und

10. Der Weg Bileams 1/4

16.08.2017


Weil sie den richtigen Weg verlassen haben, sind sie in die Irre gegangen und sind dem Weg Bileams, des Sohnes Beors, gefolgt, der den Lohn der Ungerechtigkeit liebte; aber er bekam eine Zurechtweisung für seinen Frevel: Das stumme Lasttier redete mit Menschenstimme und wehrte der Torheit des Propheten (2.Petr 2,15-17).

Wenn wir anhand der Bibel praktisch erfahren wollen, wie Irrlehrer gestrickt sind, dann gibt es keine ausführliche Biographie als die des im Text erwähnten Propheten Namens Bileam. Gerade aus diesem Grund ist es sehr lehrreich, wenn wir uns in einem kleinen Exkurs eingehend mit dem Leben Bileams befassen. Ehe wir damit beginnen, möchte ich jedoch einleitend einige Gedanken zum Text weitergeben, der erste ist die Feststellung, dass diese Bibelstelle ein eindeutiger Beleg dafür ist, dass die Bibel Irrlehrer beim Namen nennt. Entgegen der heute so weit verbreiteten Auffassung, es sei unchristlich falsche Lehrer bloßzustellen, kennt das Wort Gottes kein Schutzprogramm für fasche Zeugen, im Gegenteil, gerade weil ihre Lehren so gefährlich sind, hat es nichts mit christlicher Nächstenliebe zu tun, wenn man sich schützend vor falsche Lehrer stellt. 

Um dies zu unterstreichen, möchte ich zitierten, was der Apostel Paulus seinem Schüler Timotheus diesbezüglich aufgetragen hat: Strebe eifrig danach, dich Gott als bewährt zu erweisen, als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen braucht, der das Wort der Wahrheit recht teilt. Die unheiligen, nichtigen Schwätzereien aber meide; denn sie fördern nur noch mehr die Gottlosigkeit, und ihr Wort frisst um sich wie ein Krebsgeschwür. Zu ihnen gehören Hymenäus und Philetus, die von der Wahrheit abgeirrt sind, indem sie behaupten, die Auferstehung sei schon geschehen, und so den Glauben etlicher Leute umstürzen (2.Tim 2,15-18). Wie uns dieser Text zeigt, nennt der Apostel Paulus die beiden Irrlehrer Hymenäus und Philetus beim Namen, und der Grund dafür ist in der Tatsache zu sehen, dass aufgrund ihrer falschen Lehre der Glaube etlicher umgestürzt wurde. Wie kann man angesichts dieser Gefahr nur zur Ansicht kommen, man müsse hier Stillschweigen bewahren, um den Ruf solcher Menschen nicht zu gefährden? Das Wort Gottes ist das Wort der Wahrheit und Wahrheit kann keinen Irrtum dulden. Der Geist der Wahrheit vertuscht nicht, sondern bringt das Verborgende ans Licht. Wobei die Absicht immer darin zu sehen ist, Schaden vom Volk Gottes abzuwenden. Aus diesem Grund wird auch nichts beschönigt oder verharmlost. Nein, Sünde wird Sünde genannt und Irrlehrer werden Irrlehrer genannt, und um diese entlarven zu können, nennt uns die Bibel mit Bileam einen Präzedenzfall, wie wir in der Heiligen Schrift kein zweites Mal finden, denn über keinen Irrlehrer und keinen falschen Propheten erfahren wir so viele Details wie über Bileam. Das Erstaunliche und zugleich Erschreckende dabei ist die Tatsache, dass das Beispiel Bileams zeigen wird, dass Irrlehrer nicht nur sehr religiös erscheinen können, sondern dass es sogar so weit gehen kann, dass Gott tatsächlich durch sie redet.

Ein neutestamentliches Beispiel für diese geistliche Realität sehen wir im Hohenpriester Kaiphas. Im 11 Kapitel der Johannes Evangeliums wird darüber berichtet, wie die Hohenpriester und die Pharisäer den Hohen Rat einberiefen, um darüber zu beratschlagen, was sie gegen den immer größer werdenden Einfluss, unternehmen sollten, der von Jesus ausging. Ab Vers 49 lesen wir dann: Einer aber von ihnen, Kaiphas, der in dem Jahr Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr wisst nichts; ihr bedenkt auch nicht: Es ist besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als dass das ganze Volk verderbe. Und auf diese Aussage folgt die beachtenswerte Anmerkung: Das sagte er aber nicht von sich aus, sondern weil er in dem Jahr Hoherpriester war, weissagte er. Denn Jesus sollte sterben für das Volk. Ist es nicht erstaunlich, dass sich unter jenen, die diesen teuflischen Plan ausbrüteten, einer befand, durch den eine Weissagung erfolgte, die sich tatsächlich erfüllt hat? Ja, mehr noch, aus dem Text geht hervor, dass es der Heilige Geist war, der ihn zu dieser Weissagung inspirierte.

