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4. Götzendienst oder Gottesdienst?

Veröffentlicht am 27.02.2016

In diesem Kapitel möchte ich auf die offensichtliche Frage eingehen, die sich aus der Gegenüberstellung des verfluchten und des gesegneten Mannes ergibt, und das ist die Frage nach unserer Herzenshaltung. Vorab möchte ich noch einmal die Bibelstelle aus Jeremia 17 wiederholen. Doch dieses Mal um einen Vers erweitert, also von Vers 5-9:

So spricht der Herr: Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht, und dessen Herz vom Herrn weicht! Er wird sein wie ein kahler Strauch in der Einöde; er wird nichts Gutes kommen sehen, sondern muß in dürren Wüstenstrichen hausen, in einem salzigen Land, wo niemand wohnt. Gesegnet ist der Mann, der auf den Herrn vertraut und dessen Zuversicht der Herr geworden ist! Denn er wird sein wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und seine Wurzeln am Bach ausstreckt, der die Hitze nicht fürchtet, wenn sie kommt, sondern seine Blätter bleiben grün; auch in einem dürren Jahr braucht er sich nicht zu sorgen, und er hört nicht auf, Frucht zu bringen. Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen?

Wenn ich nun behaupte, es sei offensichtlich, dass es in diesem Text um unsere Herzenshaltung geht, begründet sich dies bereits durch die erste Aussage des zitierten Verses. Da wird uns gleich zu Beginn das Negativbeispiel des Mannes, dessen Herz vom Herrn abweicht, vor Augen führt. Doch nicht nur dies, sondern auch das direkte Textumfeld zeigt, dass es um die Herzenshaltung geht. Betrachtet man nämlich, was unmittelbar zuvor gesagt wird, findet man folgenden Text: Die Sünde Judas ist geschrieben mit eisernem Griffel und mit diamantener Spitze gegraben auf die Tafel ihres Herzens und auf die Hörner an ihren Altären; denn ihre Söhne denken an ihre Altäre und Ascherabilder unter den grünen Bäumen und auf den hohen Hügeln (Jes 17,1). Hier wird also Israels Götzendienst beschrieben. Dass es dabei nicht nur um den äußeren Götzendienst, sondern um die innere Herzenshaltung geht, wird durch die Aussage verdeutlicht, dass der Drang diesen Götzen zu dienen, tief in ihre Herzen eingegraben war. Man könnte sagen, sie waren regelrecht verbohrt. Somit ist Götzendienst im Herzen der Kern, um den es in diesem Text geht. Die konkrete Frage, die sich daraus ableitet, lautet: „Huren wir in unseren Herzen Götzen nach oder ist unser Herz ungeteilt auf den HERRN ausgerichtet?“ (vgl. Hes 6,9: 16,30; 1.Kön 8,61)

Dass es im Wesentlichen um unsere Herzenshaltung geht, unterstreichen auch die Worte, die wir direkt nach der Gegenüberstellung von Fluch und Segen finden. Wie eingangs gesehen, folgt hier der Vers: Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen? (V 9).
Gerade weil uns hier gesagt wird, wie trügerisch unser Herz von Natur aus ist, müssen wir umso mehr darauf achten, dieses Thema nicht vorschnell abzuhaken. Wie schnell schaltet man doch ab, wenn von Götzendienst die Rede ist und meint, dies sei doch fern von uns. Doch wie gesagt, müssen wir uns hier vor Augen stellen, dass es nicht nur um äußeren Götzendienst geht, sondern um unsere Herzenshaltung. Es geht um die Frage, ob wir den HERRN wirklich mit ungeteiltem Herzen lieben? Ist ER wirklich der Mittelpunkt in unserem Leben oder haben wir Ihn gegen Götzen eingetauscht? So wie die Israeliten, über die der Herr zum Propheten Hesekiel sagte: Menschensohn, diese Männer haben ihre Götzen in ihr Herz geschlossen (Hes 14,3).

