und

12. Erinnerung dient zur Wachsamkeit

07.09.2017

Geliebte, dies ist nun schon der zweite Brief, den ich euch schreibe, um durch Erinnerung eure lautere Gesinnung aufzuwecken, damit ihr an die Worte gedenkt, die von den heiligen Propheten vorausgesagt worden sind, und dessen, was euch der Herr und Retter durch uns, die Apostel, aufgetragen hat. Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, dass am Ende der Tage Spötter kommen werden, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln (2.Petrus 3,1-3).

 

Hier sehen wir ein geistliches Prinzip das uns in der Schrift immer wieder begegnet, und das ist die Aufforderung, sich die Vorhandene Kenntnis immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Müssen wir nicht zugeben, oft vergessliche Hörer zu sein, die zwar über ein bestimmtes Bibelwissen verfügen, aber dieses im Alltag oft schmerzlich vermissen lassen? Ebenso besteht die Gefahr über die Texte hinwegzufliegen, weil wir denken, das kennen wir schon. Auch Petrus wusste, dass die Empfänger seines Briefes mit der gesunden Lehre der Apostel vertraut waren, dennoch war es ihm wichtig, sicher zu gehen, dass sie darin fest gegründet sind. So schrieb er bereits im 1.Kapitel: Darum will ich es nicht versäumen, euch stets an diese Dinge zu erinnern, obwohl ihr sie kennt und in der [bei euch] vorhandenen Wahrheit fest gegründet seid (V12).

Wenn sich etwas einprägen und vertiefen soll, ist Wiederholung unverzichtbar, wobei wird nicht übersehen dürfen, es geht unverkennbar um eine vorhandene Wahrheit und nicht darum einen neuen Grund zu legen. Die Grundlage des Glaubens ist das geschriebene Wort, an das will auch Petrus erinnern, wenn er sagt: Ich euch schreibe, um durch Erinnerung eure lautere Gesinnung aufzuwecken, damit ihr an die Worte gedenkt, die von den heiligen Propheten vorausgesagt worden sind. Wie Petrus dabei ganz praktisch vorgegangen ist, haben wir bis hierher betrachtet, doch gerade um dem Thema „Wiederholung“ gerecht werden, wollen wir uns dies durch eine Kurzzusammenfassung des bisher betrachteten noch einmal ins Gedächtnis rufen. Petrus begann seinen Brief damit, sich als Knecht und Apostel Jesu Christi vorzustellen. Damit hat er sich zu aller erst als Diener Gottes ausgewiesen und zugleich verdeutlicht, ein Augenzeuge des Dienstes Jesu gewesen zu sein. Dass genau dies die Voraussetzung war um überhaupt als Apostel infrage zu kommen, hat Petrus an anderer Stelle selbst erklärt (vgl. Apg 1,21-22). Weiter haben wir gesehen, dass er diesen Brief an Menschen adressiert hat, die denselben kostbaren Glauben empfangen hatten, wie er und seine Mitapostel. Adressaten sind also keine Weltmenschen, sondern Christen. An diese appelliert Petrus, ihre himmlische Berufung festzumachen, indem sie nach Wachstum in ihrem Glaubensleben streben. Seine Argumentation ist, da ihr alles empfangen habt, da die Vorrausetzungen vorhanden sind, lebt auch darin, bemüht euch darum, dass euer Glaube eine praktische Auswirkung auf euer Leben hat. Nachdem er dies aufgezeigt hat, erinnert er die Gläubigen an die großartige Hoffnung ihrer Berufung, indem er auf die Wiederkunft des HERRN zu sprechen kommt. Um zu unterstreichen, dass diese Hoffnung keine Illusion ist, führt er eine zweifache Begründung an. Zuerst berichtet er darüber Augenzeuge der Verklärung Christi gewesen zu sein. Er, Johannes und Jakobus hatten dabei eine Vorschau auf die zukünftige Herrlichkeit Christi. Sie sahen IHN in strahlend weißen Kleidern und hörten wie Gott durch eine hörbare Stimme aus der Wolke bestätigte, dass Jesus Sein geliebter Sohn ist, an dem ER Wohlgefallen hat. So sicher wie dieser Vorgeschmack auf die zukünftige Herrlichkeit des HERRN, so sich wird ER wiederkommen in Macht und Herrlichkeit. Als noch gewichtigeres Argument führt Petrus das Zeugnis der Heiligen Schrift an, indem er schreibt: Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem Heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet (2.Petr 1,19-21).

