und

4. Unsere Eigenverantwortung in der Heiligung

22.07.2017

So setzt eben deshalb allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis, in der Erkenntnis aber die Selbstbeherrschung, in der Selbstbeherrschung aber das standhafte Ausharren, im standhaften Ausharren aber die Gottesfurcht, in der Gottesfurcht aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe. Denn wenn diese Dinge bei euch vorhanden sind und zunehmen, so lassen sie euch nicht träge noch unfruchtbar sein für die Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus (2.Petr 1,5-8).

Wie im letzten Kapitel angekündigt, wollen wir diesen lehrreichen Textabschnitt nun Schrift für Schritt ansehen. Wozu wir ihn in die Unterpunkte: Tugend, Erkenntnis, Selbstbeherrschung, Ausharren, Gottesfurcht, Bruderliebe, Liebe, unterteilen werden. Ehe ich einzeln darauf eingehen möchte, sei erwähnt, dass wir hier eine logisch aufeinander aufbauende Reihenfolge sehen. Petrus nennt nicht einfach willkürlich ein paar Charaktereigenschaften, sondern hat eine nachvollziehbare Argumentation, die durch das Wort Eifer deutlich macht, dass Gott nicht alles macht, sondern es in unserer Verantwortung liegt, einzusetzen und zu gebrauchen, was ER uns anvertraut hat.


1. Tugend: Als erste Charaktereigenschaft nennt Petrus die Tugend, indem er schreibt: So setzt eben deshalb allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend dar. Um diesen Punkt nicht falsch zu verstehen, sei vorab gesagt, dass wir Tugend nicht mit idealistischen Vorstellungen verwechseln dürfen, sondern dass es hier darum geht, dass der Glaube in Aktion treten muss. Die Aussage „setzt eben deshalb allen Eifer daran“ macht deutlich, dass wir dafür Sorge tragen müssen, dass unser Glaube lebendig, aktiv und tatkräftig ist. Somit stellt Petrus gleich durch den ersten Punkt klar, dass die Tatsache, dass den Gläubigen alles geschenkt ist, keineswegs so zu verstehen ist, als würden sich die Gläubigen nun in einer Art passiven Wartestellung befinden. Nein, zwar sind alle Kinder Gottes aufgerufen, auf ihren HERRN zu warten, doch dies nicht in einer lethargischen Haltung, so dass man die vom HERRN anvertrauten Pfunde vergräbt, sondern im Gegenteil, die Aufforderung lautet: Handelt damit, bis ich wiederkomme! (Lk 19,13). Machen wir uns also bewusst, wir wurden nicht allein zum Selbstzweck so überreich beschenkt, sondern um einander zu dienen, und dieser Welt ein Zeugnis für unseren HERRN zu sein. Wenn wir nun beachten, dass Jesus diese Welt als ein Erntefeld beschrieben hat, und dass jeder Gläubige wie ein Arbeiter in diesem Erntefeld zu sehen ist (vgl. Mt 9,37), dann können wir daraus folgendes Bild ableiteten: Ein Bauer kann im Herbst keine Ernte einfahren, wenn er nur im Sessel sitzt und über Saat und Ernte philosophiert, er muss das Feld bearbeiten, er muss den Samen ausstreuen. Beim Wachstum und Gedeihen ist er von Gott abhängig, aber das Ausstreuen des Samens liegt in seiner Verantwortung, das wird ihm Gott nicht abnehmen. Wenn Petrus zuerst von Tugend spricht, dann will er für mein Verständnis, darauf hinweisen, dass wir auf die richtige Ausgewogenheit in unserem Glaubensleben achten müssen. So wichtig und unverzichtbar es ist, dass wir uns mit der gesunden Lehre befassen und viel Zeit im Gebet verbringen, so wichtig ist es auch, dass wir es nicht versäumen das Wort Gottes aktiv auf unser Leben anzuwenden und entsprechend zu handeln. Es ist nicht damit getan, nur in der Theorie gläubig zu sein, nein, unser Glaube muss sich in unserem Alltag widerspiegeln. Anstatt nur herumzusitzen und abzuwarten bis etwas passiert, gilt es die Gelegenheiten wahrzunehmen, die sich uns bieten. Beachten wir, was der Apostel Paulus diesbezüglich schreibt: Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen (Eph 2,10).

