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2. Selbstvertrauen oder Gottvertrauen?


Veröffentlicht am 08.02.2016

Am Ende des letzten Kapitels, habe ich Jeremia 17,5-8 zitiert. Dieser Bibelabschnitt, und das direkte Textumfeld, wird Ausgangspunkt aller weiteren Kapitel sein. Aus diesem Grund will ich diese Worte auch an den Anfang dieses Kapitels stellen:

So spricht der Herr: Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht, und dessen Herz vom Herrn weicht! Er wird sein wie ein kahler Strauch in der Einöde; er wird nichts Gutes kommen sehen, sondern muß in dürren Wüstenstrichen hausen, in einem salzigen Land, wo niemand wohnt. Gesegnet ist der Mann, der auf den Herrn vertraut und dessen Zuversicht der Herr geworden ist! Denn er wird sein wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und seine Wurzeln am Bach ausstreckt, der die Hitze nicht fürchtet, wenn sie kommt, sondern seine Blätter bleiben grün; auch in einem dürren Jahr braucht er sich nicht zu sorgen, und er hört nicht auf, Frucht zu bringen.

Wie dieser Vers zeigt, ist es sehr trügerisch, wenn wir uns auf andere Menschen verlassen. Das bedeutet zwar nicht, dass wir niemand trauen können, aber es macht deutlich, dass wir in der Frage nach der Wahrheit nur eine zuverlässige Quelle haben, und das ist das unveränderliche Wort Gottes (vgl. Ps 12, 3+7). Anhand dieses Wortes müssen wir alles prüfen, das den Anspruch erhebt, uns den richtigen Weg zu weisen. Viele verwechseln den christlichen Glauben mit einer Art Gutgläubigkeit. Sie meinen, man müsse jedem trauen, der ein Theologiestudium vorweisen kann. Andere wiederum verlassen sich nahezu blind auf innere Stimmen und Eindrücke und sind überzeugt, der Heilige Geist würde direkt zu ihnen reden; nicht das Wort ist ihres Fußes Leuchte, sondern die Eindrücke ihres Herzens (vlg Ps 119,105; Jer 23,25). Doch Gottes Wort warnt: „Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt“ (1.Joh 4,1).

Wir sind also aufgefordert zu prüfen, welcher Geist sich hinter einer Lehre verbirgt, und dafür gibt es nur ein Prüfkriterium und das ist die Heilige Schrift. Es geht also nicht um unser Bauchgefühl oder um den Mehrheitstrend, sondern um das, was geschrieben steht. Die Tatsache, dass von vielen falschen Propheten die Rede ist, ist ein klarer Hinweis, dass wir hier nicht einfach unser Fähnchen in den Wind halten können. Wir können uns hier nicht an der Masse orientieren. Nicht die Theologie, die mehrheitlich vertreten wird, sondern die Lehre, die auf die Schrift gegründet ist, muss Grundlage unseres Glaubens sein. In diesem Zusammenhang ist auch beachtenswert, dass Jesus davon sprach, dass viele Menschen auf dem breiten Weg sind, aber nur wenige auf dem schmalen.

Auch bei Jeremia war es nicht anders: Die falschen Propheten waren in der Überzahl und die Mehrheit verließ sich nahezu blind auf ihre Worte. Im Gegensatz zu Jeremia waren sie sehr angesehen und beliebt. Heute würde man solche Leute als sehr erfolgreich bezeichnen. In Jeremia hingegen würde man einen gescheiteren Propheten sehen, schließlich hatte er keine Bekehrungen vorzuweisen und war im Gegensatz zu den falschen Propheten nicht nur unbeliebt, sondern regelrecht verhasst (vgl. Jer 18,23). „Hätte er mal mehr von der Liebe Gottes gepredigt oder sich in den weltlichen Vereinen engagiert, um Kontakte zu knüpfen und Beziehungen aufzubauen. Außerdem hätte er nicht mit der Tür ins Haus fallen sollen, sondern eher versuchen müssen, durchs Hintertürchen reinzukommen!“ Heute sind wir dank Willow Creek und Emerging Church natürlich viel weiter. Wir wissen wo der Hase lang läuft, und wenn die Welt nicht gläubig wird, dann werden wir eben weltlich, um die leeren Kirchenbänke wieder zu füllen.

