und

10. Der Weg Bileams 2/4

2. Der Weg ins Verderben durch eine unheilige Allianz

19.08.2017

Weil Bileam nicht bereit war, das göttliche „Nein“ bezüglich seines Vorhabens zu akzeptieren, sprach der HERR zu ihm: Wenn die Männer gekommen sind, um dich zu rufen, so mache dich auf und geh mit ihnen; doch nur das, was ich dir sagen werde, nur das darfst du tun! (V 20).
Im ersten Moment scheint es, als sei es Bileam tatsächlich gelungen, Gott umzustimmen, denn nun heißt es plötzlich: So mache dich auf und geh mit ihnen. Genau wie im Beispiel mit den Wachteln, wo die Israeliten Fleisch forderten, so hatte Gott auch hier Seinen Standpunkt nicht geändert. Die Erlaubnis diesen Weg zu ziehen, war Gottes Gericht über Bileams Ungehorsam. Was wir hier sehen, ist ein praktisches Anschauungsbeispiel für das, was in Römer 1,28 beschrieben wird. Es ist das göttliche Gericht des „Dahingebens“, welches darin besteht, Unbelehrbarkeit und Widerspenstigkeit damit zu bestrafen, Menschen ihrem verkehrten Sinn und verstockten Herzen zu überlassen. Aufgrund seiner Unwilligkeit, lässt Gott Bileam gewähren, seinen Weg des Ungehorsams fortzusetzen.
Ein Weg, den heute so viele religiösen Führer eingeschlagen haben, ein Weg, der wie folgt beschrieben wird: Da stand Bileam am Morgen auf und sattelte seine Eselin und zog mit den Fürsten der Moabiter (V 21). Bileam, ein vermeintlicher Diener Gottes, verbündete sich mit den Feinden von Gottes Volk, nur weil ihm Ruhm und Ansehen in Aussicht gestellt wurde. Ist es nicht ein trauriger Weg, den Bileam, der so viele Vorrechte hatte, hier einschlug? Er hatte sogar das besondere Privileg direkt von Gott unterwiesen zu werden. Bedauerlicher Weise jedoch, war ihm das Ansehen bei den Menschen mehr wert, als das Ansehen bei Gott. Menschengefälligkeit ist eine sehr tückische Falle, die umso drastischer zuschnappt, wenn man am fremden Joch mit Ungläubigen zieht, indem man sich mit den Feinden von Gottes Volk verbündet. Dass Gott diesen Weg keines Wegs billigte, sehen wir darin, dass es heißt: Aber der Zorn Gottes entbrannte darüber, dass er ging. Und der Engel des HERRN trat ihm als Widersacher in den Weg. Er aber ritt auf seiner Eselin, und seine beiden Burschen waren bei ihm (V 22).

Hier haben wir den eindeutigen Beleg dafür, dass sich Gottes moralische Sichtweise bezüglich des Vorhabens Bileams nicht geändert hatte, was Gott ihm zu aller erst gesagt hatte, das hatte immer noch Gültigkeit. Wir sehen hier aber nicht nur Gottes berechtigten Zorn über Bileams Ungehorsam, sondern zugleich Seine Güte, denn der Grund warum sich der Engel des HERRN ihm entgegenstellte, bestand darin, ihn eindringlich davor zu warnen, diesen Weg fortzusetzen. Bileam jedoch war so festentschlossen diesen Weg zu gehen, dass er nicht wahrnahm, dass es Gott selbst war, der ihn von seinem törichten Weg abhalten wollte. Als Bileams Eselin nicht mehr weiterlief, sondern sich vor dem Engel des HERRN niederwarf, schlug Bileam wütende auf seine Eselin ein. Der Theologe Paul Geyser hat einen kleinen Aufsatz mit dem Titel „Die Wehklage von Bileams Esel“, verfasst, bei dem er zu der treffenden Schlussfolgerung kommt: O Schicksal, o Schicksal, ein dummer Esel zu sein, der das Heilige sieht und fürchtet, während es dem blinden Reiter gefällt, über alles hinwegzusetzen. O Welt, auch ein Esel kann sehen, dass du einmal untergehen musst! Wir Esel aber sind nicht schuld daran, sondern diejenigen, die sich für weise halten und den Heiligen nicht sehen, der mit flammendem Schwerte mitten im Wege steht! 3