Wenn wir jetzt ins Neue Testament gehen und sehen, dass Habsucht und Eigenwille als Götzendienst bezeichnet werden (vlg Kol 3,5; 1.Pt 4,3), dann sollte uns einleuchten, dass wir dem Thema Götzendienst nicht so einfach ausweichen können, so als würde uns das gar nicht betreffen. Es geht hierbei nicht nur darum, ob wir eine Buddhafigur verehren oder auf einen Talisman hoffen, sondern um die Frage, ob in unserem Herzen irgendetwas den Platz einnimmt, der allein Jesus zusteht. Nicht ich, sondern der Herr sagte: Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein (Lk 12,34). Es gilt also zu prüfen, woran unser Herz hängt. Können wir, wie David, sagen: Ich aber will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache, an deinem Bilde?“ (Ps 17,15).
Ist Jesus unser erster Gedanke, wenn wir morgens erwachen; und der letzte; wenn wir abends zu Bett gehen? Denn warum ist David in Seinem Bilde erwacht? Nun, weil der HERR auch sein letzter Gedanke war, bevor er abends eingeschlafen ist. In Psalm 63, schreibt er dazu: „Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach“ (V7). 

In diesem Nachsinnen über den HERRN und Sein Wort, sehen wir auch eine Parallele zwischen der eingangs zitierten Gegenüberstellung dieser beiden Bäume und dem Psalm 1. Auch hier finden wir den Vergleich zwischen einem gottesfürchtigen und einem gottlosen Menschen. Während im Gleichnis von Jeremia zuerst der verfluchte Mann beschrieben wird, beginnt Psalm 1 mit der Beschreibung des gesegneten Manns. Hier schreibt David, inspiriert vom Heiligen Geist: Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen / noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern hat Lust am Gesetz des HERRN und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht! Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, / der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl. Aber so sind die Gottlosen nicht, sondern wie Spreu, die der Wind verstreut. Darum bestehen die Gottlosen nicht im Gericht noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten. Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten, aber der Gottlosen Weg vergeht.

Die ersten Verse dieses Psalms sind praktisch Gottes Speiseplan für unser geistliches Wachstum. Dieser geistliche Ernährungsplan sieht es vor, alles zu meiden, was unserem geistlichen Leben schadet, und sich mit dem zu befassen, was unser geistliches Leben fördert. Und das ist neben unserem Gebetsleben, die intensive Beschäftigung mit dem Wort Gottes. Von John Bunyan ist dazu folgendes Zitat überliefert: Jeden Tag sollte man mit Bibellese und Gebet anfangen, denn: Entweder wird die Sünde dich von der Bibel abhalten, oder die Bibel wird dich von der Sünde abhalten.6
Dabei geht es nicht nur darum, dass wir Gottes Wort lesen, sondern dass wir uns auch wirklich damit auseinanderzusetzen, indem wir darüber nachsinnen und es in unserem Herzen bewegen (Vgl. 5.Mo 6,4-8). Im Neuen Testament heißt es dazu: Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen (Eph 5,19; Kol 3,16).

Doch so wie Gott durch die gesunde Lehre des Wortes unser Wachstum fördern will, so versucht es Satan, mit seinen hinterlistigen Verführungsmethoden, zu verhindern. Er bedient sich dabei vieler Mittel und findet in unserem Fleisch leider oftmals einen Verbündeten. Seine Strategie besteht nicht nur darin, Gläubige durch falsche Lehren zu verderben, sondern auch dafür zu sorgen, dass sie durch ungeistliche Nahrung so sehr abstumpfen, dass sie nicht mehr in der Lage sind, zwischen heilig und unheilig zu unterscheiden, und davon sind selbst geistliche Führungspersönlichkeiten nicht ausgeklammert (vgl. Hes 22,26).
Dass diese Methode erfolgreich ist, sehen wir darin, dass viele Christen im geistlichen Sinne zu reinsten Müllschluckern verkommen sind. Anstatt sich vom Wort Gottes zu nähren, befassen sie sich mit dem Klatsch und Tratsch der weltlichen Medien. Sie lassen sich mehr von Denken dieser Welt beeinflussen als von der gesunden Lehre des Wortes. Es ist nicht von ungefähr, dass uns die Schrift im Römerbrief dazu auffordert, unser Denken zu erneuern, und dass dies im direkten Zusammenhang mit einem vernünftigen Gottesdienst steht (vgl. Röm 12,1-2). Alles andere ist ein unvernünftiger, eigensinniger Gottesdienst. Wir sollten also unbedingt darauf achten, was unser Denken beeinflusst: Ist es Gottes Wort oder der weltliche Zeitgeist?

