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4. Festhalten an dem Bekenntnis

21.12.2017

Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch Bein, und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern alles ist enthüllt und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben. Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis! (Hebr 4,12-14).

 

Auf den ersten Blick scheint es sich ab Vers 14 um einen abrupten Themenwechsel zu handeln, in den beiden Versen zuvor war das Wort Gottes der Schwerpunkt, nun kommt der Schreiber des Hebräerbriefs auf Christus als Hohenpriester zu sprechen. Betrachtet man Vers 14 jedoch etwas genauer, stellt man fest, dass es ein fließender Übergang ist, denn der Text sagt: Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis! Wie gesagt, wir neigen vielleicht dazu, dies thematisch zu trennen, so dass wir auf der einen Seite das Wort sehen und auf der anderen Christus. Doch die Frage ist, werden wir dem Inhalt dieses Textes wirklich gerecht, wenn wir so vorgehen? Weiter stellt sich die Frage, ob wir dem Gesamtkontext der Schrift gerecht werden, wenn wir zwischen Christus und dem Wort oder zwischen Gott und dem Wort trennen? Es gibt unter jenen, die sich als Christen bezeichnen nicht wenige, die sagen: „Ich glaube nicht an die Bibel, ich glaube an Jesus!“, die Frage ist nur, an was für einen Jesus solche Leute glauben?

Von daher ist es lohnenswert, Vers 14 genauer zu betrachten, denn wenn man dies tut, kann man sehr gut feststellen, dass dieser Vers beides miteinander vereint, da ist zum einen die Rede von Christus unserem Hohepriester, zugleich jedoch wird durch die Aufforderung: „So lasst uns festhalten an dem Bekenntnis!“, Bezug auf das Wort genommen. Denn wo finden wir das Bekenntnis an dem es festzuhalten gilt? Wir finden es im Wort. Allein durch das geschriebene Wort erfahren wir, wer Jesus Christus wirklich war, es ist das Wort, das uns bezeugt, dass der Sohn Gottes die Himmel durchschritten hat. Es ist allein das Wort, das uns Jesus Christus als den großen Hohenpriester vor Augen stellt. Ein Hohenpriester, der keine Tieropfer darbrachte, sondern der sich selbst an unserer statt geopfert hat. Denn woher wissen wir, dass der Sohn Gottes Mensch wurde? Wer sagt uns, dass ER die Herrlichkeit beim Vater verlassen hat, um als unser Erlöser auf diese Welt zu kommen? Dass ER Sein kostbares Blut für uns am Kreuz vergoss, dass ER die Mächte der Finsternis besiegt, dass IHN der Tod nicht halten konnte, dass ER am dritten Tage auferstanden ist von den Toten, und nun zur Rechten Gottes sitzt? Wir erfahren es durchs Wort, wir erfahren es durch Bibeltexte, wie wir sie beispielsweise zu Beginn des Johannes Evangelium vorfinden, wo dieses einzigartige, unfassbare Ereignis in den ersten 4 Versen wie folgt beschrieben wird: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

Wenn wir diese Verse betrachten, so wird deutlich, wie unvereinbar es mit dem christlichen Glauben ist, wenn man einen Keil zwischen Gott und Sein Wort treiben will. Gott und das Wort gehören nicht nur untrennbar zusammen, nein, die Schrift sagt sogar: Und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Und wenn nun über dieses Wort in Vers 14 weiter gesagt wird: Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit, stellen wir fest, dass dasselbe auch auf den Sohn Gottes zutrifft: Auch Christus kann und darf nicht vom Wort getrennt werden, denn wenn es heißt, das Wort wurde Fleisch, dann ist klar, dass dieses Wort in Jesus Christus Fleisch wurde. Wenn also nun Leute auftreten und behaupten, dass Glaube an die Bibel Götzendienst sei, dann müssen wir hier nicht nur vehement widersprechen, sondern festhalten, dass es umgekehrt ist: Nicht jene, die ihren Glauben auf das Zeugnis der Heiligen Schrift gründen, betreiben Götzendienst, sondern jene, die sich ihren Glauben losgelöst von der Selbstoffenbarung Gottes selbst zusammenreimen wollen. Denn wie wollen sie den wahren Gott verehren, wenn sie Sein Selbstzeugnis ignorieren?