Damit gibt Petrus praktisch zu verstehen: „Dass was wir erlebt, was wir mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört haben, ist die Erfüllung biblischer Prophetie. Wir waren Zeugen davon, dass sich in Jesus alles erfüllt hat, was im Gesetz und den Propheten über Sein erstes Kommen in Niedrigkeit erfüllt hat, ebenso hatten wir bereits eine Vorschau auf Seine zukünftige Herrlichkeit, in der ER bei Seiner Wiederkunft sichtbar erscheinen wird.“ Den Schwerpunkt hierbei, legt der Apostel nicht auf das, was er und die anderen Jünger erfahren und erlebt haben, sondern auf die Tatsache, dass das Gesehene und Gehörte ein Beleg für die Zuverlässigkeit der biblischen Prophetie ist. Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, schreibt Petrus, um die Grundlage der christlichen Hoffnung deutlich zu machen. Grundlage ist weder menschliches Wunschdenken, noch Bauchgefühl oder Spekulation, sondern das Wort dessen, der nicht lügen kann. Seine Verheißungen sind die feste Grundlage des christlichen Glaubens.

Petrus legt uns damit eine logische Argumentationskette nahe, die besagt: Alles, was in Bezug auf das erste Kommen des Messias geschrieben steht, hat sich haargenau erfüllt, ebenso sicher wird auch alles in Erfüllung gehen, was die Schrift über Sein zweites Kommen in Macht und Herrlichkeit prophezeit. Das ist die eine Seite die uns Petrus vorstellt, er macht deutlich, die Quelle der Wahrheit ist allein das geschriebene Wort Gottes. Nur dieses Wort, der durch den Geist Gottes inspirierten Schreiber, kann uns in dieser finsteren Welt Licht und Orientierung geben. Doch in der Tatsache, dass er die Welt, als einen dunklen Ort bezeichnet, zeigt er uns zugleich die andere Seite - nämlich den Kontrast zum Wort Gottes - den Gegensatz zur Quelle der Wahrheit, und das ist das Reich der Finsternis, das auf Täuschung, Trug und Lügen basiert. Durch den Sündenfall kam der Mensch unter die Herrschaft und Knechtschaft dieses Reiches. Denn seit dem Sündenfall, lebt die Menschheit nach den Prinzipien von Gottes Erzfeind. Das ist auch der Grund, warum sich die Menschheit nicht zu Höherem und Besserem entwickeln kann. Das Scheitern aller menschlichen Bemühungen zur Schaffung einer besseren, gerechteren Welt, ist zum einen in der ablehnenden und feindlichen Gesinnung, die der Mensch gegen seinen Schöpfer hegt, begründet, und zugleich in der sich daraus ergebenden Konsequenz, stattdessen lieber auf die Lügen und Einflüsterungen Satans zu hören. Da sich Satan als Engel des Lichts verstellt, erscheinen die Alternativen, die er aufbietet, um Menschen in seinem System der Verblendung gefangen zu halten, oftmals sehr vernünftig und gut. Eines der effektivsten Mittel, das er einsetzt, sind Menschen, die sich zum Schein als Diener Gottes ausgeben, genau vor diesen Leuten warnt Petrus eindringlich, indem er den verderblichen Einflüssen dieser gewissenlosen Irrlehrer zwei Kapitel widmet.

