und

5. Macht eure Berufung fest

28.07.2017


Wem dagegen diese Dinge fehlen, der ist blind und kurzsichtig und hat die Reinigung von seinen früheren Sünden vergessen. Darum, Brüder, seid umso eifriger bestrebt, eure Berufung und Auserwählung fest zu machen; denn wenn ihr diese Dinge tut, werdet ihr niemals zu Fall kommen; denn auf diese Weise wird euch der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Retters Jesus Christus reichlich gewährt werden (2.Petr 1,9-11).

Nachdem Petrus aufgezeigt hat, wie wichtig es ist, dass wir einen christlichen Charakter entwickeln, unterstreicht er seine Argumentation, mit den mahnenden Worten: Wem dagegen diese Dinge fehlen, der ist blind und kurzsichtig und hat die Reinigung von seinen früheren Sünden vergessen. Was dadurch deutlich wird, ist die Tatsache, dass es nicht ausreichend ist, sich nur in der Theorie mit biblischer Lehre zu befassen, vielmehr gilt es, allen Fleiß aufzubringen, die gesunde Lehre auf unser Leben anzuwenden. Es gilt all unsere Entscheidungen, all unser Denken und Handeln am Wort Gott auszurichten und dafür Sorge zu tragen, dass die sieben Eigenschaften, Tugend, Erkenntnis, Selbstbeherrschung, Ausharren, Gottesfurcht, Bruderliebe und Liebe, in unserem Leben vorhanden sind. Darauf sollten wir fokussiert sein, dies sollte unser höchstes Ziel sein wonach wir streben. Wenn uns jedoch andere Dinge wichtiger sind und uns von diesem Ziel abbringen, dann, so Petrus, sind wir blind und tappen im Dunkeln. Dies deckt sich auch mit dem, was Jesus selbst gelehrt hat, als ER sprach: Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben (Joh 8,12). Auch hier sehen wir, dass nur jenen, die Jesus nachfolgen, gesagt wird, dass sie das Licht des Lebens haben. Und was kann „nachfolgen“ anderes bedeuten, als auf Sein Wort zu hören, anstatt sich darüber hinwegzusetzen.

Gerade in unserer Zeit, wo vielfach eine billige Gnade gelehrt wird, wo das Christentum so dargestellt, als könne man Leben wie man wolle, als sei das Werk Christi am Kreuz eine Art Freibrief um ein sündiges Leben zu führen, kann dieser Punkt nicht klar genug hervorgehoben werden: Ein christliches Bekenntnis, das sich nicht aufs Leben auswirkt, zeugt nicht davon ein Kind Gottes zu sein, sondern ist ein Beleg für geistliche Blindheit. Wer so lebt, hat offensichtlich vergessen, welchen Preis Jesus für seine Erlösung bezahlt hat. Es ist allein das kostbare Blut des Lammes, das uns von unseren Sünden und Vergehen reingewaschen hat. Doch wozu hat ER diesen hohen Preis bezahlt, etwa damit die Erlösten weiter unbeschwert in der Sünde baden können? Keineswegs, im Gegenteil, geschrieben steht, dass ER sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit und sich selbst ein Eigentumsvolk reinigte, das eifrig sei in guten Werken (Tit 2,14).

Das ist es, worauf auch Petrus abzielt, als erstes hat er uns gezeigt, wie reich wir vom Vater beschenkt wurden, welche Vorrechte wir haben und was die einzigartige Stellung des Gläubigen ist, doch dann kommt er auf die damit verbundene Verantwortung zu sprechen. Wer nur die Vorrechte genießen will, jedoch die Verantwortung von sich weist, hat offensichtlich die erste Liebe verlassen. An solche appelliert Petrus, dass sie sich wieder auf das Ziel ihrer Rettung zurückbesinnen. Denn was ist das Ziel? Es ist, wie Petrus in seinem ersten Brief sagt: Die Rettung der Seelen (1.Petr 1,9), und wie wird es praktisch umgesetzt? Auch hier gibt uns der 1.Petrusbrief die Antwort: In der Heiligung des Geistes zum Gehorsam (1.Petr 1,2).

