und

2. Das Wort Gottes scheidet

08.12.2017

 

Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch Bein, und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern alles ist enthüllt und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben. Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis! (Hebr 4,12-14).

Im ersten Teil dieser Wortbetrachtung ging es hauptsächlich um die Tatsache, dass Gottes Wort lebendig ist, kommen wir nun zu dem Bild des zweischneidigen Schwertes. Was uns dieser Aspekt verdeutlicht, ist die Tatsache, dass das Gottes Wort tiefgründig, überführend und durchdringend ist. Im Gegensatz zu den oberflächlichen Worten und Analysen von Menschen, dringt es zum Kern des menschlichen Problems durch. Nirgendwo anders erfahren wir die Wahrheit über Gott, die Wahrheit über den Menschen und die Wahrheit über unser eigenes Herz, als allein im Wort Gottes. Es dringt bis in die Tiefe unseres Seins vor und bringt die wahren Beweggründe ans Licht. Dabei ist es wie ein Richter absolut objektiv und unbestechlich. Ganz im Gegensatz zum Menschen, besteht hier keine Voreingenommenheit. Das Wort Gottes betreibt keine Augenwischerei, sondern nennt die Dinge beim Namen, es sagt uns die Wahrheit über uns selbst, und die Wahrheit ist, dass wir verloren sind.

Was dies bedeutet, erklärt Martyn Lloyd-Jones wie folgt: Es bedeutet, dass wir gleichsam unsere Seelen verloren haben. Wir haben unser wirkliches Wesen verloren. Wir sind nicht das, was wir eigentlich hätten sein sollen. Wir sind nicht das, was wir zu Beginn der ursprünglichen Schöpfung waren. Dies ist eine verlorene Welt, was bedeutet, dass Menschen nicht so leben, wie es Gott beabsichtigt hatte. Gott erschuf den Menschen vollkommen, und so sollte er auch eigentlich sein. Doch wo ist der vollkommene Mensch? Können Sie ihn finden? Nein, nein, er ist verloren. Wir alle sind verloren; wir haben uns selbst verloren. Wir wissen nicht, wer wir sind; wir wissen nicht, wie wir leben sollen; wir wissen nicht, wo wir sind; wir wissen nicht, was kommen wird. 1

Dies ist sicher nicht das, was der Mensch gerne hört, aber es ist die objektive Wahrheit über unseren gefallenen Zustand, es die Wahrheit über unsere Seele, über unser Herz. Nirgendwo anders als allein im Wort Gottes, werden wir mit dieser unschönen Wahrheit konfrontiert. Bei Menschen werden wir diese Objektivität nicht antreffen, denn Menschen sind nicht nur fehlbar in ihren Einschätzungen, sondern können auch nicht völlig neutral sein. Freunde werden nichts Negatives über uns sagen, weil sie uns nicht verletzen wollen und Politiker werden nichts Negatives äußern, weil sie auf unsere Stimme aus sind. Ebenso wenig werden es die Philosophen sein, bei denen wir die Wahrheit über uns selbst erfahren, weil auch sie von einem falschen Menschenbild ausgehen und der Annahme sind, dass es so etwas wie Sünde, so etwas wie das Böse, nicht gäbe. Sie sehen hier allenfalls ein Erziehungs- oder Bildungsproblem, doch gehen ansonsten von einem positiven Menschenbild aus. Doch vor allem würden sie nie sagen, dass die Sünde wirklich eine aktive Macht ist, weil sie diese Wahrheit hassen. Doch ebenso wie andere Menschen in Punkto objektiver Wahrheit ausscheiden, verhält es sich mit uns selbst. Auch wir selbst sind voreingenommen, und werden immer versuchen uns herauszuwinden und uns besser zu beurteilen, als wir in Wahrheit sind. Denn von Natur aus, wollen wir nicht wahrhaben, dass das Problem im Kern unseres Wesens liegt, wir denken allenfalls, wir müssten lediglich ein weinig aufpoliert werden. Dass wir uns damit nur selbst etwas vormachen, sagt uns niemand, als allein das Wort Gottes. Nur das Wort Gottes ist hier völlig neutral und wie ein unbestechlicher Richter allein an der Wahrheit interessiert. Das Wort beurteilt, es hat eine richtende Qualität, eine unterscheidende Eigenschaft. Wie ein Richter im Gericht kann es die Beweise sichten und analysieren. Der Rechtsanwalt legt sein Plädoyer dar; er offenbart gewisse Fakten nicht; er hebt vielmehr andere hervor und übertreibt. Ach, aber der Richter sitzt auf dem Richterstuhl; er kann unterscheiden, er kann analysieren, er misst jeder Aussage, die getroffen wird, ihren relativen und angemessenen Belang zu – das ist der Inhalt des Wortes „Richter“. Und das Wort tut dies mit den Gedanken und der Gesinnung unserer Herzen, mit unseren Überlegungen, unseren Vorstellungen, unseren Ideen, unseren Konzepten, und es tut dies in der Tiefe unseres Seins, in dem, was als Herz bezeichnet wird. 2

