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3. Das Wort Gottes ist ein Richter der Gedanken

14.12.2017

 

Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch Bein, und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern alles ist enthüllt und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben. Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis! (Hebr 4,12-14).

 

Am Ende des letzten Teils habe ich die Worte des HERRN Jesus zitiert, als er das Weltgericht angekündigt hat, in diesem Teil nun wollen näher auf das Thema Gericht eingehen, und zwar insbesondere auf die Tatsache, dass Gottes Wort ein Richter über unsere Gedanken ist. Wie bereits im ersten Teil erwähnt, entspricht dies auch der Lehre des HERRN, denn Seine Lehre besagt: Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tag (Joh 12,48).

Jeder Mensch wird also eines Tages Rechenschaft darüber ablegen müssen, wie er mit dem Wort Gottes umgegangen ist, ob er auf das Wort Gottes gehört hat oder ob er es Zeit seines Lebens ignoriert oder gar belächelt hat. Der gefallene Mensch wähnt sich, über Gott zu stehen, entsprechend neigt er auch dazu, sich über das Wort Gottes zu stellen, doch dies ist ein fataler Irrtum: Nicht der Mensch ist Richter über das Wort, sondern umgekehrt, das Wort ist Richter über dem Menschen. Nicht die Menschheit ist die höchste Instanz, nicht der Mensch sitzt auf dem Thron, sondern Gott. Wo immer Menschen in Vermessenheit und maßloser Selbstüberschätzung glauben, dass es umgekehrt sei, wo der Mensch sich zum Richter über das Wort Gottes erhebt, da klingt unterschwellig die uralte Frage: „Sollte Gott wirklich gesagt haben?“ (1.Mo 3,1), mit. Es ist dieses Denken das den Menschen dazu bewegt, die Schrift in Frage zu stellen oder gar umzudeuten. „Sollte Gott wirklich gesprochen haben? Sollte ER gar zu Seinem Wort stehen, so dass man vom offenkundigen Sinn des Gesagten ausgehen kann?“

So erhebt sich der moderne Mensch unserer Tage zum Richter, indem er sich für fähig hält, alles zu ergründen, alles zu erklären und über alles ein Urteil zu fällen, einschließlich über seinen Schöpfer. Dabei vertraut er auf seine menschlichen Fähigkeiten, seine Gefühle und sein Denkvermögen und geht davon aus, Gott müsse so sein, wie er es sich vorstellt. Er legt also fest, wie Gott sein muss und weist einen Gott, der nicht seinen Wünschen und Anforderungen entspricht, weit von sich. Entsprechend geht der moderne Mensch auch mit der Bibel um. Er blättert darin als sei es ein Tapetenbuch, so als könnte er sich heraussuchen, was ihm zusagt und den Rest getrost ignorieren, als würde es ihn nichts angehen. Dass Gott die Menschen liebt, das kann man stehen lassen, doch dass der Mensch gegenüber seinem Schöpfer verantwortlich ist, dass er eines Tages Rechenschaft ablegen muss, das will man nicht stehen lassen. Nein, Gott muss allen Menschen den Zutritt in Sein Reich gewähren, ER hat nicht das Recht jemanden auszuschließen. Gott muss jede Religion akzeptieren, ER darf nicht so engstirnig sein, Erlösung nur jenen zu gewähren, die auf Seinen Sohn Jesus Christus vertrauen. ER hat nicht das Recht, nur einen Heilsweg zu akzeptieren, sondern muss allen menschlichen Wegen etwas Positives abgewinnen. Die Tür des Himmels muss allen offen stehen, selbst bekennende Atheisten dürfen nicht abgewiesen werden. 