Die Bibel trennt Glaube nie von Gehorsam, sondern redet vom Glaubensgehorsam, denn wo zeigt sich denn der Glaube, in dem, was ein Mensch behauptet oder in dem wonach er sein Leben ausrichtet? Wenn mich jemand nach dem Weg fragt und ich ihm sage, dass er an der nächsten Kreuzung rechts abbiegen muss, hat er mir etwa geglaubt, wenn er links abbiegt oder geradeaus weiterfährt? Nein, wenn er meinen Worten vertraut hat, dann wird er rechts abbiegen. Somit ist klar, nur wer dem Wort Gottes wirklich vertraut und sein Leben danach ausrichtet, hat wahren Glauben. Und darum geht es an diesem Punkt, Petrus will, dass die Gläubigen sichergehen, rettenden Glauben zu haben. Daher lautet sein Apell gemäß diesem Glauben zu leben. Wenn er jenen, die ihr Leben nicht auf dieses Ziel ausrichten, geistliche Blindheit vorhält, dann argumentiert er in gleicherweise wie Johannes, der diesbezüglich sagte: Und daran merken wir, dass wir ihn kennen, wenn wir seine Gebote halten. Wer sagt: Ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in dem ist die Wahrheit nicht. Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrlich die Liebe Gottes vollkommen. Daran erkennen wir, dass wir in ihm sind. Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der soll auch leben, wie er gelebt hat (1.Joh 2,3-6).

In diesem Sinne müssen wir auch seine Aufforderung sehen, unsere Berufung und Erwählung festzumachen. Hier geht es nicht darum, sich um ein fruchtbares Leben zu bemühen, um Gottes Gunst zu verdienen, sondern umgekehrt, gerade, weil der Gläubige das große Vorrecht hat, den kostbaren Glauben empfangen zu haben, gilt es darin zu leben und zu wandeln, und dies geschieht indem wir uns dem Wort Gottes als höchster Autorität unterstellen. Der Glaube selbst ist, wie bereits gesehen, ein Geschenk, doch ein Geschenk ist uns nur im dem Maße von Nutzen, wie wir es anwenden. Interessant ist, dass Petrus hier erneut auf das Thema Berufung und Erwählung zurückkommt. Es scheint fast, als wolle er wirklich sichergehen, an diesem Punkt nicht missverstanden zu werden. Obwohl er so viel Nachdruck darauflegt, dass die Gläubigen sich befleißigen sollen einen christlichen Charakter zu entwickeln, kommt immer wieder zum Vorschein, dass hinter allem die Macht Gottes zu sehen ist. ER ist es, der die Berufenen vor Grundlegung der Welt auserwählt hat, durch Seinen wirksamen Ruf der Gnade wurden sie errettet, ER war der Handelnde, es war Seine Liebe und Güte, die uns zu IHM gezogen hat. Beachten wir daher, was William MacDonald sagt: Wir können unsere »Berufung und Erwählung« nicht noch fester machen, als sie es schon sind, denn Gottes ewige Pläne können nicht umgestoßen werden. Doch wir können sie bestätigen, indem wir dem Herrn immer ähnlicher werden. Indem wir die Frucht des Geistes hervorbringen, können wir unmissverständliche Beweise erbringen, dass wir wirklich zu ihm gehören. Ein geheiligtes Leben beweist die Echtheit unserer Erlösung. 1

Desweitern argumentiert Petrus, dass wir durch die Treue zum Wort vor Straucheln bewahrt werden. Worin auch das grundsätzliche Ziel von Gottes Geboten und Ordnungen zu sehen ist; sie dürfen nicht so verstanden werden, als ginge es darum, uns einzuengen oder uns etwas vorzuenthalten. Nein, im Gegenteil, sie dienen zu unserem Besten. Doch die Frage ist, vertrauen wir auf die Worte des HERRN, der uns durch Sein Wort sagt: Ich bin der HERR, dein Gott, der dich lehrt zu deinem Nutzen, der dich leitet auf dem Weg, den du gehen sollst (Jes 48,17), oder vertrauen wir Seinem Widersacher, der genau das Gegenteil behauptet? Denn so wie bereits beim Sündenfall im Garten Eden, so gibt Satan auch heute noch vor, um das Wohl des Menschen besorgt zu sein. Genauso wie er damals Eva betörte, indem er das Gebot Gottes in Frage stellte, und Eva das Gefühl gab, Gott würde ihr etwas vorenthalten, so geht er auch heute noch vor. Immer noch besteht seine hinterlistige Strategie darin, Gottes gute Absichten in Frage zu stellen und einen vermeintlich besseren Weg aufzuzeigen. Dies aber nicht, weil ihm am Wohl unserer Seele gelegen wäre, sondern um uns in eine Falle zu locken.