Treffend wird hier dieser Kurs der Verblendung illustriert, bei dem sich Menschen wider alle Vernunft nicht durch das Wort Gottes zurechtbringen lassen, sondern darauf pochen, ihre eigenwilligen Wege fortzusetzen. So war es auch bei Bileam, nichts sollte ihn davon abhalten sein selbstsüchtiges Ziel zu erreichen. Gott hätte es dabei bewenden lassen können, doch in Seiner Gnade bewirkte ER das Wunder, den Mund der Eselin aufzutun, so dass sie sprach: „Was habe ich dir getan, dass du mich nun dreimal geschlagen hast?“ (V28). Spätestens hier hätte Bileam ein Licht aufgehen müssen, denn ein solches Wunder hätte ihm zeigen müssen, dass hier der HERR im Spiel war. Anstatt dies wahrzunehmen, war er so von Zorn über seine Eselin erfüllt, dass er bereute kein Schwert bei sich zu haben, um das arme Tier zu töten. Ist dieses Verhalten nicht symptomatisch für Menschen, die auf Abwege geraten sind? Sie wollen mit aller Gewalt mit dem Kopf durch die Wand und wehe es kommt ihren Plänen irgendetwas in die Quere. Das ganze Umfeld wird in die Mitleidenschaft ihrer Launen gezogen, wenn sie auf ihrem eigensinnigen Weg nicht vorankommen. Prüfen wir auch hier unser eigenes Verhalten, wenn uns mancher Weg verbaut wird, wer weiß ob es nicht der HERR ist, der uns vor einer Torheit abhalten möchte?

Bileam erkannte nicht, dass dies bei seinem Vorhaben der Fall war, bis ihm der HERR schließlich die Augen öffnete, so dass er die geistliche Realität wahrnehmen konnte, dass ihm der Engel des HERRN mit gezücktem Schwert gegenüberstand. Woraufhin sich Bileam verneigte.
Wenn wir beachten, dass der Engel ihm nicht wehrte, dies zu tun, dann wird deutlich, dass es sich hier nicht um einen gewöhnlichen Engel, sondern um den Sohn Gottes handelte. Es war Jesus, der Bileam entgegentrat, genauso wie ER sich viele Jahre später Saulus in den Weg stellte, als dieser auf dem Weg nach Damaskus war. „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ (Apg 9,4), hatte ER ihn gefragt. Und als Saulus verwundert fragte: „Wer bist du, Herr?“, gab sich Jesus zu erkennen, indem ER sprach: „Ich bin Jesus, den du verfolgst. Es wird dir schwer werden, gegen den Stachel auszuschlagen!“ (Apg 9,5). Hier sehen wir deutlich, dass wer auch immer sich aufmacht, um das Volk Gottes zu bekämpfen, in Wahrheit gegen Jesus selbst ankämpft. Es ist wie geschrieben steht: »Wer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an« (Sach 2,12). Bildlich gesehen, laufen solche Menschen ins offene Messer, die Schrift warnt eindeutig davor. Wir wissen, dass Saulus nicht nach Damaskus weitergereist ist, sondern von Saulus zu Paulus wurde, Bileam hingegen behielt seinen falschen Kurs bei, obwohl der HERR die klare Warnung aussprach: Siehe, ich bin ausgegangen, um dir zu widerstehen, weil [dein] Weg vor mir ins Verderben führt! (V 33). Könnten Worte klarer zum Ausdruck bringen, dass der Weg, den Bileam eingeschlagen hatte, ein Weg ins Verderben war? Kann man diese Warnung wirklich übersehen? Bileam konnte es und viele folgen ihm bis heute auf diesem Weg. Es ist genauso gekommen, wie von Petrus prophezeit: Sie verlassen den richtigen Weg und gehen in die Irre und folgen dem Weg Bileam. Wir erinnern uns auch, dass Petrus sagte: Das stumme Lasttier redete mit Menschenstimme und wehrte der Torheit des Propheten. Und ist es nicht offensichtlich, dass wir hier sehen, dass die Eselin klüger war, als der Prophet, während sie sich scheute, einen Weg einzuschlagen, auf dem ihr der Engel des HERRN mit gezücktem Schwert entgegenstand, war Bileam so verblendet, dass er sich durch nichts von seinem Vorhaben abbringen lassen wollte.