Der Mensch des zwanzigsten Jahrhunderts vertritt die Auffassung, dass die intellektuelle Stufe, auf der Menschheit mittlerweile stünde, es nicht erlauben würde, den primitiven Aussagen der Bibel Glauben zu schenken. Um aufzuzeigen, wie wenig eine solche Einstellung mit Intelligenz und Vernunft zu tun hat, möchte ich einmal mehr auf die Ausführungen von Martyn Lloyd-Jones zurückgreifen, der hierzu folgende Anmerkung gab: Der Unglaube, der sich gerne mit seiner Vernunft und seiner Versandmäßigkeit brüstet, ist nichts als schiere Vernunftwidrigkeit; er ist Wahnsinn; er ist die schiere Emotionalität. Es ist nicht der Gläubige, der an Emotionalität leidet, es ist vielmehr der Ungläubige! Die Emotionalität wirkt folgendermaßen: Sie beginnt mit einer Art Ärger gegen die Wahrheit, einer allgemeinen Verärgerung. „Dieses Christentum“, so sagen Ungläubige voller Verachtung. Haben Sie nicht das Gelächter und die Witze der Ungläubigen gesehen und gehört? Sie können diese fast wann immer sie wollen, im Fernsehen sehen; Sie können sie in den Zeitungen sehen; diese schlauen und Intellektuellen, die sich immerfort über das Evangelium lustig machen. Dies ist nun rein emotional. Sie argumentieren gar nicht in rationalen Kategorien; dort sind vielmehr Anspielungen, Andeutungen, spöttisches Lächeln, Sarkasmus und Ablehnung zu sehen… Haben Sie nicht bemerkt, wie Menschen, die häufig eine Diskussion über die Religion und den christlichen Glauben mit vermeintlich großer Intellektualität beginnen, sobald Sie die Bibel zitieren und sie erklären und ihre Einwände widerlegen, sehr schnell anfangen werden, die Geduld zu verlieren, nervös zu werden und sich über sie ärgern und weggehen, indem sie Ihnen noch zurufen: „Sie sind völlig unvernünftig!“? Sie wollen nicht zuhören, und sie behandeln Sie mit Sarkasmus und Verachtung. Ist das nicht zutreffend? 1

Die Verwerfung des biblischen Glaubens hat also nichts mit Vernunft, sondern allein mit Emotion zu tun. Wäre es anders, wie ist es dann zu erklären, dass Christus gekreuzigt wurde, dass unzählige christliche Märtyrer starben und das Christentum in unserer angeblich so modernen und toleranten Welt zur meist verfolgten Bevölkerungsgruppe zählt? Woher kommt dieser Hass gegen Menschen, die sich an die 10 Gebote halten und ihr Leben nach der Bergpredigt ausrichten? Dieser Hass lässt sich nicht mit Intelligenz begründen, ebenso wenig ist es die Vernunft, die Menschen vom wahren Glauben abhält, denn wäre es ihr Verstand, der sie leitet, würde ihnen einleuchten, dass von bibeltreuen Christen keine Gefahr ausgeht. Sie sind keine Bedrohung, sondern ein Segen für ihr Umfeld.

Aber nicht nur dies ist ein Beleg dafür, dass sich Unglaube nicht mit Intelligenz und Verstand begründen lässt, sondern auch die Tatsache, dass es dem entspricht, was Gottes Wort hierzu sagt. Denn wie bereits festgestellt, lehrt uns die Schrift, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Der Narr spricht in seinem Herzen: »Es gibt keinen Gott!« (Ps 14,1), lautet das ungeschönte Urteil über jene die die Existenz Gottes leugnen, während es im Umkehrschluss heißt: Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Weisheit, und die Erkenntnis des Heiligen ist Einsicht (Spr 9,10).

Wie kommt Gottes Wort zu diesem Urteil, warum wird die Leugnung Gottes als Torheit bezeichnet, während jenen, die Gottes ernst nehmen gesagt wird, dass sie am Anfang der Weisheit seien? Die Erklärung ist im Grunde ganz einfach: Menschen glauben die unterschiedlichsten Dinge, doch jene, die sich für besonders klug halten, haben in der Regel den Zufall zu ihrem Gott erklärt. Normal müsste jedem denkenden Menschen einleuchten, dass die Evolutionstheorie völlig absurd ist, dennoch pocht man darauf, dass alles, was existiert, rein zufällig aus dem nichts entstanden sei. Materie aus dem Nichts, Leben aus dem Nichts, Galaxien und Planeten aus dem Nichts, aber nicht nur das, rein zufällig läuft alles in geordneten und geregelten Bahnen. Würde ich behaupten, dass mein Smartphone auf diese Weise entstanden sei, würde man mich für verrückt erklären, behauptet aber jemand, dass alle Materie, alles Leben, alles was existiert auf diese Weise entstanden sei, hält man das für sehr intelligent und außerordentlich klug. Wahrlich die Schrift hat Recht, wenn es diesbezüglich heißt: „Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden“ (Röm 1,22). Ob es sterbliche Menschen, ob es Tiere oder tote Gegenstände sind, der Mensch hat sich seine Ersatzgötter geschaffen, nahezu alles darf verehrt werden, nahezu alles wird toleriert, nur gegen jene, die den allein wahren Gott verehren, wird ein Hass gehegt, sie werden als Feinde ausgemacht, genau wie es bei ihrem HERRN der Fall war. Und weshalb wurde Jeus gehasst? ER hat nur Gutes getan, ER hat Kranke geheilt, ER hat sich der Armen und Schwachen angenommen, nie ging ein unrechtes Wort über Seine Lippen. Nie ging ein vollkommenerer, besserer Mensch über diesen Planeten, doch was hat die Welt mit IHM gemacht? Anstatt IHN zu ehren, anstatt IHM zu danken, kreuzigten sie IHN. Und was sagt die Schrift über die Propheten, was sagt uns das Wort über jene denen es ebenso erging? Sie, deren die Welt nicht wert war, irrten umher in Wüsten und Gebirgen und Höhlen und den Klüften der Erde (Hebr 11,38).