Vielleicht hilft es, wenn wir dies auf die zwischenmenschliche Ebene übertragen und uns bewusstmachen, dass diese Haltung in etwa einem Standpunkt gleichen würde, der besagt: „Mich interessiert nicht, was eine Person über sich zu sagen hat, sondern nur wer diese Person ist!“, Wäre so eine Einstellung nicht völlig absurd? Natürlich wäre sie das, denn wie will ich mir ein Bild von einem anderen Menschen machen, wenn ich ausblende, was er zu sagen hat? Nun gut, man kann sich vielleicht, sofern jemand im direkten Umfeld lebt, zumindest aufgrund seines Verhaltens ein gewisses Bild von ihm machen, doch ob man dabei wirklich ignorieren kann, was ein Mensch sagt, ist mehr als fraglich. Übertragen wir dies jedoch auf unsere Erkenntnis über Gott, dann ist klar, ER lebt nicht in unserem direkten Umfeld, sondern, wie uns die Schrift sagt, in einem unzugänglichen Licht wohnt, den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann (1.Tim 6,16). Von einem unsichtbaren Gott, der in einem unzugänglichen Licht wohnt, den zudem kein Mensch sehen kann, noch je gesehen hat, können wir von uns aus rein gar nichts wissen. Wir sind also auf Sein Selbstzeugnis angewiesen, und genau das entspricht seit jeher dem christlichen Standpunkt; der Ausgangspunkt ist nicht ein Gott den man sich irgendwie in eigener Fantasie und Vorstellungskraft selbst zusammenreimen kann, sondern ein Gott, der sich dem Menschen mitteilt, ein Gott der handelt, ein Gott, der sich Seinen Geschöpfen offenbart. Die Initiative geht also nicht vom Menschen aus, sondern von Gott. Einmal mehr möchte ich dazu Gedanken von Martyn Lloyd-Jones weitergeben, der diesbezüglich folgendes festgehalten hat: Können Sie den Unterschied nicht sehen? Hier ist es nicht der Mensch, der entdeckt; hier ist es Gott, der offenbart. Hier gelangt nicht der Mensch zur Erkenntnis; hier teilt Gott die Erkenntnis mit, übermittelt sie. 1 Es ist immer Gott, der handelt. Gott, der erlöst! Es geht immer von seiner Seite aus. Das Evangelium teilt uns seinen Erlösungsplan mit, es berichtet über die Macht, die ihn befähigt, uns zu erlösen. 2

Was auch immer wir über Gott denken, was auch immer wir für ein Bild vom christlichen Glauben haben, wenn es sich nicht mit dem deckt, was uns in der Bibel offenbart wird, liegen wir falsch. Ganz davon abgesehen, müssen wir grundsätzlich akzeptieren, dass unser Schöpfer weit über uns steht, ER, den die Himmel nicht fassen können, ER, dessen Wege und Werke unergründlich sind, ist viel zu überragend, viel zu groß und zu wunderbar, als das wir IHN erfassen könnten. Wenn ich Gott ermessen und verstehen könnte, so Martyn Lloyd-Jones, wäre er nicht Gott, sondern er wäre kleiner als mein Verstand. 3

