und

10. Der Weg Bileams 3/4

3. Mitgegangen, mitgefangen

22.08.2017

Als Bileam die lange Reise hinter sich hatte und vor Balak stand, konfrontierte ihn dieser erneut mit der Ehre und der Belohnung die ihm in Aussicht stünde, wenn er das Volk Israel verfluchen würde. Bileam, der immer noch bemüht war beide Seiten zufriedenzustellen, nämlich Gott auf der einen, und Balak auf der anderen, antwortete: „Siehe, ich bin jetzt zu dir gekommen. Kann ich nun irgendetwas reden? Nur das Wort, das mir Gott in den Mund legt, das will ich reden!“ (V 38). Dieser Hinweis auf den Herrn, dem er gehorchen muss, ist nicht sehr überzeugend, kommentiert Wilhelm Busch und führt weiter aus: Denn die ganze Reise des Bileam ist ja schon ein Ungehorsam. Und Balak weiß es, weil Bileam die erste Gesandtschaft abgefertigt hatte mit den Worten, er könne nicht dem Herrn ungehorsam sein. Hier wird das Zeugnis des Bileam völlig unglaubwürdig. Wir können nicht für den Herrn zeugen, wenn unser Leben unserem Zeugnis widerspricht. 7

Genau das ist die Tragik in Bileams Leben, so beachtlich sein Bekenntnis, nur das zu reden, was Gott ihm in den Mund legen würde, auch war, sein Verhalten machte offenbar, dass Gottes Wort nicht wirklich Autorität über seinem Leben hatte. Er wusste nur zu gut, dass es entgegen dem Willen Gottes war, das Volk Gottes zu verfluchen, so stellt sich die Frage, was er sich von seiner ungewöhnlichen Mission versprach? Offensichtlich wollte er König Balak gegenüber demonstrieren, dass er durchaus gewillt sei, ihn zu unterstützen, jedoch nur im Rahmen dessen, was Gott ihm erlauben würde. Er wollte es Gott rechtmachen, aber auch bei Balak gut dastehen. Ist dies nicht genau das Dilemma, von dem unser modernes Christentum geprägt ist? Man bekundet, sich an das Wort Gottes halten zu wollen, doch praktiziert wird es nur bis zu dem Punkt, wo man in der Welt nicht aneckt. So ist man, genau wie Bileam, bereit unheilige Allianzen einzugehen, doch was scheinbar ganz harmlos anfängt, ist buchstäblich so, wie das Sprichwort sagt: Wenn du dem Teufel den kleinen Finger gibst, will er die ganze Hand. So war klar, Balak würde sich weder mit der bloßen Anwesenheit Bileams begnügen, noch mit dessen halbherziger Bekundung, nur das zu tun, was Gott ihm erlauben würde. Dass dies nichts weiter als ein leeres Lippenbekenntnis war, hatte Bileam durch seinen Ungehorsam bereits deutlich gezeigt, so war es für Balak auch kein Problem, Bileam dazu zu bewegen, Götzenopferfleisch zu essen. Auf der einen Seite hatte Bileam vielleicht Gewissenbisse, auf der anderen wollte es sich mit König Balak nicht verscherzen. Sicher wäre dieser empört und beleidigt gewesen, wenn Bileam sich geweigert hätte, Götzenfleisch zu essen. Jetzt wo er so nah davor stand, dass ihm die versprochene Ehrung zuteilwürde, wollte er es nicht darauf ankommen lassen, also nahm er teil am Götzenmahl. Hier sehen wir, wer sich erst einmal mit dem Irrtum einlässt, kommt recht bald an den Punkt, an dem er jedes Unterscheidungsvermögen zwischen heilig und unheilig verliert.

Dass dieser Zustand bei Bileam eingetreten war, wird umso deutlicher, wenn man sieht, dass er daraufhin auf einer Baalshöhe sieben Altäre errichten ließ, um darauf Opfer darzubringen. Hier sehen wir, ökumenische Gottesdienste sind keine Erfindung der Neuzeit, bereits damals erhofften Menschen, ihre Ziele durch Religionsvermischung verwirklichen zu können. Doch Gott ändert Seinen Standpunkt nicht, nur weil sich Menschen darauf geeinigt haben, es anders zu sehen oder anders bewerten zu wollen. Bileam, Balak und das ganze Volk der Moabiter hatten sich darauf verständigt, dass der Weg, den Gott den Weg ins Verderben nannte, der richtige sei. Dazu hatten sie sich noch mit den Mideanitern verbündet, so hatte man eine große Gemeinschaft, doch auch wenn gesagt wird, „gemeinsam sind wir stark“, so können alle Bündnisse der Menschen, nichts gegen den allmächtigen Gott ausrichten.