Wie gesagt, dasselbe Phänomen ist auch im Leben Bileams zu sehen, aus seinem Munde gingen erstaunliche messianische Prophetien hervor, so dass manche Ausleger sogar zu dem Schluss gekommen sind, Bileam sei ein echter Prophet gewesen. Und tatsächlich, wendet man nur den einen Test auf sein Leben an, der besagt, dass sofern eine Prophetie falsch sei, es sich um einen falschen Propheten handeln würde, dann besteht Bileam diesen Test, denn aus seinem Munde ging keine Falschprophetie hervor, alles, was Bileam prophezeit hat, ging in Erfüllung. Daher müssen wir sein Leben noch einem weiteren Test unterziehen, und dieser lautet: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen (Mt 7,20). Diese grundlegende Wahrheit, die Jesus in der Bergpredigt genannt hat, ist bereits im 5. Buch Mose fest verankert, indem klar gesagt ist, dass Zeichen allein, kein Beweis dafür sind, ob jemand wirklich im Namen Gottes lehrt. Achten wir dazu einmal genau auf den Bibeltext, der folgendes lehrt: Das ganze Wort, das ich euch gebiete, das sollt ihr bewahren, um es zu tun. Du sollst zu ihm nichts hinzufügen und nichts von ihm wegnehmen. Wenn in deiner Mitte ein Prophet aufsteht oder einer, der Träume hat, und er gibt dir ein Zeichen oder ein Wunder und das Zeichen oder das Wunder trifft ein, von dem er zu dir geredet hat, indem er sagte: "Lass uns anderen Göttern - die du nicht gekannt hast - nachlaufen und ihnen dienen!", dann sollst du nicht auf die Worte dieses Propheten hören oder auf den, der die Träume hat. Denn der HERR, euer Gott, prüft euch, um zu erkennen, ob ihr den HERRN, euren Gott, mit eurem ganzen Herzen und mit eurer ganzen Seele liebt. Dem HERRN, eurem Gott, sollt ihr nachfolgen, und ihn sollt ihr fürchten. Seine Gebote sollt ihr halten und seiner Stimme gehorchen; ihm sollt ihr dienen und ihm anhängen. Und jener Prophet oder der, der die Träume hat, soll getötet werden. Denn er hat Abfall vom HERRN, eurem Gott, gepredigt (5.Mo 13,1-5).

Hier haben wir dasselbe Muster, wie wir es bei Petrus gesehen haben. Wir erinnern uns, ehe Petrus auf falsche Lehrer zu sprechen kam, nannte er mit dem geschriebenen Wort die zuverlässige Quelle für die Wahrheit. Ebenso wird dieser Textabschnitt damit eingeleitet, dass zuerst der Maßstab genannt wird, ehe die Warnung vor Verführern folgt. Maßstab und Richtschnur ist allein das geschriebene Wort, wer diesem etwas hinzufügt oder etwas wegnimmt, der ist ein Irrlehrer und Verführer. Egal wie beeindruckend sein Auftreten sein mag, selbst wenn er Wunder vollbringen könnte oder seine Prophetien tatsächlich eintreffen, wenn seine Lehre entgegen der Gebote Gottes ist, dann handelt es sich um einen Lügenprophet. Wohin Lügenpropheten führen, geht aus dem Text auch hervor, sie wollen gläubige Menschen dazu bewegen, Gott untreu zu werden, indem sie das erste Gebot außer Kraft setzen und Abfall vom HERRN lehren. Ist es nicht offensichtlich, dass genau dies bei den modernen Religionsvermischern der Fall ist? Was anderes lehren die Befürworter der großen Ökumene, als die Übertretung des ersten Gebots, was anderes ist ihr Ziel, als der Abfall vom HERRN?

Von daher begegnet uns alles, wogegen einst die Propheten Israels auftraten, heute in Form einer modernen Religionsvermischung wieder, die nichts anderes als Hurerei auf geistlichem Gebiet ist. Anstatt dem einen wahren Gott mit ungeteiltem Herzen nachzufolgen, zieht man es vor, sich alle Türen offen zu halten, um ja keinen Götzen zu übersehen. Alles, was einen religiösen Anschein hat, wird in einen Topf geworfen und die selbsternannten Propheten der charismatischen Szene mischen kräftig mit, indem sie durch ihre Prophetien dieses religiöse Treiben bestätigen und so darstellen, als wäre es Gott selbst, der hinter der Ökumene stehen würde. Doch bedenken wir, am Tage des Gerichts werden einst viele auftreten und sich auf Weissagungen und vollbrachte Krankenheilungen berufen, dennoch wird sich Jesus nicht zu ihnen bekennen, weil sie das Wort verworfen haben (vgl. Mt 7,21-23).