Nirgendwo anders erfahren wir wirklich die objektive Wahrheit über uns selbst, nirgendwo anders wird das wirkliche Problem des Menschengeschlechts bloßgestellt, als allein im einzigartigen Wort Gottes. Aus diesem Grund ist allein dieses Wort in der Lage, Licht in unser Leben zu bringen. Doch der Mensch, wie er von Natur aus ist, liebt die Finsternis mehr als das Licht (vgl. Joh 3,19). Allein das erklärt die Ablehnung gegen das Wort Gottes, es ist nicht der menschliche Intellekt, der Gottes Wort von sich weist, sondern die menschliche Voreingenommenheit. Der Mensch ist gegenüber dem Wort Gottes nicht objektiv oder neutral, vielmehr bringt seine ablehnende Haltung, seine Feindschaft gegenüber Gott zum Ausdruck. Die Schrift bezeichnet diese rebellische Haltung als fleischliche Gesinnung und erklärt: Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch sich dem Gesetz Gottes nicht unterwirft; denn es vermag's auch nicht (Röm 8,7).

Das war nicht immer so, vor dem Sündenfall lebte der Mensch in Harmonie mit seinem Schöpfer, die Gemeinschaft zwischen Gott und dem Menschen war ungetrübt, doch dann kam es zum Sündenfall, Eva hatte sich von der Schlange betören lassen, sie hatte den Einflüsterungen Satans mehr vertraut, als Gott. Dabei hatte Gott dem ersten Menschenpaar nur ein einziges Gebot gegeben, und dieses lautete: „Von jedem Baum des Gartens darfst du nach Belieben essen; aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du gewisslich sterben!“ (1.Mo 2,17). Wir wissen, dass Eva von der Frucht aß und auch Adam ihrem Mann davon gab, dennoch sind beide danach nicht gleich tot umgefallen. Die Frage ist, warum? Gott hatte doch gesagt: „An dem Tag, da du davon isst, musst du gewisslich sterben!“ Es war nicht der körperliche Tod, der sie an diesem Tag getroffen hat, dieser sollte viele Jahre später folgen, es war der geistliche Tod. Aus diesem Grund, schreibt der Apostel Paulus den Christen im Neuen Testament: Auch euch hat er auferweckt, die ihr tot wart in euren Vergehungen und Sünden (Eph 2,1) Und euch, die ihr tot wart in den Vergehungen und in dem Unbeschnittensein eures Fleisches, hat er mit lebendig gemacht mit ihm, indem er uns alle Vergehungen vergeben hat (Kol 2,13). Diese Auferweckung ist gleichbedeutend mit der Wiedergeburt, der natürliche Mensch muss deshalb von neuem geboren werden, weil er geistlich tot ist. Er hat seinen Draht zu Gott verloren, er hat sich von seinem Schöpfer losgesagt und emanzipiert und hält dies für Freiheit, in Wahrheit jedoch bedeutet es Knechtschaft, denn damit dient er automatisch einem anderen Herrn, und das ist Satan. Es gibt keinen neutralen Bereich, es existiert kein geistlich neutrales Niemandsland, vielmehr gibt es nur zwei Möglichkeiten, wir sind entweder Sklaven der Sünde zum Tod oder Sklaven des Gehorsams zur Gerechtigkeit (Röm 6,16).