Als ob die beiden heidnischen Völker dies geahnt hätten, wurden zunächst einmal dem Hauptgötzen Baal, Opfer dargebracht. Offensichtlich waren sie der Überzeugung, dass man, sofern es nicht gelingen sollte den Gott Israels umzustimmen, gut beraten sei, zusätzlich auf Baal zu setzen. „Viel, hilft viel“, ist ein typisches Symptom menschlicher Religion, was letztlich nur ein Beleg dafür ist, dass man sich mehr von den eigenen Zeremonien und dem eigenen Tun verspricht, als von dem Gott oder den vermeintlichen Göttern, die man dabei verehrt. Es ist typisch für heidnische Religionen, dass man sich von bestimmten Zauberformeln, Opfern und Riten verspricht, die Götter auf seine Seite zu bekommen. Mit selbstgemachten Götzen mag das funktionieren, sie kann man von einer Ecke in die andere tragen, und da sie ohnehin stumm sind, kann man ihnen problemlos die Worte in den Mund legen, die man gerne hören möchte. Genau das war auch das Ziel das Balak verfolgte, er wollte Gott die Worte in den Mund legen, die er gerne gehört hätte, um diese zu hören, hatte er Bileam angeheuert, und alles was zu tun sei, so offensichtlich die Meinung, sei es Opfer darzubringen, und so lesen wir: Balak und Bileam, opferten auf jedem Altar einen jungen Stier und einen Widder (4.Mo 23,2).

Treffend kommentiert Wilhelm Busch: »Balak und Bileam opferten.« Die Frage, ob Gott allein Herr ist, ob der Baal des Balak wirklich existiere, – kurz, die Frage nach der Wahrheit stellte man nicht. Es wurde eine Einheit hergestellt – auf Kosten der Wahrheit. Und genau das ist die religiöse Haltung der meisten Menschen unserer Tage. 8 An dieser Feststellung hat sich nur insofern etwas geändert, dass sich dieser Zustand gegenüber der Zeit Wilhelm Buschs in unseren Tagen noch verschlimmert hat, was gleichermaßen auf das folgende Zitat zutrifft: Gott sagt: »Mein Volk ist gesegnet.« Bileam aber ist der Ansicht, dass das nicht mehr ganz zeitgemäß sei. Die gottlose Welt hat den Propheten gerufen und will ihn hoch ehren. Das ist doch sehr schön, wenn die gottlose Welt die Christen so anerkennt! Ergibt das nicht eine ganz neue Lage? Sollte man da nicht dem Balak ein wenig entgegenkommen und doch so einen kleinen Fluch auf Gottes Volk loslassen? Vielleicht lässt Gott mit sich reden? Das frühere Wort Gottes passt nicht mehr ganz in die neue Lage. Also muss man Gott bewegen, sich der neuen Lage etwas anzupassen. O, wie ist das in unsern Tagen immer wieder geschehen! Wie versuchte man, Gott und Sein Wort der gegenwärtigen Geisteslage und politischen Situationen anzupassen! 9

Genau das war Grund und Inhalt dieser religiösen Zeremonie, Balak und Bileam wollten Gott regelrecht umstimmen. Dass diese Rechnung mit dem lebendigen und wahren Gott nicht aufgeht, sehen wir darin, dass trotz des religiösen Treibens, der gewünschte Erfolg blieb aus. Trotz der sieben Altäre und den drauf geopferten Stieren und Widdern, legte der HERR Bileam nicht die Worte in den Mund, die Balak und die Moabiter sich erhofft hatten. Im Gegenteil, statt des erwünschten Fluches und der Verwünschung Israels, kam folgender Segensspruch über Bileams Lippen: »Aus Aram hat mich Balak herbeigeführt, der König der Moabiter von den Bergen des Ostens: Komm, verfluche mir Jakob, komm und verwünsche Israel! Wie sollte ich den verfluchen, den Gott nicht verflucht? Wie sollte ich den verwünschen, den der HERR nicht verwünscht? Denn von den Felsengipfeln sehe ich ihn, und von den Hügeln schaue ich ihn. Siehe, ein Volk, das abgesondert wohnt und nicht unter die Heiden gerechnet wird. Wer kann den Staub Jakobs zählen und die Zahl des vierten Teiles von Israel? Meine Seele sterbe den Tod der Gerechten, und mein Ende soll dem ihren gleichen!« (V 7-10).