Auch wenn es heute als ein veraltetes Weltbild angesehen wird, Gottes Wort offenbart uns die Existenz Satans. Wenn viele dies bezweifeln, dann liegt es daran, weil Satan den Sinn der Menschen verblendet hat. Der Mensch hält es für sehr klug und aufgeklärt, in Satan eine Märchenfigur zu sehen, doch wem könnte das mehr in die Karten spielen, als jemanden, der die Menschheit hinters Licht führen möchte? Welcher Feind könnte gefährlicher sein, als einer, dem es gelingt, völlig unerkannt zu bleiben? Gott will uns durch Sein Wort vor dem Straucheln bewahren, Satan hingegen reibt sich genüsslich die Hände, wenn wir zu Fall kommen und wird der erste sein, der uns anklagen wird.

Petrus selbst war durch ihn zu Fall gekommen, denn so sehr er sich selbst überschätzt hatte, so sehr hat er die verführerische Macht Satans unterschätzt. „Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen“, hatte Jesus ihn gewarnt. „Betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt!“, hatte ER gesagt, doch Petrus und die anderen Jünger waren anstatt zu beten, eingeschlafen (Lk 22,31:40:45). Was darauf folgte, war die dreimalige Verleugnung seines HERRN. Petrus wusste also nur zu gut, was Straucheln bedeutet, er hatte diese schmerzhafte Erfahrung durchlebt und wollte, dass seine Glaubensgeschwister davor bewahrt blieben. Er wusste also wovon er sprach, als er gegen Ende seines ersten Briefes sagte: Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge (1.Petr 5,8). Die Voraussetzung um vor dem Straucheln bewahrt zu werden, hat Petrus zuvor genannt, wir haben uns im letzten Kapitel damit beschäftigt, es war die Aufforderung: So setzt eben deshalb allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis, in der Erkenntnis aber die Selbstbeherrschung, in der Selbstbeherrschung aber das standhafte Ausharren, im standhaften Ausharren aber die Gottesfurcht, in der Gottesfurcht aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe.

Was hier deutlich wird, nicht Passivität bewahrt uns vor dem Straucheln, sondern die praktische Umsetzung dessen, was uns im Wort Gottes gelehrt wird. Das ist es auch, was im Missionsbefehl deutlich wird, wo Jesus Seinen Jüngern den gewaltigen Auftrag gab: „Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe!“ (Mt 28,19-20). Alles zu bewahren, was Jesus geboten hat, bedeutet als erstes, sich mit allem auseinanderzusetzen, denn die erste Voraussetzung ist mit Seiner Lehre vertraut zu sein, doch mit bewahren ist mehr als das gemeint, bewahren bedeutet, das Halten dieser Gebote. Wir müssen darin leben um vor dem Straucheln bewahrt zu werden. Satan will uns zu Fall bringen, indem er uns weismachen will, man müsse nicht alles so eng sehen, doch wenn wir diesen Einflüsterungen Raum geben, dann ist unser Fall schon vorprogrammiert. Denn wenn es ihm gelingt, Zweifel zu säen, indem er Gottes Absichten in Frage stellt, zerstört er unsere vertrauensvolle Beziehung zu Gott. Genau dadurch hat er Adam und Eva zu Fall gebracht und dieselbe Masche wendet er immer noch an. Selbst wenn wir nicht alle Gebote verstehen können, wir dürfen nie an Gottes guter Absicht zweifeln, dass sie uns zum Besten dienen. Aus diesem Grund ist es entscheidend, dass wir Gottes Gebote dankbar annehmen. Anstatt uns hier eingeengt oder gar benachteiligt zu fühlen, gilt es die Haltung des Psalmisten einnehmen, der sagte: Ich will dein Gesetz stets bewahren, immer und ewiglich. Und ich werde wandeln in weitem Raum; denn ich suche deine Befehle (Ps 119,44-45).

