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Reformation 2017 – Sie wünschen, wir predigen I

Veröffentlicht am: 10.02.2017

Wie ich am Mittwochmorgen aus unserer Tageszeitung erfahren habe, hat die Evangelische Landeskirche anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums eine Aktion zur Sammlung kreativer Ideen gestartet. Dazu wurde in der Stadt Backnang ein nahezu originalgetreuer Nachbau des Tores der Schlosskirche zu Wittenberg installiert, wo Martin Luther im Jahre 1517 die 95 Thesen angeschlagen hat. Dieser Nachbau, der mit den Worten „MACH DEN LUTHER“, überschrieben ist, soll Sammelstelle sein, um Ideen, Verbesserungsvorschläge und Wünsche einreichen zu können. Jeder kann zu Papier bringen, wie er sich Kirche vorstellt und was für Erwartungen er an einen Gottesdienst stellt. Die ganze Aktion soll 14 Tage andauern, danach soll das Modell nach Freudenstadt weiterziehen.

Mich erinnert diese „Wünsch-Dir-was-Aktion“, ein wenig an die früher ausgestrahlte Radiosendung, „Sie wünschen, wir spielen!“, einziger Unterschied, hier lautet das Motto: „Sie wünschen, wir predigen!“ Man verspricht sich viel von dieser Initiative, und ist, wie der Bericht wissen lässt, schon sehr gespannt auf die kreativen Ideen. Und das Versprechen lautet: "KIRCHE macht was aus DEINER IDEE"* Doch was, wenn die ohnehin schon kurzen Predigten einigen immer noch zu lange dauern oder gar gänzlich unerwünscht sind? Wird die Predigt dann durch musikalische Beiträge oder sonstige Unterhaltungselemente abgelöst?
Doch das ist nicht die einzige Frage, die diese Aktion aufwirft, was mich noch viel mehr interessieren würde, ist die Frage, was bitteschön hat dies mit der Reformation zu tun? Oder anders gefragt: Warum wird diese Meinungsbefragung mit den Worten „mach den Luther“, überschrieben?
Keine Frage, wenn es bei einer Radiosendung um Musikwünsche geht, mag es ja eine nette Idee sein, wenn sich die Höher ihren Lieblingssong wünschen dürfen, und ebenso gilt dies für unzählige andere Lebensbereiche, doch wie ist es mit der Institution Kirche? Sollte es da auch nach jedermann Geschmack gehen, oder wäre da nicht eher die Frage angebracht, was sich Gott unter Kirche vorstellt?

Nun, die Evangelische Kirche hat offensichtlich einen anderen Ansatz, man will den Geschmack der Leute treffen, doch kann man sich dabei wirklich auf den Reformator Martin Luther berufen? Oder soll dieser Name nur als Zugpferd herhalten, um für Wind und Aufsehen zu sorgen? Wenn dem so sein sollte, dann hat es zumindest schon mal für so viel Aufsehen gesorgt, dass unsere Tageszeitung diesem Thema fast eine ganze Seite gewidmet hat. Über die Hälfte dieser Seite stand unter der Überschrift: „Kirche öffnet neuen Ideen Tür und Tor“. Kein Zweifel, das klingt im ersten Moment sehr positiv und mag vielleicht auch im Sinne vieler Zeitgenossen sein, dennoch möchte ich noch einmal meine Frage wiederholen: Was hat diese Aktion mit der Reformation zu tun?

Oberflächlich betrachtet, gibt der Zeitungsartikel eine Antwort auf diese Frage, denn da wird behauptet: „Luthers Ideen haben bis heute nicht an Bedeutung verloren“. Doch genau hier haben wir den springenden Punkt: Man unterstellt einfach mal, die Reformation sei auf Luthers „Ideen“ zurückzuführen. Macht natürlich Sinn, wenn man in seinem Namen eine neue Ideenkampagne starten will. Aber wird man Martin Luther damit etwa gerecht?
Keineswegs, denn die Grundlage der Reformation, waren keinesfalls Luthers eigene Ideen. Die Reformation, der man angeblich gedenken will, war weder auf Luthers Kreativität, noch auf dessen persönlichen Wünschen gegründet, sondern auf die reformatorischen Grundsätze: „sola scriptura“, „sola fide“, sola gratia“, solus Christus“.