Hier sehen wir, wie töricht es ist, zu glauben, man könne Gott durch religiöse Zeremonien umstimmen. Was in Seinen Augen moralisch verwerflich ist, was ER als Sünde deklariert, das bliebe selbst dann Sünde, wenn die gesamte Menschheit dagegen protestieren würde. Egal wie sehr dem Menschen die Gebote und Ordnungen Gottes gegen den Strich gehen, was auch immer der Mensch dafür bezahlen würde, Gott ließe sich nicht umstimmen. Vielmehr gilt: Bei dem HERRN, unserem Gott, gibt es weder Unrecht noch Ansehen der Person noch Bestechlichkeit (2.Chr 19,7). Gott ist weder käuflich, noch ist er ein Fähnchen im Wind. Von vielen die bekunden Seine Diener zu sein, kann man dies leider nicht behaupten. Doch was auch immer das religiöse Fleisch auf die Beine stellen mag, den heiligen Gott bekommt man damit nicht in den Griff. ER lässt sich nicht in die gewünschten Bahnen lenken. Denn nicht der Mensch herrscht über Gott, sondern umgekehrt. Wie schwer es für verstockte Herzen ist, sich unter diese geistliche Realität zu beugen, zeigt sich darin, dass Menschen regelrecht gegen Gottes Wort protestieren, nichts bringt sie mehr auf die Palme, als wenn ihnen nicht genau das erzählt wird, was sie gerne hören wollen. Wir sehen dies deutlich an der Reaktion von Balak, der Bileam Vorhaltungen machte, was er ihm angetan hätte und ihm vorwarf: „Ich habe dich holen lassen, dass du meine Feinde verfluchst, und siehe, du hast sie sogar gesegnet!“

Auch hier ließ Bilaem wieder die Entschlossenheit vermissen, klar auf der Seite des HERRN zu stehen, zwar hatte er sich an das gehalten, was der HERR gesagt hatte, doch man hört regelrecht sein Bedauern heraus, sich daran halten zu müssen. Er gibt zwar das Wort Gottes weiter, doch entschuldigt sich gewissermaßen für den Inhalt der Botschaft. Ist es nicht auch in unserer Generation so, dass so mancher Verkündiger sich regelrecht für die Botschaft der Bibel entschuldig? Doch warum wird dieses Bedauern über den Inhalt dessen, was Gott geredet hat zum Ausdruck gebracht? Wir sehen es bei Bileam, wenn bei ihm ein nachzuvollziehender Grund ersichtlich ist, sich so zu verhalten, dann ist dieser darin zu sehen, sich nicht den Weg zu verbauen, doch noch die Ehrenbelohnung zu erhalten, die ihm Balak in Aussicht gestellt hatte. Hätte hier die Vernunft regiert, hätten sowohl Balak aus auch Bileam erkennen müssen, dass der Versuch Gott umzustimmen, zwecklos war, doch da ihnen jegliche Einsicht fehlte, wiederholten sie das Ganze noch zweimal. Die irrige Idee dabei war, dieselbe Zeremonie nochmals an anderen Orten durchzuführen.

Beim zweiten Anlauf, kam Bileam zu der sehr treffenden Feststellung: Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereuen würde. Was er gesagt hat, sollte er es nicht tun? Was er geredet hat, sollte er es nicht ausführen? Siehe, zu segnen habe ich empfangen; Er hat gesegnet, und ich kann es nicht abwenden! (V 19-20). So unmissverständlich klar der Standpunkt Gottes hier deutlich wird, so schwammig ist die Haltung Bileams. Ihm hätte nicht nur einleuchten müssen, dass seine Mission vergeblich war, sondern auch, dass es sinnlos war, dieselbe Zeremonie an anderen Orten erneut durchzuführen. Doch gerade seine Bereitschaft, dieses Spiel mitzumachen, signalisierte Balak, dass man Gott durchaus umstimmen könne, wenn man es nur geschickt anstellen würde.