Mit dieser Einstellung und Motivation sollten wir das Wort Gottes studieren, wir sollten nicht nur Interesse an den Verheißungen haben, sondern ebenso freudig Gottes Gebote und Ordnungen studieren und darin Gottes Führsorge und Güte erkennen. Seine Gebote führen uns nicht in die Enge, sondern in den weiten Raum göttlicher Segnungen. Nichts sollte uns wertvoller und kostbarer sein, als zu erfahren, wie wir Gott gefallen können und was uns in der Heiligung voranbringen kann. Wenn unser Herz davon erfüllt ist und unser Leben danach ausgerichtet ist, werden wir nicht nur vor Straucheln bewahrt, sondern die ganze Fülle des Heils genießen können. Denn Jesus ist nicht gekommen, um uns jeglicher Freude zu berauben, sondern im Gegenteil, ER sprach: „Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Überfluss haben“ (Joh 10,10). ER ist der gute Hirte, der all unseren Mangel ausfüllt und uns zu grünen Auen und frischen Wassern führt. Je mehr wir diese Fülle des Segens erleben, je weniger anfällig werden wir sein, nach den Vergnügungen dieser Welt zu schielen. Stattdessen werden wir erkennen, um was es sich in Wahrheit handelt, es sind nur rissige Zisternen, die das Wasser nicht halten können, wir hingegen dürfen täglich neu aus der Quelle des Lebens schöpfen und erfahren, was Jesus versprochen hat: Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen (Joh 7,38).

Kommen wir nun zum letzten Gedanken des Ausgangstextes, wo Petrus sagt: Und so wird euch reichlich gewährt werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilands Jesus Christus. Wenn uns hier gesagt wird, dass uns der Eingang in das ewige Reich des HERRN umso reichlicher gewährt wird, dürfen wir es nicht so verstehen, als würden wir uns das ewige Leben selbst verdienen, sondern vielmehr ist es so zu sehen, dass uns in dem Maße, wie wir unser Leben von Wort prägen lassen, der Geist Gottes umso deutlicher zeigen wird, dass wir Kinder Gottes sind. Wenn ein Christ nach diesen von Petrus aufgezählten Qualitäten strebt und sieht, dass sein Leben fruchtbar und nützlich ist, wird er nicht in Zweifel, Verzweiflung, Angst oder Verunsicherung geraten, sondern sich der Gewissheit erfreuen, dass er errettet ist,2 stellt John Mac Arthur treffen fest.

Und genau das, so meine ich, will auch Petrus hier vermitteln, er zeigt uns auf, dass in dem Maße, wie wir Fortschritte in der Heiligung machen, auch unsere Freude an unserem Heil zunehmen wird. Mit anderen Worten: In Folge unseres Glaubensgehorsams, kommen wir in den vollen Genuss der göttlichen Segnungen und leben in der Vorfreude auf den überströmenden Lohn, der uns im zukünftigen Leben erwartet. Wenn Gottes Wort uns auffordert, auf das zu sinnen, was droben ist (Kol 3,1-2), dann geht es darum den Blick, weg vom Vergänglichen hin auf das Unvergängliche zu richten. Es geht darum, unser unvergängliches Erbe vor Augen zu haben, und unser Leben auf die himmlische Belohnung auszurichten. Während Satan uns einflüstern möchte, es würde sich nicht bezahlt machen, nach dem Willen Gottes zu leben, lehrt uns das Wort Gottes: Denn wer zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn gibt (Hebr 11,6). Wenn wir also dem Wort Gottes vertrauen, dann gilt es die Haltung einzunehmen, die Mose hatte, über den gesagt wird: Durch den Glauben wollte Mose, als er groß geworden war, nicht mehr als Sohn der Tochter des Pharao gelten, sondern wollte viel lieber mit dem Volk Gottes zusammen misshandelt werden als eine Zeit lang den Genuss der Sünde haben, und hielt die Schmach Christi für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens; denn er sah auf die Belohnung (Hebr 11,24-26).