Wir können also nur das von Gott wissen, was ER uns offenbart hat. Sofern wir das nicht erfasst haben und nicht wahrnehmen, dass es beim Evangelium von Anfang bis Ende um Offenbarung geht, ist unser Glaube allenfalls ein mystischer Nebel, eine religiöse Schwärmerei oder Wunschdenken. Losgelöst von der Schrift können wir weder unsere eigene Situation richtig bewerten, noch können wir wissen, wie Gott ist. Statt unsere Ohren vor dem Wort Gottes zu verschließen, gilt es diese zu öffnen. Mehrfach mahnt uns die Schrift: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht“. Doch diese Aufforderung steht nicht im luftleeren Raum, so als würde es hier darum gehen, dass wir in uns hineinhören, indem wir auf Eindrücke, Visionen oder Träume achten, sondern nimmt Bezug auf das geschriebene Wort, indem gesagt wird: Denn wir sind Teilhaber des Christus geworden, wenn wir die anfängliche Grundlage bis zum Ende standhaft festhalten. Wenn gesagt wird: "Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht wie in der Erbitterung"; welche haben denn gehört und sich aufgelehnt? Waren es denn nicht alle, die durch Mose von Ägypten ausgezogen waren?  Welchen aber zürnte er vierzig Jahre? Nicht denen, welche gesündigt hatten, deren Leiber in der Wüste fielen? Welchen aber schwor er, dass sie nicht in seine Ruhe eingehen sollten, wenn nicht denen, die ungehorsam gewesen waren? Und wir sehen, dass sie wegen des Unglaubens nicht hineingehen konnten (Hebr 3,14-19).

Wie hier deutlich wird, geht es darum, die anfängliche Grundlage bis zum Ende standhaft festzuhalten. Ebenso wird deutlich, dass sich wahrhaftiger Glaube im Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes zeigt. Auf Gottes Stimme zu hören, bedeutet Seinem Wort zu gehorchen. Denn jene, die nicht in Gottes Ruhe eingehen, sind die Ungehorsamen, die im letzten Vers als solche beschrieben werden, die wegen des Unglaubens nicht hineingehen konnten. Es ist also keineswegs einerlei, ob jemand dem Wort Gottes gehorcht oder nicht, denn das Heil ist nicht den Ungehorsamen versprochen, vielmehr steht geschrieben: Vollendet ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden (Hebr 5,9). Die Aufforderung auf Gottes Stimme zu hören ist also die Aufforderung dem Wort zu gehorchen, was auch dadurch deutlich wird, dass das griechische Wort für „hören“ und „gehorchen“ dasselbe ist. Doch auch im Deutschen liegen die beiden Worte eng beieinander, denn wenn wir beispielweise sagen, dass ein Kollege nicht auf den Chef hört, meinen wir damit, dass er dessen Anweisungen missachtet. Wer also meint, es sei belanglos ob man auf Gottes Wort achtet oder nicht, der irrt gewaltig (vgl. 1.Kor 6,9-10). Der Christ läuft nicht „auf gut Glück“ los, sondern orientiert sich am Wort Gottes. Und wenn uns dieses Wort nun an anderer Stelle auffordert: „Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind!“ (1.Joh 4,1), dann haben wir nur einen zuverlässigen Maßstab, um diese Prüfung vorzunehmen, und das ist das geschriebene Gottes. Das Wort allein zeigt uns, ob wir falsch oder richtig liegen. Ob wir eigensinnigen Gottesdienst betreiben oder ob wir wirklich den wahrhaftigen Gott verehren. Dass Gott großen Wert auf diese Unterscheidung legt, sehen wir bereits im 1. Gebot, wo ER unmissverständlich gebietet: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir“ (2.Mo 20,3; 5.Mo 5,7). Und wieder die Frage, wie können wir wissen, ob wir wirklich den wahrhaftigen Gott verehren oder ob es sich um andere Götter handelt? Es ist nur möglich durch das Wort.