Im übertragenen Sinne können wir uns hier Daniel und seine 3 Freunde als Vorbild nehmen. Sie wollten sich nicht durch die Speisen am königlichen Hof in Babylon verunreinigen lassen. Ebenso sollten auch wir uns vornehmen, uns nicht durch das sinnliche, weltliche Gedankengut, das uns von den Medien aufgetischt wird, verunreinigen zu lassen. Wichtig dabei ist, dass wir den Vorsatz dazu schon im Voraus fassen (vgl. Dan 1,8) und nicht meinen, wir lassen einfach mal alles auf uns zukommen. Wie im natürlichen, so kommt es auch im geistlichen Leben auf die richtige Ernährung an. Auch Jesus macht das deutlich, wenn ER sagt: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort Gottes!
Hierbei gilt es zu beachten, dass von Brot die Rede ist, nicht von Zuckerwatte. Mir scheint, dass viele Christen unserer Tage, sich nur noch von Milch und Zuckerwatte ernähren wollen. Das erinnert sehr stark an die Situation in Korinth. Dieser Gemeinde musste der Apostel Paulus sagen: „Milch habe ich euch zu trinken gegeben und nicht feste Speise; denn ihr konntet sie nicht vertragen, ja ihr könnt sie auch jetzt noch nicht vertragen“ (1.Kor 3,2). Es ist wohl keine Übertreibung zu behaupten, dass ein Großteil der modernen Christenheit unmündig ist und in Folge dessen von jedem Wind der Lehre umhergetrieben wird (vgl. Eph 4,14). Die Herzen vieler sind dadurch ziemlich abgestumpft und erkaltet. Man hat die erste Liebe verlassen und liebäugelt wieder mit der Welt (vgl. Jak 4,4).
Auf meine Ehe übertragen, würde das bedeuten, dass das, was meine Frau sagt, mich kaum noch interessiert, sondern interessant ist nur, was andere Frauen sagen. Für diese habe ich Augen, für diese habe ich immer ein offenes Ohr, meiner Frau hingegen schenke ich kaum noch Beachtung. Sollte sie sich darüber beklagen, dann stelle ich meine Ohren auf Durchzug und sage ihr: „Liebe Frau, ich habe dich nicht geheiratet, um von dir kritisiert zu werden, sondern um Komplimente zu hören: Sag mir lieber wie toll und gut ich bin, anstatt dauernd herumzunörgeln!“
Übertragen auf den Umgang mit Gottes Wort heißt das: „Wir wollen Verheißungen, wir wollen die aufbauenden Kalendersprüche, aber es komme uns ja keiner mit einer Ermahnung!“

