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6. Selbstbetrug oder Selbsterkenntnis?

Veröffentlicht am 30.04.2016

Wie bereits in den letzten beiden Kapiteln gesehen, ist das menschliche Herz sehr trügerisch. Gerade weil dem so ist, und wir ständig in der Gefahr stehen, uns selbst etwas vorzumachen, möchte ich dieses Thema noch etwas weiter vertiefen. Die Schrift lässt keinen Zweifel daran, dass wir Menschen ohne Gottes Hilfe nicht wirklich in der Lage sind, uns einer objektiven Selbstprüfung zu unterziehen. Gottes Wort sagt uns unmissverständlich: Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen? Ich, der HERR, kann das Herz ergründen und die Nieren prüfen und gebe einem jeden nach seinem Tun, nach den Früchten seiner Werke (Jer 17,9-10).

Nur Gott ist in der Lage, unser Herz zu ergründen, nur Sein Urteil ist wirklich zuverlässig und objektiv. Was bereits Calvin sagte, ist absolut zutreffend: Kein Mensch kann sich selbst kennen, wenn er nicht zuerst Gott erkennt“.12 Gott allein ist es, der die Herzen erforscht, ER kennt alles Streben der Gedanken, ER kennt die Motive unserer Handlungen, besser als wir selbst (vgl. 1.Chr 28,9-10). Und dasselbe gilt auch für Sein Wort, das in Hebräer 4,12 als ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens, bezeichnet wird. Wer sich also auf die Bibel einlässt, der muss damit rechnen, dass Dinge aufgedeckt werden, die er vielleicht lieber unter den Teppich gekehrt hätte, doch um unserer eigenen Seele willen, sollten wir uns nicht davor scheuen, unser Leben im Licht von Gottes Wort zu prüfen, selbst wenn das Urteil lautet: Aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung (Mt 15,19).

Dies ist natürlich eine Aussage, die nur bei wenig Menschen auf Gegenliebe stößt, denn es ist eine Wahrheit, die unserem Ego gewiss nicht schmeichelt. Im Gegenteil, sie nimmt uns jeglichen Raum für Stolz und Selbstüberhebung. Gottes Diagnose beschönigt nichts, ER nennt die Dinge beim Namen, doch wir sollten dankbar sein, dass es so ist. Schließlich ist nichts trügerischer und schlimmer, als wenn man sich in falscher Sicherheit wiegt. Oftmals sind Leute felsenfest davon überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein, doch am Ende trifft zu, was in Sprüche 4,12 geschrieben steht: „Da ist ein Weg, der einem Menschen gerade erscheint, aber zuletzt sind es Wege des Todes“ (Spr 4,12).

Die Bibel ist voll solcher Warnungen vor Selbstbetrug. Wir finden sie in direkter Aussage, wir finden sie in Form von Gleichnissen und nicht zuletzt, in Form der historischen Aufzeichnungen. Eine davon, finden wir gegen Ende des Buches Jeremia. Was uns hier überliefert wurde, zeigt auf eindrückliche Art, wie verblendet das menschliche Herz von Natur aus ist. Die Situation war folgende: Alles wovor Jeremia das Volk aufgrund ihrer Abtrünnigkeit im Namen Gottes gewarnt hatte, war genauso eingetroffen, wie es der Prophet angekündigt hatte. Sie hatten Gottes Gericht am eigenen Leib erfahren und mussten mit eigenen Augen ansehen, wie ihr blühendes Land zur Trümmerstätte wurde. Immer wieder hatte Gott Seine Propheten gesandt und sie gewarnt, dass Sein Gericht sie treffen würde, wenn sie nicht von ihren gottlosen Wegen umkehren würden. Doch sie hatten ihre Ohren vor diesen Warnungen verschlossen und lieber auf die Lügenpropheten gehört, die ihnen Gottes Segen, ohne Umkehr und Buße versprachen. Laut ihrer Theologie, konnte jeder an seinem sündigen Lebensstil festhalten. Es war auch völlig egal, ob man neben dem Gott der Bibel auch noch Baal oder sonstige Götzen verehrte, alles war laut ihrer weitherzigen Sicht erlaubt. Doch während sie Träume und Wünsche ihrer Herzen zum Inhalt ihrer Verkündigung gemacht hatten, war Jeremia ein treuer Diener Gottes, der nur das weitergab, was ihm der HERR aufgetragen hatte.