Betrachtet man nun diese Grundsätze, entkräftet bereits der erste jeglichen Gedanken in diese Richtung, denn dieser lautet nicht etwa „Allein durch Luthers Ideen“, sondern „Allein durch die Schrift“. Doch auch in den anderen reformatorischen Grundsätzen taucht weder der Name des Reformators auf, noch findet sich ein Bezug darauf, dass es sich lediglich um Luthers Ideen handeln würde, denn die übrigen lauten: „Allein durch den Glauben“, „Allein durch Gnade“, „Allein Christus“. Darüber hinaus gibt es noch einen weiteren reformatorischen Grundsatz, dieser ist vielleicht etwas weniger bekannt, doch wer glaubt dieser würde lauten „dem alleinigen Luther die Ehre“ sieht sich wieder getäuscht, denn hinter diesem fünften, der in Latein „Soli Deo gloria“ lautet, verbirgt sich der Inhalt: „Dem alleinigen Gott die Ehre“.

Ist das nicht erstaunlich? Da wird eine Kampagne gestartet, um der Reformation zu gedenken, doch das, was die Reformation ausmachte, bleibt gänzlich unerwähnt. Nicht mal einer dieser reformatorischen Grundsätze wurde im Bericht erwähnt, und auch der Dekan, der im Artikel mehrfach zitiert wurde, sah entweder keine Notwenigkeit, das Wesentliche zu erwähnen, oder aber, es erschien der Zeitung nicht passend, etwas davon zu veröffentlichen. Ich kann das an dieser Stelle nicht beurteilen, ich kann nur auf den Inhalt des Berichts eingehen, und hier kann ich auch nach dreimaligem Lesen nur zu der Feststellung kommen, dass das Thema „500 Jahre Reformation“ leider komplett verfehlt wurde.
Denn was die Reformation ausmachte, war keine Selbstverwirklichungskampagne, bei der es dem Reformator darum ging, der Kirche seinen ganz persönlichen Stempel aufzudrücken. Nein, sein Ansatz war keine Kurskorrektur, hin zu seinen eigenen Ideen, sondern ein konsequentes „Zurück zum Wort Gottes“ „Allein durch die Schrift“. Die Reformation war eine Bußbewegung, und Buße steht für Umkehr, für ein Zurück zum Ursprung, ein Zurück zu Gott und Seinem Wort. Luther hatte anhand der Schrift erkannt, wie weit sich die Katholische Kirche vom wahren Fundament des Glaubens entfernt hatte. Menschengebote hatten Gottes Gebote ersetzt. Die Priester herrschen auf eigene Faust!“ (Jer 5,31), wie einst zurzeit Jeremias. Dieser Missstand war der Anlass für den Anschlag der 95 Thesen.

Luther ging es weder um seine eigenen Ideen, noch um eine Ideensammlung, die das Resultat einer von ihm durchgeführten Volksbefragung war. Vielmehr war es so, dass ihm durch das Studium der Schrift bewusstwurde, dass die Lehre der Katholischen Kirche nicht auf das Wort Gottes, sondern auf Menschengebote gegründet war. Es war ein korruptes religiöses System, dem eher am Geld der Gläubigen, als an deren Seelenheil gelegen waren. Diese Kirche, die sich auf den Namen Christi berief, war zu einem modernen Pharisäertum geworden. Luthers Ziel bestand darin, diesen Missstand anhand der Schrift aufzudecken. Dabei war es ursprünglich nicht sein Ziel die Kirche zu spalten, vielmehr war er überzeugt, die Kirche Roms zum Umdenken bewegen zu können. Doch die Machtbesessenheit Roms war dazu viel zu groß, anstatt Buße zu tun, und einzugestehen, weit vom biblischen Weg abgewichen zu sein, wurde Luther der Häresie beschuldigt.