2. Erkenntnis: So setzt eben deshalb allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis. Die Tatsache, dass Petrus die erste Charaktereigenschaft wiederholt, indem er sagt „in der Tugend aber die Erkenntnis“ verdeutlicht, dass diese Eigenschaften in der richtigen Ausgewogenheit vorhanden sein müssen. Es ist nicht ausreichend nur die erstgenannte aufweisen zu können, so dass man sagen könnte, „der eine hat eben mehr die Veranlagung zur praktischen Umsetzung, der andere dafür mehr Erkenntnis!“ Nein, Tugend und Erkenntnis gehören untrennbar zusammen und müssen im richtigen Verhältnis zueinanderstehen. Wenn allein auf die Tugend gesetzt wird, und man meint, Aktivität sei alles worauf es ankommt, dann artet es in blinden Aktionismus aus. Dann trifft zu, was der Apostel Paulus seinerzeit über die religiösen Aktivitäten des jüdischen Volkes sagen musste: Ich bezeuge ihnen, dass sie Eifer für Gott haben, aber ohne Einsicht (Röm 10,12). Paulus selbst war lange von solch einem Eifer angetrieben, dass er gar nicht wahrnahm, in Wahrheit die Sache Gottes zu zerstören, anstatt sie aufzubauen (vgl. Apg 9,4: 22,3-4). Denn als Paulus noch Saulus genannt wurde, war er einer unter vielen, durch dessen Leben sich das prophetische Wort des HERRN erfüllte: Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen; es kommt sogar die Stunde, dass jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst zu tun (Joh 16,2).

Hier haben wir ein Extrembeispiel wie sehr fehlgeleiteter Eifer ins Gegenteilige ausschlagen kann. Um dieser Gefahr vorzubeugen, war es Petrus wichtig, den Gläubigen zu vermitteln, dass ihre Energie und ihre Aktivitäten stets von der Einsicht geleitet werden müssen. Unverzichtbar hierbei ist, dass die Gläubigen über das geistliche Kindesalter hinauskommen, indem sie an Erkenntnis zunehmen. Sie müssen über den Punkt hinauskommen, nur Milch zu vertragen (vgl. 1.Kor 3,2). Wie viele lassen sich doch mitreißen von Aktionismus ohne jegliche Einsicht, anstatt ihr Glaubensleben anhand der gesunden Lehre der Schrift auszurichten. Wenn Petrus sagt, dass den Gläubigen alles geschenkt ist, was zum Leben und zur Frömmigkeit dient, dann ist hier zu aller erst die Tatsache zu sehen, dass sie im Wort Gottes, die Stimme des guten Hirten erkennen (vgl. Joh 10,27: 18,37). Das heißt, durch das geistliche Leben, das in ihnen pulsiert, können sie Geistliches, geistlich deuten und haben die Erkenntnis, dass die Bibel kein Menschenwort, sondern Gottes Wort ist (vgl. 1.Thess 2,13). Somit haben sie Zugang zur Quelle der göttlichen Weisheit, je mehr sie aus dieser Quelle schöpfen, je mehr werden sie zunehmen in der Erkenntnis. Wo jedoch auf gesunde Lehre und persönliches Bibelstudium verzichtet wird, fehlt der Tugend die Erkenntnis. Leider ist dies für den religiösen Aktivismus unserer Tage kennzeichnend. Man denke nur an den blinden Eifer, eine vermeintlich „christliche“ Einheit herbeiführen zu wollen, indem man argumentiert: „Lehre trennt, Liebe vereint“. Tragischer Weise wird die Reinheit der Gemeinde durch ein solches Bestreben geopfert, weil es im Gegensatz zur gesunden Lehre der Schrift, nicht um die Echtheit des Glaubens, sondern nur noch um Besucherzahlen geht. Man will wahrgenommen werden in der Welt, man sucht die Anerkennung der Welt, doch missachtet dabei den Willen Gottes.