Als Gottes Gericht dann in voller Härte über das abtrünnige Volk hereinbrach, hatte sich gezeigt, wie nutzlos und nichtig die Lügenworte der falschen Propheten waren. Ihre Versprechen von Frieden und Sicherheit waren nichts als leere Worte. Jeremias Worte hingegen hatten Gewicht; denn sie erwiesen sich als wahre Botschaft Gottes, alles was er angekündigt hatte, war eingetroffen: Das Land war durch Israels Feinde verheert und verwüstet worden und auch die heilige Stadt Jerusalem war nicht vor Gottes Gericht verschont geblieben. Ein Großteil der Bevölkerung war gefangen nach Babel abgeführt worden, nur noch ein Überrest war im Land zurückgeblieben und genau um diesen Überrest geht es, wenn in Kapitel 42 folgendes zu lesen ist: Da traten herzu alle Hauptleute des Heeres, Johanan, der Sohn Kareachs, Asarja, der Sohn Hoschajas, samt dem ganzen Volk, Klein und Groß, und sprachen zum Propheten Jeremia: Lass doch unsere Bitte vor dir gelten und bete für uns zum HERRN, deinem Gott, für alle diese Übriggebliebenen - denn leider sind wir von vielen nur wenige übrig geblieben, wie du mit eigenen Augen siehst -, dass der HERR, dein Gott, uns kundtun wolle, wohin wir ziehen und was wir tun sollen
(V 1-3).

Nachdem sie so gebeutelt wurden und dem Tod quasi in letzter Sekunde entronnen waren, gingen sie auf den verhassten Propheten zu, jenen den sie zeitweise weggesperrt hatten, dem sie das Reden verbieten wollten, den sie bestraften, den sie töten wollten. Nachdem sich nun alles haargenau erfüllt hatte, was Jeremia im Auftrag Gottes angekündigt hatte, konnte niemand mehr leugnen, dass er ein wahrer Prophet Gottes war. Somit war er auf jeden Fall die richtige Adresse für ihre durchaus berechtigte Frage.

An dieser Stelle noch etwas an Hintergrundinformation. Der Grund warum sie Wegweisung und Rat suchten, war die Sorge, bei den Babyloniern in Ungnade zu fallen. Die Schlacht war zwar beendet, Gefangene waren fortgeführt worden, das Land war besetzt worden und ein kleiner Überrest des Volkes war zurückgelassen worden, um das Land zu bewirtschaften und die Erträge an die Eroberer abzugeben. Doch über diesen Überrest hatte der König von Babel Stadthalter eingesetzt, und genau hier war ihr Problem: Ein Israelit namens Jischmael hatte zehn Männer zusammen-getrommelt, um den Stadthalter Gedaljas zu ermorden (vgl. Jer 41,2; 2.Kö 25,25). Nun waren die Heeresobersten und das Volk in großer Sorge, dass der König von Babel den Tod seines Stadthalters an ihnen rächen würde (vgl. Jer 41,17) und so trieb sie ihre Not zum Propheten Gottes. Jeremia hätte allen Grund gehabt, sie abzuweisen, schließlich hatten sie all Seine Mahnungen in den Wind geschlagen. Er hätte sagen können, „das habt ihr euch selbst eingebrockt, nun seht zu, wie ihr da wieder rauskommt, hättet ihr damals auf mich gehört, wäre es nie so weit gekommen!“.
Doch der Prophet Gottes nahm nicht diese abweisende Haltung ein, nein, er hat diese Situation noch nicht einmal dazu benutzt, sie ein wenig zappeln zu lassen, so nach dem Motto „ein kleiner Denkzettel kann hier nicht schaden“, sondern antwortete, ohne jegliche Vorhaltung: Wohlan, ich will gehorchen. Siehe, ich will zum HERRN, eurem Gott, beten, wie ihr gesagt habt, und alles, was euch der HERR antworten wird, das will ich euch kundtun und will euch nichts vorenthalten“ (V 4).

Also keinerlei Trotzreaktion seitens Jeremia, sondern immer noch die Bereitschaft, dem Volk den Willen Gottes mitzuteilen. Somit war es von seiner Seite die beste Voraussetzung, und wenn man nun weiterliest, und die Reaktion des Volkes ansieht, dann scheint es auf den ersten Blick so, als sei dies auch auf ihrer Seite der Fall gewesen. Denn wie es schien, hatten sie ihre Lektion gelernt, dies jedenfalls ließ ihre Antwort vermuten, die wie folgt lautete: Der HERR sei ein zuverlässiger und wahrhaftiger Zeuge wider uns, wenn wir nicht alles tun werden, was uns der HERR, dein Gott, durch dich befehlen wird. Es sei Gutes oder Böses, so wollen wir gehorchen der Stimme des HERRN, unseres Gottes, zu dem wir dich senden, auf dass es uns wohlgehe, wenn wir der Stimme des HERRN, unseres Gottes, gehorchen (V 5-6).