Man darf nicht den Beifall der Welt erwarten, wenn man sich aufmacht, dem HERRN treu nachzufolgen, daher ist es so entscheidend, dass wir auf die zukünftige Belohnung sehen. Darüber hinaus, werden wir auch in diesem Leben schon reichlich belohnt, weil wir uns an der Gemeinschaft mit dem HERRN erfreuen können. Und je mehr wir darauf bedacht sind, unser Gewissen rein zu bewahren, je mehr werden wir diese ungetrübte Gemeinschaft mit Gott erleben. Entscheidend dafür ist, dass unser Verhältnis zu Gott immer an erster Stelle stehen muss. Was auch immer diese Gemeinschaft stört, wenn sie in unserem Leben wirklich an erster Stelle steht, werden wir uns davon trennen.

Daher sei noch einmal an den Beginn des Briefes erinnert. Wir haben gesehen, dass Petrus den Empfängern gleich im 1. Vers bestätigt hat, dass sie denselben teuren Glauben empfangen haben. Die Frage ist, woran konnte er dies ausmachen? Wir finden die Antwort Vers 4, wo es heißt: Damit ihr durch dieselben göttlicher Natur teilhaftig werdet, nachdem ihr dem Verderben entflohen seid, das durch die Begierde in der Welt. Wenn jemand wirklich diesen kostbaren Glauben empfangen hat, wenn er wirklich Anteil an der göttlichen Natur hat, dann müssen wir uns zu aller erst fragen, was die hervorstechende Wesenseigenschaft der Natur Gottes ist? Was sagt dies Schrift über die göttliche Natur? Was besagt das Selbstzeugnis Gottes? Petrus hat es in seinem ersten Brief aus 3.Mose 19,2 zitiert, als er folgende Worte zu Papier brachte: Denn es steht geschrieben: "Seid heilig, denn ich bin heilig." (1.Petr 1,16). Wir lesen an keiner einzigen Stelle, „Liebe, Liebe, Liebe ist der HERR“, vielmehr steht geschrieben: „Heilig, heilig, heilig ist der HERR“ (Jes 6,3). Wir haben auch nicht den „Lieben Geist“ empfangen, sondern den Heiligen Geist. Keine Frage, Gott ist Liebe, aber die Wesenseigenschaft, die mehr als alles andere hervorgehoben wird, ist Seine Heiligkeit. Daher ist es nur logisch, dass Petrus das, was er den Empfänger des Briefes bescheinigt hat, an dem ausmachen konnte, was er zuletzt aufführt, und das ist die Feststellung: Die ihr entronnen seid der verderblichen Begierde in der Welt.

Wenn ich hier auf mein früheres Leben zurückblicke, muss ich zu meiner Schande folgendes bekennen: Um meinen eigenen Begierden nachzujagen, war mir kein Weg zu weit, kein Aufwand zu groß, denn zur Befriedigung meiner selbstsüchtigen Wünsche, war ich nahezu bereit alles zu tun. Die Frage, die ich mir jedoch stellen muss lautet: Ist mein Leben der Nachfolge, von derselben Leidenschaft geprägt? Bin ich auch hier bereit Opfer zu bringen und alles daran zu geben, um das Ziel zu erreichen, nämlich Christus immer ähnlicher zu werden? Leider muss ich bekennen, dass ich davon noch weit entfernt bin, doch ich möchte wie ein Paulus sagen, dass ich mich danach ausstrecke. Und was machte Paulus? Er ließ alles andere hinter sich. Sicher wird das für Unverständnis unter Ungläubigen sorgen, auch das wird uns in der Schrift nicht vorenthalten. In seinem 1.Brief hat Petrus dazu folgende Zeilen verfasst: Denn es ist für uns genug, dass wir die vergangene Zeit des Lebens nach dem Willen der Heiden zugebracht haben, indem wir uns gehen ließen in Ausschweifungen, Begierden, Trunksucht, Belustigungen, Trinkgelagen und frevelhaftem Götzendienst. Das befremdet sie, dass ihr nicht mitlauft in denselben heillosen Schlamm, und darum lästern sie (1.Petrus 4,3-4).