3. Selbstbeherrschung: Auch der dritte Punkt ist wieder eng mit dem vorherigen verbunden, indem es heißt: In der Erkenntnis aber die Selbstbeherrschung. Hier sehen wir, mit Erkennen allein, ist es auch noch nicht getan, vielmehr gilt es, in rechter Weise zu erkennen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Erkenntnis zu Hochmut und Überheblichkeit führt. Ein typisches Beispiel dafür ist die Korinthergemeinde, ihnen schrieb Paulus: Wenn aber jemand meint, etwas zu wissen, der hat noch nichts so erkannt, wie man erkennen soll (1.Kor 8,2). Die Problematik hierbei war vor allem, dass sie nach Menschenweisheit handelten. Genau das gilt es zu vermeiden, von daher gilt es, den Eifer in die richtigen Bahnen zu lenken, indem man sich durch die Weisheit Gottes leiten lässt und diese ist nicht von vorschneller, aufbrausender Art, sondern von besonnener Natur. Gerade Petrus, der immer schnell dabei war, das Wort zu ergreifen, der immer gern vorpreschte, hatte diese Lektion schmerzlich erlernen und erfahren müssen. Zwar war sein ungebremster Eifer nicht so fanatisch, wie der eines Saulus von Tarsus, doch das ein ums andere Mal, war es ihm zum Verhängnis geworden, vorschnell und unüberlegt die Initiative zu ergreifen. So folgte oft auf eine göttliche Erleuchtung eine unbedachte Reaktion. Man denke nur an sein Bekenntnis: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ (Mt 16,16), wo rauf Jesus erwiderte: „Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel“ (V 17). Kurz darauf hat Jesus Seinen Jüngern angekündigt, was IHN in Jerusalem erwarten würde, dass ER durch die Hand der Ältesten, der obersten Priester und Schriftgelehrten vieles erleiden müsse. Als ER dabei offen ankündigte, ER würde getötet werden und am dritten Tage von den Toten auferstehen, da nahm IHN Petrus beiseite und fuhr ihn an: „Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht!“ (V 22). Hierauf erwiderte Jesus nicht: „Selig bist du“, sondern: „Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist!“ (V 23).

Machen wir uns also bewusst: Mangelnde Selbstkontrolle führt oft zu Handlungen, die im Nachhinein mehr Schaden anrichten, als dass sie von Nutzen sind. Dies erfuhr er auf besonders tragische Weise, nach dem er selbstsicher bekundet hatte: Und wenn ich auch mit dir sterben müsste, werde ich dich nicht verleugnen! (Mt 26,35). Keine Frage, seine Einstellung war gut und richtig, doch sie war nicht auf Gottvertrauen, sondern auf Selbstvertrauen gegründet. Hätte er Jesus besser zugehört, dann wäre ihm zum einen bewusst gewesen, dass der HERR die Herzen Seiner Jünger besser kennt als sie selbst, und des Weiteren hätte er sich die Aufforderung: „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ (Mt 26,41), zu Herzen genommen. Wie oft schwanken wird doch zwischen den beiden Extremen, gar nichts tun zu können oder uns selbst zu überschätzen. Von daher ist die Ausgewogenheit, der von Petrus aufgelisteten Charaktereigenschaften so bedeutend. Wenn wir hier die ersten drei Punkte kurz zusammenfassen wollen, könnte man sagen, so wie Tatendrang ohne Einsicht einem Auto ohne Lenkung gleicht, so gleichen christliche Aktivitäten ohne Selbstbeherrschung und Mäßigung einem Auto ohne Bremse.