Soweit einmal fürs erste, was das wahre Ansinnen Luthers anbelangt, kommen wir wieder zurück zum Zeitungsartikel. Der, wie gesagt, anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums verfasst wurde. Meine Behauptung war ja, dass das Thema verfehlt wurde, doch wie komme ich dazu? Nun, ich habe es zwar schon ein wenig anklingen lassen, doch ich möchte es noch etwas deutlicher ausführen. Ich komme unter anderem dazu, weil in dem Bericht zu lesen war, dass es Luther um Demokratie gegangen sei, um freiheitliches, eigenständiges Denken und um Toleranz. Das ist sicher nicht alles falsch, denn freiheitliches, eigenständiges Denken und Toleranz waren sicher auch im Sinne des Reformators. Vor allem eigenständiges Denken, sollte man sich von niemand rauben lassen, weder vom Staat, noch von den Medien, noch von der Kirche, aber die Frage ist, ging es Luther wirklich um Demokratie? Und wie war es um sein Toleranzdenken bestellt, warum hat er denn die falschen Lehren der Katholischen Kirche nicht toleriert? Das wäre doch sehr naheliegend gewesen, wenn es um Toleranz nur um der Toleranz Willen gegangen wäre. Warum also diese unschöne Konfrontation, warum nicht einfach ein Auge zudrücken? Warum war der Reformator Martin Luther der Meinung, es sei notwendig die Missstände aufzudecken, anstatt einfach großzügig und tolerant darüber hinwegzusehen? Nun, offensichtlich, weil er von seinem freien Denken Gebrauch machte. Ihm war klar, was heute nur Wenigen bewusst ist, und das ist die Tatsache, dass Toleranz etwas ganz Bestimmtes voraussetzt. Für unseren modernen Zeitgeist hingegen ist „Toleranz“, lediglich ein populäres Schlagwort geworden, so dass in unserer Generation Toleranz über alles geht. Doch nun die bereits angedeutete Frage, was setzt denn eine Toleranz voraus? Geht man nach dem modernen Ansatz, lautet die Antwort: Toleranz bedeutet, alles zu akzeptieren, außer einen festen, verbindlichen Maßstab. Doch dazu 2 einfache Fragen:

1. Entsprach dies auch dem Toleranzverständnis von Luther? War auch er der Meinung, feste Maßstäbe seien verwerflich oder gar gefährlich? (Ich meine diese Frage ist berechtigt, da ja behauptet wurde, es ging bei der Reformation um Toleranz)

2.Entspricht unsere postmoderne Auffassung, nämlich die Verwerfung fester Werte, wirklich dem, was unter Toleranz zu verstehen ist?

Gebrauchen wir doch an dieser Stelle unser freies Denken, und machen uns gemeinsam daran, diesen einfachen Fragen auf den Grund zu gehen. Die erste, so denke ich, wird bereits durch „sola scriptura“ widerlegt, denn wenn gesagt wird „allein durch die Schrift“, dann gab es für den Reformator einen festen Maßstab. Dann kann also Toleranz im Sinne Luthers nicht bedeuten, alles zu akzeptieren, außer einem festen Maßstab.

Doch nun zur zweiten Frage: Was ist unter dem Begriff „Toleranz“ zu verstehen? Heißt es wirklich jeglichen Maßstab und jegliches Fundament zu verwerfen? Keineswegs, vielmehr setzt eine Toleranz einen festen Maßstab geradezu zwingend voraus. Denn überlegen wir uns doch mal folgendes: Angenommen ein Konstrukteur entwirft eine technische Zeichnung, wird es wohl ausreichend sein wenn er nur Toleranzangaben macht, aber keine feste Werte angibt?
Kann irgendjemand anhand einer solchen Zeichnung eine Maschine programmieren, ist irgendwer in der Lage besagtes Teil herstellen? Wie soll dieses Teil aussehen, wenn auf der Zeichnung weder Durchmesser noch Länge, noch irgendein anderes festes Maß zu finden ist, sondern nur die Toleranz genannt wird?
Es ist offensichtlich, die Toleranz nützt überhaupt nichts, wenn keine festen Maße genannt werden. Denn ohne einen festen Wert ist es unmöglich festzustellen, ob man innerhalb oder außerhalb der Toleranz liegt. Doch wer legt diesen Wert fest, wer ist überhaupt dazu in der Lage? Wird er durch Abstimmung oder Volksbeschluss demokratisch ermittelt? Ist hier etwa entscheidend, was die Mehrheit der Bevölkerung denkt, oder sollte man vielleicht irgendwelche Promis befragen? Oder zählt etwa, was die Stars und Sternchen aus der Rock- und Popszene sagen oder ist etwa die Meinung der Hollywoodgrößen relevant? Oder sind vielleicht die führenden Politiker, die diese Festlegung treffen? Gewiss nicht, allesamt sind weder in der Lage das Nennmaß vorzugeben, noch im Stande, die Toleranz zu definieren, die Festlegung darüber ist einzig und allein dem Konstrukteur vorbehalten. Nur er ist dazu in der Lage, denn er kennt den genauen Verwendungszweck des Bauteils, nur er weiß wie es beschaffen sein muss, damit es in die Gesamtkonstruktion passt, und funktionsfähig ist.