Wilhem Busch kommentiert: Gott hat gesagt: »Dies Volk ist gesegnet.« Und Bileam nimmt dem Balak nie ganz die Hoffnung, es könnte auch zu einem Fluch kommen. Ein halber Christ ist ein ganzer Betrüger. Weil er Gottes Wort selbst nicht ernst nimmt, erweckt er bei Weltmenschen den Eindruck, Gottes Wort sei keine ernst zu nehmende Sache. Weil er mit der Bekehrung und der Heiligung seines Lebens nicht Ernst macht, erweckt er bei Weltmenschen den Eindruck, man könne auch ohne das selig werden (Hebr. 12,14). So betrügt ein halber Christ die Welt. 10

Bileam machte sich und Balak etwas vor, doch Gott konnten sie nichts vormachen, er ließ sich weder beirren noch umstimmen, was auch immer die Welt und der Teufel unternehmen mag, um die wahre Gemeinde zu zerstören, wie wir hier deutlich sehen, prallen alle Verfluchungen am Volk Gottes ab, denn es ist wie geschrieben steht: Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt (Röm 8,34). Was geschrieben steht, steht geschrieben und was Gott geredet hat, zu dem steht ER auch, egal was Menschen sagen oder treiben, Gottes Wort ist zuverlässig und gewiss. Im Gegensatz zu den unverlässlichen Worten von Menschen, ist auf Gott immer Verlass. ER steht immer zu dem, was ER gesagt hat. Daher wissen wir bei Gott immer, wie wir dran sind, und wir können froh sein, dass dem so ist. Denn was wären Seine Verheißungen und Versprechen wert, wenn ER so wäre wie der Mensch, der sagt: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern!“? Wenn Gott Seine moralischen Ansichten ständig ändern würde, auf was sollte dann unsere Hoffnungen ruhen? Was hätten die Worte, „so gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind“ (Röm 8,1), für einen Wert, wenn sie nur eine Momentaufnahme waren? Wer könnte uns garantieren, dass es Gott heute nicht ganz anders sieht? Nein, wer so über Gott denkt, bringt damit keinen Glauben, sondern Misstrauen zum Ausdruck. Und wenn wir wissen, wer dieses Gift des Misstrauens in die Menschenseele gebracht hat, dann können wir auch die Quelle und den Ursprung all solchen Denkens unschwer ausmachen, es ist der Feind Gottes, der die Menschheit gegen ihren eigenen Schöpfer aufwiegelt. Lassen wir uns also nicht blenden, sondern ziehen wir die richtigen Schlüsse aus dem Fehlverhalten Bileams, das keinesfalls auf mangelnde Erkenntnis zurückzuführen war. Er hatte die richtige Sichtweise, er hatte verstanden, dass Gott kein Mensch ist, dass ER lüge und dass ER nicht schwankend ist. Es war also keine mangelnde Einsicht, sondern mangelnder Gehorsam, sich dem Willen Gottes zu beugen. Sollten wir an diesem Punkt nicht alle beten, dass der HERR uns Öhren geben möge, wie sie Jünger haben und dazu ein gehorsames Herz, das nicht ständig nach Wegen sucht, den Willen Gottes zu umgehen, sondern dass seine Erfüllung darin findet, nach diesem Willen zu leben. Und zwar ohne „wenn“ und „aber“ und ohne ständiges Diskutieren und Aufbegehren. Von einer solchen Haltung hatte sich Bileam bereits weit entfernt, er hatte nur noch den Lohn vor Augen, den ihm Balak in Aussicht gestellt hatte. Zwar wollte er seinen religiösen Standpunkt nicht aufgeben, doch mit Balak wollte er es sich auf keinen Fall verscherzen. Wie schwer dieser Spagat war, zeigt sich in der Reaktion Balaks, der protestierte: „Wenn du es nicht verfluchen kannst, so sollst du es auch nicht segnen!“ (V25).