Daher kann ich nicht oft genug wiederholen, dass der interreligiöse Dialog eine völlige Fehlinterpretation des christlichen Glaubens ist. Es geht beim wahren Glauben an den lebendigen Gott nicht darum, nach Gemeinsamkeiten mit anderen Religionen zu suchen, sondern darum, dass wir zu aller erst realisieren, dass es nur einen wahren Gott gibt. Von daher müssen wir auf Sein Wort achten, das uns sagt: Denn alle Götter der Völker sind Götzen, der HERR aber hat den Himmel gemacht (Ps 96,5). Es geht also nicht um faule Kompromisse oder um eine Universalreligion, sondern darum, den Gott, der Bibel bekannt zu machen. Es geht um dieses Bekenntnis, an dem wir festhalten müssen, dies gilt es nicht anzupassen oder zu diskutieren, sondern zu verkündigen. Aller Welt soll bezeugt werden, dass der Sohn Gottes die Himmel durchschritten hat, dass ER Mensch wurde, dass ER das Leben der Menschen geteilt hat, dass ER ein gerechtes und heiliges Leben geführt hat, um als unsere Stellvertreter, als unser Hohenpriester den Preis für unsere Schuld und Sünde bezahlen zu können. Allein darauf ist die christliche Hoffnung gegründet, allein durch Sein Blut haben wir Zugang zum Gnadenthron. Dies ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, früher beispielsweise hatten nur wenige Personen Zugang zu den Fürsten und Königen ihres Volkes und heutzutage ist es auch keine Selbstverständlichkeit, einen Termin bei Staatsoberhäuptern zu bekommen. Wer von uns hat die Möglichkeit der Kanzlerin seine Anliegen persönlich vorzutragen? Ist es da nicht erstaunlich, dass der allmächtige Gott uns dieses Vorrecht gewährt? Oder denken wir an die Zeit des alten Bundes, damals war es nur dem Hohenpriester erlaubt das Allerheiligste zu betreten, doch dies auch nur einmal im Jahr, heute im Neuen Bund haben wir durch Christus täglich Zugang. Durch IHN haben wir einen sicheren und festen Anker unsrer Seele, der hineinreicht in das Innere hinter dem Vorhang (Hebr 6,19).

Ist dies nicht unheimlich tröstlich, zumal in den Versen unmittelbar zuvor von Gericht die Rede war? Wir haben gesehen, dass alles vor den Augen Gottes offenbar ist, dass ER unser Herz durch und durch kennt und dass wir uns eines Tages für unser Leben verantworten müssen; das kann einen niederdrücken, hier kann einem angst und bange werden, dies kann einen in die Verzweiflung treiben; doch genau an diesem Punkt lenkt das Wort unseren Blick auf unseren Hohenpriester. Wenn immer wir die Not unserer Seele wahrnehmen, sind wir eingeladen zum Gnadenthron zu kommen. So lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe! Dabei dürfen wir wissen, dass unser HERR uns nicht völlig teilnahmslos aus der Ferne beobachtet, sondern dass ER Mitleid mit unseren Schwachheiten hat. ER wurde versucht in allem wie wir, doch ER blieb ohne Sünde. ER ist also nicht nur der, der uns durch Sein kostbares Blut erworben hat, sondern auch der, der sich als unser Hohenpriester tagtäglich für uns verwendet, und dies nicht oberflächlich, sondern mitfühlend. Keine Religion der Welt hat eine solche erstaunliche und tröstliche Botschaft, dennoch wird das Evangelium in unserem Tagen immer mehr verwässert. Wer hingegen am Wort Gottes festhält, wird schnell als Störenfried ausgemacht. Umso wichtiger ist es zu realisieren, worum es beim christlichen Glauben geht. Uns wird nicht gesagt, so lasst uns das Bekenntnis verwerfen und gute Kompromisse finden, sondern: So lasst uns festhalten an dem Bekenntnis. Beachten wir in diesem Zusammenhang auch, was Jesus über das Endgericht gesagt hat. Unser HERR sprach nicht davon, dass die Diplomaten einen besonderen Lohn erwarten würden, vielmehr hat ER das Gegenteil verkündigt, indem ER sprach: Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Sohn des Menschen schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln (Mk 8,38; Jes 51,7).