Toleranz macht also nur einen Sinn, wenn es einen festen Wert gibt, doch das führt unweigerlich zur Frage, wer überhaupt dazu in der Lage ist diesen Wert festzulegen? Bei einem technischen Bauteil ist es, wie eben gesehen, der Konstrukteur, doch wer ist es in Bezug auf die moralischen Werte? Und wer ist es in Bezug darauf, was Kirche ist und worin ihre Aufgabe besteht? Es ist offensichtlich, es kann nur der Schöpfer und Erhalter aller Dinge sein, der allein wahre Gott, der sich uns durch Sein Wort offenbart hat. Daher lautet der erste reformatorische Grundsatz auch nicht „allein durch unseren aktuellen Mehrheitsbeschluss“, sondern, wie bereits gesehen „sola scriptura“, „allein durch die Schrift“. Wenn es also um wahre Gottes Erkenntnis geht, wenn es um die Frage des ewigen Heils geht, um die Frage wie ein Mensch gerettet werden kann, welche Religion die richtige ist oder wie sich Gott das Zusammenleben der Menschen gedacht hat, dann finden wir die Antwort nicht in menschlichen Mehrheitsbeschlüssen oder Meinungsumfragen, sondern einzig und allein in dem, was Gott uns in Seinem Wort offenbart hat.

Dasselbe gilt auch in Bezug auf Jesus, wenn wir wissen wollen, wer Jesus ist, was ER gelehrt und getan hat, dann müssen wir der Sache auf den Grund gehen, indem wir auf die einzig zuverlässige Quelle zurückgreifen, und das ist die Bibel. Da finden wir im Neuen Testament die vier Evangelien, bei denen es sich bei zwei, um den Bericht direkter Augenzeugen und Weggefährten des HERRN Jesus handelt. Denn Matthäus und Johannes waren Seine Jünger, die unter Inspiration des Heiligen Geistes niedergeschrieben haben, was sie mit eigenen Augen gesehen, und mit eigenen Ohren gehört hatten (vgl. Joh 19,35; Apg 4,20; 2.Petr 1,16; 1.Joh 1,3). Die anderen beiden Schreiber, Lukas und Markus hingegen zählten nicht zum Kreis der 12 Jünger, die später auch Apostel genannt wurden. Dies macht ihrem Bericht aber keinen Abbruch, denn sie waren Wegbegleiter von Paulus, Petrus und Johannes, und hatten auch engen Kontakt zu den übrigen Aposteln, so dass sie den Bericht, den sie verfassten, direkt von diesen Augenzeugen hatten (vgl. Lk 1,2). Somit ist das Zeugnis der Apostel und Propheten das Fundament, und daher basieren auch alle weiteren Grundsätze der Reformation auf der Grundlage der Heiligen Schrift. Denn die reformatorischen Grundsätze „Allein durch den Glauben“, „Allein durch Gnade“, „Allein Christus“ gründen sich ebenso auf dieses Fundament, wie der Grundsatz: „Dem alleinigen Gott die Ehre“. Denn woraus leitet sich all dies ab, woher stammt diese Erkenntnis? Aus der Schrift.

Das ist also der feste, absolute und verbindliche Wert, es ist das, was Christus gelehrt hat. Es ist Sein Wort, das ER nicht selbst niedergeschrieben hat, sondern jene Männer, die ER dafür ausersehen hatte. Dieses Wort ist der Maßstab, dieses Wort ist das Fundament des christlichen Glaubens. Dies ist der feste Grund, von dem Jesus sagte: „Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18). Und dies entspricht auch den Worten aus Epheser 2:20, wo geschrieben steht: „Ihr seid aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst Eckstein ist!“
Wie entscheidend es ist, den Glauben auf dieser Grundlage zu bauen, hat Jesus selbst verdeutlicht. Doch diese Lehre finden wir nicht irgendwo, sondern in der Bergpredigt, also in jener Predigt, aus der selbst liberale Theologen immer wieder gerne zitieren. Doch eines geschieht dabei leider nicht, das Ende dieser langen Rede wird nicht erwähnt, denn das passt so gar nicht in die menschengefällige Verkündigung unserer Tage. Doch ist es nicht offensichtlich, dass jeder, der etwas Wichtiges mitzuteilen hat, am Ende ein Fazit zieht, um zu zeigen, worauf es ankommt? Jesus hat das auch so gemacht, doch warum wird das Hauptziel Seiner Lehre von den modernen Theologen unterschlagen?
Ganz einfach, weil die liberale, meist bibelkritische Theologie, dadurch wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzt. Darum, zur Gegenüberstellen zunächst die Lehre von Jesus und danach der Ansatz der modernen Theologen. Jesus sagte, am Ende der Bergpredigt folgendes:

Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß. Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk entsetzte über seine Lehre; denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten (Mt 7,24-29).