Das klang doch wirklich sehr vielversprechend, und Jeremia wird sich sicher gefreut haben, dass sie endlich die richtige Haltung eingenommen hatten. Allem Anschein nach, hatten sie ihre Halsstarrigkeit abgelegt, offensichtlich waren verhärtete Herzen zu weichen Herzen geworden. Steinerne Herzen, waren zu Herzen geworden, denen wirklich daran gelegen war, den Willen Gottes zu erfahren, um auf Seinen Wegen zu gehen; nicht mehr die eigenen selbstsüchtigen Wege, sondern die Wege Gottes. So zumindest der erste Eindruck, doch schauen wir uns an, was dann geschah. Jeremia hatte Gott für das Volk befragt und auch die Reaktion des HERRN war weder nachtragend, noch abweisend. In Seiner Güte und Langmut, war ER bereit, ihnen Wegweisung zu geben, und dies obwohl sie Seinen Rat so oft verschmäht hatten. So lesen wir dann im Bibeltext, dass Jeremia nach zehn Tagen vom HERRN eine Botschaft für das Volk empfing. Er rief daraufhin alle Hauptleute des Heeres und alles Volk zusammen und sprach zu ihnen: So spricht der HERR, der Gott Israels, zu dem ihr mich gesandt habt, dass ich euer Gebet vor ihn bringen sollte: Werdet ihr in diesem Lande bleiben, so will ich euch bauen und nicht einreißen; ich will euch pflanzen und nicht ausreißen; denn es hat mich gereut das Unheil, das ich euch angetan habe. Ihr sollt euch nicht fürchten vor dem König von Babel, vor dem ihr euch fürchtet, spricht der HERR; ihr sollt euch vor ihm nicht fürchten, denn ich will bei euch sein, dass ich euch helfe und von seiner Hand errette. Ich will euch Barmherzigkeit erweisen und mich über euch erbarmen und euch wieder auf eure Äcker bringen (Jer 42,8-12). 
Das also war Gottes Weg für die Übriggebliebenen, sie sollten sich nicht vor dem König von Babel fürchten, sondern sollten im Land bleiben. Gott sicherte ihnen Barmherzigkeit und Erbarmen zu, wenn sie darauf hören würden. ER versprach ihnen, sie wieder aufzubauen, anstatt weiter niederzureißen. ER würde sie wieder pflanzen und nicht ausreißen, denn das Unheil das ER über sie gebracht hatte, gereute IHN. Was für eine wunderbare Zusage, was für eine wunderbare Verheißung Gottes und das Gute, diese Worte wurden ihnen nicht durch einen Träumer, nicht durch einen Lügenpropheten, sondern durch einen wahren Propheten Gottes übermittelt, ein zuverlässiger Prophet, dessen Worte sich alle vor ihren Augen erfüllt hatten.

Nehmen wir kurz Bezug auf unsere Zeit, auch wenn viele Charismatiker es anders sehen, müssen wir es nüchtern sehen und sagen, dass wir heute keine Propheten mehr haben. Doch dafür haben wir viel mehr, wir haben den abgeschlossenen Kanon der Schrift, worin der Glaube ein für alle Mal den Heiligen überliefert ist (Jud 3). Ist uns bewusst was für einen Reichtum wir besitzen? In Christus sind uns alle Schätze der Weisheit geschenkt und wir finden diesen Reichtum im Wort Gottes, denn Christus ist das Wort Gottes (vgl. Kol 2,3; Offb 19,13). Bedenken wir auch was Petrus über die Propheten des Alten Bundes schreibt, wenn er uns sagt: Sie forschten, auf welche oder auf was für eine Zeit der Geist Christi, der in ihnen war, hindeutete, als er die Leiden, die auf Christus kommen sollten, und die Herrlichkeiten danach vorher bezeugte. Ihnen wurde es offenbart, dass sie nicht sich selbst, sondern euch dienten im Blick auf das, was euch jetzt verkündet worden ist durch die, welche euch das Evangelium verkündigt haben im Heiligen Geist, der vom Himmel gesandt ist, in welche Dinge Engel hineinzuschauen begehren (1.Petr 1,11-12).