Grundsätzlich gilt es also wahrzunehmen, dass es in der unsichtbaren Welt diese zwei entgegengesetzten Herrschaftsbereiche gibt. Es gibt auf der einen Seite das Reich der Finsternis und auf der anderen das Reich des Lichts, auf der einen Seite das Reich von Satan und seinen Dämonen, auf der anderen das Reich Gottes. So wie auf der einen Seite Lüge, Täuschung, Ungerechtigkeit und Hass steht, so steht auf der anderen Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe. Beide Reiche sind also völlig gegensätzlich, so dass in der unsichtbaren Welt ein geistlicher Krieg herrscht. Ursprünglich war der Mensch auf der Seite Gottes, doch seit dem Sündenfall ist er unter dem Herrschaftsbereich Satans. Der Mensch wurde zum Knecht der Sünde, er liegt bildlich gesehen in den Ketten der Finsternis. Sein Verstand, sein Denken und sein Wille sind gegenüber Gott also nicht neutral, sondern voreingenommen. Er hat weder eine objektive Wahrnehmung in Bezug auf seine eigene sündhafte Natur, noch auf die Heiligkeit Gottes. Er sieht sich nicht als jemand an, der Erlösung nötig hätte, weil er die Tiefe der Sünde nicht einmal ansatzweise ermessen kann und ihm nicht bewusst ist, dass er vollständig gefallen ist. Allein das ist der Grund, warum der Mensch so geringschätzig über Gott denkt und das Evangelium ablehnt. Warum erfreuen sich satanische Symbole großer Beliebtheit, während das Lesen der Bibel als total uncool angesehen wird? Es liegt daran, weil der Mensch seit dem Sündenfall geistlich tot ist, er ist ein verblendeter Sklave der Sünde, über den geschrieben steht: Wenn aber unser Evangelium doch verdeckt ist, so ist es nur bei denen verdeckt, die verloren gehen,  Den Ungläubigen, bei denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, damit sie den Lichtglanz des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus, der Gottes Bild ist, nicht sehen (2.Kor 4,4). Den Gläubigen hingegen sagt die Schrift: Er hat uns gerettet aus der Macht der Finsternis und versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe (Kol 1,13).

Der Christ gehört also nicht mehr zum Herrschaftsbereich der Finsternis, sondern wurde in das Reich des Lichts versetzt, ein Reich in dem nicht Satan das sagen hat, sondern der Sohn Gottes. Wir haben gelesen, dass das Wort scheidet, es macht eine Scheidung zwischen Licht und Finsternis, eine Scheidung zwischen den Kindern Gottes und den Kindern dieser Welt. Der Ungläubige ist in Folge des Sündenfalls tot in Übertretung und Sünde, der Gläubige hingegen hat neues Leben von Gott empfangen. Er ist zu einer neuen Schöpfung geworden (vgl. 2.Kor 5,17). Es ist grundlegend diesen Unterschied wahrzunehmen, es ist grundlegend zu wissen, dass es diese beiden Herrschaftsbereiche gibt und dass jeder Mensch entweder dem einen oder dem anderen angehört. Diese geistliche Realität ist im gesamten Universum an Tiefgründigkeit nicht zu überbieten, denn es gibt wahrhaft keinen größeren Gegensatz, als den zwischen Licht und Finsternis. Folglich kann es auch keinen größeren Gegensatz geben, wie den, zwischen den Kindern Gottes und den Kindern dieser Welt. Und weil so viele dies nicht erkannt haben, so Martyn Lloyd-Lones, ist die christliche Kirche heute so wie sie ist. Es ist heute sehr schwierig, genau auszumachen, wer ein Christ ist, weil die Kirche und die Welt sich so ähnlich sind; die Welt ist nämlich in die Kirche eingedrungen. Es hat eine Herabsetzung aller Maßstäbe im Glauben, im Betragen, im Verhalten, im äußeren Erscheinungsbild und in allem anderen stattgefunden, ganz im Sinne dieser törichten Auffassung, dass man Menschen gewinnen könne, indem man sich ihnen angleiche! Diese Vorstellung ist ein kompletter Irrtum und stellt eine Verleugnung des ganzen Evangeliums dar. Es gab nie ein Wesen, das sich mehr von der Welt unterschied als der Herr Jesus Christus, aber er zog die „Zöllnern und Sünder“ zu sich selbst. Warum? Weil er wie sie war? Nein! Vielmehr, weil er sich ewiglich von ihnen unterschied. 3