Wenn wir nun diese beiden Gegensätze sehen, nämlich das untrügerische Wort Gottes auf der einen, und die Lügen Satans auf der anderen Seite. Wenn wir uns ferner bewusstmachen, dass Satan der Fürst dieser Welt und der Feind unserer Seele ist, Gott hingegen voller Liebe und Erbarmen an uns appelliert, uns nicht von Satan und dessen Dienern verblenden zu lassen, sondern auf Sein Wort zu vertrauen, dann sind wir unweigerlich vor die Entscheidung gestellt, welche Haltung wir gegenüber dem Wort Gottes einnehmen? Erkennen wir dieses Wort als einzige Quelle der Wahrheit an, können wir für uns selbst sagen, dass dieses Wort ein Licht auf unserem Weg ist? Weil mir durchaus bewusst ist, dass viele, die sich als Christen bezeichnen, an diesem Punkt Schwierigkeiten haben, möchte ich folgende Feststellung vom Martyn Loyd-Jones zu bedenken geben. In Bezug auf unsere Haltung gegenüber die Wort Gottes kam er zu der folgenden Schlussfolgerung: Wir befinden uns als Christen in der Situation, entweder das Zeugnis der vier Evangelien und der Männer, die mit Jesus waren, die ihn sahen und Zeugen seines Lebens, seines Todes und seiner Auferstehung waren, anzunehmen oder unser Leben und all unsere Erwartungen auf die Vermutungen und Behauptungen der Menschen unserer Tage zu gründen, da gibt es nur ein Entweder-Oder. Abgesehen von der Heiligen Schrift haben wir keine Autorität, und sie kann nur richtig oder falsch sein. Ich kann diejenigen verstehen, die sich davon abwenden, weil sie sagen, es sei alles falsch; dagegen kann ich den Mann nicht verstehen, der die moderne Wissenschaft als höchste Autorität anerkennt und davon die Berechtigung ableitet, aus der Bibel herauszunehmen, was ihm nicht gefällt, aber für richtig zu erklären, was ihm jeweils passt. 1

Diesen Worten kann ich nur beipflichten und möchte daher noch einmal die Frage wiederholen, wie wir zum Wort Gottes stehen? Verlassen wir uns auf das Wort Gottes als einzig zuverlässige Quelle der Wahrheit oder gründen wir unser Vertrauen lieber auf das, was die Allgemeinheit so denkt und halten es lieber mit den falschen Lehrern, die alles ganz locker sehen?

Während Petrus dieser lockeren, sorglosen Haltung geschichtliche Tatsachen von Gottes direktem Eingreifen entgegenhält, indem er an die Zeit Noahs und die Tage Lots erinnert und deutlich macht, dass Christus wieder kommen wird, um Gericht an den Gottlosen zu üben, verteilen die Irrlehrer Beruhigungspillen, indem sie sagen: Wo bleibt die Verheißung seines Kommens? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der Schöpfung gewesen ist (2.Petr 3,4). Während Petrus die Gläubigen regelrecht beschwört, sich eng an das geschriebene Wort Gottes zu halten, vermitteln die Irrlehrer den Eindruck, man müsse Gottes Wort nicht so ernst nehmen. Genau daran können wir auch heute wahre Diener Gottes von Irrlehrern unterscheiden. Wahre Diener Gottes werden stets die Schrift bestätigen und Nachdruck darauflegen, dass es beim christlichen Glauben darum geht, das Wort Gottes als höchste Autorität über dem eigenen Leben anzuerkennen, Irrlehrer hingegen können daran ausgemacht werden, dass sie die Autorität von Gottes Wort missachten. Dies geschieht in der Regel nicht durch offene Leugnung, sondern durch Relativierung und Umdeutung der Schrift. Durch ihre raffinierte Verdrehung der Schrift, rauben sie dem Wort Gottes jegliche Klarheit und Strahlkraft. Zwar vermitteln sie den Eindruck, es ginge ihnen um die Sache Gottes, indem sie sich sogar als Experten im Umgang mit der Bibel ausgehen, in Wahrheit jedoch sind sie Feinde des Kreuzes, deren Hauptziel darin besteht, die Bibel zu einem unglaubwürdigen Buch zu machen, in dem vorwiegend Mythen und Märchen überliefert seien. So rühmen sie sich ihrer Gelehrsamkeit und spielen sich auf, als seien sie die einzigen, die in der Lage seien, diesem „Buch mit sieben Siegeln“, denn genau in diesem Licht präsentieren sie das Wort Gottes, irgendeine Bedeutung zu entnehmen. „Verschwendet keine Zeit, die Bibel zu lesen, die Aussagen können ohnehin nur wir richtig deuten“, so die Kernaussage ihrer Theologie, die vor allem dadurch geprägt ist, dass sie nur von Liebe und Gnade reden. Jegliche Warnung, dass Gott Gericht üben wird, sowie die Vorstellung von Strafe oder Hölle entlocken ihnen allenfalls ein Schmunzeln. Ein strafender Gott ist für sie genauso abwegig, wie die Vorstellung, dass Jesus wieder kommen wird in Macht und Herrlichkeit. Das Schlimmste bei all dem ist ihre dreiste Behauptung, Diener Gottes zu sein. Aber anstatt wirklich nach dem Willen Gottes zu fragen und sich für die Ehre Seines Namens einzusetzen, ziehen sie den Namen Gottes in den Schmutz. Gerade ihr respektloser Umgang mit den Wort Gottes macht deutlich, dass sie Seine Herrschaft verachten. William MacDonald stellt fest: Sie »lästern das, was sie nicht kennen «. Ihre Unwissenheit zeigt sich besonders dann, wenn sie die Bibel kritisieren. Weil sie kein Leben aus Gott haben, sind sie ausgesprochen unfähig, die Worte, Wege und Werke Gottes zu verstehen (1. Kor 2,14). Doch sie behaupten, auf geistlichem Gebiet Experten zu sein. Ein demütiger Gläubiger kann auf seinen Knien mehr sehen als sie, wenn sie auf Zehenspitzen stehen.  2