James I. Packer schrieb diesbezüglich sehr treffend: Während es das Hauptziel des alten Evangeliums war, die Menschen Gottes Wege zu lehren, so scheint das Anliegen des neuen darauf beschränkt zu sein, ihr Wohlbefinden zu fördern. Das Thema des alten waren Gott und seine Wege mit den Menschen; das Thema des neuen sind der Mensch und die Hilfe, die Gott ihm gibt. Das ist ein großer Unterschied.3

Unterhaltung und Wohlfühlfaktor sind wichtiger, als gesunde Lehre und dank Kreativität und Einfallsreichtum gelingt es, Besucher in die Gottesdienste zu locken. Aber ist das wirklich ein Fortschritt, haben wir damit früheren Generationen tatsächlich etwas voraus?

Keineswegs, diese modernen Methoden sind nicht wirklich neu, denn bereits zu den Zeiten Jeremias, waren falsche Propheten in der Lage, die Massen anzulocken. Doch was sagt die Schrift über solche Zusammenkünfte? In Jeremia 7 finden wir die Antwort: „Aber nun verlasst ihr euch auf Lügenworte, die zu nichts nütze sind. Ihr seid Diebe, Mörder, Ehebrecher und Meineidige und opfert dem Baal und lauft fremden Göttern nach, die ihr nicht kennt. Und dann kommt ihr und tretet vor mich in diesem Hause, das nach meinem Namen genannt ist, und sprecht: Wir sind geborgen, - und tut weiter solche Gräuel. Haltet ihr denn dies Haus, das nach meinem Namen genannt ist, für eine Räuberhöhle? Siehe, ich sehe es wohl, spricht der HERR!“ (V 8-11).

Das ist das große Dilemma, Schuld und Sünde wird nicht mehr aufgedeckt, sondern zugedeckt und verharmlost (vgl. Kla 4,6). Man will die Menschen nur noch unterhalten, man will sie bei Laune halten, anstatt sie zur Umkehr zu rufen. Dadurch wird der Eindruck erweckt, der christliche Glaube sei etwas, das so nebenher laufen könne. Das alte Leben und die alten Gewohnheiten sind überhaupt kein Problem, man kann alles beibehalten und sich dennoch den Segen Gottes abholen. Die Kirche ist für alles und jeden offen, von Heiligung, Absonderung oder Umkehr ist nie die Rede. Mahnungen wie: Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger - das sind Götzendiener - ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes!“, finden keine Beachtung mehr.

Wer so etwas verkündigt, gilt als ewig Gestriger und wird als lieblos und gesetzlich eingestuft. So würde man auch über Jeremia urteilen, man würde sagen, seine Mission sei an seiner Engstirnigkeit gescheitert. Er hätte seine Botschaft dem Geschmack seiner Zuhörer anpassen müssen, um erfolgreich zu sein. Doch ist Jeremia wirklich gescheitert, muss man ihm wirklich Erfolglosigkeit bescheinigen? Keine Frage, die Welt würde ihm diesen Stempel aufdrücken. Doch das ist eben nur eine sehr kurzsichtige, menschliche Sichtweise. In Gottes Augen sieht das ganz anders aus. ER hat ein ganz anderes Prüfkriterium. ER misst Seine Diener nicht an ihrem Beliebtheitsgrad, sondern allein an ihrer Treue. Unabhängig davon, ob sich durch einen Dienst, viele oder wenige Menschen bekehren, lautet die Frage: „Gibt ein Diener Gottes, die Botschaft weiter, die ihm der Herr aufgetragen hat oder verkündigt er nur die Überlegungen seines eigenen Herzens?“ Da wir den abgeschlossenen Kanon der Heiligen Schrift haben, kann man heutige Diener Gottes mit Haushaltern vergleichen, deren Aufgabe darin besteht, das anvertraute Gut zu bewahren. Es geht also nicht darum, eine neue Botschaft oder neue Offenbarungen weiterzugeben, sondern darum, am geschriebenen Wort festzuhalten. In 1. Korinther 4,2 heißt es dazu: Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden.