Natürlich gehören die Verheißungen auch mit dazu, sie sind sogar sehr wichtig, sie zeigen uns unsere Stellung in Christus und machen uns deutlich, wie sehr ER uns liebt. Doch wir müssen eben beide Seiten sehen und uns auch darüber im Klaren sein, dass zu einer gesunden Liebe auch Eifersucht gehört. Oder meint ihr, dass die Schrift umsonst rede: "Eifersüchtig sehnt er sich nach dem Geist, den er in uns wohnen ließ?" (Jak 4,5; vgl. 2.Mo 34,14; 5.Mo 4,24). Ja, der Christ unserer Tage möchte nur noch positives und erbauliches hören. Er meint, Mahnungen seien gesetzlich, doch er vergisst, dass es um einen Bund geht. Denken wir ans Abendmahl, erinnern wir uns an die Worte des HERRN, ER spricht vom neuen Bund in Seinem Blut, das für uns vergossen wurde (vgl. Lk 22,20) Christen sind teuer erkauft, das dürfen wir nicht vergessen. Wir lieben ihn, weil ER uns zuerst geliebt hat. Weil ER uns liebte, als wir noch Sünder waren (vgl. Röm 5,8). Diese Liebe haben wir weder erarbeitet noch verdient, sie kommt aus freien Stücken, aus Gnade. Daher kann die einzig angemessene Gegenreaktion unsererseits auch nur lauten: „Mit Recht liebt man dich!“(Hl 1,4). Im Umkehrschluss ist nichts verdrehter, als es nicht zu tun; es gibt kein größeres Unrecht, als Ihn nicht zu lieben. Es geht beim Christentum also nicht um einen toten Traditionsglauben, sondern um eine lebendige Beziehung mit dem HERRN. Ein Glaube, der das ganze Leben bestimmt. Eine Beziehung, die so innig ist, dass sie mit der zwischen Braut und Bräutigam verglichen wird. Die Braut hat nur Augen für einen, und das ist der Bräutigam. Und sie sehnt sich nichts mehr herbei, als den Tag der Hochzeit. Jesus sprach davon, dass ER wiederkommen wird, um die Seinen zu sich zu nehmen (vgl. Joh 14,3). Sehnen wir diesen Tag herbei oder sind wir so in die Dinge dieser Welt verstrickt, dass es uns gleichgültig ist, ob und wann der HERR wiederkommt? Gehören wir zu jenen, die sagen, dieser Tag kommt noch lange nicht, oder zu jenen, die Ihm entgegeneilen? (2.Petr 3,3: 3,12). Wenn wir wirklich mit Seiner Wiederkunft rechnen, wenn wir sie herbeisehnen, weil wir dann für immer mit Ihm vereint werden, dann bewirkt dies keinesfalls Gleichgültigkeit gegenüber Seinem Wort, sondern vielmehr ist dann das Gegenteil der Fall: Jeder, der diese Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich selbst, wie auch jener rein ist (1.Joh 3,3). Hierbei gilt auch zu beachten, was Jesus im Gleichnis der 10 Jungfrauen gelehrt hat. Nur die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit und danach wurde die Tür verschlossen (vgl. Mt 25,10).

So erfreulich dies für all jene sein wird, die bereit sind und den HERRN freudig erwarten, so ernst ist es für all jene, die lieber ihre eigenen Wege gehen wollen. Sie werden einst vor verschlossener Tür stehen und für immer aus dem Reich Gottes ausgeschlossen sein. Noch haben wir durch das Opfer des HERRN eine offene Tür, noch gelten die Worte: „Der Geist und die Braut sprechen: Komm!“ (Offb 22,17). Das heißt, der Heilige Geist und die Gemeinde laden Sünder zur Umkehr und Versöhnung mit Gott ein, doch wer achtlos an diesem Gnadenangebot vorübergeht, der wird eines Tages vor einer verschlossenen Tür stehen. Eine Tür, die so verschlossen sein wird, wie heute sein Herz gegenüber dem Evangelium. Wie wollen jene, die heute ihre Ohren vor dem Wort Gottes verschließen, weil sie Sein Wort nicht ertragen können (vgl. Am 7,7; Apg. 7,57; 2.Tim 4,3), den Tag des Gerichts ertragen? (vgl. Joe 2,11; Mal 3,2). Dies ist eine ziemlich ernste Sache, denn sie macht deutlich, dass all jene, die am Tag des Gerichts nicht bereit sind, unwiderruflich vom Reich Gottes ausgeschlossen werden. Wir sollten dies keineswegs auf die leichte Schulter nehmen, sondern uns ernsthaft prüfen, ob der HERR in unserem Herzen wirklich den richtigen Stellenwert hat. Wovon ist unser Herz erfüllt, von den Dingen dieser Welt oder von der Liebe zum HERRN? Gehören wir zu jenen, die Gottes Wort als „Leute dieser Welt, die ihr Teil haben schon im Leben“ (Ps 17,14), beschreibt? Oder können wir sagen: „Der HERR ist mein Gut und mein Teil“ (Ps 16,5)? Oder um mit den Worte Terstegens zu fragen: Was lieben wir? Was hat bei uns die Oberhand? Woran denken wir des Morgens am ersten? Und woran den Tag am meisten? Denn daran kann man schon etwas prüfen, wo unser Schatz ist.7