Doch unter Selbstbeherrschung ist auch ein gezügelter Lebensstil zu sehen. Beachten wir, was Paulus an Timotheus schreibt: Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht (2.Tim 1,7). Der letztgenannte Punkt ist Zucht, das heißt, es ist unverzichtbar sowohl unser Temperament als auch unsere Leidenschaften zu zügeln. Während die Divise der Welt besagt: „Folge deinen Leidenschaften, mache es zur ersten Priorität deines Lebens, steht’s das zu tun, was dir gefällt“, müssen wir es lernen, durch den Geist die Werke des Fleisches zu töten. Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Begierde und Habsucht, die Götzendienst ist! (Kol 3,5) forderte Paulus die Gläubigen auf und ging mit gutem Beispiel voran, indem er von sich sagen konnte: Ich bezwinge meinen Leib und beherrsche ihn, damit ich nicht anderen verkündige und selbst verwerflich werde (1.Kor 9,27). Dies geht nur durch Selbstbeherrschung und konsequenter Selbstdisziplin, die über unser Gebetsleben hinaus zur praktischen Umsetzung kommen muss. A.W. Tozer gibt diesbezüglich folgendes zu bedenken: Es ist fast unglaublich, wie weit wir zu gehen bereit sind, um Gott nicht gehorchen zu müssen. Wir nennen Jesus "Herr" und bitten Ihn, unsere Seelen zu erneuern, aber wir unternehmen alles, um nicht zu tun, was Er sagt. Wenn wir es mit Sünden oder Bekenntnis oder einer moralischen Änderung unseres Lebens zu tun bekommen, finden wir es leichter, eine halbe Nacht zu beten als Gott zu gehorchen. 1

Es ist eine große Gefahr sich geistlich zu fühlen, weil man eifrig die Bibel studiert und ein intensives Gebetsleben pflegt. So wichtig und unerlässlich dies ist, so entscheidend ist es auch, dass wir unseren Leib zügeln. Wir dürfen uns weder von Begierden, Lüsten, Leidenschaften noch von Stimmungsschwankungen beherrschen und leiten lassen, sondern müssen gerade darin einen wesentlichen Punkt des uns verordneten Kampfes im Glauben sehen. Wie das Wort „kämpfen“ schon sagt, wird uns hier einiges abverlangt. Machen wir uns also bewusst, ohne diese praktische Anwendung, werden wir keine Fortschritte im Glaubensleben machen.

4. Ausharren: Dass wirklich alle Punkte als ein Ganzes zu sehen sind, sehen wir darin, dass Petrus konsequent daran festhält, immer den zuvor genannten Begriff noch einmal in Verbindung mit dem nächsten Punkt zu wiederholen, so fährt er fort, in der Selbstbeherrschung aber das standhafte Ausharren. So deutlich wir bis hierher gesehen haben, dass das Glaubensleben keinem entspannten Zurücklehnen und Abwarten der Dinge entspricht, so sehen wir spätestens hier, dass der Wandel im Glauben keinem Spaziergang, sondern einem Ausdauerlauf gleicht. Wer wirklich ans Ziel kommen will, der hat vor allem eines nötig, und das ist Ausdauer. Denn es ist nicht mit einem guten euphorischen Start getan, sondern es geht darum, bis ans Ende auszuharren und was ist Ausharren anders als Geduld. So wichtig der Start ist, so entscheidend ist es auch, dass wir den guten Lauf, den wir begonnen haben, auch vollenden. Gerade dabei kommt es auf den langen Atem an, gerade hier ist Geduld und Ausharren unerlässlich. Hier sei noch einmal daran erinnert, es sind wiedergeborene Christen, die hier angesprochen werden, es sind jene, die den Geist Gottes empfangen haben, denen alles geschenkt ist, was sie zu einem gottwohlgefälligen Leben benötigen. Und was sagt die Schrift über die Frucht des Geistes? Sie sagt: Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue (Gal 5,22).