Wäre die Welt so ein guter Ort, wäre die Menschheit wirklich so gut, wie sie sich selbst einschätzt, dann würden die Gerechten nicht gehasst und verfolgt werden. Nein, die Wahrheit ist, der Mensch ist nicht das, was er sein sollte. Aus diesem Grund fällt das Urteil das die Bibel über den Menschen auch nicht gut aus. Im Gegenteil, alle Menschen werden ausnahmslos als Sünder beschrieben. Es gibt nicht einen der dem göttlichen Maßstab gerecht wird. Genau das missfällt vielen, man will einfach nicht wahrhaben, dass die Bibel an diesem Punkt Recht hat. Man glaubt an eine Weiterentwicklung, geht davon aus, es sei alles eine Frage der Bildung. Dabei muss doch offensichtlich sein, dass sich das menschliche Verhalten nicht allein auf den Verstand reduzieren lässt. Nein, es ist der menschliche Wille, es ist unser Herz, das letztlich entscheidet. Wer auch immer diesen romantischen Glauben an das Gute im Menschen hat, der muss sich doch nur einmal fragen, warum wir unsere Haustüren abschließen müssen? Warum müssen wir denn unseren Besitz sichern, wozu haben wir die vielen Passwörter und warum benötigen wir für unser Bankkonto eine Geheimzahl? Wäre der Mensch tatsächlich gut, würde er tatsächlich dem Idealbild entsprechen in dem er sich so gerne sieht, dann wäre all das nicht nötig. Niemand müsste um seinen Besitz oder um sein Leben fürchten. Niemand müsste misstrauisch sein, von anderen über den Tisch gezogen zu werden, denn wäre der Mensch wirklich gut, würde jeder einzelne so handeln wie es Jesus gelehrt und vorgelebt hat.

Wir finden in Jesus Christus dieses Vorbild, wir finden in Gottes Wort diesen Maßstab, doch der Mensch lebt in der maßlosen Selbstüberschätzung, es besser zu wissen. Wohin es führt, wenn Gottes Ordnungen verworfen werden, sehen wir in dem schleichenden Verfall unserer modernen Gesellschaft. Was hat die Aufklärung gebracht, wohin hat es unser Volk geführt, dass man sich immer mehr vom Wort Gottes losgesagt hat? Nun, man hat jeglichen Halt und jegliche Orientierung verloren. Ständig muss neu diskutiert und verabschiedet werden, was moralisch gut und was verwerflich ist, was früher als Schande galt, gilt heute als Tugend. Mittlerweile ist es sogar schon so weit, dass selbst das Geschlecht infrage gestellt wird, so dass das Bundesverfassungsgericht letzten Monat darüber entschieden hat, dass ab nächstes Jahr ein sogenanntes drittes Geschlecht eingeführt werden muss – demnach muss der Gesetzgeber bis Ende 2018 neue Gesetze schaffen. All diese Entwicklungen wertet man als Fortschritt und Weiterentwicklung, das hält man für vernünftig, die Bibel hingegen erklärt man zum Mythos, kein Wunder also wenn uns Gottes Wort sagt: Die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott (1.Kor 3,19). Der Mensch rühmt sich der Dinge, derer er sich schämen sollte und verschmäht den einen, dem wahrhaftig Ruhm und Ehre gebühren.