Wir haben heute die gesamte offenbarte Schrift und können zurückblicken. Sie schauten damals weit in die Ferne und konnten sich nur in groben Zügen ausmalen, auf welche Zeit sich ihre Prophetie bezog. Was hätten sie wohl dafür gegeben, die ganzen Zusammenhänge zu verstehen und das Geheimnis des Evangeliums im vollen Umfang zu erkennen. Ein Geheimnis, das so überwältigend ist, dass selbst die Engel hineinzuschauen begehren. Wer trotz dieser Tatsache, ständig nach neuen Offenbarungen Ausschau hält, gleicht den murrenden Israeliten während der 40jährigen Wüstenwanderung; sie hatten das Manna satt und wollten etwas Neues. Aufgrund ihres hartnäckigen Drängens kam Gott ihrer dreisten Bitte nach, doch dies geschah ihnen nicht zum Segen, sondern zum Gericht (vgl. 4.Mo 11, 31-34). Wehe uns, wenn wir etwas zum Wort hinzudichten, wenn wir uns auf Erscheinungen berufen und uns einreden, wir würden direkt durch göttliche Eingaben geleitet. Wehe uns, wenn wir die Schrift gering achten, oder uns gar dazu berufen fühlen, die Schrift ergänzen und erweitern zu müssen. Bedenken wir, es war Jesus selbst, der die Heilige Schrift am Ende mit folgender Warnung versiegelt hat: Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: Wenn jemand etwas hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, die in diesem Buch geschrieben stehen (Offb 22,18). Die Reformatoren sprachen diesbezüglich von der Allgenügsamkeit der Schrift. Wir haben das prophetische Wort also in Form der Schrift, sie weist uns den Weg Gottes.

Doch das sei nur am Rande erwähnt, der entscheidende Punkt, auf den ich hinaus will, ist der Folgende: Ebenso wie damals die Israeliten durch die historischen Ereignisse die Bestätigung hatten, dass Jeremia ein wahrer Prophet war, so haben auch wir die Bestätigung, dass Gottes Wort wahr ist. So wie sie anhand geschichtlicher Ereignisse den unwiderlegbaren Beweis hatten, dass sich alles, was Jeremia im Auftrag Gottes prophezeit hatte, genauso erfüllt hatte, so ist es auch mit der Schrift; alle biblischen Prophezeiungen haben sich im Laufe der Geschichte präzise erfüllt. Wir haben dadurch den Beweis, für die beeindruckende Macht Gottes und für die Zuverlässigkeit der Schrift. Daher können wir sicher sein, dass sich die noch ausstehenden Verheißungen ebenfalls erfüllen werden.

Wenn Gott uns durch sein Wort sogar auffordert: Forscht nach im Buch des Herrn und lest es! Nicht eines von alledem wird fehlen; zu keinem Wort wird man die Erfüllung vermissen; denn mein Mund ist's, der es befohlen, und sein Geist ist's, der sie gesammelt hat (Jes 34,16), kann dies nur einen logischen Grund haben und der lautet, dass keines seiner Worte je hinfällig wurde, alle biblischen Prophezeien sind in Erfüllung gegangen. Die Tatsache, dass keine andere Religion ein vergleichbares Buch wie die Bibel aufweisen kann, macht deutlich, dass nur hinter diesem Wort der wahre Gott steht. In Jesaja 41 sagt Gott diesbezüglich zu Seinem Volk, und insbesondere zu jeden, die andere Götter verehrten: Bringt eure Rechtssache vor!, spricht der HERR. Bringt eure Beweise herbei!, spricht der König Jakobs. Sie sollen sie herbeibringen und uns verkünden, was sich ereignen wird; das Frühere, was war es? Verkündet es, damit wir es uns zu Herzen nehmen! Oder lasst uns das Künftige hören, damit wir seinen Ausgang erkennen! Verkündet das später Kommende, damit wir erkennen, dass ihr Götter seid! Ja, lasst es gut sein oder schlimm sein (Jes 41,21-23).

Hier fordert Gott die toten Götzen buchstäblich heraus, ihre Macht zu zeigen. Wenn sie wirklich göttliche Macht haben, dann sollen sie den Beweis antreten. Wir finden diese Gegenüberstellung zwischen dem lebendigen Gott, auf der einen und den toten, nichtigen Götzen auf der anderen Seite, immer wieder in der Schrift. Bei all dem wird deutlich, nur der lebendige Gott, der alles Leben ins Dasein gerufen hat, ist in der Lage, zukünftige Ereignisse im Voraus zu enthüllen. Wenn man bedenkt, mit welcher Präzision Gottes Wort, geschichtliche Ereignisse und Entwicklungen, die sich kein Mensch je hätte ausmalen können, lange im Voraus prophezeit hat, wird klar, warum nur ER zu Recht sagen kann: Ich, der HERR, das ist mein Name, ich will meine Ehre keinem andern geben noch meinen Ruhm den Götzen. Siehe, was ich früher verkündigt habe, ist gekommen. So verkündige ich auch Neues; ehe denn es aufgeht, lasse ich's euch hören (Jes 42,7-8).