Weiter gilt es zu beachten, dass Jeremia aufgefordert war, auf die Menschen zuzugehen, anstatt sich zurückzuziehen und abzuwarten, ob da vielleicht mal jemand auftauchen würde, um Fragen zu stellen. Ebenso haben auch wir den Auftrag: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium!“ (Mk 16,15), anstatt die Menschen durch attraktive Gottesdienste und Unterhaltungsprogramme anzulocken. Dazu muss man auch ganz klar sagen, dass sich das Evangelium nicht auf die Botschaft „Jesus liebt Dich“ reduzieren lässt. Dazu nur ein Beispiel: Als Paulus von Jesus dazu beauftragt wurde, das Evangelium zu verkündigen, sprach Jesus nicht: „Gehe hin zu allen Menschen und sage ihnen, dass ich sie liebe und einen tollen Plan für ihr Leben habe", sondern: „Ich werde dich herausnehmen aus dem Volk und den Nationen, zu denen ich dich sende, ihre Augen zu öffnen, dass sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Macht des Satans zu Gott, damit sie Vergebung der Sünden empfangen und ein Erbe unter denen, die durch den Glauben an mich geheiligt sind“ (Apg 26,17-18).

Das Evangelium ist keine Zusatzoption für ein besseres Leben, so als würde man nur eine Versicherung abschließen, sondern ein Aufruf zur Umkehr. Söhne des Ungehorsams werden zum Glaubensgehorsam aufgerufen (vgl. Eph 2,2; Rö 1,5). Es geht um eine radikale Abkehr vom alten, von Sünde und Eigenwillen geprägten Leben und eine Hinwendung zu Gott. Statt Ablehnung und Rebellion gegen Gottes Gebote, geht es um ein ernsthaftes Verlangen, nach seinem Willen zu leben. 

Das Entscheidende dabei ist die Umkehr. Das moderne Evangelium „light“ besagt: „Du kannst so bleiben wie du bist, Gottes Segen ist dir dennoch gewiss!“, doch das Evangelium der Bibel fordert einen völligen Bruch mit der Sünde. Treffend bringt es Lothar Gassmann auf den Punkt, wenn er sagt: Ein Glaube, der nicht zum Bruch mit den Sünden der Welt und zur Heiligung führt, ist nicht echt, sondern nur fromme Einbildung! 4

Wer also bildlich gesprochen bei den Schweinetrögen der Welt stehen bleibt, kann nicht den Segen des Vaters erwarten, selbst wenn er von modernen Theologen zugesagt wird. Denken wir an den verlorenen Sohn, er musste umkehren und sein verkorkstes, selbstsüchtiges Leben hinter sich lassen. Erst nach dem er sich aufgemacht hatte und zu seinem Vater zurückgekehrt war, heißt es: Als er aber noch fern war, sah ihn sein Vater und wurde innerlich bewegt und lief hin und fiel ihm um seinen Hals und küsste ihn (Lk 15,20). Erst an diesem Punkt, werden seine zerlumpten Kleider gegen ein neues Gewand eingetauscht (vgl. Jes 64,5; 61,10; Sach 3,3-4). Erst hier sagt der Vater: „Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, war verloren und ist gefunden worden“ (Lk 15,24).
Und wohlgemerkt, der verlorene Sohn kam nicht auf Kurzbesuch, um sich eine kleine Finanzspritze abzuholen und sich ein wenig aufpäppeln zu lassen, sondern er kam, um bei seinem Vater zu bleiben. Darum geht es beim Evangelium. Anstatt sich nur von Zeit zu Zeit Segnungen abzuholen, geht es um eine innige Gemeinschaft mit Gott dem Vater. Auch wenn die Menschen es nicht gerne hören, die Botschaft des Evangeliums ist eine Botschaft der Umkehr. Ein Zurückkehren zu Gott, anstelle eines lebenslänglichen Davonlaufens. Seit dem Sündenfall ist dies das menschliche Dilemma, man lebt in dem Irrwahn, ohne Gott besser klar zu kommen. Man will sich seinem Schöpfer nicht unterordnen, sondern seinen eigenen Weg gehen. Die Folgen dieser gottlosen Haltung erleben wir tagtäglich. Woher kommen denn Katastrophen, Kriege und Krankheiten? Sie sind Folgen unserer Sündhaftigkeit und zugleich eine deutliche Warnung vor Gottes endgültigem Gericht. Doch die Menschen kommen dadurch nicht zur Einsicht, sondern lehnen sich umso mehr auf. Je näher der schreckliche Tag des HERRN kommt (vgl. Mal 3,23), je mehr wird auch dieses Verstocken zunehmen. In der Offenbarung finden wir dazu die erschütternde Aussage: Und die Übrigen der Menschen, die durch diese Plagen nicht getötet wurden, taten auch nicht Buße von den Werken ihrer Hände, nicht mehr anzubeten die Dämonen und die goldenen und die silbernen und die bronzenen und die steinernen und die hölzernen Götzenbilder, die weder sehen noch hören noch wandeln können. Und sie taten nicht Buße von ihren Mordtaten noch von ihren Zaubereien noch von ihrer Unzucht noch von ihren Diebstählen (Offb 9,20-21; vgl. 16,9-11).