So weit einmal zu dem allgemeinen Zustand, kommen wir nun zudem worauf das Wort im Besonderen abzielt, und das ist der Zustand unseres eigenen Herzens. Wir werden uns eines Tages nicht über den allgemeinen Verfall innerhalb unserer Gesellschaft verantworten müssen, vielmehr wird es um die Frage gehen, ob wir uns dem Zeitgeist angepasst haben oder ob es der Geist Gottes war, der uns geleitet hat. Wenn wir uns also mit dem Wort Gottes befassen, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass es, ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens, ist. Weiter sagt uns der Bibeltext: Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern alles ist enthüllt und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben (Hebr 4,12-13).

Der Mensch will es nicht wahrhaben, dass er sich gegenüber seinem Schöpfer verantworten muss, doch das Wort Gottes lässt an dieser Stelle keinen Zweifel, jeder Mensch muss eines Tages Rechenschaft abgeben. Niemand kann diesem Gericht ausweichen, es ist so unausweichlich wie der Tod. Und wie es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht (Hebr 9,27). Mit dem Tod ist nicht, wie viele annehmen, alles vorbei; nein, der Tod ist der Übergang von der sichtbaren in die unsichtbare Welt, der Übergang vom Zeitlichen ins Ewige. Zu Lebzeiten können wir mehr oder weniger verbergen, wie es in unserem Herzen aussieht, vor dem ewigen Gott und Seinem Wort hingegen können wir nichts verbergen. Vor IHM ist alles offenbar, Sein Wort ergründet die Tiefen unseres Herzen, und das Urteil lautet: Trügerisch ist das Herz, mehr als alles, und unheilbar ist es. Wer kennt sich mit ihm aus? Ich, der HERR, bin es, der das Herz erforscht und die Nieren prüft, und zwar um einem jeden zu geben nach seinen Wegen, nach der Frucht seiner Taten (Jer 17,9-10).

Letztlich raubt uns das Wort Gottes jegliche Illusion der Selbsterlösung, es zeigt uns, wie es wirklich um unser Herz bestellt ist, und macht uns deutlich, dass es nicht damit getan ist, dass wir uns nur ein wenig zusammenreißen oder bessere Vorsätze fassen. Wir können uns den christlichen Glauben weder aneignen noch antrainieren, vielmehr gilt, was Martyn Lloyd-Jones festgehalten hat: Wir können nicht verbessert werden. Wir brauchen das Wunder der neuen Geburt, einer Wiedergeburt, einer neuen Schöpfung. Der Gott, der im Anfang alles geschaffen hat, wird uns neu erschaffen, wird neue Menschen aus uns machen, und hierin liegt die Hoffnung – die einzige Hoffnung. Das Evangelium ist nicht die Verkündigung moralischer Besserung, sondern der Wiedergeburt und des Lebens im Geist. Es bietet einen Neuanfang, einen Neubeginn an; es bietet uns Kraft an, mit der wir den Rest unseres Lebens führen können, und am Ende verheißt es uns einen ähnlichen Sieg über den Tod, eine glorreiche Auferstehung und eine Ewigkeit in der Gegenwart Gottes. Es ist kein Erziehungsprogramm oder ein moralisches, ethisches Programm, es ist kein politisches Programm; es ist nicht weniger als das neu erschaffene Werk des allmächtigen Gottes. Es ist ein Wunder. Es ist übernatürlich. Es ist von Anfang bis zum Ende göttliches Handeln. Dies ist die Botschaft des christlichen Evangeliums und Heils. 2

So messerscharf wie das Wort Gottes den hoffnungslosen Zustand unseres Herzens ans Licht bringt, so klar und deutlich weist es auf Gottes überragendes Rettungsangebot hin. Es zeigt uns also nicht nur, dass wir auf uns allein gestellt in einer ausweglosen Situation sind, indem es die Sünde groß macht, sondern zeigt uns den einen der noch größer ist, und das ist Christus, der die Himmel durchschritten hat, der einer von uns wurde, der ein sündloses Leben führte, um die Strafe zu erdulden, die wir verdient hätten. Gottesfurcht bedeutet, sich dieser Realität zu stellen und Zuflucht beim Kreuz zu suchen, Gottlosigkeit bedeutet, diese Tatsache zu ignorieren und Gottes Rettungsangebot auszuschlagen. Die Welt mag die Sünde noch so gerne kleinreden, für den heiligen, gerechten Gott, ist Sünde kein Kavaliersdelikt, sondern ein Schlag ins Gesicht. Gott der Vater opferte Seinen geliebten Sohn nicht, weil Sünde in Seinen Augen so harmlos und belanglos ist, sondern weil sie so schrecklich ist, dass sie durch nichts anderes gesühnt werden kann, als allein durch das Blut Christi. Daher sehen wir am Kreuz nicht nur die unbegreifliche Liebe Gottes, sondern zugleich Seine Heiligkeit und Seinen Hass gegen die Sünde. Seine Liebe, weil ER bereit war Seinen Sohn für uns zu opfern, Seine Heiligkeit, weil ER als gerechter Richter Sünde niemals ungestraft lassen kann. Machen wir uns bewusst: Dasselbe Gericht, das auf den Sohn Gottes kam, verurteilt zugleich das gesamte Wesen und die ganze Welt der Menschen. Der gerechte Sohn Gottes musste um unserer Sünde Willen die Gottverlassenheit ertragen, wie können jene, die diesen Erlöser ablehnen nur davon ausgehen, ihnen sei an Platz an Gottes Seite bestimmt?

