Wiesenhuetter - Zeichen des Abfalls!, S. 117
2. Martyn Lloyd-Jones - Bergpredigt Band 2, S. 180-181
3. William MacDonald - Kommentar zum Neuen Testament Band 2, S. 1365


 

Allgemeine Info zu dieser neuen Beitragsreihe unter: Ankündigung/Vorwort

 

 

www.evangeliums-botschaft.de

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