Wenn uns Weltmenschen nicht verstehen können, sollte uns dies weniger wundern, als wenn unser Verhalten für sie absolut nachvollziehbar wäre. Bevor ich Gläubig war, hätte ich mich selbst auch nicht verstanden. Denn früher habe ich auch keine Party ausgelassen, ob Après-Ski, Fasching oder Volksfest, ich war immer dabei. Mit dem Glauben jedoch hat sich alles geändert, während ich früher immer dachte, ich würde etwas verpassen, wenn ich ein Event auslasse, gibt mir das heute gar nichts mehr. Denn das alles ist nur eine kurzzeitige oberflächliche Freude, die nur so lange anhält, wie man ständig Alkohol nachschüttet, ist dann der äußerste Level erreicht, schlägt es spätestens am nächsten Morgen ins Gegenteil um, weil man mit den Nachwirkungen zu kämpfen hat. Man rennt praktisch halb betäubt durchs Leben, braucht immer Alkohol, Musik und Unterhaltung, doch letzten Endes macht man sich nur selbst etwas vor. Es war nämlich so, dass ich immer eine innere Leere verspürt habe, zwar wurde ich durch die kurzeitigen Vergnügungen abgelenkt, doch danach kehrte dieses Gefühl immer wieder zurück. So suchte ich ständig nach Ablenkung und Berieselung, immer musste das Radio oder der Fernseher laufen, denn nichts war unerträglicher als ein Augenblick der Stille. Auch hatte ich mir von Freundschaften viel erhofft oder dachte, wenn ich eine Freundin habe, dann hätte ich das, was mir fehlt, doch die ersten Beziehungen gingen schnell die Brüche und als ich die erste längere Beziehung hatte, stellte sich dieses Gefühl der inneren Leere wieder ein, nach dem die ersten Schmetterlinge verflogen waren.

Somit kann ich durch meine eigene Lebenserfahrung bestätigen, dass Pfarrer Wilhelm Busch richtiglag, als er zur Feststellung kam: Der Mensch ohne Gott muss immer rennen und laufen. Er hat immer Eile, die alle Stille tötet; denn es wäre ja schlimm, wenn in der Stille sein Gewissen zu ihm redete.  3  Es ist allein der Gnade Gottes zu verdanken, dass ich durch so manchen Zerrbruch und manche Enttäuschung, an den Punkt gelangte, nicht mehr weiter zu rennen, sondern damit begonnen habe, in der Bibel nach Antworten auf meine Lebensfragen zu suchen. Dabei fand ich unverhoffter Dinge genau das, was ich unbewusst gesucht hatte. Der Abgrund meines Herzens, die innere Leere war plötzlich erfüllt von der Gegenwart Gottes. Menschen, die das nicht erfahren haben, mögen mit dem Kopf schütteln, weil ich heute nicht mehr alles mitmache. Doch beachten wir, es war die Gesellschaft mit den Gottlosen, die Petrus dazu verleitet hat, seinen HERRN dreimal zu verleugnen.

Treffend sagte Wilhelm Busch: Man möchte den Petrus fragen, der am Abend des Gründonnerstag im Hof des hohenpriesterlichen Palastes saß: »O du Jesusjünger! Was hast denn du bei den gottlosen Kriegsknechten zu schaffen?!« Und so muss man manchen Christen unserer Tage fragen, der bei Betriebsfesten, beim Karneval oder anderen derartigen Unternehmungen fröhlich mitschwimmt: »Meinst du, du könntest das tun, ohne Schaden zu nehmen an deiner Seele?!« Es ist heute Mode geworden, laut zu rufen: »Die Christen gehören in die Welt hinein!« Nun, wir stehen ja mitten drin und können »die Welt nicht räumen«. Aber wir stehen in dieser Welt als »Fremdlinge und Pilgrime. 4