Auch wenn wir in unserer alten Natur noch so ungeduldig waren, durch den Empfang des Geistes haben wir Anteil an der göttlichen Natur und somit auch an der „Geduld“, die der Heilige Geist im Herzen der Kinder Gottes bewirkt. Wie das ganz praktisch geschieht, erfahren wir in Römer 5,3, wo geschrieben steht: Wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt (Röm 5,3). Dieselbe Erkenntnis finden wir auch im Jakobusbrief, wenn es heißt: Und wisst, dass euer Glaube, wenn er bewährt ist, Geduld wirkt (Jak 1,3). Natürlich verlangt uns dies einiges ab, natürlich ist es immer einfacher das Handtuch zu werfen, doch denken wir an Hiob, was er alles durchleiden musste. Bei all den Schicksalsschlägen, die ihm widerfahren sind, wäre es naheliegend gewesen auf seine Frau zu hören. Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? Sage Gott ab und stirb! (Hi 2,9), waren ihre Worte. Wir wissen, Hiob blieb standhaft, doch wie leicht lassen wir uns von viel Geringerem entmutigen. Einmal mehr möchte ich auf ein Zitat von Martyn Lloyd-Jones zurückgreifen. Treffend stellt er fest: In einer Zeit wie der unseren, in der so viele über den Glauben spotten und der Gemeinde den Rücken zuwenden, liegt es wohl nahe, dass die Frage in uns aufsteigt und uns anficht: „Warum soll ich weitermachen, warum soll ich noch geduldig sein?“ Doch wollen wir uns selbst und auch einander immer wieder daran erinnern, dass wir Gottes Kinder sind, die einem ruhmvollen, ewigen Erbe entgegengehen, das wir ‘nach kurzem Leiden‘ antreten werden. „Lasst uns aber im Gutestun nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht ermatten!"  2

Gerade in der Endzeit, ist Ausharren und Geduld in ganz besonderer Weise gefragt, denn wie leicht kann man sich dazu verleiten lassen, es wie so viele andere, locker angehen zu wollen. Wie leicht kann man sich fragen: „Warum soll ausgerechnet ich immer alles so eng sehen, während andere offenbar einen viel einfacheren Weg entdeckt haben?“ Gerade die einflussreiche Verführungsmacht der großen Hure Babylon, ist eine der größten Herausforderungen, die es in unserer Zeit zu überwinden gilt. Hier ist das Ausharren der Heiligen, welche die Gebote Gottes und den Glauben Jesu bewahren (Offb 14,12), sagt die Schrift. Während sich vor unseren Augen ein Pseudo-Christentum breitgemacht hat, das die gesellschaftliche Anerkennung genießt, gilt es für die Kinder Gottes weiterhin, die Gebote Gottes und den Glauben Jesu zu bewahren. An diesem Punkt gilt es ein Überwinderleben zu führen und dieses verlangt uns Geduld und Ausharren ab. Es ist wie der Schreiber des Hebräerbriefs sagt: Geduld aber habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt (Hebr 10,36).