Gerne werden faule Kompromisse auch fromm verpackt, indem man behauptet, man würde die Menschen besser erreichen, wenn man ihnen entgegenkommt. Wenn wir ihrer Religion etwas Gutes abgewinnen, werden sie sich auch für das Gute in unserer Religion öffnen. Wer so argumentiert, handelt nach menschlicher Weisheit, er vertraut mehr auf Psychologie als auf das lebendige Wort Gottes. Er realisiert nicht, dass es unmöglich ist, geistlich Tote durch menschliche Methoden zum Leben zu erwecken. Von daher gilt es wahrzunehmen, dass es der Welt unmöglich ist, Gott in ihrer eigenen Weisheit zu erkennen (vgl. 1.Kor 1,21), allein das lebendige Wort Gottes, das Geist und Leben ist, vermag dies. Denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, durch das lebendige Wort Gottes, das in Ewigkeit bleibt (1.Petr 1,23), schreibt der Apostel Petrus. Er sagt nicht, ihr seid wiedergeboren durch unsere Kreativität und unseren Einfallsreichtum, er sagt auch nicht, dank unserer Kompromissbereitschaft und unserem Entgegenkommen, seid ihr wiedergeboren; nein, er schreibt es allein dem lebendigen Wort Gottes zu. Durch jegliche Anpassung und Verwässerung des Wortes, berauben wir das Evangelium seiner Schärfe. Die Botschaft kann nicht durchdringen, sie berührt die Herzen nicht, sie überführt nicht von Sünde und macht dadurch sowohl das Kreuz als auch den Hohenprieser, Jesus Christus, überflüssig. Die Sünde wird kleingeredet und verharmlost und Golgatha wird seiner Herrlichkeit beraubt. Denn während die Schrift sagt: Das Heil ist fern von den Gottlosen; denn sie fragen nicht nach deinen Anweisungen (Ps 119,155), versichert man den Menschen, die nicht nach Gott fragen, dass ihnen das Heil sicher sei. So verwirft man das christliche Bekenntnis und wundert sich, warum die Kirchenbänke leer bleiben.

Soweit zu dem falschen Weg, den man eingeschlagen hat. Kommen wir nun wieder zurück zum biblischen Weg, bei dem es, wie gesagt, nicht darum geht, das Wort anzupassen oder zu verwässern, sondern darum, an dem Bekenntnis festzuhalten. Mögen sich noch so viele für klüger halten, der christliche Glaube war von Beginn an fest an das Wort Gottes gebunden. Auch wenn immer mehr im religiösen Gewand auftreten und sich einbilden, sie würden über dem Wort stehen, so sollte sich jedes Kind Gottes vor dieser vermessenen Haltung hüten und stattdessen die Haltung des HERRN einnehmen, der zum Vater sprach: „Dein Wort ist die Wahrheit“ (Joh 17,17). Und wiederum sprach ER: „Die Wahrheit wird euch frei machen“ (Joh 8,32). Es gibt nur ein Mittel, um Menschen vom Irrtum befreien, und das ist die Wahrheit. Diese Welt ist übersät von Irrtümern und Lügen der Finsternis, wer glaubt, man kann der Lüge begegnen, indem man Zugeständnisse macht und versucht ihr etwas Gutes abzugewinnen, irrt gewaltig. Eine solche Denkweise, wird weder uns selbst ans Ziel führen, noch werden wir andere für das Reich Gottes gewinnen. Darum ist uns nur dann eine offene Tür verheißen, wenn wir am Bekenntnis festhalten. Nicht jenen, die sich der Worte des HERRN schämen, nicht jenen, die das Bekenntnis verwerfen, gelten die Worte: Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine geöffnete Tür gegeben, und niemand kann sie schließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet (Offb 3,8), sondern jenen, die daran festhalten. Die Anforderung, die der HERR an die Seinen stellt, lautet nicht: „Seid kreativ, sucht nach Gemeinsamkeiten und seid kompromissbereit“, sondern: „Was ihr habt, das haltet fest, bis ich komme!“ (Offb 2,25). Beachten wir, nicht bis ins 19te oder 20te Jahrhundert, sondern bis zu dem Tag an dem der HERR wiederkommt, gilt es am Bekenntnis festzuhalten. Unzählige Märtyrer waren bereit, für dieses Bekenntnis zu sterben, nur unser modernes Christentum redet sich ein, die Freiheit zu haben, die Botschaft nach Belieben anpassen und verändern zu können. Bei den einen mag es Menschenfurcht sein, bei den anderen ein falschverstandener Missionseifer, bei dem man das höchste Ziel des Glaubens darin sieht, andere Menschen für das Reich Gottes zu gewinnen. Natürlich hat die Gemeinde diesen Auftrag, aber es ist ein fataler Irrtum, darin die höchste Berufung des Gläubigen zu sehen. In erster Linie, und das ist in unserer Generation leider nur wenigen bewusst, geht es darum, dass der Christ aus dieser gefallenen Welt herausgerufen wurde, um ein Leben zur Ehre Gottes zu führen. Wer also glaubt, er sei dazu berufen, die Botschaft schmackhafter zu machen, der beraubt Gott Seiner Ehre und verfehlt damit das Ziel der himmlischen Berufung. Davon abgesehen ist es nahezu unmöglich ein Zeuge der Wahrheit zu sein, wenn man diese verwässert oder umdeutet. Das Wort Gottes ist schärfer als ein zweischneidiges Schwert, unser Auftrag besteht nicht darin, dieses Wort abzustumpfen, sondern die Botschaft unverfälscht weiterzugeben.