Von den toten Götzen hingegen, gibt es keinerlei Beweise dafür, dass sie im Stande wären, Einfluss auf die Geschichte zu nehmen. Denn wenn es sie gäbe, wo sind dann die Aufzeichnungen, die dies belegen können? Man sucht sie vergeblich, denn es gibt nur ein Buch, das diesem Test standhält, und das ist die Bibel. Um nicht zu weit vom Thema abzuschweifen, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen, wer jedoch Einzelheiten und Belege sucht, dem sei der Beitrag „erfüllte Prophetie“ empfohlen. Insbesondere die auf dieser Seite verlinkten Predigten und Vorträge sind sehr lehrreich und informativ. Es wird darin anhand geschichtlicher Ereignisse sehr gut aufgezeigt, wie zuverlässig und präzise die Prophezeiungen der Schrift sind. Seien es die Segnungen und Verheißungen, die darin angekündigt wurden, oder seien es Fluch- und Gerichtsworte. Die Tatsache, dass sich im Laufe der Geschichte alles genauso erfüllt hat, stellt uns eindrücklich vor Augen, dass es sich hier nicht um Menschenwort, sondern um Gottes Wort handelt (vgl. 1.Thess 2,13). Die Verheißungen sind also absolut zuverlässig, daher kann ein Hiob sagen: Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt (Hi 19,25a) oder Johannes schreiben: Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt (1.Joh 5,13).
Diese positive Seite des Evangeliums wird von weitaus mehr Menschen angenommen, als die negative, aber wir müssen einfach beides sehen. So wie auf der einen Seite alle Gläubigen, die berechtigte Hoffnung auf das Himmelreich haben, so muss uns auch bewusst sein, welch schreckliches Schicksal, all jenen bevorsteht, die sich weigern dem Wort Gottes zu gehorchen und Jesus als Erlöser abweisen.

Wir sehen das auch, wenn wir jetzt wieder zum Ausgangstext zurückkommen. Das Volk hatte um Wegweisung gebeten, Gott hatte sich erbarmt und ließ ihnen durch Jeremia eine Antwort zukommen. Der erste Teil dieser Botschaft, den wir uns schon angesehen haben, enthielt eine wunderbare Verheißung. Diese jedoch war damit verbunden, dass sie Gottes Wort gehorchen und das tun, was ER ihnen gesagt hatte. Doch Gott ließ es nicht dabei bewenden, ihnen nur den Segen aufzuzeigen, der ihrem Gehorsam folgen würde, sondern sprach auch eine deutliche Warnung aus, falls sie Seinem Wort nicht gehorchen sollten und diese lautete wie folgt:

Werdet ihr aber sagen: »Wir wollen nicht in diesem Lande bleiben«, und so der Stimme des HERRN, eures Gottes, nicht gehorchen und werdet ihr sagen: »Nein, wir wollen nach Ägyptenland ziehen, dass wir weder Krieg sehen noch den Schall der Posaune hören noch Hunger nach Brot leiden müssen; dort wollen wir bleiben« -, nun, so höret des HERRN Wort, ihr Übriggebliebenen von Juda! So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Werdet ihr euer Angesicht nach Ägyptenland richten, um dorthin zu ziehen und dort zu wohnen, so soll euch das Schwert, vor dem ihr euch fürchtet, in Ägyptenland treffen, und der Hunger, vor dem ihr euch sorgt, soll stets hinter euch her sein in Ägypten, und ihr sollt dort sterben. Denn sie seien, wer sie wollen: Wer sein Angesicht nach Ägypten richtet, um dorthin zu ziehen und dort zu wohnen, der soll sterben durch Schwert, Hunger und Pest, und es soll keiner übrig bleiben noch dem Unheil entrinnen, das ich über sie kommen lassen will. Denn so spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Gleichwie mein Zorn und Grimm über die Einwohner Jerusalems ausgeschüttet wurde, so soll er auch über euch ausgeschüttet werden, wenn ihr nach Ägypten zieht; und ihr sollt zum Fluch, zum Bild des Entsetzens, zur Verwünschung und zur Schande werden und diese Stätte nicht mehr sehen (Jer 42,13-18).