Wenn wir uns also fragen, wie die Eigenschaft des Wortes, als zweischneidiges Schwert zu verstehen ist, und in wie fern es scheidet, dann können wir grundsätzlich festhalten, dass es klar und unmissverständlich zwischen Licht und Finsternis scheidet. Dieses unumstößliche geistliche Prinzip begegnet uns schon auf den ersten Seiten der Bibel, bereits im vierten Vers lesen wir: Und Gott sah das Licht, dass es gut war; und Gott schied das Licht von der Finsternis (1.Mo 1,4). Wie gesagt, es ist sehr wichtig dieses grundlegende geistliche Prinzip zu realisieren, dass Licht und Finsternis nichts gemein haben, darum finden wir auch im Neuen Testament die klare Anweisung: Und habt nichts gemein mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, sondern stellt sie vielmehr bloß! (Eph 5,11). Wir sehen also sehr deutlich, dass das Wort eine ganz klare Scheidung vornimmt, es trennt zwischen Licht und Finsternis und lehrt die Gläubigen zu unterscheiden, zwischen Heilig und Unheilig, zwischen Gut und Böse.

Ebenso haben wir gesehen, dass das Wort zwischen den Kindern Gottes und den Kindern dieser Welt unterscheidet. Doch woran ist der wesentliche Unterschied auszumachen? In den verweltlichten Landeskirchen wird man kaum etwas zu diesem Thema hören, hier schwimmt man vielerorts nur noch auf der Harmoniewelle und will nirgendwo anecken. Das Wort Gottes hingegen, stellt uns diese Gegensätze klar vor Augen. Auch wenn das nicht allen behagt, können wir dafür sehr dankbar sein, denn wie könnte uns das Wort Orientierung geben, wenn es nicht eine klare Linie ziehen würde? Der Traditionschrist mag sagen, es sei nicht ratsam, sich mit solchen Details zu befassen, ja, es mag im Namen der modernen Toleranz sogar als Tabubruch angesehen werden, eine solche Unterscheidung vorzunehmen, doch wem ist geholfen, wenn die Grenzen verwischt werden? Wer profitiert davon, wenn der christliche Glaube einem mystischen Nebel gleichkommt, der alles und nichts bedeuten kann? Machen wir uns bewusst, der Weg des Glaubens ist ein schmaler Weg mit klaren Abgrenzungen auf beiden Seiten, wo auch immer man die Grenzen verwischen, verschieben und umdeuten will, da befindet man sich auf dem breiten Weg.

Doch nun zurück zur Ausgangsfrage, worin unterscheiden sich die Kinder Gottes von den Kindern der Welt? Was macht den wesentlichen Unterschied zwischen dem Gläubigen und dem Ungläubigen aus? Natürlich könnte man hier vieles anführen, doch der Hauptunterschied ist darin auszumachen, dass der Christ vom Heiligen Geist geführt, geleitet und beeinflusst wird (Röm 8,14), der Ungläubige hingegen wird durch seine Begierden geleitet, er widerstrebt dem Heiligen Geist und geht stattdessen seinen eigenen Weg. Somit ist der grundlegende Unterschied zwischen dem Gläubigen und dem Ungläubigen darin zu sehen, dass der Gläubige, der vormals ebenfalls geistlich tot war, zum geistlichen Leben erweckt wurde. Er ist wiedergeboren, er hat den Heiligen Geist empfangen. Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott (1.Kor 2,12), schreibt der Apostel Paulus, und macht damit deutlich, dass die Kinder Gottes nicht mehr unter dem Einflussbereich dessen stehen, der den ganzen Erdkreis verführt, sondern den Sinn Christi haben (1.Kor 2,16). Genau darauf geht auch der Schreiber des Hebräerbriefs ein, indem er zitiert, was Gott durch den Propheten Jeremia verheißen hat: Ich will meine Gesetze in ihren Sinn geben, und in ihr Herz will ich sie schreiben und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein (Hebr 8,10; Jer 31,33). Das ist es, was bei der Wiedergeburt, die auch als Beschneidung des Herzen bezeichnet wird, geschieht, der Gläubige bekommt ein neues Herz das darauf ausgerichtet ist, Gott zu gefallen. Der natürliche Mensch sucht einen Gott der ihm gefällt, die Kinder Gottes hingegen wollen dem Gott gefallen, der sie aus lauter Güte zu sich gezogen hat (vgl. Jer 31,3). Aus diesem Grund hat der Gläubige eine völlig andere Gesinnung wie ein Weltmensch. Martyn Lloyd Jones hat hierzu treffend festgehalten: Wenn Sie immer noch genauso denken, wie die Welt denkt, dann sind Sie kein Christ. Christen sehen und betrachten dieselben Fakten wie jeder andere, aber sie sehen sie nicht in der gleichen Weise und denken nicht in der gleichen Weise darüber; das ganze Klima, das ganze Reich des Denkens ist unterschiedlich. 4