Im Umkehrschluss gilt ebenso, je mehr die Verstockung innerhalb eines Volkes zu beobachten ist, je näher steht Gottes Gericht bevor. Das wird auch an der Widerspenstigkeit deutlich, die das Volk Israel zurzeit des Propheten Jeremias gekennzeichnet hat. Es muss uns bewusst sein, dass uns dies nicht überliefert wurde, damit wir schadenfroh auf Israel zurückblicken können, sondern vielmehr als eindringliche Warnung vor Gottes Gericht (vgl. Kla 1,21). Beachtenswert ist die Tatsache, dass Gott Seine Propheten trotz dieser Verstockheit immer wieder ausgesandt hat, um Sein Volk zur Umkehr zu bewegen. Auch für uns gilt: „Rede zur Zeit und zur Unzeit“ (2.Tim 4,2). Auch wenn die Menschen unserer Generation genauso so widerspenstig sind, wie zur Zeit Jeremias oder wie nach der Verschleppung in die babylonische Gefangenschaft, als Gott Hesekiel berief und sagen musste: „Und sie, mögen sie hören oder es lassen - denn sie sind ein widerspenstiges Haus -, sie sollen doch erkennen, dass ein Prophet in ihrer Mitte gewesen ist!“ (Hes 2,5). Auch unser widerspenstiges, nachchristliches Volk soll wissen, dass Menschen in ihrer Mitte waren, die ihnen die Wahrheit des Evangeliums bezeugt haben, mögen sie es hören oder lassen. Wer Böses tut, der tue weiterhin Böses, und wer unrein ist, der sei weiterhin unrein; aber wer gerecht ist, der übe weiterhin Gerechtigkeit, und wer heilig ist, der sei weiterhin heilig (Offb 22,11).

Christen dürfen sich nicht entmutigen lassen, wenn die Menschen ihre Ohren vor Gottes Wort verschließen; denn wie gesagt, Gott misst uns nicht an unserem Ansehen, auch nicht an Besucherzahlen, Bekehrungen oder der Anzahl unserer Webseitenbesucher. Das alles sind weltliche Beurteilungskriterien, die wir als Christen nicht übernehmen dürfen. Ansonsten bestehen 2 Gefahren: Wenn die Zahlen hoch sind, kann es zu Stolz führen. Sind sie hingegen eher gering, besteht die Gefahr zu resignieren. Daher sollten wir es bezüglich unseres Dienstes für den HERRN wie Paulus halten, er sagte: Dafür halte man uns: für Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes. Übrigens sucht man hier an den Verwaltern, dass einer treu befunden werde. Mir aber ist es das Geringste, dass ich von euch oder von einem menschlichen Gerichtstag beurteilt werde; ich beurteile mich aber auch selbst nicht. Denn ich bin mir keiner Schuld bewusst, aber dadurch bin ich nicht gerechtfertigt. Der mich aber beurteilt, ist der Herr (1.Kor 4,1-4).