Petrus hat, wie gesehen, sehr viel Nachdruck daraufgelegt, dass die Gläubigen sich nicht beirren lassen, für sie darf einzig und allein das zählen, was im Wort Gottes geschrieben steht. Genau dieses Vertrauen in die Schrift wird von den falschen Lehrern massiv angegriffen. Überheblich und arrogant stellen sie sich über das Wort und vermitteln, dass nicht das geschriebene Wort selbst, sondern vielmehr das, was sie aus diesem Wort ableiten, Grundlage des Glaubens sei. So wie das Wort selbst, die Gläubigen zur Wachsamkeit aufruft, so treten sie auf den Plan um Schlaftabletten zu verteilen. So wie das Wort zu Buße und Umkehr ruft, so versichern sie, dass alles in bester Ordnung sei. Laut ihrer Theologie hat Sünde keinerlei Konsequenzen, laut ihrer Auffassung, steuert diese Welt nicht dem göttlichen Gericht, sondern einem goldenen Zeitalter entgegen. Sie träumen vom Weltfrieden und sind überzeugt, dieser sei durch menschliches Bemühen und Anstrengen herbeizuführen. Die Vorstellung, dass sich genau das Gegenteil abzeichnet, wollen sie nicht wahrhaben. Während die Bibel den Tag des HERRN ankündigt, sagen sie: „Macht euch kein Sorgen, alles bleibt, wie es von Anfang der Schöpfung gewesen ist.

Um dieser Haltung der Sorglosigkeit entgegenzuwirken ruft Petrus den Gläubigen die zuvor aufgeschriebenen Worte ins Gedächtnis, wobei er mit Noah, Lot und Bileam, drei alttestamentliche Beispiele erwähnt. Er erinnert sie also an das, was im Wort Gottes aufgezeichnet ist, denn genau darauf ist der christliche Glaube gegründet. Was wir dabei sehen ist die Tatsache, dass er die Geschehnisse nicht nur als historische Tatsache annimmt und darstellt, sondern eine praktische Lehre daraus zieht. Genau das ist auch der Grund, warum Gott all dies Aufzeichnen ließ. So gut und richtig es ist, diese biblischen Berichte nicht als Mythen und Märchen abzutun, so entscheidend ist auch die Erkenntnis, dass diese Dinge einen Vorbilds-Charakter haben; es sind, wie Petrus aufgezeigt hat, warnende Beispiele für Menschen die zukünftig gottlos leben (vgl. 2.Petr, 4,6). Es geht also nicht darum, nur festzustellen, was sich damals zugetragen hat, sondern die richtigen Schlüsse für unsere Generation und insbesondere für uns selbst zu ziehen. Genauso hat auch der Apostel Paulus argumentiert, als er in Bezug auf die Wüstenwanderung des Volkes Israels schrieb: Alle diese Dinge aber, die jenen widerfuhren, sind Vorbilder, und sie wurden zur Warnung für uns aufgeschrieben, auf die das Ende der Weltzeiten gekommen ist (1.Kor 10,11). Wenn wir vom Lesen der Bibel profitieren wollen, dann dürfen wir nicht dabei stehen bleiben, darin nur Berichte längst vergangener Tags zu sehen, so wie Geschichtsforscher oder Archäologen, denen es nur darum geht herauszufinden, wie die Menschen früher gelebt haben. Nein, all das wurde aufgezeichnet, weil es in unser Leben hineinspricht. Auch wenn sich die Zeiten geändert haben, der geistliche Konflikt in dem wir stehen ist immer noch derselbe, letztlich geht es immer um die Frage, ist Gottes Wort glaubhaft oder nicht. Denn eins ist klar, die christliche Hoffnung gründet sich ausschließlich auf das, was in der Bibel aufgezeichnet ist und dies stellt uns unweigerlich vor die Entscheidung, wem wir vertrauen. Vertrauen wir wirklich auf das Wort Gottes oder halten wir es eher mit der Wissenschaft, die uns mit der Evolutionslehre eine Theorie verkauft, als sei es eine erwiesene Tatsache. Aber nicht nur diese Theorie stellt einen Alternative zum Wort Gottes dar, sondern auch zahlreiche Ideologien und Weltanschauungen, die sich eine Welt ohne Gott erklären wollen. Darüber hinaus gibt es andere Religionen die ebenfalls den Anspruch erheben uns den Weg ins Himmelreich zu ebenen und nicht zuletzt sind wir mit zahlreichen Irrlehrern konfrontiert. Oft sind solche Leute in sehr wichtiger Position und genießen großes Ansehen, denken wir nur an die Schriftgelehrten und Pharisäer zurzeit Jeus. Solche Leute erheben den Anspruch die Experten schlecht hin zu sein, doch die Frage ist, halten wir ihre eigenwilligen Auslegungen für gewichtiger, als das, was tatsächlich geschrieben steht?