Denken wir hier auch an die Ermahnung des HERRN, in der ER uns dazu auffordert, an Lots Frau zu gedenken (vgl. Lk 17,32). Für diese Aufforderung kann es nur einen Grund geben, Jesus will uns davor bewahren, dass es uns so ergeht wie der Frau Lots. ER bringt uns ihr tragisches Schicksal in Erinnerung, weil ER unser trügerisches Herz kennt und weiß, wie leicht wir dazu neigen, uns selbst etwas vorzumachen. Wir meinen, wir seien gerettet, weil wir Mitglieder einer Kirche sind, oder weil wir vielleicht einen gläubigen Ehepartner oder gläubige Eltern haben. In gewisser Weise ist das ein großer Segen, doch entscheidend ist unsere eigene Beziehung zum HERRN. Am Tag des Gerichts werden viele überrascht sein, wenn ihnen der HERR sagen muss: „Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, ihr Gesetzlosen!“(Mt 7,23). Wer Gottes Gesetz nicht ernst nimmt, kann ihn auch nicht wirklich lieben (vgl. Joh 14,15). Denn wenn Sein Wort keinen bedeutenden Stellenwert für uns hat, kann ER uns auch nicht viel bedeuten. Dies machte Jesus selbst deutlich, indem ER sagte: „Dies Volk ehrt mich mit den Lippen; aber ihr Herz ist fern von mir“ (Mk 7,6). Es nützt nichts zu behaupten, wir würden IHN ehren und lieben, wenn unser Leben etwas anderes sagt. Unser Leben zeigt letztlich welchen Stellenwert Jesus in unserem Herzen hat. Und so müssen wir uns, um unserer eigenen Seele Willen fragen, wo wir geistlich stehen? Stehen wir auf der Seite des HERRN, oder auf der Seite der Welt? Haben wir Ihm wirklich unser ganzes Leben übergeben? Gehört Ihm allein unser Herz? Wenn nicht, sehen wir in Lots Frau ein mahnendes Beispiel für die Tragik eines solch geteilten Herzens.

Gehen wir dazu kurz auf die Begebenheit aus 1.Mose Kapitel 19 ein. Da wird berichtet, dass aufgrund der Gottlosigkeit der Städte Sodom und Gomorra das göttliche Gericht bevorstand. Doch ehe Gott diese beiden Städte zerstörte, sandte ER Seine Engel nach Sodom, um den gerechten Lot und seine Familie zu retten. Auch Lots Frau hatte sich von den Engeln aus der Stadt herausführen lassen, doch ihr Herz war in Sodom zurückgeblieben. Die Engel hatten ausdrücklich gesagt: „Rette dich, es geht um dein Leben! Sieh nicht hinter dich, und bleib nicht stehen in der ganzen Ebene des Jordan; rette dich auf das Gebirge, damit du nicht weggerafft wirst!“ (V 17). Doch Lots Frau ließ sich trotz dieser Warnung nicht davon abhalten, nach Sodom zurückzublicken. John Charles Ryle kommentiert hier sehr treffend: Ihr Auge wandte sich dem Ort zu, wo ihr Schatz war, so wie sich die Kompassnadel zum Pol dreht.8
All ihr Besitztum, das Haus, der Garten, ihre ganze Existenz war in Sodom, genau wie ihr Herz und das Tragische war, genau dies wurde ihr zum Verhängnis, sie verfiel dem göttlichen Gericht und wurde zur Salzsäule (vgl. V 26). Wie steht es um uns, sind wir bereit alles stehen und liegen zu lassen um dem Herrn freudig entgegen zu gehen?