Nehmen wir also zu Herzen, wie wichtig und entscheidend dieses Festhalten, das sich im Gehorsam gegenüber dem Wort zeigt, ist. Entgegen der modernen Irrlehre, kommen nicht alle Menschen ins Himmelreich, ja, es werden noch nicht einmal alle ins Himmelreich eingehen, die sich zum Christentum zählen. Kirchenzugehörigkeit, Bibellesen oder Gottesdienstbesuche sind kein Garant dafür, dass wir wirklich ins Reich Gottes eingehen werden. Achten wir hierzu, wie der Schreiber dieses 4. Kapitel des Hebräerbriefes einleitet. Er nimmt Bezug auf die Kinder Israels, also auf das sichtbare Volk Gottes des Alten Bundes, indem er schreibt: Denn auch uns ist eine gute Botschaft verkündigt worden, wie auch jenen; aber das gehörte Wort nützte jenen nicht, weil es bei denen, die es hörten, sich nicht mit dem Glauben verband (Hebr 4,2). So wie das Volk im Alten Bund die Verheißung hatte, ins gelobte Land einzugehen, so hat das Volk im neuen Bund, die Verheißung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt (2.Petr 3,13). Doch wie viele von jenen, die aus Ägypten ausgezogen waren, sind tatsächlich ins Land der Verheißung eingegangen? Es waren nur Josua und Kaleb, der Rest wurde in der Wüste dahingesteckt. Und warum geschah das, warum konnten sie das verheißene Land nicht betreten? Weil sich das gehörte Wort bei ihnen nicht mit Glauben verband. Sie haben ihre Herzen vor Gott verstockt, sie haben sich gegen Sein Wort und Seine Anweisungen aufgelehnt (vgl. Ps 95,8; Hebr 3,8). Sie waren nicht bereit, den Weg zu gehen, den ER ihnen vorgelegt hatte, sondern wollten ihren eigenen Weg gehen. Sie wollten es auf ihre Weise machen, sie wollten nicht auf Mose hören, sie glaubten es besser zu wissen. Sie haben Gott misstraut, ja sie wollten sogar wieder zurück in die Sklaverei Ägyptens.