Soweit die Worte des HERRN, kommen wir nun zur postmodernen Theologie und damit zugleich zurück zum Zeitungsartikel, der zumindest dem Anschein nach, dem Reformationsjubiläum gewidmet war. Doch nun kommt die Aussage, auf die im Grunde meine bisherigen Ausführungen abzielen. Man könnte sagen, jetzt lasse ich die Bombe platzen, denn jetzt kommt, was mich im ersten Moment fast sprachlos machte. Und das ist folgendes Zitat, das so weit danebenliegt, dass ich einen Leserbrief verfasst habe, und dieses Zitat lautet: Der Fundamentalismus im Glauben ist in der gegenwertigen Situation ebenso gefährlich wie zu Luthers Zeiten. Ob wir dabei vom Islam sprechen oder vom Christentum, ist nebensächlich.“ Und weiter wird behauptet: Wichtig sei, die Auslegung des Glaubens nie als etwas Starres, Absolutes zu sehen, sondern stets neu zu hinterfragen und am Gebot der Nächstenliebe zu messen.*

Kann es einen größeren Gegensatz zu den Worten des HERRN Jesus geben? Jesus nannte den Mann, der seinen Glauben auf das Fundament Seiner Worte baute, einen klugen Mann. Jenen Mann hingegen, der seinen Glauben nicht auf dieses Fundament baute, bezeichnete Jesus als einen törichten Mann. Der moderne Theologe unserer Tage hingegen verkündet, wie im Beispiel gesehen, freimütig, dass fundamentaler Glaube eine Gefahr sei. Durch dieses Pauschalurteil wird so ganz nebenbei christlicher und moslemischer Fundamentalismus in einen Topf geworfen, so als würde von bibeltreuen Christen die gleiche terroristische Gefahr ausgehen, wie von Dschihad-Kämpfern, die im Namen Allahs, wahllos Menschen töten.
Wer solche Aussagen trifft, lebt entweder in völliger Unkenntnis oder in bewusster Ignoranz, was das Fundament des christlichen, und was das Fundament des muslimischen Glaubens unterscheidet. Dass der Normalbürger hier keinen Unterschied sieht, mag ja sein, doch solche Aussagen kommen von evangelischen Theologen, und in diesem Falle war es sogar ein Dekan. Also ein Mann, der mit dem Inhalt der Bibel, insbesondre mit der Lehre des Neuen Testaments vertraut sein sollte. Wenn dieser Dekan oder irgendein anderer Theologe behauptet, es ginge terroristische Gefahr von jenen aus, die sich an die Lehre von Jesus halten, der möge dies bitte anhand der Schrift belegen.