Wir müssen also wahrnehmen, dass das Wort Gottes zwischen den Kindern Gottes und den Kindern der Welt unterscheidet, dass es unterscheidet zwischen Welt und Gemeinde, zwischen Christ und Nichtchrist. Dass es unterscheidet zwischen Gut und Böse, zwischen Falsch und Richtig, zwischen Lüge und Wahrheit. Zwischen Gott und Götzen, zwischen wahrer Anbetung Gottes und der Verehrung von Dämonen (vgl. 1.Kor 10,20), zwischen gerettet und verloren. Von daher ist es ein völlig falscher Ansatz, wenn davon ausgegangen wird, es würde beim christlichen Glauben darum gehen, sich mit allen möglichen Religionen zu vereinen. Im Gegenteil, unmissverständlich sagt uns das Wort: Geht nicht unter fremdartigem Joch mit Ungläubigen! Denn welche Verbindung haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? Und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen? (2.Kor 6,14-15). Diese messerscharfe Scheidung, die Gottes Wort hier macht, gefällt vielen nicht. Sie wollen lieber alles harmonisieren, alles auf den kleinstmöglichen Nenner bringen, um möglichst viele Menschen religiös zu vereinen. Doch das kann, wie gesehen, nie und nimmer der biblische Ansatz sein. So klar wie Gott bereits am Anfang der Schöpfung Licht und Finsternis geschieden hat, so klar müssen sich Christen von der Finsternis distanzieren. Das Reich Gottes ist durch und durch auf Wahrheit gegründet, wo auch immer man Einheit über Wahrheit stellt, handelt man entgegen dem offenbarten Willen Gottes. Beachten wir, als Jesus den Vater um die Einheit unter Seinen Nachfolgern gebeten hat, sprach ER nicht: „Einige sie durch Pragmatismus und Oberflächlichkeit, sondern: „Heilige sie durch die Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit“ (Joh 17,17). Heiligung bedeutet Absonderung, nicht Vereinigung mit der Welt, von daher lag Charles Spurgeon völlig richtig, als er sagte: Nichts hat jemals mehr die Einheit des Wahren gefördert, als der Bruch mit dem Falschen. 5

Daher gilt, lieber durch Wahrheit getrennt als durch Irrtum vereint. Es ist eine Lüge, zu behaupten, dass alle Religionen zu Gott führen würden. Wer einen solchen Standpunkt vertritt, kann kein Christ sein, denn wäre er Christ, würde er sich an die Worte seines HERRN halten, und diese lauten: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich“ (Joh 14,6). Das Wort Gottes gibt also einen klaren Weg vor, es ist nicht von vielen Wegen die Rede, es wird nicht gesagt, dass alle Religionen gut seien und zu Gott führen würden. Nein, es gibt nur einen Weg, Jesus ist der Weg, in keinem anderen Namen ist das Heil (vgl. Apg 4,12). Der Mensch kann nur durch das Opfer das Christus vollbracht hat, vor Gott bestehen. Wer das nicht wahrhaben will, wer tatsächlich in der Annahme lebt, der Mensch könne sich durch das Ausüben anderer Religionen selbst retten, der hat das Wort Gottes völlig missverstanden und die Tragweite des Sündenfalls nicht begriffen. Es gibt nur diesen einen Mittler, es gibt nur diesen einen Weg zu Gott, entweder wir vertrauen auf unsere eigene Gerechtigkeit und das, was wir getan haben oder auf das, was Christus vollbracht hat. Entweder wir vertrauen auf Christus oder auf Fleisch. Wobei für jene, die wahrhaft Kinder Gottes sind, zutrifft, was der Apostel Paulus festgehalten hat: Denn wir sind die Beschneidung, die wir Gott im Geist dienen und uns in Christus Jesus rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen (Phil 3,3).