5. Gottesfurcht: Im standhaften Ausharren aber die Gottesfurcht. Dem Ausharren fügt Petrus die Gottesfurcht hinzu, womit wir zu einem Punkt kommen, der dem oberflächlichen Christentum unserer Tage völlig abhandengekommen ist. Gerade die Unterwanderung durch falsche Lehre, auf die Petrus in diesem Brief später noch sehr ausführlich eingehen wird, hat in unserer Generation für ein völlig einseitiges Gottesbild gesorgt, bei dem Ehrfurcht vor Gott, fast keine Rolle mehr spielt. Vielmehr verkörpert die Kirche eher die Haltung eines Dienstleisters, dessen einzige Aufgabe darin besteht, jeglichen Lebensweg und Lebensstil im Namen Gottes abzusegnen. Wie sehr dies der gesunden Lehre der Schrift widerspricht, sehen wir in der Haltung der Apostel, sie sahen in Gott keinen gutmütigen Opa, den man nicht ernst nehmen müsse, vielmehr lesen wir: Denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer (Hebr 12,29). Oder wie es Paulus schreibt: Weil wir nun wissen, dass der Herr zu fürchten ist, suchen wir Menschen zu gewinnen (2.Kor 5,11). Dass dies keine Ansichtssache der Apostel war, sondern auch dem Bild entspricht, das Jesus von Seinem Vater im Himmel vermittelt hat, macht folgende Aussage deutlich: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet viel mehr den, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle (Mt 10,28).

Ein Leben in Frömmigkeit, ist ein Leben das von Gottesfurcht geprägt ist, und diese macht sich darin bemerkbar, dass sich Gläubige nicht über das Wort Gottes stellen, sondern dieses Wort als die höchste Autorität über ihrem Leben anerkennen. Die gegenteilige Haltung werden wir sehen, wenn wir zum Thema Irrlehrer kommen. Wie sehr sie damit am Ziel, das Gott mit Seinen Auserwählten verfolgt, verbeitriften, macht dieser Punkt deutlich. Kinder Gottes sind nicht zur Zügellosigkeit, sondern zur Heiligung aufgerufen. Auch wenn Irrlehrer Gegenteilige Behauptungen aufstellen, gilt es wahrzunehmen, dass wir nicht zur Unreinheit, sondern zur Heiligung berufen sind (vgl. 1.Thess 4,7). Wer dies missachtet, blendet nicht nur aus, dass der Geist Gottes Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes bewirkt (vgl. 1.Petr 1,2), sondern grenzt sich gerade durch diese Haltung vom Personenkreis jener aus, die den HERRN schauen werden (vgl. Hebr 12,14). Das Streben nach Heiligung ist ein Kennzeichen wahrer Gotteskindschaft, nur wenn wir die Sehnsucht im Herzen haben, immer mehr in das Bild Jesu umgestaltet zu werden, gilt uns die Verheißung: Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen: Wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist (1.Joh 3,2). Und wovon war das Leben Jesu geprägt, etwa von Eigenwilligkeit und Selbstverwirklichung? Nein, davon dem Vater zu gefallen. Sein Leben war so sehr davon geprägt, so sehr davon ausgefüllt und bestimmt, dass ER sagen konnte: „Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe“ (Joh 4,34). In Sein Bild verwandelt, und IHM immer ähnlicher zu werden, geschieht also keinesfalls da, wo man das Wort Gottes nicht mehr so eng sehen will, sondern da, wo es der größte Herzenswusch ist, den darin offenbarten Willen Gottes immer mehr zu erfassen, und zwar nicht um sich Kopfwissen anzueignen, sondern um sein Leben durch das Wort Gottes bestimmen und prägen zu lassen. Nicht weniger als das, ist unter Frömmigkeit und Gottesfurcht zu verstehen. Es geht um ein gottwohlgefälliges Leben.


6. Bruderliebe: Punkt 6 macht deutlich, dass Frömmigkeit und Gottesfurcht untrennbar mit der Liebe zu Glaubensgeschwistern ist. In der Gottesfurcht aber die Bruderliebe, schreibt Petrus weiter und erinnert damit an eine Gesinnung, die allein aufgrund dessen existiert, weil alle Gläubigen nicht nur denselben Glauben empfangen haben, sondern durch diesen gemeinsamen Glauben untrennbar miteinander verbunden sind. Alle haben denselben Geist empfangen, alle haben dieselbe Glaubensgrundlage und alle haben dasselbe Ziel, somit liegt nichts näher als die Gesinnung des Psalmisten einzunehmen, der sagte: Ich bin der Gefährte aller, die dich fürchten, derer, die deine Vorschriften einhalten (Ps 119,63). Wenn dies grundsätzlich unserer Haltung und Einstellung entspricht, so ist dies mit drei Segnungen verbunden:

1. Der Geist Gottes wird uns bestätigen, dass wir Kinder Gottes sind, denn geschrieben steht: Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind, weil wir die Brüder lieben. Und im Umkehrschluss gilt: Wer nicht liebt, bleibt im Tod (1.Joh 3,14: 4,20).