Mir ist bewusst, die öffentliche Wahrnehmung will hier keinen Unterschied sehen. Denn es ist heutzutage üblich, die Kreuzzüge oder die Verbrechen, die durch die Katholische Kirche im Mittelalter verübt wurden, fundamentalen Christen anzulasten. Ihnen will man dies anlasten, sie sollen für die vielen Hexenverbrennungen und sonstigen Verbrechen verantwortlich sein. Doch was dabei übersehen wird, ist die Tatsache, dass es vor allem die bibeltreuen Christen waren, die den Verbrechen der Katholischen Kirche zum Opfer fielen. Unzählige wurden aufgrund ihres bibeltreuen Glaubens zu Tode gefoltert. Somit ist es ein Unding, das Papsttum und fundamentale Christen über einen Kamm zu scheren, dem Papsttum ging es doch nicht um das Fundament der Heiligen Schrift, im Gegenteil, wer auch immer dieses Wort verbreiten wollte, landete auf dem Scheiterhaufen. Ist die Katholische Kirche damit etwa der Lehre von Jesus Christus gefolgt, war sie im christlichen Sinne fundamental? Gewiss nicht, denn Christus hat nicht nur Nächstenliebe, sondern sogar Feindesliebe gelehrt. Doch ER hat es nicht nur gepredigt, sondern auch vorgelebt. Selbst als ER zu Unrecht festgenommen wurde, verzichtete Jesus auf jegliche Form der Gewalt und wehrte sogar Seinen Jünger Petrus, IHN mit dem Schwert zu verteidigen (vgl. Mt 26,52).
Beachtet man nun, dass fundamentale Christen in die Fußstapfen ihres HERRN treten, und somit DEM nachfolgen, der geschmäht nicht widerschmähte, sondern Seinen Rücken denen darbot, die IHN schlugen (1.Petr 1,21-23; Jes 50,60), welche Gefahr kann dann von fundamentalen Christen ausgehen? Nur eine, und diese besteht darin, dass jene, die nicht auf das wahre Fundament bauen, bloßgestellt werden. Genau das war auch das Problem, warum der Reformator nicht überall beliebt und angesehen war. Im Gegenteil, in Rom hätte man ihn lieber tot, als lebendig gesehen. Luther erlebte damit denselben Konflikt, der auch zwischen Jesus und den religiösen Führern Seiner Tage bestanden hatte.

Wenn religiöse Führer vor Christen warnen, die die Bibel noch ernst nehmen, dann kann man stark davon ausgehen, dass sich dies darin begründet, dass sie darin einen Angriff gegen ihre angepasste, menschengefällige Theologie sehen. Doch weil Wahrheit und Irrtum nicht einfach friedlich nebeneinander leben können, kommen bibeltreue Christen nicht umhin, diese Missstände aufzuzeigen. Genau dies gab letztlich vor 500 Jahren den Ausschlag für die Reformation, und das ist auch der Grund, warum es in unserer Generation ebenso gilt, die Wahrheit gegenüber dem Irrtum zu verteidigen. Es geht nicht darum, den Geschmack der Masse zu treffen, es ist auch nicht entscheidend, was die Angesehenen sagen, im Gegenteil, Jesus sagte sogar: „Was unter den Menschen hoch ist, ist ein Gräuel vor Gott“ (Lk 16,15). 
Lassen wir uns also nicht durch irgendwelche Titel blenden. Auch Amts- und Würdenträgern dürfen wir nur so weit folgen, wie ihre Lehre dem standhält, was geschrieben steht. Denn allein das Wort, ist die Grundlage und das Fundament jener Gemeinde, von der Jesus sprach, als ER sagte: „Auf diesem Felsen werde ich meine Gemeinde bauen.“ Wer nicht auf dieses Fundament baut, gehört offensichtlich nicht zu dieser Gemeinde. Beachten wir hierbei auch, Jesus sprach von Seiner Gemeinde und davon, dass ER sie bauen würde. Es geht also nicht um eine menschliche Organisation, sondern um jene Herde, die ER durch Sein kostbares Blut erkauft hat. Diese Gemeinde ist Sein Eigentumsvolk, bestehend aus allen, die Seine Stimme hören und IHM nachfolgen (vgl. joh 10,27). Und wo hören wir Seine Stimme, wir hören sie in Seinem Wort. Dieses Wort, ist und bleibt das Fundament, das eben nicht von Generation zu Generation neu definiert und diskutiert werden muss, sondern das ein unveränderlicher Fels ist.
Der Trugschluss des modernen Menschen besteht darin, dass man davon ausgeht, die Wahrheit müsse durch Diskussion und Mehrheitsbeschlüsse immer wieder neu definiert werden. Man will partout nicht wahrhaben, dass es absolute Werte gibt, doch das Evangelium ist eine solche absolute, unveränderliche Wahrheit. Fasse es, wer es fassen kann, nur in Jesus Christus ist das Heil. Denn so steht es geschrieben in Gottes Wort. Und es ist in keinem anderen das Heil; denn auch kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden müssen (Apg 4,12).