Ist das nicht auch die Haltung vieler, die sich heute zum Christentum bekennen? Ihr Sinn ist nicht auf die zukünftige Stadt ausgerichtet, auch wollen sie nicht abgesondert sein von dieser Welt. Und warum haben sie diese Gesinnung? Weil ihnen die Anerkennung dieser Welt, wichtiger ist, als die Anerkennung bei Gott, weil ihr Herz am Zeitlichen, am Vergänglichen hängt, anstatt am unvergänglichen Erbe, das Gott Seinen Kindern bereithält. Das ist der Grund, warum sich so viele der Worte des HERRN schämen, warum sie es vorziehen das Wort nach Belieben zu verdrehen. Anstatt die Schmach Christi zu tragen, wollen sie in dieser Welt beliebt sein, sie suchen die Ehre bei den Menschen, anstatt bei Gott. Daher widerstehen sie dem Heiligen Geist und richten ihren Glauben nach dem Zeitgeist aus. Statt am Bekenntnis festzuhalten, halten sie es lieber mit der Mehrheit. Egal welche biblische Wahrheit unter Beschuss steht, sie finden immer einen Weg, um das Wort zu umgehen. Ihr Glaubensbekenntnis ist aalglatt und immer politisch Korrekt, ihre Worte sind so nichtssagend, dass sie niemals angreifbar sind. Sie sind stolz auf ihre Kompromissbereitschaft und wollen in der Preisgabe der Wahrheit eine christliche Tugend sehen. Sie glauben Gott sei genau wie sie, doch da irren sie sich gewaltig (vgl. Ps 50,21). Gott ist gerecht, Gott ist heilig, ER ist weder ein Wetterfähnchen im Wind, noch ein Pragmatiker, noch ist ER der antiautoritäre Wunschgott, der dem Unrecht auf ewig seinen Lauf lassen würde. Nein, vielmehr hat ER einen neuen Himmel und eine neue Erde verheißen, in denen Gerechtigkeit wohnt. Wäre also diese Theologie, die allen Menschen den Himmel verspricht, wahr - würde Gott die Rebellion des Menschen nicht bestrafen, sondern bis in alle Ewigkeit weiter dulden und gewähren lassen - wo bliebe die Gerechtigkeit? Was würde die neue Erde von der alten unterscheiden, wenn weiterhin die Ungerechtigkeit regieren und der Gottlose den Gerechten unterdrücken würde? Nein, wer einen solchen Standpunkt vertritt, dessen Theologie basiert auf der Aussage: „Ihr werdet keineswegs sterben“. Lassen wir uns also durch das Wort Gottes die Augen öffnen, anstatt auf ein leeres Versprechen zu hoffen, das direkt aus der Hölle stammt. Der Weg ins Himmelreich sieht anders aus, der Weg in Himmelreich führt über Christus das Lamm Gottes, das der Welt Sünden getragen hat. Da Gott, als gerechter Richter keine Sünde ungestraft lässt, sondern jede Schuld richten wird (vgl. 2.Mo 34,7), werden nur jene straffrei ausgehen, die dort Zuflucht suchen, wo Gottes Gericht bereits gewütet hat, und das war am Kreuz von Golgatha, wo der gerechte Sohn Gottes, die Strafe getragen hat, die wir verdient hätten.

Das ist die christliche Hoffnung, das ist die Botschaft des Evangeliums, so wie sie uns durch das Wort Gottes überliefert wurde. Daran gilt es festzuhalten, denn wie gesehen, geht es beim christlichen Glaube weder um einen mystischen Nebel, noch um Bauchgefühl oder Spekulation, sondern um das Festhalten am Zeugnis der Heiligen Schrift. Lasst uns das Bekenntnis der Hoffnung unwandelbar festhalten - denn treu ist er, der die Verheißung gegeben hat (Hebr 10,23). Allein die Tatsache, dass wir zum Festhalten aufgefordert werden, zeigt, dass es sich um etwas Bestehendes handeln muss, denn festen Halt findet man nur an etwas das bestehend und beständig ist. Dass genau dies der Fall ist, sehen wir darin, dass von einem unwandelbaren Festhalten die Rede ist. Der wahre Glaube ist daher nicht etwas, das von Generation zu Generation neu definiert wird, sondern beruht auf dem unveränderlichen Ratschluss Gottes, so wie er uns durch Sein Wort überliefert wurde. Im Gegensatz zum Treibsand unbeständiger menschlicher Weisheit, ist dieses einzigarte Wort ein unverrückbarer Fels (vgl. 1.Kor 10,3-4). Und weil Gott und Sein Wort untrennbar sind, trifft dies natürlich auch auf Gott selbst zu. Daher können wir in das Glaubensbekenntnis von König David einstimmen, der im 18. Psalm schreibt: „HERR, mein Fels, meine Burg, mein Erretter; mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schutz! (V. 3)“, und sein Dankgebet: „Der HERR lebt! Gelobt sei mein Fels! Der Gott meines Heils sei hoch erhoben“ (V. 47), zu unserem eigenen machen.

 

Amen

 


Quellangaben
1. Martyn Lloyd-Jones- Apostelgeschichte BAND 5, S. 97
2. Ebd., S.216
3. Ebd., S.46


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