Obwohl dies bis hierher schon sehr deutliche Worte waren und man keine zwei Meinungen darüber haben kann, dass Gott auf keinen Fall wollte, dass sie nach Ägypten ziehen, unterstrich ER dies noch einmal mit folgender Aussage: Darum erkennt, dass ich euch heute gewarnt habe; denn ihr selbst habt euer Leben in Gefahr gebracht, weil ihr mich gesandt habt zum HERRN, eurem Gott, und gesagt: Bete zum HERRN, unserm Gott, für uns, und alles, was der HERR, unser Gott, sagen wird, tu uns kund, so wollen wir danach tun. Das habe ich euch heute wissen lassen; aber ihr wollt der Stimme des HERRN, eures Gottes, nicht gehorchen noch allem, was er euch durch mich befohlen hat. So sollt ihr denn wissen, dass ihr durch Schwert, Hunger und Pest sterben müsst an dem Ort, wohin ihr zu ziehen gedenkt, um dort zu wohnen (Jer 42,20-22).

Das Volk hatte um Rat gebeten, es wollte Orientierung und Wegweisung und das war wirklich eine eindeutige Wende im Prophetenbuch, denn vormals hatten sie ihre Ohren vor dem Reden des Propheten verschlossen, sie wollten lieber jene hören, die immer schöne Worte machten, anstatt einen Mann Gottes, der ihnen wirklich den Ratschluss Gottes verkündigte. Und nun hatten sie, wie gesehen, feierlich bekundet: Der HERR sei ein zuverlässiger und wahrhaftiger Zeuge wider uns, wenn wir nicht alles tun werden, was uns der HERR, dein Gott, durch dich befehlen wird. Es sei Gutes oder Böses, so wollen wir gehorchen der Stimme des HERRN, unseres Gottes, zu dem wir dich senden, auf dass es uns wohlgehe, wenn wir der Stimme des HERRN, unseres Gottes, gehorchen (V 5-6).

Hier können wir unsere eigene Haltung prüfen, gehen wir auch mit dieser Herzenshaltung an das Wort Gottes heran? Hören wir uns christliche Vorträge oder Predigten mit dieser Einstellung an? Wenn dem so sein sollte, hat uns dieser Bibelabschnitt viel zu sagen. Er wird uns zeigen, dass selbst diese Haltung keine Garantie dafür ist, dass wir am Ende wirklich auf Gottes Reden hören. Es hört sich vielleicht merkwürdig an, aber wir müssen ein gesundes Misstrauen gegenüber uns selbst entwickeln, denn Gottes Wort sagt nicht nur: Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen?, sondern warnt auch: Wer sich auf sein eigenes Herz verläßt, ist ein Narr (Spr 28,26a).

Doch wie komme ich zu dieser Feststellung und was hat es mit unserem Ausgangstext zu tun? Wir erinnern uns, diese Menschen waren dem göttlichen Gericht gerade so entkommen und dem Tod um ein Haar entronnen. Ihr Land war von den Feinden verwüstet und eingenommen worden, es gab unzählige Tote und viele ihrer Landsleute waren in die Gefangenschaft nach Babel geführt worden. Vor ihren Augen hatte sich alles bewahrheitet, was Gott durch den Propheten Jeremia angedroht hatte. Man könnte nun meinen, sie seien zur Einsicht gekommen, denn durch ihr hochheiliges Versprechen, auf das Wort des HERRN zu hören, hatten sie genau dies bekundet. Doch nun kommt das Trügerische, kaum hatte ihnen Jeremia die Botschaft Gottes übermittelt, kam auch schon der Widerspruch, verbunden mit dem Vorwurf: „Du lügst! Der HERR, unser Gott, hat dich nicht zu uns gesandt und gesagt: »Ihr sollt nicht nach Ägypten ziehen, um dort zu wohnen“ Und weiter heißt es dann: Da gehorchten Johanan, der Sohn Kareachs, und alle Hauptleute des Heeres samt dem ganzen Volk der Stimme des HERRN nicht, dass sie im Lande Juda geblieben wären (Jer 43, 2+4).

Hier sehen wir, wie weit es mit menschlichen Vorsetzen und Versprechen her ist. Es ist das Eine, zu sagen, wir wollen tun, was auch immer der Herr uns sagen wird, doch es ist etwas anderes, sich auch daran zu halten. Genau dies war der Punkt, an dem deutlich wurde, dass ihr Vorsatz nur ein leeres Versprechen war. Sie dachten nicht daran, auf Gottes Reden einzugehen, sondern widerstanden Seinem Wort, indem sie es in Frage stellten und weit von sich wiesen. Somit war genau das Gegenteil von dem, was sie versprochen hatten, der Fall.