Dies steht nicht zur Diskussion, dies ist Gottes ewiger, unveränderlicher Rettungsplan, der sich nie geändert hat. Es ist die in Seinem Wort überlieferte Botschaft, von der unbegreiflichen Rettungstat auf Golgatha, wo der Sohn Gottes, der ohne Sünde war, an unserer statt starb. Allein dieses vollkommene Opfer, in dem sich Gottes unbegreifliche Liebe zu einer gefallenen Menschheit zeigt, kann uns mit Gott versöhnen. Nur wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben. Daher folgt auf „Allein durch die Schrift“. „Allein durch den Glauben“, „Allein durch Gnade“, „Allein Christus“. Und weil dies alles weder auf menschlicher Weisheit, noch auf menschlichen Mehrheitsbeschlüssen, noch auf sonstigen menschlichen Verdiensten basiert, folgt: „Soli Deo gloria“ „Dem alleinigen Gott die Ehre“.
Wenn man all dies bedenkt und sieht, was die Grundlage der Reformation war, dann wir eines deutlich. Eine Aktion, bei der man sein Fähnchen in den Wind des Zeitgeistes hält, um zu erfahren, was denn die Mehrheit des Volkes von der Kirche erwartet, hat mit dem, was vor 500 Jahren in Wittenberg geschah, nichts gemein. Vielmehr muss man sich fragen, ob dies, nicht einer Bankrotterklärung der Evangelischen Kirche gleich kommt, statt einer Welt, die völlig orientierungslos ist, eine verbindliche Antwort zu geben, sagt man: Wichtig sei, die Auslegung des Glaubens nie als etwas Starres, Absolutes zu sehen, sondern stets neu zu hinterfragen und am Gebot der Nächstenliebe zu messen.
Man geht also davon aus, selbst keine verlässlichen Antworten zu haben, und sagt damit praktisch: „Leute, die Bibel gibt keine absoluten, verbindlichen Antworten, wir selbst stochern auch nur im Nebel herum. Wir sitzen also im selben Boot, daher ihr Verzweifelten, die ihr rast- und ruhelos umherirrt, weil ihr in dieser Welt weder Halt noch Orientierung findet, besucht unsere Gottesdienste. Wir haben zwar auch keine verbindliche Botschaft, doch kein Problem, wer da Fragen hat, der reiche sie ein, wir antworten gern, nur seien sie bitte so freundlich, und lassen sie uns vorher wissen, welche Antwort sie gerne von uns hören würden!“

Dies, so scheint es, hat sich die Evangelische Kirche zur Aufgabe gemacht. Man sieht sich als Dienstleister, um eine Botschaft nach jedermann Geschmack zu liefern. Sollte es da verwundern, wenn immer mehr Menschen dieser Institution den Rücken kehren? Die Menschen brauchen doch keine Kirche, die nur Orientierungslosigkeit vermitteln kann, was die Menschen brauchen, ist etwas, an das sie sich klammern können, etwas, das ihnen auch in schweren Zeiten Halt gibt. Die Menschen brauchen ein zuverlässiges, tragfähiges Fundament. Genau das, hat uns Gott durch Sein Wort gegeben, indem ER uns durch dieses Wort, das ewige Evangelium gegeben hat. Dies ist der unvergängliche Same, den es auszustreuen gilt (vgl. 1.Petr 1,23; Mt 13,24). Und die Frage ist, kann man durch Sprache deutlicher ausdrücken, dass dieses Evangelium nicht für jede Zeit neu definiert, diskutiert und verabschiedet werden muss, als es der Heilige Geist tut, indem ER uns die rettende Botschaft als einen unvergänglichen Samen vor Augen stellt, und dieses Evangelium, das ewiges Evangelium nennt? (vgl. Offb 14,6). Es gibt nicht für jede Generation ein neues Evangelium, und Gottes Heilsplan wird sich auch für unsere Generation nicht ändern.