Wenn man den Text dann weiterliest, könnte man meinen, Bileam sei nun endlich zur Einsicht gekommen, denn weiter heißt es: Da sprach Bileam zu dem Engel des HERRN: Ich habe gesündigt, denn ich wusste nicht, dass du mir im Weg entgegenstandest! Und nun, wenn es böse ist in deinen Augen, so will ich wieder umkehren (V 34). Seine scheinbare Umkehr war jedoch nur oberflächlich, denn zu behaupten, nicht gewusst zu haben, dass der HERR ihm entgegenstand, entsprach keineswegs den Tatsachen. Gott hatte ihm klar gesagt, dass er nicht mit den Männern nach Moab ziehen sollte, um das Volk Israel zu verfluchen. Was also erhoffte sich Bileam von dieser Mission? Wir haben es bereits gesehen, es war der Versuch, sich gerade noch so innerhalb des Willen Gottes zu bewegen und zugleich den Lohn abzukassieren, der ihm von Balak in Aussicht gestellt worden war. Und hier bewahrheitet sich, was Jesus in der Bergpredigt gelehrt hat: Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon (Mt 6,24).

Wer diesen Weg geht, argumentiert genauso wie Bileam, der bekundet hat, nicht zu wissen, dass der HERR ihm entgegenstünde. Die Wahrheit ist, dass er es gar nicht wissen wollte, denn es ist wie Wilhelm Busch festgestellt hat: Unerhört deutlich hat ihm der Herr gemacht, wie Ihm dieser Weg missfällt. Und nun tut Bileam, als wenn das eine Sache wäre, über die man diskutieren könnte. Ist es nicht eine Gefahr für unsere Zeit, dass man den klaren Willen Gottes so lange diskutiert, bis alles unklar geworden ist?  4 Ja, das Diskutieren und neu bewerten findet auch in unserer Generation kein Ende, was dabei wohl den wenigsten bewusst ist, dass ist die Tatsache, dass sich dahinter die Philosophie des Freimaurertums verbirgt. Ein Artikel aus der Freimaurer-Zeitschrift „Humanität“ aus dem Jahr 1989 beschreibt die „königliche Kunst“ des Dialoges wie folgt: „Die Methode des Dialogs besteht darin, einen aufgeworfenen Sachverhalt zu bezweifeln, zu wägen, zu prüfen und sich schließlich über ihn zu verständigen… Der einzelne muss im Fortgang des Gesprächs bereit sein, einen Standpunkt höherer Ordnung einzunehmen…“  5

Wie sehr unsere Gesellschaft von diesem Denken geprägt ist, können wir daran erkennen, dass vor allem in moralischer Hinsicht kaum noch absolute Werte akzeptiert werden. „Die Wahrheit“, gibt es laut dieser Denkweise nicht, stattdessen redet man von einem Streben nach der Wahrheit und sieht das Mittel dafür im Dialog. So findet das Diskutieren kein Ende, denn mit jeder neuen Diskussion wird wieder alles in Frage gestellt und neu bewertet. Daher eckt in unserer heutigen Gesellschaft niemand mehr an, als jemand, der nicht bereit ist, von seinen eigenen Überzeugungen abzurücken und sich auf einen Kompromiss zu einigen. So wird auch von Christen, die in einen Dialog mit Andersdenkenden eintreten, prinzipiell erwartet, dass sie den Absolutheitsanspruch ihres Glaubens aufgeben. Allenfalls darf es als gleichberechtigte Wahrheit neben anderen gesehen werden, aber nicht so, wie es Jesus sagte, als ER bezeugte, der Weg, die Wahrheit und das Leben zu sein. Das Wort Gottes hat es lange im Voraus prophezeit, dass viele den Weg Bileams einschlagen werden, und hier haben wir den eindeutigen Beleg dafür, dass sich diese Prophetie ganz besonders in unseren Tagen erfüllt, man will nichts mehr als verbindlich stehen lassen, sondern will alles relativieren. Wenn es jedoch keine verbindlichen Werte gibt oder wenn diese in dem zu sehen sind, worauf sich die Mehrheit verständigt, wer kann dann einen Mann wie Hitler verurteilen? Er hatte doch die Mehrheit hinter sich.