Das Wort Gottes zeigt uns im Hier und Jetzt bereits diesen Unterschied, es unterscheidet zwischen jenen, die auf sich selbst und ihr eigenes Tun vertrauen und jenen, die ihren geistlichen Bankrott erkannt haben und Zuflucht beim Kreuz suchen. Die einzige Art Gott zu dienen, die einzige Art sich IHM zu nahen und IHM zu gefallen, ist der Weg übers Kreuz von Golgatha, dort hat der gerechte Sohn Gottes die Strafe getragen, die wir verdient hätten. Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen eigenen Weg; aber der HERR ließ ihn treffen unser aller Schuld (Jes 53,6). Das ist das große unfassbare Rettungsangebot, das für jeden Menschen gilt. Alle sind eingeladen, keiner wird abgewiesen, doch kommen werden nur jene, die sich ihrer geistlichen Armut bewusst sind. Lassen wir uns doch durch das Wort Gottes zeigen, dass wir dem göttlichen Maßstab niemals gerecht werden können und nehmen wir die Gerechtigkeit an, die uns durch den Sohn Gottes aus freien Stücken geschenkt wird.

Wie gesehen, der religiöse Einheitsbrei der in unseren Tagen so gerne serviert wird, weigert sich regelrecht eine Unterscheidung oder eine Wertung vorzunehmen, das Wort Gottes hingegen macht diese Scheidung, es ist wie ein zweischneidiges Schwert, es verursacht Trennung, doch beachten wir wovon der gefallene Mensch getrennt wird. Er wird herausgerissen, er wird gerettet. Es ist also eine Trennung die etwas Positives bewirkt, so wie man einen Ertrinkenden, den man aus dem Meer herauszieht, vom Wasser trennt oder die Fesseln eines Gefangen löst. Es findet ein Herrschaftswechsel statt, Sklaven der Sünde und des Todes, werden zu Kindern Gottes. Er hat uns errettet aus der Herrschaft der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe (Kol 1,13).

Wenn die Schrift uns diese Gegensätze so deutlich vor Augen führt, wenn sie uns zeigt, dass es ein „gerettet sein“ und ein „verloren sein“ gibt, dann hat dies den einen Grund: Gott in Seiner Gnade will uns zur Umkehr leiten. ER will, dass wir uns darüber bewusst werden, auf welcher Seite wir stehen. Ob wir zu den Geretteten oder zu den Verlorenen zählen, ob wir noch Kinder dieser Welt oder Kinder Gottes sind. Noch mag es oft so scheinen, als sei es einerlei, doch es kommt der Tag, an dem das, was sich bereits hier in der unsichtbaren Welt vollzieht, sichtbar wird. Es kommt der Tag an dem sogar durch das sichtbare Volk Gottes ein Riss gehen wird. Denn wie uns der Bibeltext zeigt, wird einst das Verborgene enthüllt werden. Kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern alles ist enthüllt und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben. Und das Verborgene, das uns der Hebräerbrief anhand der Geschichte Israels zeigt, entspricht der geistlichen Realität, die Paulus im Römerbrief verdeutlicht hat. Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist; auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht; sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und [seine] Beschneidung [geschieht] am Herzen, im Geist, nicht dem Buchstaben nach. Seine Anerkennung kommt nicht von Menschen, sondern von Gott (Röm 2,28-29).

Die Juden waren nach außen hin das Volk Gottes, sie bekannten sich offiziell zum Gott der Bibel, genauso wie heute viele einer christlichen Kirche zugehören und sich damit zum Gott Israels bekennen. Dennoch zeigt der Hebräerbrief, dass nicht alle in Gottes Ruhe eingehen konnten, sondern nur jene, deren Glaube echt war (vgl. Hebr 3,19). Mit anderen Worten: Am Tag des Gerichts wird kein Scheinchristentum mehr durchgehen, auch der Traditionschrist wird als Heuchler entlarvt werden, denn das, was Gottes Wort heute schon klar trennt, nämlich echten und falschen Glauben, wird dann auf alle Ewigkeit getrennt werden. Achten wir dazu auf die Worte des HERRN, der dieses Ereignis wie folgt angekündigt hat: Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen; und vor ihm werden versammelt werden alle Nationen, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirte die Schafe von den Böcken scheidet (Mt 25,31-32).

 

 

Quellangaben
1. Martyn Lloyd-Jones – Apostelgeschichte Band 5, S.29
2. Ebd., S. 117
3. Ebd., S. 329
4. Ebd., S. 330
5. Spurgeon - Das unveränderliche Evangelium

 

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