Ein Christ kann sich bei weltlichen Veranstaltungen nicht wohlfühlen, er kann sich nicht dort aufhalten, wo die Welt ihre ausgelassenen Partys feiert. Diese Erfahrung habe ich selbst gemacht, als ich mich einmal dazu überreden ließ, mit aufs Volksfest zu gehen, alle standen auf den Bierbänken, haben gefeiert, gegrölt und gesungen, ich hingegen kam mir vor, wie ein Fremdkörper. Mitten in der großen Masse, fühlte ich mich einsam und völlig fehl am Platz. Im Nachhinein habe ich es sehr bereut, überhaupt hingegangen zu sein, was ich damit sagen will, wenn ich solche Veranstaltungen meide, dann nicht, weil es mir jemand verbietet, sondern weil ich mir an solchen Orten vorkomme, wie ein Fisch auf trockenem Land. Ich weiß aber auch, dass es Gott missfällt und wenn ich das missachte, ist es, als würde sich eine dunkle Wolke zwischen mich und meinen HERRN schieben. Genau das geschieht, wenn ein Christ im Glauben zu Fall kommt, es ist nicht so, dass er das Heil verliert, was er jedoch verliert ist seine Freude am Heil. Vielleicht benötigen wir ja diese schmerzhaften Erfahrungen um den Unterschied zwischen den rissigen Zisternen dieser Welt und der Quelle des Lebens auszumachen, doch durch das einfache Vertrauen in das Wort Gottes könnten wir uns viel Schmerz ersparen. Der weitaus bessere Weg jedoch wäre, täglich neu aus der Quelle des Lebens zu schöpfen. Denn der gesunde Glaube ist in der Erkenntnis zu sehen, dass die Gemeinschaft mit Gott durch nichts anderes zu übertreffen oder zu ersetzen ist.

Daher gilt es einen christlichen Charakter zu entwickeln, indem wir uns aufmerksam mit dem Wort Gottes befassen, um Seine Sichtweise zu erfahren und zu übernehmen. Entscheidend ist, was in Seinen Augen falsch und richtig ist; diesen Maßstab gilt es zu verinnerlichen so dass wir unser Denken davon erneuern lassen und unser Leben danach ausrichten und eine geistliche Gesinnung entwickeln. Gott hat unsere Herzen bei der Wiedergeburt beschnitten (vgl. Röm 2,29), doch wir müssen darauf achten, dass keine wilden Triebe aufkommen. So sagt Petrus in seinem 1.Brief: Deshalb umgürtet die Lenden eurer Gesinnung, seid nüchtern und hofft völlig auf die Gnade, die euch gebracht wird in der Offenbarung Jesu Christi! Als Kinder des Gehorsams passt euch nicht den Begierden an, die früher in eurer Unwissenheit herrschten, sondern wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, seid auch ihr im ganzen Wandel heilig! (1.Petr 1,13-15). Die Lenden der Gesinnung zu umgürten, bedeutet, dass wir es lernen müssen, unsere eigenen Gedanken zu kontrollieren, wir dürfen ihnen nicht freien Lauf lassen, sondern müssen sie unter den Gehorsam Jesu Christi befehlen. Wir dürfen uns nicht von selbstsüchtigen Begierden leiten lassen, sondern unser Denken vom Geist Gottes bestimmen und leiten lassen. Hierbei geht es um den Reifeprozess, durch geübte Sinne, Gutes und Böses zu unterscheiden (Hebr 5,14). Denn entgegen der pfingstlerischen Sonderlehre, ist Heiligung ein Wachstumsprozess. Man empfängt sie nicht auf einen Schlag durch eine sogenannte zweite Erfahrung, vielmehr ist es im Geistlichen, wie im Natürlichen: Wachstum ist immer ein Prozess. Die Grundvoraussetzung, nämlich geistliches Leben, empfängt der Gläubige bei der Wiedergeburt, von da an gilt es dieses geistliche Leben zu entwickeln und zu fördern.