Ist das nicht auch symptomatisch für unsere Zeit? Ist es nicht die typische Erwartungshaltung, die an das Christentum stellt? Man gibt praktisch per Diktat vor, welchen Standpunkt die Kirche einzunehmen hat. Was es zu segnen und was es zu verfluchen gilt. Was Gottes Wort dazu sagt, spielt dabei keine Rolle, entscheidend ist nur die Erwartungshaltung dieser Welt, die dem Christen ihre entarteten Moralvorstellungen aufzwingen will. Und wenn, wie es aktuell der Fall ist, die „Ehe für alle“ beschlossen wird, dann wird mit völligem Selbstverständnis eingefordert, dass der kirchliche Segen über solchen Lebensgemeinschaften ausgesprochen werden muss. Wer dieser Forderung nicht nachbekommt, sondern an der göttlichen Schöpfungsordnung festhält, der wird einen empörten Aufschrei erleben. Denn wer hier nicht bereit ist zu segnen, sondern das, was alle Welt gutheißt als Sünde deklariert, der fällt sehr schnell durchs Raster unserer Toleranzkultur. „Wenn du dich schon weigerst das auszusprechen, was wir dir in den Mund legen, dann ist das Mindeste, was wir von die erwarten, dass du dich neutral verhältst. Unterstehe dich also, das Gegenteil zu behaupten!“, wird man ihm entgegenhalten und ihn im selben Atemzug Intoleranz und Homophobie unterstellen. Und weil der Gegenwind gar so heftig ist, verhalten sich viele so wie Bileam, anstatt klar Stellung zu beziehen, und die Sichtweise Gottes zu vertreten, schämt man sich der biblischen Lehre, weil man es sich nicht mit der Welt verscherzen will. So wählt man dann den Weg der Diplomatie. Dass dies ein langer Weg sein kann, sehen wir bei Bileam, der den Protest Balaks, abfederte, indem er sich erneut rechtfertigte, von Anfang an gesagt zu haben, nur das zu reden, was der HERR ihm sagen würde. Damit kam einmal mehr zum Ausdruck, dass es nicht an ihm lag. Von seiner Seite stand der Verfluchung Israels nichts im Wege. Womit er zu verstehen gab: „Balak, ich bin ganz bei dir, aber versteh doch, es liegt nicht an mir, unser Problem ist das „Nein“ Gottes!“. Doch was tun widerspenstige Menschen für Gewöhnlich, wenn Gott „nein“ sagt? Sie suchen einen Weg, dieses „Nein“ zu umgehen oder reden sich ein, es ginge nur darum, die richtige Strategie anzuwenden um Gott umzustimmen. Anstatt nach diesem erneuten Fehlversuch endlich zur Einsicht zu kommen, wie sinnlos das ganze Unterfangen war, kam Bileam nicht auf den Gedanken, die Aktion abzubrechen, sondern ließ sich erneut auf den Vorschlag Balaks ein, den Ort zu wechseln. Offensichtlich versprachen sich beide, wenn sie nur den geeigneten Ort finden würden, würde Gott Seine Meinung vielleicht doch ändern.

Es ist vergleichbar, als würde Gott mein Gebet im stillen Kämmerchen nicht erhören und ich würde mir sagen, ich muss eine ganz besondere Stätte aufsuchen, dann sieht die Sache anders aus. Hier sehen wir das Wesen menschengemachter Religion, man misst dem Ort der Anbetung mehr Bedeutung zu, als dem, den man anbeten will. Für heidnische Religionen ist dies typisch, so ist auch die Denkweise Balaks noch nachvollziehbar, doch wie reagierte Bileam? Er, der so oft Zwiesprache mit Gott gehalten hatte, hätte er es nicht besser wissen müssen? Doch wie auch immer er darüber dachte, längst war er an einem Punkt angelangt, an dem es kein Zurück mehr gab, längst war er fest im Schlepptau von Balak.
Genau das ist die Gefahr, wenn uns die Schrift warnt, nicht unter demselben Joch mit Ungläubigen zu gehen. Bileam hatte diese Warnung missachtet und war mittlerweile nur noch Erfüllungsgehilfe Balaks. So ließ er auch an jenem Ort sieben Altäre errichten um dort sieben Stiere und sieben Widder zu opfern. Weiter lesen wir dann in Kapitel 24: Und Bileam hob seine Augen auf und sah Israel, wie es nach seinen Stämmen lagerte. Und der Geist Gottes kam auf ihn. Und er begann seinen Spruch und sprach: »So spricht Bileam, der Sohn Beors, und so spricht der Mann, dessen Augen geöffnet sind; so spricht der, welcher die Worte Gottes hört, der ein Gesicht des Allmächtigen sieht, der niederfällt, aber dessen Augen enthüllt sind: Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen, Israel! Wie Täler sind sie ausgebreitet, wie Gärten am Strom, wie Aloebäume, die der HERR gepflanzt hat, wie Zedern am Wasser. Wasser wird aus seinen Eimern fließen, und sein Same wird sein in großen Wassern. Sein König wird höher sein als Agag, und sein Reich wird erhöht sein. Gott hat ihn aus Ägypten geführt, seine Kraft ist wie die eines Büffels. Er wird die Heiden, seine Widersacher, fressen und ihre Gebeine zermalmen und sie mit seinen Pfeilen niederstrecken. Er kauert sich nieder, um zu lagern wie ein Löwe und wie eine Löwin — wer will ihn aufwecken? Gesegnet sei, wer dich segnet, und verflucht, wer dich verflucht!« (V 2-9).