Noch einen wichtigen Gedanken möchte ich vorab weitergeben, und dieser bezieht sich auf die Worte: Weil sie den richtigen Weg verlassen haben, sind sie in die Irre gegangen und sind dem Weg Bileams, des Sohnes Beors, gefolgt. Bemerken wir hier den Unterschied zu den modernen Ansätzen? Hier ist von einem richtigen Weg die Rede, der verlassen wurde. Petrus redet hier von Menschen, die in die Irre gegangen sind. Entgegen dem ökumenischen Ansatz, führen also nicht alle religiösen Wege ans Ziel, andernfalls hätte Petrus nicht feststellen können, dass es sich bei Irrlehrern und falschen Propheten um Menschen handelt, die den richtigen Weg verlassen haben und stattdessen in die Irre gehen. Das Schlimme daran ist, sie gehen nicht nur selbst diesen trügerischen Irrweg, sondern ziehen auch andere Menschen hinter sich her.

Wir wissen, dass auch Jesus von zwei Wegen sprach, ein schmaler Weg, der zum Leben führt und ein breiter, der ins Verderben führt. Aber nicht nur das, im selben Zusammenhang hat Jesus auch vor falschen Propheten gewarnt (vgl. Mt 7,15). Ist es diesbezüglich nicht allzu offensichtlich, dass es sich beim Weg der Religionsvermischung nur um den breiten Weg handeln kann? Bedenken wir, der schmale Weg, ist der Weg der Nachfolge. „Wer mir nachfolgt, wird das Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12), sagte Jesus, und machte an anderer Stelle deutlich: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich“ (Joh 14,6). Die Menschen des breiten Weges, hassen diesen Absolutheitsanspruch des HERRN, für sie ist das engstirnig und intolerant. Und nicht selten warnen sie hier sogar vor der Gefahr des religiösen Fundamentalismus. Doch beachten wir, was Jesus über den Weg sagte, der zum Leben führt: „Denn die Pforte ist eng und der Weg ist schmal, der zum Leben führt; und wenige sind es, die ihn finden“ (Mt 7,14). Um diesen Gedanken klar zu Ende zu bringen, wer den Weg der Ökumene eingeschlagen hat, befindet sich auf dem breiten Weg, der ins Verderben führt.

Soweit die kurzen einleitenden Worte, kommen wir nun zu Bileam und damit, wie bereits gesagt, zum umfangreichsten Bericht über einen falschen Propheten, der in der Bibel zu finden ist. Das Erstaunliche dabei ist, dass wir bei dieser Wortbetrachtung sehr vieles wiederfinden werden, was wir gerade in unserer Generation erleben.

Wir finden den ausführlichen Bericht über Bileam im 4.Buch Mose, doch auch in anderen Büchern taucht sein Name auf. Neben mehreren Erwähnungen im Alten Testament, wird im Neuen Testament dreimal auf ihn Bezug genommen, neben der genannten Bibelstelle aus dem 2.Petrusbrief, wird er im Judasbrief und im Buch der Offenbarung erwähnt. Doch wer war Bileam? Wenn Petrus den Weg der Irrlehrer mit Bileams Weg vergleicht, dann ist auf den ersten Blick klar, dass im Leben Bileams ein warnendes Beispiel zu sehen ist. Das Wesentliche von Bileams zwielichtigem Charakter hat Petrus bereits angeführt, indem er sagt, dass Bileam den Lohn der Ungerechtigkeit liebte. Um nähere Details zu erfahren, wollen wir uns anhand der folgenden Unterpunkte mit seiner Lebensgeschichte befassen:

1. Bileams halbherziger Widerstand in der Versuchung
2. Der Weg ins Verderben durch eine unheilige Allianz
3. Mitgegangen, mitgefangen
4. Der Weg des Ungehorsams endet im Gericht.

 