2. Unseren Gemeindeveranstaltungen und Gottesdiensten ist der Segen Gottes verheißen, denn geschrieben steht: Siehe, wie fein und lieblich ist's, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! Denn dort verheißt der HERR den Segen und Leben bis in Ewigkeit (Ps 133,1.3: vgl. 1.Joh 4,12).

3. Unsere Gemeinde wird Salz und Licht für diese Welt sein, denn Jesus sagte: Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt (Joh 13,35).

Kommen wir von diesen wunderbaren göttlichen Verheißungen nun zur Frage, wie diese Liebe unter Glaubensgeschwistern praktisch umgesetzt werden soll. Auch hier muss ich mir nichts ausdenken, auch hier finden wir zur Genüge Bibelstellen, die uns Aufschluss geben. So lesen wir in Römer 12: Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Übt Gastfreundschaft. Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den geringen. Haltet euch nicht selbst für klug (Röm 12,10.13.16). Sich gegenseitig einander zuvorkommen, einen Blick für die Nöte der Glaubensgeschwister zu haben und gastfreundlich zu sein, bedeutet den Glauben praktisch auszuleben. So wichtig es ist, dass wir uns gegenseitig in der Führbitte tragen, so klar gilt es auch wahrzunehmen, dass es nicht immer ausreichen wird, wenn wir zusichern für den anderen zu beten. Denn angenommen die Not unseres Bruders oder unserer Schwester ist praktischer Natur, dann müssen wir uns prüfen, ob wir unserem Gebet nicht Hände und Füße verleihen müssen. Denken wir hierzu an Jesu Worte aus Matthäus 25, wo er die Schafe von den Böcken scheidet, und zu den Schafen sagt: „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen (Mt 25,34-36). Die Gerechten sind daraufhin sehr verdutzt. Sie sind sich nicht bewusst, dass sie Jesus etwas zu essen gaben und können sich auch nicht daran erinnern, wann sie IHM je etwas zu trinken gaben. Auch dass sie Jesus eingekleidet haben als ER nichts anzuziehen hatte, dass sie IHN im Krankenhaus oder im Gefängnis besucht haben, ist ihnen ein Rätsel, weshalb sie verwundert fragen, wann das gewesen sei. Beachten wir, was Jesus darauf antwortet: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan!“ (V 40). Ist es nicht gewaltig, wie hoch es uns angerechnet wird, wenn wir unseren Glaubensgeschwistern praktische Liebe erweisen? Es ist so, als hätten wir Jesus selbst gedient. Und genau darauf läuft es hinaus, es geht darum, einander zu dienen. Der Größte unter euch soll euer Diener sein (Mt 23,11). Und wiederum steht geschrieben: Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst (Phil 2,3-4).

7. Liebe: Petrus beendet seine Auflistung mit den Worten: In der Bruderliebe aber die Liebe und kommt damit zum einzig logischen Schluss, denn genau das ist das Wesen des christlichen Glaubens und die Zusammenfassung der Gebote, so schlussfolgert auch Paulus: Das Endziel des Gebotes aber ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben (1.Tim 1,5). Dass auch unter diesem Punkt, mehr als Worte zu sehen sind, sondern dass das Wesen der christlichen Nächstenliebe immer von praktischer Natur ist, hat Jesus durch das Gleichnis vom barmherzigen Samariter sehr anschaulich und eindrücklich illustriert. Im Gleichnis erzählt Jesus von einem Mann der unter die Räuber gefallen war. Diese hatten ihn gewaltsam ausgeraubt und ließen ihn halb tot liegen. Weiter erzählte Jesus: Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme (Lk 10,31-35).