Die gesunde Lehre der Schrift stellt uns klar vor Augen, dass es bei der Nachfolge darum geht, das Wort Gottes zu bewahren, allein das Wort ist die Grundlage des christlichen Glaubens. Ebenso wird uns unmissverständlich klargemacht, dass es Gott auf Dauer nicht dulden wird, wenn Menschen Sein Wort missachten. Der einzige Grund, warum sich der Tag des HERRN und somit der Tag des Gerichts noch hinauszögert, ist in Gottes Geduld zu sehen. Während die Irrlehrer und Spötter daran ausmachen wollen, dass alles immer so weitergehen würde, sagt Petrus den Gläubigen: Der Herr zögert nicht die Verheißung hinaus, wie etliche es für ein Hinauszögern halten, sondern er ist langmütig gegen uns, weil er nicht will, dass jemand verlorengehe, sondern dass jedermann Raum zur Buße habe (2.Petr 3,9).

Während uns Petrus hier die wahre Ursache zeigt, warum sich die Wiederkunft des HERRN hinauszögert, sehen Irrlehrer darin die Bestätigung ihrer oberflächlichen Theologie, die besagt, dass es ohnehin kein Gericht geben wird. Stattdessen stellen sie die Erlösung so dar, als sei es ein pauschales Heil an dem alle Anteil haben, und mehr noch, wenn sie von Freiheit sprechen, dann legen sie es so dar, als sei der Mensch frei, um seinen Begierden und Trieben nachzujagen. Und hier sehen wir den Kontrast zwischen gesunder und falscher Lehre. Irrlehrer werden als solche beschrieben, die durch fleischliche Begierden locken und nach ihren eigenen Lüsten wandeln, doch was schrieb Petrus in seinem 1.Brief, er schrieb: Als gehorsame Kinder gebt euch nicht den Begierden hin, in denen ihr früher in eurer Unwissenheit lebtet (1.Petr 1,14: 2,11: 4,2).

Dass dies nicht nur der grundsätzliche Unterschied zwischen wahren Dienern Gottes und falschen Lehrern ist, sondern dass wir hier zugleich den Unterschied zwischen Welt und Gemeinde sehen, macht die Schrift wie folgt deutlich: Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit (1.Joh 2,17). Hier werden uns zwei gegensätzliche Lebenseinstellungen vor Augen gestellt, das Prinzip der Welt, das wir als Lustprinzip bezeichnen können, wo jeder tut, was in seinen Augen recht ist und die Haltung der Kinder Gottes, die ihr Leben nach dem Willen Gottes ausrichten. Es ist der Kontrast zwischen jenen, die von den Begierden ihres Fleisches beherrscht und geleitet werden, und jenen, die vom Geist geleitet werden. Und genau an diesem Punkt unterscheiden sich die Irrlehrer von den wahren Dienern Gottes, die Botschaft der Irrlehrer spricht das Fleisch an, indem sie der gefallenen Natur des Menschen entgegenkommen, ein wahrer Diener Gottes jedoch wird genau wie Petrus sagen: Gebt euch nicht den Begierden hin.