Auch hier wird deutlich, dass wir nach unserer Treue beurteilt werden, doch man sollte nie auf die Idee kommen, es ginge darum, sich die Errettung zu verdienen. Es geht hier nicht um Errettung, die geschieht ausnahmslos aufgrund der Gnade. Errettung ist niemals menschlicher Eigenverdienst, sondern allein der Verdienst des Herrn. Kein Mensch ist in der Lage, sich selbst zu erlösen. Nicht umsonst fragt Jesus: „Denn was könnte ein Mensch als Lösegeld für sein Leben geben?“ (Mk 8,37)Wir können uns niemals selbst erlösen. Ohne Ausnahme gilt für alle Kinder Gottes: Wir werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist (Röm 3,24).

Und hier sind wir wieder beim Eingangsvers und damit bei der Frage, worauf wir vertrauen? Vertrauen wir dem Herrn und dem was er getan hat oder vertrauen wir auf das, was wir selbst getan haben? Selbstvertrauen und Selbsterlösung oder Gottvertrauen und Erlösung allein aus Gnade? Genau das ist auch der Unterschied zwischen den beiden Wegen, von denen Jesus sprach. Der breite Weg, ist der Weg des eigenwilligen Gottesdienstes, hier bestimmt der Mensch, wo es lang geht (vgl. Kol 2,23). Der Mensch hat alles unter Kontrolle und alles ist im Bereich des menschlich Machbaren. Egal welche Religion oder welche Weltanschauung, im Wesen dreht es sich immer um die Leistung und den Verdienst des Menschen. Verherrlicht wird hier letztlich nicht Gott, sondern der Mensch. Der schmale Weg hingegen, ist allein auf Gottes Gnade begründet. Alles gründet sich auf die Erlösung durch Jesus Christus, den Sohn Gottes, der sowohl Anfänger, als auch Vollender des Glaubens ist (vgl. Hebr 12,2). Wir sind hier so gänzlich von Gottes Einwirken abhängig, dass Jesus dem religiösen Nikodemus sagte: „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen“ (Joh 3,5). Wir müssen neu geboren werden (vgl. Joh 3,3). Doch wer hat seine eigene Geburt in der Hand? Das ist absolut außerhalb des Bereichs dessen, was menschlich machbar ist. Hier sehen wir unsere geistliche Armut, wir haben nichts vorzuweisen, außer einem Berg von Schuld, gepaart mit völligem Unvermögen. Wir sind vor Gott wie mittellose Bettler, darum bleibt uns nur eins, wir müssen vor ihm unseren Konkurs anmelden. Wir müssen es machen wie der verlorene Sohn und mit ganzem Herzen zu ihm umkehren. Wenn wir das tun, wird er uns freudig entgegenlaufen und uns die Kleider des Heils schenken. Doch dies allein aus Gnade, denn Erlösung ist ein Geschenk und kein Verdienst.

Hier können wir prüfen, wo wir geistlich stehen. Worauf gründet sich unsere Hoffnung, worauf basiert unser Glaube? Gründet er sich wirklich auf das Erlösungswerk, das Jesus vollbracht hat? Vertrauen wir vorbehaltslos auf den Herrn oder vertrauen wir auf menschliche Kraft? So nach dem Motto: „Wir schaffen das“, oder wie es in einem Karnevalslied heißt: „Das mit dem Himmel, das kriegen wir schon hin“.

 

Doch dies ist ein Trugschluss, der Mensch steuert nicht automatisch auf das Himmelreich zu, vielmehr ist er gemäß den Worten des HERRN, in die andere Richtung unterwegs: Denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der zum Verderben führt, und viele sind, die auf ihm hineingehen (Mt 7,13). Und wenn der Mensch seinen Kurs nicht ändert, und Buße tut, dann gelten ihm die Worte aus Johannes 8,24, wo Jesus sagt: Wenn ihr nicht glauben werdet, dass ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben. Wer also nicht an den Sohn Gottes glaubt, der landet gewiss nicht im Himmel, sonder steuert auf die ewige Verdammnis zu. Noch ist Gnadenzeit, noch steht die Tür ins Reich Gottes für jeden weit offen, doch entscheidend ist, dass wir im Glauben hindurchgehen. Genau dazu sind wir durchs Evangelium eingeladen, doch eine Einladung, die man ablehnt oder ignoriert, die hat so viel Wert, wie ein Scheck, den man nie einlöst.

 

 

 

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