Kommen wir wieder zurück zu Bileam, der um den unmöglichen Spagat bemüht war, es Gott und der Welt recht zu machen. Trotz der deutlichen Warnung: „Siehe, ich bin ausgegangen, um dir zu widerstehen, weil [dein] Weg vor mir ins Verderben führt!“, war er nach wie vor bestrebt, beides unter einen Hut zu bringen - er wollte die Anerkennung und den Lohn der Welt und sich zugleich im Rahmen dessen bewegen, was Gott erlaubt hatte. Dass erst genannter Wunsch Vorrang hatte, können wir daran sehen, dass er nicht bereit war, von seinem falschen Weg abzuweichen. Man könnte ihm zwar zugutehalten, dass der Engel des HERRN weiter gesagt hatte: „Geh mit den Männern; aber du darfst nur das reden, was ich dir sagen werde!“ (V35), doch hätte er aufmerksam zugehört, dann hätte er wissen müssen, dass er auf dem Weg ins eigene Verderben war. Denn es ist wahr, Gott lässt widerspenstige Menschen ihre eigenen Wege gehen, doch sie werden auch den Lohn ihrer Wege ernten, und der Sünde Lohn ist der Tod. Darum gilt, was in Psalm 11,5 gesagt wird: Wer Unrecht liebt, den hasst seine Seele (Ps 11,5; vgl. Spr 8,37).

Abschließend zu diesem Punkt sei angemerkt, dass je mehr man sich daran gewöhnt, nicht mehr auf sein Gewissen zu hören und je häufiger man dazu bereit ist, faule Kompromisse einzugehen, das Gewissen abstumpfen wird. Um diese geistliche Wahrheit auf den Punkt zu bringen, möchte ich ein weiteres Zitat vom Wilhelm Busch weitergeben, der treffend formulierte: Mit jedem Schritt, den wir auf einem bösen Weg tun, wird unser Blick mehr und mehr verdunkelt für die Wirklichkeiten des Reiches Gottes. Das kann zu völliger Verdunkelung führen – wie bei Bileam - wie bei Judas (Matth. 27,5), wie bei Demas (2.Tim. 4,10). 6 Und noch etwas ist festzuhalten: Bileam gab sich als Diener Gottes aus, immer und immer wieder hat er bekundet, nur das zu reden, was Gott ihm sagen würde, dennoch hat er sich mit den Feinden Gottes verbündet. Wir erinnern uns, als Petrus die falschen Lehrer charakterisiert hat, gab er den Hinweis, dass sie den Weg Bileam einschlagen werden. Wie gesehen, ist darin ein Weg zu sehen, der über eine unheilige Allianz mit der Welt, bis hin zu dem Punkt führte, an dem sich Bileam klar auf die Seite derer gestellt hat, die das Volk Gottes vernichten wollten. Die geistliche Wahrheit, die uns hierbei vor Augen geführt wird, ist die Tatsache, dass es neben der echten Gemeinde, seit jeher eine falsche gab. Die falsche, die auch als Hure bezeichnet wird, besteht aus Menschen, die nur scheinbar zum Volk Gottes zählen, in Wahrheit jedoch haben sie nie wirklich dazu gehört (vgl. 1.Joh 2,19). Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist darin zu sehen, dass bei der wahren Gemeinde, der Friede mit Gott immer an erster Stelle steht, bei der falschen hingegen, dreht sich alles um den Frieden mit der Welt. Das Kennzeichen wahrer Kinder Gottes ist die Liebe zu den Brüdern (vgl. 1.Joh 2,19); dass Kennzeichen der falschen Bekenner hingegen ist die Liebe zur Welt (vgl. 1.Joh 5,4). Was daran auszumachen ist, dass man in der Welt auf keinen Fall anecken oder aus dem Rahmen fallen möchte, folglich wird nur das vertreten, was von der Welt und jeder Mann akzeptiert wird. Mit anderen Worten, die falsche Gemeinde orientiert sich nicht am Wort Gottes, sondern am Zeitgeist und wenn es hart auf hart kommt, wenn es zu Anfeindungen und Verfolgungen um des Glaubens willen kommt, dann wird sie mit der Welt kooperieren, so dass man sie letztlich nicht unter den Verfolgten, sondern unter den Verfolgern wiederfinden wird.

 

Quellangaben
2. Die Wilhelm-Busch-Bibliothek, S. 28/29
3. Ebd. S.46
4. Ebd. S.56
5. Topic Nr 6 Juni 2017
6. Die Wilhelm-Busch-Bibliothek,. S.39

 


 


Allgemeine Info zu dieser neuen Beitragsreihe unter: Ankündigung/Vorwort

 

www.evangeliums-botschaft.de

Nach oben