Hier sehen wir, dass die Gegensätze zwischen gesunder und falscher Lehre kaum deutlicher sein könnten. Auf der einen Seite die Mahnung zur Wachsamkeit und der Aufruf zu einem heiligen Lebenswandel, auf der anderen das völlige verharmlosen der Sünde und die Ermutigung unbekümmert nach den eigenen Begierden zu leben. „Macht euch keine Sorgen, Gericht, Strafe und Hölle, sind nur Mythen und Märchen, Gott wird niemanden strafen, ein Gericht wird es gewiss nicht geben!“ Während sich durch diese verderbliche Lehre Sorglosigkeit breitmacht, warnt die Schrift: Wehe den Sorglosen (Am 6,1). Aber genau diese Sorglosigkeit ist Kennzeichen unserer Zeit, die Menschen haben keine Gottesfurcht mehr, dreist und spöttisch setzen sie sich über das Wort Gottes hinweg, doch sehen wir hier nicht, dass sich alles genau auf das zubewegt, was die Bibel lange im Voraus prophezeit hat? Petrus hat die Beispiele mit Noah und Lot angeführt und wie bereits festgestellt, Jesus hat in der Endzeitrede auch darauf Bezug genommen. Während jene vermeintlichen Bibelexperten, die sich der historisch kritischen Methoden verschrieben haben, die Berichte über die Sintflut und die Zerstörung der Städte Sodom und Gomorra als Mythen und Methapern abtun, hat Jesus dies als geschichtliche Tatsache bestätigt. Ist es nicht ein offensichtlicher Widerspruch in sich, dass es gerade in unserer Zeit unzählige Menschen gibt, die darin Mythen und Märchen sehen wollen, sich aber dennoch als Christen bezeichnen? Durch die Bezeichnung „Christ“ geben sie vor, Jesus Christus nachzufolgen, zugleich jedoch fühlen sie sich IHM gegenüber überlegen. Petrus entlarvt die Überheblichkeit solcher Menschen, indem er sie als Spötter bloßstellt, die nur leere Worte machen, Brunnen ohne Wasser, die nicht zu mehr in der Lage sind, als leere Hoffnung zu wecken. Gerne klammern sich Menschen an solche falschen Lehrer, weil deren Botschaft immer nur darauf abzielt, jedem das Gefühl zu vermitteln, auf dem richtigen Weg zu sein. Wie trügerisch es jedoch ist, auf solche Leute zu hoffen, hat Petrus deutlich aufgezeigt, indem er uns den Ernst der Lage aufzeigt. Mögen die Menschen noch so über das bevorstehende Gericht Gottes spotten, es ändert nichts an der Tatsache, dass sie genau auf dieses Gericht zusteuern.