Nun platzte Balak endgültig der Kragen, zornentbrannt schlug Balak seine Hände zusammen und hielt ihm vor: „Was tust du mir an? Ich habe dich holen lassen, um meinen Feinden zu fluchen, und siehe, du segnest“ (V 11). Einmal mehr möchte Wilhelm Busch zitieren, der ihr hierzu anmerkt:

»Was tust du an mir?« fragt Balak. Die Frage ist typisch für den natürlichen Menschen. »Was tust du an mir?« fragt er seine Mitmenschen, wenn sie sich seinen Wünschen nicht fügen wollen. »Was tust du an mir?« fragt er sogar den heiligen Gott, wenn Er ihn die Früchte seiner Sünde essen lässt. Aber die viel wichtigere Frage »Was tue ich am andern?« stellt der natürliche Mensch nicht. Balak macht sich keine Gedanken darüber, dass er den armen Bileam zum Ungehorsam gegen Gott verführt. Er macht sich auch keine Gedanken darüber, dass es doch Gottes Volk ist, das er verfluchen will. 11

Wie wütend Balak war sehen wir daran, dass er Bileam sogar verjagen wollte, was deutlich macht, dass man der Welt nur solange gefallen kann, wie man die Erwartungen erfüllt, wird man dieser Erwartung nicht gerecht fällt man sehr schnell in Ungnade. Genau das wollte Bileam unter allen Umständen vermeiden, so blieb er seinem Motto treu und wiederholte gebetmühlenartig, von vorne herein gesagt zu haben, nur zu reden, was Gott ihm auftragen würde. Durch sein ständiges beteuern, im Rahmen seiner Möglichkeiten alles zu tun, um Balak zufriedenzustellen, versicherte er immer und immer wieder: „Balak, ich bin ganz bei dir, mir sind im Moment nur leider die Hände gebunden!“. Wie sehr dies der Fall war, sehen wir, dass er darauf sogar noch einen weiteren Segen über Israel aussprach und betonte: Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch das Gebot des HERRN nicht übertreten, um Gutes oder Böses zu tun nach meinem eigenen Herzen; sondern nur was der HERR reden wird, das werde ich auch reden? (V13). Wenn man dies so liest, könnte man meinen, er sei zur Einsicht gekommen, denn abschließend heißt es dann in Kapitel 24: Und Bileam machte sich auf und ging und kehrte an seinen Ort zurück; und Balak zog auch seines Weges. (V25). So verschwindet Bileam zunächst von der Bildfläche, sein Name taucht erst wieder im 31. Kapitel auf, doch genau da erfahren wir, dass Bileam doch nicht mit leeren Händen zurückgekehrt war. Zwar hatte er Israel nicht verfluchen können, doch in seiner List gab er Balak einen Rat, wie er dafür sorgen könne, dass Israel bei Gott in Missgunst geraten könne. Denn wenn wir in den ersten 3 Versen des 25 Kapitels lesen: Und Israel ließ sich in Sittim nieder; und das Volk fing an, Unzucht zu treiben mit den Töchtern der Moabiter, und diese luden das Volk zu den Opfern ihrer Götter ein. Und das Volk aß [mit ihnen] und betete ihre Götter an, dann ist dies die Folge von Bileams Beraterdienst. Dass sich daraufhin auch der erwünschte Erfolg einstellte, sehen wir, wenn es weiter heißt: Und Israel begab sich unter das Joch des Baal-Peor. Da entbrannte der Zorn des HERRN über Israel.