Gott hätte sich abwenden können, doch immer noch war ER voller Erbarmen und wollte sie nicht in ihr Unglück rennen lassen. Daher warnte ER sie noch einmal ausdrücklich davor, nicht nach Ägypten zu ziehen. Dennoch blieben sie halsstarrig und ließen sich nicht von ihrem Vorhaben abhalten. Obwohl sie damit erneut den Ratschluss Gottes verworfen hatten, war Seine Geduld auch an diesem Punkt noch nicht am Ende. Denn selbst als sie in Ägypten waren, wurde Jeremia noch ein letztes Mal zu ihnen gesandt, um sie eindringlich zu warnen. Im Auftrag Gottes erinnerte er sie noch einmal an das schreckliche Gericht, das in Folge ihres Ungehorsams und ihres Götzendienstes über Israel ergangen war. Nachdem er ihnen dies noch einmal eindrücklich ins Gedächtnis gerufen hatte, überbrachte er ihnen folgende Botschaft: Nun, so spricht der HERR, der Gott Zebaoth, der Gott Israels: Warum tut ihr euch selbst ein so großes Unheil an, dass bei euch ausgerottet werden aus Juda Mann und Frau, Kind und Säugling und nichts von euch übrig bleibt, und erzürnt mich so durch eurer Hände Werke und opfert andern Göttern in Ägyptenland, wohin ihr gezogen seid, um dort zu wohnen, auf dass ihr ausgerottet und zum Fluch und zur Schmach werdet unter allen Völkern auf Erden? (Jer 43,7-8).

Doch wie war die Reaktion, die Fakten waren doch eindeutig, sie waren Zeugen davon, dass Jerusalem in Schutt und Asche lag, sie hatten selbst alles miterlebt und erneut waren sie nun daran erinnert worden, warum Gottes Zorn über sie entbrannt war. War nun der Zeitpunkt gekommen, dass sie Buße taten? Leider weit gefehlt, ihre erschütternde Antwort brachte genau das Gegenteil zu Ausdruck, den trotzig sprachen sie: Den Worten, die du im Namen des HERRN uns sagst, wollen wir nicht gehorchen, sondern wir wollen all die Worte halten, die aus unserm eigenen Munde gekommen sind, und wollen der Himmelskönigin opfern und ihr Trankopfer darbringen, wie wir und unsere Väter, unsere Könige und Oberen getan haben in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems. Da hatten wir auch Brot genug und es ging uns gut, und wir sahen kein Unglück. Seit der Zeit aber, da wir es unterlassen haben, der Himmelskönigin zu opfern und Trankopfer darzubringen, haben wir an allem Mangel gelitten und sind durch Schwert und Hunger umgekommen (Jer 43,16-19).

Wenn man das liest, ist man erschüttert und denkt, was waren das nur für scheinheilige Menschen. Erst traten sie auf und bekundeten, den Worten des HERRN gehorchen zu wollen, doch dann stellt sich heraus, dass es nur leere Worte waren. Statt wie versprochen, auf Gottes Wort zu hören, verwarfen sie Seinen Ratschluss und sagten ganz offen: Den Worten, die du im Namen des HERRN uns sagst, wollen wir nicht gehorchen, sondern wir wollen all die Worte halten, die aus unserm eigenen Munde gekommen sind. Und zur Krönung des Ganzen, kehren sie auch wieder zu ihrem Götzendienst zurück und wollten die Himmelskönigin verehren. Ist es nicht unfassbar, dass sie sogar den Götzendienst, um dessentwillen Gottes Zorn über sie entbrannt war, wieder aufnehmen wollten?