Den ganzen Brief über haben wir gesehen, mit welchem Nachdruck Petrus vor falschen Lehrern warnt, doch die Frage ist, in wie vielen Kirchen und Gemeinden findet dieses Thema Beachtung? Während es kaum ein Buch im Neuen Testament gibt, in dem nicht vor der Gefahr der Verführung gewarnt wird, wird man heute nur selten eine Predigt zu diesem Thema hören. Gründe mag es viele geben, doch die Hauptgründe, sind daran auszumachen, dass wir dazu neigen, uns lieber erbauliche Themen auszusuchen, als über das Thema Verführung. Dies könnte man umgehen, indem biblische Bücher fortlaufend betrachtet werden, doch gerade das ist in immer weniger Gemeinden und Kirchen der Fall. Ein weiterer Grund ist, dass wir das Problem mit falschen Lehrern und falscher Lehre in der Regel nur in anderen Denominationen vermuten. Der Gedanke, dass aus unserer eigenen Mitte, Männer aufstehen könnten, die falsche Lehren einführen, ist uns eher befremdlich. Aber genau das entspricht der Lehre des Neuen Testaments: Aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her (Apg 20,30), warnte Paulus die Gemeinde in Ephesus und genau darauf hat auch Petrus abgezielt, als er schrieb: Es gab aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch falsche Lehrer sein werden, die heimlich verderbliche Sekten einführen (2.Petr 2,1). Obwohl die Warnungen der Schrift so deutlich sind, geht man im Allgemeinen recht sorglos mit diesem Thema um, und hält es oftmals sogar für eine christliche Tugend, Irrlehrern zu bescheinigen, dass nicht alles falsch sei, was sie verkündigen. So gibt es meines Erachtens weitaus mehr Christen, die sich schützend vor falsche Hirten stellen, anstatt die Herde vor solchen Verführern zu schützen. Gerade um dieser Unbekümmertheit entgegenzuwirken, war es Petrus wichtig, die lautere Gesinnung der Gläubigen zu wecken und das Mittel, das er dafür einsetzte, bestand darin sie durch Erinnerung an die vorhandene Wahrheit im Glauben zu festigen. Er sagte also nicht, ihr wisst ja schon alles, daher braucht ihr euch keine Gedanken wegen Verführung machen, sondern hielt es für notwendig, sie in der vorhandenen Wahrheit zu festigen und zu stärken. Das Gegenteil, davon habe ich einmal in einer Predigt erlebt, wo die Worte: Doch ihr habt die Salbung von dem, der heilig ist, und habt alle das Wissen (1.Joh 2,20), so ausgelegt wurden, als sei die Gemeinde immun gegen Verführung. Wir sehen deutlich, dass Petrus einen anderen Ansatz hatte, obwohl die Empfänger des Briefes mit der Botschaft vertraut waren, obwohl sie es wussten, hielt es Petrus dennoch für notwendig, sie allezeit zu erinnern. Genau darum geht es auch heute, es geht nicht um neue spektakuläre Lehre, sondern darum, sich immer wieder die bestehende Lehre ins Gedächtnis zu rufen. Wie schnell kann das Lesen der Bibel oder das Hören einer Predigt zur Routine werden? Wie leicht kann es passieren, dass wir uns sagen, das ist ein alter Hut, das kennen wir schon? So fliegt man dann oft über die Bibeltexte hinweg, ohne dass das Wort wirklich zu unseren Herzen durchdringt. Ja mehr noch, man empfindet gesunde bibeltreue Lehre schon fast als langweilig und will sich lieber mit etwas Spektakulärerem befassen. Petrus hingegen kam nicht mit neuen, aufsehenerregenden Botschaften, sondern erinnerte seine Leser an die vorhandene Wahrheit, um sie darin zu festigen und zu stärken. Dabei ist gut zu sehen, dass er es nicht dabei bewenden ließ, nur die gesunde Lehre darzustellen, sondern in aller Deutlichkeit vor der Gefahr falscher Lehren gewarnt hat. Von daher dürfen wir es uns nicht erlauben können, an diesem Punkt blauäugig und sorglos zu sein. Denn egal ob Petrus, Johannes, oder Paulus, sie haben immer wieder deutlich vor Verführung gewarnt und zur Wachsamkeit aufgerufen. Wachsam und nüchtern zu sein, bedeutet diese Gefahr wahrzunehmen, anstatt die Augen davor zu verschließen und immer nur alles schönreden und verharmlosen zu wollen.

Wir müssen hierbei gewiss nicht in Panik verfallen oder in jedem einen Irrlehrer sehen, worum es geht ist die Haltung der Gläubigen in Boröa einzunehmen, über die geschrieben steht: Sie nahmen das Wort bereitwillig auf und forschten täglich in der Schrift, ob sich's so verhielte (Apg 17,10). Hier sehen wir nicht nur eine gute Eigenschaft, sondern auch, dass die Lehre der Apostel anhand der Schrift nachzuvollziehen war, und genau das ist Merkmal gesunder Lehre.

 

 

Quellangaben:
1. Martyn Lloyd-Jones - Licht an einem dunklen Ort, S.251
2. William MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament, S. 1372

 


Allgemeine Info zu dieser neuen Beitragsreihe unter: Ankündigung/Vorwort

 

 

 

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