Es ist also eine Illusion, dass jene, die Christus ablehnen ungestraft davonkommen, im Gegenteil, nicht ich, sondern die Schrift sagt: Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen! (Hebr 10,31). Wer Gericht und Strafe ausblendet, wer nur Gottes Gnade und Liebe sehen will, der beraubt die Sünde ihres Schreckens und zugleich Golgatha seiner Herrlichkeit. Der Mensch weiß das Opfer, das Christus am Kreuz vollbracht hat, solange nicht zu schätzen, bis er mit dem Schächer am Kreuz sagen kann: Wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Unrechtes getan! (Lk 23,41). Mit anderen Worten, ich muss an den Punkt kommen, an dem mir bewusst wird, nicht Christus, der Sohn Gottes, hätte am Kreuz hängen müssen, sondern ich. Ich hätte diese Strafe verdient. Es ist wichtig dies zu realisieren, denn solange ein Mensch glaubt, Gott sei ihm etwas schuldig, hat er die Situation gegenüber seinem Schöpfer völlig missverstanden. Es ist nicht Gott, der in unserer Schuld steht, sondern umgekehrt, wir sind es, die in seiner Schuld stehen. ER wird sich am Tage des Gerichts nicht vor uns rechtfertigen müssen, sondern wir vor IHM. Daher steht es uns auch nicht zu, irgendwelche Bedingungen zu stellen. Wenn ER uns auf Grundlage des Erlösungswerks, das Sein geliebter Sohn am Kreuz vollendet hat, Vergebung anbietet, können wir nicht auf einen anderen Erlösungsweg bestehen.  Ohne Christus ist der Mensch hoffnungslos verloren. Es geht also nicht darum zu sagen, Gott müsse dieses oder jenes tun, damit wir an IHN glauben können, es geht darum, dass unsere Seele vor dem ewigen Verderben bewahrt wird. Ehe einem Menschen das nicht klar ist, haben die Worte: „So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind“, keine Bedeutung, beachten wir daher auch an welchen Personenkreis sie sich richten, es sind jene, „die nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist“ (Röm 8,1).

Von Natur aus wandelt jeder Mensch im Fleisch, denn aufgrund des Sündenfalls liegt es nicht in der menschlichen Erbanlage, Nachkommen zu zeugen, die geistliches Leben in sich haben. Ohne Ausnahme gilt für jeden Menschen, das, was Jesus einst zu Nikodemus sagte: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen“ (Joh 3,3). Mit anderen Worten, ohne Gottes Handeln ist der Mensch blind für geistliche Dinge. Doch so unfähig er von Natur aus ist, wertzuschätzen und zu erkennen, was ihm von Gott geschenkt ist, so unfähig ist er auch, sich zu bessern oder sich gar selbst zu erlösen. Darum sprach Jesus weiter: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen“ (Joh 3,5). Kein Mensch hat seine Errettung also selbst in der Hand, so wenig wir im Natürlichen in der Lage waren, uns selbst zu zeugen, so wenig sind wir im Stande unsere Wiedergeburt zu bewirken. Was also kann ein Mensch tun, der nicht an die Bibel glauben kann? Er kann auf seine Knie fallen und rufen: „Jesus, erbarme dich meiner!“ (Mk 10,48). Und was wird geschehen, wenn ein Mensch sich so demütigt? Jesus gibt uns die Antwort: „Wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden (Mt 23,12).

 


Quellangaben
1. Martyn Lloyd-Jones – Apostelgeschichte Band 5, S.319
2. Ebd., S.44

 

 

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