Wie es sich genau zugetragen hat, dass Bileam dem Balak diesen Rat erteilt hat lässt der Bericht der Bibel offen, doch dass es Bileams Rat war, die Israeliten zur Untreue gegen Gott zu verleiten, steht außer Frage, denn in 4. Mose 31,16 ist zu lesen: Siehe, haben nicht diese die Israeliten durch Bileams Rat abwendig gemacht, dass sie sich versündigten am HERRN durch den Baal-Peor, sodass der Gemeinde des HERRN eine Plage widerfuhr? Erneut möchte ich hierzu Wilhelm Busch zitieren, der zum „Rat Bileams“ eine sehr naheliegende Anmerkung gemacht hat, indem er schrieb: Wir können nicht entnehmen, welche Idee der Bileam dem Balak vortrug. Er wird etwa folgendermaßen geredet haben: »Lieber Balak! Obwohl du viel stärker gerüstet bist als das Volk Israel, graut dir vor ihm, weil du von den Taten seines starken Gottes gehört hast. Und du hast einen ganz richtigen Gedanken gehabt, als du dir sagtest: Man kann dieses Volk nur überwinden, wenn man einen Keil zwischen Israel und seinen Gott treibt. Wir haben versucht, durch Verfluchungen Israel von seinem Gott zu trennen. Damit sind wir gescheitert. Gott hat meinen Fluch in einen Segen verwandelt. Aber ich weiß, wie man dieses Volk von seinem starken Gott trennen kann: Man muss es zur Abgötterei verführen. Wenn euch das gelingt, lieber Balak, dann habt ihr dies Volk von seinem Gott losgerissen. Und wenn es den starken Schutz seines Herrn nicht mehr hat, dann ist es leicht zu überwinden. 12 Ist es nicht erschreckend, wie weit das Gewissen Bileam abgestumpft war? Selbst als er endlich realisiert hatte, dass es zwecklos war, das Volk Gottes verfluchen zu wollen, wollte er sich nicht unter dem Willen Gottes beugen, sondern suchte weiterhin nach einem Weg um die von Balak in Aussicht gestellte Belohnung zu erhalten. So gab er diesen hinterlistigen Ratschlag, der solch verheerenden Schaden unter dem Volk Gottes anrichtet.

Hier sehen wir, wer sich erst einmal an den Weg der Menschengefälligkeit gewöhnt hat; der wird letztlich zu allem bereit sein um sich das Lob und die Anerkennung der Welt zu verdienen. Wird ihm dieses Lob verwehrt, ist er sich noch nicht einmal dafür zu schade, das Volk Gottes zum Abfall zu verleiten. Genau wie es bei Bileam der Fall war, wird dabei kein offener Fluch über das Volk Gottes ausgesprochen, und eben so wenig wird das Lippenbekenntnis ein Diener Gottes zu sein aufgegeben. Im Gegenteil, offiziell gibt man weiterhin vor, ein Diener Gottes zu sein, in Wahrheit jedoch steht man längst auf der anderen Seite, denn in Wahrheit ist man ein Feind des Kreuzes, dem nur daran gelegen ist, das Volk Gottes zu Fall zu bringen. Und wie geschieht es ganz praktisch? Es geschieht indem man das Volk zur Unzucht verleidet - Unzucht auf moralischem Gebiet, die eine Unzucht auf geistlichem Gebet nach sich zieht. So locker wie man die Unzucht auf sexuellem Gebiet sieht, so locker handhabt man es auch beim Thema Absonderung von der Welt und anderer Religionen. Statt dies zu lehren, lehrt man das Gegenteil, was ganz praktisch darin zu sehen ist, dass man sexuelle Unzucht nicht mehr länger als Sünde sehen will, sondern Menschen darin ermutigt diese unter kirchlichem Segen auszuleben. „Du musst dich nicht ändern, Gott akzeptiert dich wie du bist!“, wird behauptet. Damit einhergehend ist auch die Verführung auf geistlichem Gebiet, bei der man den Kindern Gottes weismachen will, es sei einerlei unter welchen Namen man Gott anbeten würde, ob es der Name Allah, Buddha oder Jesus ist, der verehrt wird, sei nicht entscheidend, Hauptsache religiös. Was dabei grundsätzlich vermittelt wird ist der Eindruck: Gott sieht das nicht so eng, Gott meint nicht das, was ER sagt, ihr müsst das nicht so ernst nehmen.

 

 

Quellangaben
7.   Die Wilhelm-Busch-Bibliothek, S.59
8.   Ebd. 66
9.   Ebd. 67
10. Ebd. 82/83
11. Ebd. 72
12. Ebd. 103/104/105

 


Allgemeine Info zu dieser neuen Beitragsreihe unter: Ankündigung/Vorwort

 

www.evangeliums-botschaft.de

Nach oben