Im Umkehrschluss jedoch verhält es sich so, dass Sünde die ungetrübte Gemeinschaft mit Gott zerstört. Eure Missetaten trennen euch von eurem Gott, und eure Sünden verbergen sein Angesicht vor euch (Jes 59,2). Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass der Heilige Geist, der seit der Wiedergeburt in unserem Herzen wohnt, eine Person ist. ER hat Empfindungen und was ER für Sünde empfindet, das entspricht genau dem, was Jesus und der Vater für Sünde empfinden, und das ist Abscheu und Ekel. Alle drei Personen der Gottheit verabscheuen Sünde aufs Tiefste. Sünde ist ein direkter Angriff auf die Autorität Gottes, ER wird dadurch zu tiefst gekrängt und entehrt, so dass jede Übertretung eines Gebotes, der Verachtung Gottes gleichkommt. Du hast zu reine Augen, um Böses mitansehen zu können, lesen wir in Habakuk 1,13, und weil dem so ist, musste Jesus in dem Moment, in dem ER unsere Sünde ans Kreuz trug, die Verlassenheit des Vaters ertragen. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34), rief Jesus aus, weil sich der Vater von IHM distanzieren musste. Sünde ist mit der Heiligkeit Gottes absolut unvereinbar. Wenn wir also Sünde in unserem Leben dulden, dann betrüben wir den Geist Gottes, was zur Folge hat, dass ER uns nicht mehr das innere Zeugnis geben wird, dass wir Kinder Gottes sind. Das heißt, Kinder Gottes die auf Abwege geraten, verlieren die Freude des Heils. Ein Beispiel dafür sehen wir im Gebet von König David, der, nach dem er durch den Propheten Nathan von der Sünde des Ehebruchs mit Batseba überführt wurde, gebetet hat: Lass mir wiederkehren die Freude deines Heils (Ps 51,14).

Abschließend sei noch einmal festgehalten, dass das Ziel christlicher Unterweisung immer darin besteht, uns vor solchen Fehltritten zu bewahren. Daher sollten wir dankbar sein, dass uns Petrus so eine gute Anleitung für ein siegreiches Glaubensleben gegeben hat und uns seine Anweisungen zu Herzen nehmen. Wenn wir dies tun, werden wir vor dem Straucheln bewahrt, weil wir Satan keine Angriffsfläche geben. Denn eines ist auch klar, so wie es Gottes Ziel ist, dass wir keinen Schiffbruch im Glauben erleben, so besteht das Ziel des Widersachers darin, uns zu Fall zu bringen. Aus diesem Grund, gilt es dem Teufel zu widerstehen, doch was ist das Wesentliche dabei? Jakobus gibt uns die Antwort, indem er sagt: So seid nun Gott untertan. Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch (Jak 4,7). Das Geheimnis eines siegreichen Glaubenslebens besteht darin, dass wir Gott untertan sind. Was nichts anderes bedeutet, als Seinem Wort zu gehorchen. Denn nur in dem Maße, wie Sein Wort Autorität über unser Leben hat, ordnen wir uns IHM unter. Der sicherste Weg, um nicht zu Fall zu kommen, ist im Bewahren von Gottes Wort zu sehen. In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, damit ich nicht gegen dich sündige (Ps 119,11), schreibt der Psalmist. Wenn wir dies beherzigen und ein reines Gewissen bewahren, dann wird uns, wie Petrus sagt, denn auf diese Weise wird euch der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Retters Jesus Christus reichlich gewährt werden.

Was wie gesagt, dies dürfen wir auf keinen Fall so verstehen, als würden wir uns den Eintritt ins Himmelreich selbst verdienen, unsere Errettung ist allein der Verdienst Christi, es geht hier, wie gesagt, um den Lohn. Jene, denen der Eingang reichlich gewährt wird, wird ein größerer Lohn zuteilwerden. Und zwar verhält es sich so, wie Paulus schreibt: Der Tag des Gerichts wird's klarmachen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch (1.Kor 3,11-15).

Angesichts dessen sollten wir es nicht darauf aufkommen lassen, am Tage des Gerichts wie durchs Feuer gerettet zu werden, denn in diesem Fall können wir bis zuletzt nie sicher sein, ob wir wirklich errettet sind oder nur zu jenen zählen, die nur „Herr, Herr – sagen“, aber nicht bereit sind, sich der Herrschaft Christi zu unterstellen. Möge der HERR uns vor einer solchen Einstellung bewahren, so dass wir zu jenen zählen, die klar und eindeutig auf Seiner Seite stehen und ein Leben zu Seiner Ehre führen. So wie es Jesus in der Bergpredigt sagte, als ER sprach: So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen (Mt 5,16).

 

Quellangaben

1. William MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament, S. 1363
2. John MacArthur – Studienbibel, S. 1877
3. Wilhelm-Busch-Bibliothek, S. 67
4. Ebd. S.80

 


Allgemeine Info zu dieser neuen Beitragsreihe unter: Ankündigung/Vorwort

 

 

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