Der Auftrag des HERRN Jesus, lautet nicht „diskutiert das Evangelium“, sondern predigt das Evangelium. Das ist der Auftrag der Kirche, nicht dieses ewige: „Es kann sein, muss aber nicht“, nicht dieses postmoderne: „Was für heute gilt, muss noch lange nicht für morgen zählen“, soweit ist diese Welt von selbst gekommen, dazu braucht es keine Kirche. Wenn die Kirche eine Botschaft hat, dann sollte sie diese verkündigen, wenn nicht, sollte sie ihre Räumlichkeiten für andere Zwecke zur Verfügung stellen. Es macht mir keine Freude so etwas sagen zu müssen. Es gibt mir gewiss keine Genugtuung, nach dem Motto: „Denen habe ich es aber wieder gezeigt!“ Nein, es macht mich traurig, wirklich traurig, so etwas schreiben zu müssen, dennoch fühle ich mich gedrungen, es in aller Deutlichkeit zu sagen: „Mit der Aktion „Sie wünschen, wir predigen!“, ist niemanden gedient, vielmehr sollte man sich fragen, ob der Begriff „Gottesdienst“ überhaupt noch seine Berechtigung hat? Wäre es nicht konsequenter, die Veranstaltungen zukünftig als „Menschendienst“, zu bezeichnen? Denn welchen Platz hat denn Gott in dieser Kirche? Die Vision dieser ganzen Aktion gibt uns die Antwort: Keinen, denn da heißt es: "ICH, DU, WIR – Treffpunkt „Kirche im Dorf"*. Um was dreht es sich in dieser Kirche? Um das ICH, es dreht sich alles nur um den Menschen und seine Wünsche, doch wo bleibt Gott? ER bleibt außen vor. Um nicht falsch verstanden zu werden, natürlich sollte die Kirche für die Menschen da sein, aber eben nicht als menschengefällige, sondern als Diener Gottes, und zwar so, wie es Paulus formuliert hat: „Wenn ich noch Menschen gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht!“ (Gal 1,10).

Aus diesem Grund hat Paulus die umstrittene Botschaft vom Kreuz auch nicht unterschlagen oder gar umgedeutet, sondern verkündigte sie wohlwissend, dass er mit viel Widerstand zu rechnen hatte. Doch warum? Etwa um Leute zu provozieren? Gewiss nicht, er tat es, weil ihm bewusst war, dass dies der einzige Weg zur Rettung ist. Aus diesem Grund hielt er nichts vom Ratschluss Gottes zurück. Er begann mit der Heiligkeit Gottes, er konfrontierte die Menschen mit dem Gesetz Gottes, stellte ihnen ihre Schuld und Sünde vor Augen, und wies sie dann auf das Kreuz hin. Den Ort, an dem der Sohn Gottes die Strafe erduldet hat, die wir verdient hätten. Diese Botschaft war damals nicht populär, sie ist auch heute nicht populär, aber es ist Gottes Weg zur Rettung. Allein dieses unveränderliche, ewige Evangelium, hat auch heute noch die Kraft, Menschen aus der Macht der Finsternis zu erretten. Und dieses Evangelium war auch der Kern, der damaligen Bußbewegung, denn genau das war die Reformation. Und so wundert es auch nicht, dass folgendes Zitat auf Martin Luther zurückgeht: Predige Gottes Wort so, dass die Zuhörer entweder ihre Sünde oder dich hassen.“

Warum war es Luther wichtig, dass die Menschen ihre Sünde hassen? Es ist ganz einfach, weil Jesus sagte:  „Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten!“ (Mk 1,17). Jesus kam nicht für Menschen, die sich selbst für gerecht halten, ER kam für Sünder. Ausschließlich und ausnahmslos für Sünder. Daher gilt auch nur Sündern Seine Einladung: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht“.
Ehe wir nicht unsere eigene Sünde hassen, und förmlich von unserer Sündenlast erdrückt werden, gilt uns diese Einladung nicht. Verzweifeln wir jedoch an unserer Schuld und Sünde, dann gelten uns genau diese Worte. Dann gilt uns Sein Versprechen, uns diese schwere Last abzunehmen. ER hat es sogar schon getan, indem ER unsere Sünde ans Kreuz getragen hat. Nur dort am Kreuz werden wir Ruhe finden für unsere Seele, denn dort wurde der Schuldbrief, der gegen uns gerichtet war, getilgt (vgl. Kol 2,14). Nur dieses unveränderliche, ewige Evangelium kann uns in dieser Zeit, in der man sich auf nichts mehr verlassen kann, wahren Halt geben. Nur in Christus allein haben wir einen sicheren und festen Anker der Seele (Hebr 6,19).

 

 

*Quellangabe: Backnanger Kreiszeitung, Ausgabe 08.02.2017, sowie: http://www.kirche-macht-was.de/

 

 


 

Empfehlenswert zum Thema "Reformation" ist auch die aktulle Ausgabe der Zeitschift "Der schmale Weg", bei der es sich um eine Sonderausgabe zum Reformationsjubiläum handelt, sowie die 95 Thesen zur heutigen Situation von Kirche und Gesellschaft, verfasst im Lutherjahr 1996, aktualisiert für das Lutherjahr 2017 von Dr. theol. Lothar Gassmann

 

 

 

 

 

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