Hier sehen wir, Nächstenliebe darf nicht allein so verstanden werden, dass wir sagen: „Der Segne dich“. Mit Worten allein, ist es nicht getan, wenn keine Taten folgen. So wirft auch Jakobus die Frage auf: Wenn ein Bruder oder eine Schwester Mangel hätte an Kleidung und an der täglichen Nahrung und jemand unter euch spräche zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, ihr gäbet ihnen aber nicht, was der Leib nötig hat - was könnte ihnen das helfen? (Jak 2,15-16). Es geht hier also nicht um Gefühlsduselei, sondern darum, wirklich einen Blick für die Nöte unserer Mitmenschen zu haben und nach unseren Möglichkeiten zu helfen. Bei allen ist es immer wichtig, dass wir uns bewusstmachen, wie reich uns Gott mit Seiner Liebe beschenkt hat. Wir hatten weder Anspruch darauf, noch hatten wir es verdient, dennoch wurde uns Gottes unbegreifliche Liebe zuteil. Aber nicht nur das, sie wurde durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen (Röm 8,5). Da wir nun diesen Zufluss haben, da wir so reich beschenkt wurden und Zugang zur Quelle des Lebens haben, gilt es diese Liebe mit anderen Menschen zu teilen. Dazu ein hilfreicher Gedanke von William MacDonald, der diesbezüglich folgendes anmerkt: Wenn wir nicht praktizieren, was wir erkennen, dann führt uns das unausweichlich zur Trägheit. Weil das Tote Meer zwar Zuflüsse, aber keinen Abfluss hat, erstirbt darin jegliches Leben. Auch im geistlichen Bereich wird dadurch die Fruchtbarkeit verhindert. Bei der Frucht des Geistes wird die Liebe als erstes genannt, tragen wir Sorge, dass diese Frucht auch in unserem Leben vorhanden ist, denn Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm (1.Joh 4,16).

Abschließend sei gesagt, dass wir uns die Rettung nicht dadurch verdienen, dass wir Frucht bringen, sondern dass die Frucht ein Beweis unserer Errettung ist. Es ist, wie in Offenbarung 14,13 gesagt wird: Ihre Werke folgen ihnen nach. Gute Werke sind immer eine Folge dessen, was der Heilige Geist im Leben eines Gläubigen bewirkt hat, sie sind nicht das Mittel der Errettung, sondern der Beweis, dass ein Mensch wirklich gerettet ist. Mit anderen Worten: All die genannten Charaktereigenschaften können wir nur entwickeln, wenn wir aus Gott geboren sind. Wenn dies der Fall ist, dann wird es auch unser Ziel sein im Glauben zu wachsen, sollten wir jedoch denken, man dürfe dies alles nicht so eng sehen, dann sagt uns Petrus: Wem dagegen diese Dinge fehlen, der ist blind und kurzsichtig und hat die Reinigung von seinen früheren Sünden vergessen. Darum, Brüder, seid umso eifriger bestrebt, eure Berufung und Auserwählung fest zu machen; denn wenn ihr diese Dinge tut, werdet ihr niemals zu Fall kommen; denn auf diese Weise wird euch der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Retters Jesus Christus reichlich gewährt werden (2.Petr 1,9-11).

 

Quellangaben
1.  http://www.evangeliums.net/zitate/aiden_wilson_tozer_seite_1.html
2.  Martyn Lloyd-Jones - Licht an einem dunklen Ort, S.27/28
3.  William MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament, S.1363

 

 


Allgemeine Info zu dieser neuen Beitragsreihe unter: Ankündigung/Vorwort

 

 

 

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