Doch die Frage ist: Wie konnte es nur zu diesem krassen Sinneswandel kommen? Sie hatten doch einstimmig bekundet, den Weg Gottes gehen zu wollen, sei es gut oder böse, was so viel bedeutet wie, egal wie Gottes Antwort aussehen würde, ob Sein Plan nun mit ihren Vorstellungen übereinstimmen würde oder nicht, sie wollten in jedem Fall, das tun, was ER ihnen sagen würde. Und nun war alles plötzlich hinfällig, nun wollten sie plötzlich nichts mehr davon wissen. Doch war dies wirklich ein Sinneswandel, oder hatte sich schon von vornherein so etwas angedeutet?
Machen wir hierzu eine kleine Charakterstudie und kommen noch einmal kurz auf ihre eigentlichen Beweggründe zurück. Wie eingangs gesehen, war es ihre Angst vor dem König von Babel, die sie dazu bewogen hatte, auf den Propheten Jeremia zuzugehen. Den Vers, der uns diesen Hinweis gibt, habe ich bereits zitiert, er lautet: Denn sie fürchteten sich vor ihnen, weil Jischmael, der Sohn Netanjas, Gedalja, den Sohn Ahikams, erschlagen hatte, den der König von Babel über das Land gesetzt hatte. Ein Vers zuvor, erfahren wir jedoch ein weiteres interessantes Detail, da wird nämlich folgendes berichtet: Und sie zogen hin und kehrten ein in der Herberge Kimhams bei Bethlehem, um von dort nach Ägypten zu ziehen aus Furcht vor den Chaldäern (Jer 41,17-18).

Hier wird deutlich, noch ehe sie vor Jeremia traten, hatten sie bereits den Entschluss gefasst, nach Ägypten zu ziehen. Ihre Behauptung, sich einzig und allein der Führung Gottes anvertrauen zu wollen, war also nur ein Lippenbekenntnis, im Herzen hatten sie nämlich schon im Voraus entschieden, wo es lang gehen sollte. Im Grunde ging es gar nicht darum, Wegweisung von Gott zu bekommen, sondern nur darum sich den Segen für eine bereits getroffene Entscheidung abholen zu wollen. Sie suchten nicht nach einer Antwort, sondern nach einer Bestätigung, dass der Weg, den sie einschlagen wollten, der richtige war.

Genau hier haben wir den springenden Punkt, an dem wir uns die Frage gefallen lassen müssen, ob dies nicht oftmals auch unserem Glaubensverständnis entspricht? Denn wie sieht es denn in der Praxis aus, wie geht man denn in unseren modernen Gemeinden mit dem Wort Gottes um? Forscht man da wirklich in der Schrift, um nach Wegweisung und Orientierung zu suchen, oder sucht man nur nach Bestätigung der eigenen Wege? Forschen wir in der Schrift, um Jesus besser kennen zu lernen, um ihm immer ähnlicher zu werden, oder was bewegt uns zum Bibelstudium? Kann es sein, dass Jesus auch zu uns sagen muss: Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist's, die von mir zeugt; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet (Joh 5,39-40)?

Wir müssen uns über eines im Klaren sein, die Bibel ist kein Regelwerk für Moral, sie ist nur ein Spiegel, der uns aufzeigt, wie weit wir danebenliegen. Doch dies geschieht immer mit dem Ziel, den Erlöser groß zu machen. ER, Jesus Christus, ist der Mittelpunkt des Wortes, um IHN dreht sich alles, ER wird darin groß gemacht und verherrlicht und dies geschieht, wenn Sünder von ihren falschen Wegen umkehren, und IHN als ihren HERRN und Erlöser annehmen. Man sollte meinen, dass christliche Kirchen und Gemeinden aus solchen Menschen bestehen, doch wer ist denn wirklich bereit, zu Jesus zu kommen, um sich ihm völlig auszuliefern? Wer ist wirklich breit, Sein Joch auf sich zu nehmen und von Jesus zu lernen? (vgl. Mt 11,28-29). Nun, was sollen wir denn von Jesus lernen? In dem Beitrag „lernen von Jesus“ habe ich einige Gedanken, dazu weitergegeben, doch an dieser Stelle möchte ich es bei einem Aspekt belassen und dies ist die Aussage, mit der ER Sein Leben selbst überschrieben hat, und diese lautet: Denn ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat (Joh 3,38). Bei Ihm waren dies aber nicht nur leere Worte, es war das, was Sein Leben ausmachte. Sein Leben war so sehr davon geprägt, den Willen des Vaters zu tun, dass ER an anderer Stelle sagten konnte: Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe (Joh 4,34).
Jeder kennt die Sorge beim Essen zu kurz zu kommen, doch wer kennt die Sorge, bei der Umsetzung von Gottes Willen zu kurz zu kommen? Jesus lebte einzig und allein dafür, den Willen des Vaters zu tun. So wie sich bei uns von früh bis spät alles um die natürliche Nahrung dreht, so wie unser Leben von der Frage: „Was werden wir essen? Was werden wir trinken?“ (Mt 6,31) dominiert wird, so drehte sich Sein Leben darum, den Willen des Vaters zu tun, das war Seine Speise, darauf war ER fokussiert, das war Inhalt und Erfüllung Seines Lebens.

 

 

 

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