Lots Frau wähnte sich wohl schon in Sicherheit und meinte die Gerichtsdrohung nicht so ernst nehmen zu müssen. Ist es nicht dasselbe, was unser modernes Christentum kennzeichnet? Man wähnt sich in Sicherheit und beruft sich gerne auf Gottes Gnade, doch von einem strafenden Gott will man nichts wissen. Das passt ohnehin nicht in unser humanistisches Gutmenschendenken, Strafe ist doch was Böses, das macht man doch nicht. Darum darf man Kriminelle auch nicht betrafen, sondern muss sie therapieren und die einzig richtige Erziehungsmethode ist natürlich die antiautoritäre Erziehung. So hat man sich auch ungeachtet dessen, was die Bibel lehrt, das Bild eines antiautoritären Gottes zusammengestrickt. Doch das gilt leider nicht nur für die Welt, sondern ist tief in die christlichen Gemeinden eingedrungen. Wie wahr ist es doch, wenn Gottes Wort sagt: Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen?

Wie schnell haben wir einen Scheinfrieden gefunden, wie schnell ist man dabei, sein Tun damit zu rechtfertigen, dass es die anderen auch so machen, oder dass wir heute eben in einer anderen Zeit leben? Ich möchte nur mal daran erinnern, dass es fast schon normal ist, dass man es in christlichen Gemeinden duldet, wenn Paare unverheiratet zusammenleben. Ebenso ist Sexualität vor der Ehe kein Problem, schließlich leben wir ja im Neuen Bund, wir sind ja im Gnadenzeitalter, da muss man es ja nicht mehr so eng sehen. Doch wenn dem so ist, warum finden wir dann im Neuen Testament folgende Aussage: „Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Lustknaben noch Knabenschänder noch Diebe noch Habsüchtige noch Trunkenbolde noch Lästerer noch Räuber werden das Reich Gottes erben“ (1.Kor 6,9-10). 
Gottes Wort warnt also vor diesem Irrtum, die Gnade sei ein Freibrief für die Sünde. Ebenso heißt es auch: „Irrt euch nicht: Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten“ (1.Kor 15,33) und an anderer Stelle: „Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht verspotten! Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Denn wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten" (Gal 6,7-8).

Mehrfach werden wir also vor dem Irrtum gewarnt, wir müssten Gottes Wort heutzutage nicht mehr ganz so ernst nehmen. Doch wo finden solche Bibelworte heute noch Gehör? Es ist keine Seltenheit, Leuten zu begegnen, die überzeugt sind, sie seien gläubig, doch wenn man sie vorsichtig auf solche Widersprüche in ihrem Leben anspricht, dann perlt das Wort Gottes von ihren Herzen ab, wie Wasser von einer Glasscheibe. Sie meinen, man könne gewisse Lebensbereiche ausklammern. Man nimmt die Segnungen mit, die das Christentum zu bieten hat, aber wenn einem ein Bibelwort gegen den Strich geht, dann ist es eben nicht mehr zeitgemäß. Ohne es wahrhaben zu wollen, hat man in seinem Leben andere Prioritäten. Jesus hat nicht den Platz in unseren Herzen, der ihm zusteht. Doch wer glaubt, dass ER sich damit zufrieden gibt, der täuscht sich gewaltig. Was auch immer uns wichtiger ist als der HERR, ist ein Götze in unserem Herzen, den es auszureißen gilt. Egal ob es um materielle Dinge geht oder ob es sich um menschliche Beziehungen handelt. Wir müssen uns immer dessen bewusst sein, dass der HERR sagte: „Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“ (Mt 6,24).

Gerade in unserem materialistisch geprägten Zeitalter gilt es zu hinterfragen, worauf wir unser Vertrauen setzten und woran unser Herz hängt. Denn wie gesagt, was auch immer uns wichtiger ist als der HERR, ist ein Götze in unserem Herzen. Mit solchen Götzen jedoch dürfen wir niemals Frieden schließen; denn die in unseren Kirchen wohl selten gepredigte Wahrheit lautet, dass wir Seiner nicht würdig sind, wenn wir irgendetwas oder irgendjemand mehr lieben als Ihn. Das unser eigenes Leben dabei mit eingeschlossen ist, macht Jesus in Matthäus 10,37-39 wie folgt deutlich: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer nicht sein Kreuz aufnimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig. Wer sein Leben findet, wird es verlieren, und wer sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden". Dies wird auch durch Lukas 14,33 unterstrichen, wo Jesus sagt: Also auch ein jeglicher unter euch, der nicht absagt allem, was er hat, kann nicht mein Jünger sein« (Lk 14,33).
Treffend hat William MacDonald diese Bibelstelle wie folgt kommentiert: Das ist vielleicht die unpopulärste aller Bedingungen, die Christus für die Nachfolge stellt, und sie mag sich sehr wohl als der unbequemste Vers in der Bibel überhaupt erweisen. Die klugen Theologen mögen tausend Gründe dafür angeben, warum dieses Wort eigentlich gar nicht das bedeutet, was es aussagt, aber einfache Jünger Jesu nehmen es buchstäblich so, wie es dasteht, und wissen, dass der Herr Jesus genau wusste, was er sagte.9

Hier sollten wir unser Herz immer wieder im Licht von Gottes Wort prüfen und nicht vorschnell einen Haken hinter dieses Thema machen. Denn wie schon mehrfach zitiert: Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen? Dieser Vers macht deutlich, wie schnell man in Selbsttäuschung verfallen kann und zeigt zugleich, dass wir hinsichtlich unserer Erlösung niemals auf unser eigenes Herz, sprich auf unser Fleisch, vertrauen können. Nur wenn wir allein auf IHN vertrauen, kommt unser Herz zur Ruhe. Wichtig ist aber, dass wir alles ausräumen, was Ihn betrübt. Ich kann mit meiner Frau nicht im Reinen sein, wenn ich zugleich eine andere liebe. Ebenso ist es in unserer Beziehung mit dem HERRN, wir müssen alles ausräumen, was Ihm missfällt. ER ist es wert, unsere ungeteilte Liebe zu bekommen. ER hat uns zuerst geliebt, ER hat uns teuer erkauft mit Seinem Blut. Nicht irgendeinem Götzen, nicht unserem Ego, sondern IHM allein steht der erste Platz in unserem Herzen zu. Daher sollten wir beachten, wozu uns Sprüche 4,23 auffordert: „Mehr als alles, was man sonst bewahrt, behüte dein Herz! Denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens“, und zugleich das folgende Gebet Davids, zu unserem eigenen zu machen: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz. Prüfe mich und erkenne meine Gedanken! Und sieh, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist, und leite mich auf dem ewigen Weg!“ (Ps 139,23-24).

Und zu guter Letzt dann doch noch eine Verheißung, immer wieder habe ich in diesem Kapitel darauf hingewiesen, dass wir uns prüfen müssen, ob unser Herz wirklich ungeteilt auf den HERRN gerichtet ist. Wenn dem so ist, gilt uns folgende Zusage: „Denn des HERRN Augen durchlaufen die ganze Erde, um denen treu beizustehen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist“ (2.Chr 16,9). 





 

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