1. Bileams halbherziger Widerstand in der Versuchung


Der Bericht über Bileam beginnt im 22. Kapitel des 4. Buches Mose, wo darüber berichtet wird, wie der Moabiterkönig Balak den Seher Bileam anwirbt, um die Kinder Israels zu verfluchen. Um zu verstehen, was ihn dazu veranlasste, müssen wir kurz auf den geschichtlichen Hintergrund eingehen:
Das Volk Israel hatte zu jener Zeit die 40jährige Wüstenwanderung hinter sich und war nun dabei das von Gott versprochene Land einzunehmen. Gott hatte die Völker Kanaans zum Gericht dahingegeben, weil diese heidnischen Völker aufgrund schrecklichster Sünden reif waren für das Gericht Gottes. Anders wie bei der Sintflut oder bei der Zerstörung der Städte Sodom und Gomorra, kam das göttliche Schwert in diesem Fall durch das Volk Israel. Sie hatten den göttlichen Auftrag, den Bann an den gottlosen Heidenvölkern Kanaans zu vollstrecken und deren Länder in Besitz zu nehmen. Da Gott mit ihnen war, konnte ihnen zu jener Zeit niemand standhalten. So war das ganze Land Moab samt ihrem König Balak in Angst und Schrecken versetzt, so dass sie sprachen: Nun wird dieser Haufe alles rings um uns her auffressen, wie das Vieh alles Grüne auf dem Feld wegfrisst! (V4).
Da Balak erkannt hatte, dass sie auf militärischem Wege nichts gegen Israel ausrichten konnten, sah er nur noch einen Ausweg, und das war seine Hoffnung auf übernatürliche Mächte. Genau für diesen Dienst wollte er Bilaem gewinnen. Woher er von Bileam wusste, wird nicht gesagt, doch offensichtlich muss es sich herumgesprochen haben, dass Bileam ein Seher mit besonderen Kräften war. Bileam lebte in Petor am Fluss des Euphrat, was im Übrigen auch durch außerbiblische Quellen bestätigt wird.1 Dorthin sandte König Balak Boten, um Bileam folgende Botschaft zu übermitteln: Siehe, es ist ein Volk aus Ägypten gezogen; siehe, es bedeckt das ganze Land und lagert sich gegen mich! So komm nun und verfluche mir dieses Volk, denn es ist mir zu mächtig; vielleicht kann ich es dann schlagen und aus dem Land treiben; denn ich weiß: Wen du segnest, der ist gesegnet, und wen du verfluchst, der ist verflucht! (V.5-6).

Bileam erwiderte darauf: „Bleibt hier über Nacht, und ich will euch antworten, so wie der HERR zu mir reden wird!“ Und tatsächlich, in der Nacht begegnete ihm Gott und konfrontierte ihn mit der Frage, was er da für Leute bei sich aufgenommen hätte. Bileam unterrichtete Gott, wer die Männer waren und mit welchem Anliegen sie an ihn herangetreten waren. Natürlich war es Gott bekannt, doch es scheint, als wollte ER es aus dem Munde Bileams hören, damit sich dieser darüber bewusst wurde, auf was er sich da einließ. Bileam ist zwar eine sehr zwielichtige Gestalt, doch er hatte eine Verbindung zum wahren Gott, jene Männer hingegen entstammten einem heidnischen Volk dessen Hauptgötze Baal war. Allein das wäre Grund genug gewesen, sich nicht mit ihnen einzulassen, doch wenn man nun überlegt, dass ihr Ansinnen darin bestand, Gottes Volk zu verfluchen, dann hätte Bileam sich seine Frage selbst beantworten können. Gott in Seiner Gnade ließ ihn dennoch nicht im Regen stehen, sondern sprach zu Bileam: Geh nicht mit ihnen! Verfluche das Volk nicht, denn es ist gesegnet! (V12).

Bileam gehorchte dem Wort des HERRN, indem er zu den Boten Balaks sprach: „Geht hin in euer Land, denn der HERR hat mir die Erlaubnis verweigert, mit euch zu ziehen!“ (V13).

Auf den ersten Blick mag es erscheinen, als hätte sich Bileam bis hierher sehr vorbildlich verhalten, doch bei genauerem Betrachten, fällt schon die erste Charakterschwäche auf. Gott hatte klar gesagt, dass das Volk Israel unter Seinem Segen stehen würde. Gott liebte dieses Volk, nie und nimmer würde ER zulassen, dass Bileam die Kinder Israels verfluchen würde. Hätte Bileam die Herzenshaltung gehabt, das zu lieben, was Gott liebt und das zu hassen, was Gott hast (vgl. Am 5,15), dann hätte er geantwortet: „Da es Gott missfällt, kommt es für mich überhaupt nicht infrage!“, doch stattdessen ließ er eher durchklingen: „Sorry, ich hätte euch sehr gerne begleitet, habe aber leider nicht die Erlaubnis bekommen!“ Hier sehen wir, dass dieser Gehorsam nicht von Herzen kam, sondern eher widerwillig und notgedrungen. Es ist vergleichbar als kämen Kinder auf die Idee, Autos mit Steinen zu bewerfen, alle wären davon begeistert, nur ein Junge würde Bedenken anmelden, indem er sagen würde: „Tut mir leid, wenn ich da mitmache bekomme ich Ärger mit meinen Eltern!“. Eigentlich gibt er damit zu verstehen, dass er sehr gerne mitmachen würde, wenn da nicht seine strengen Eltern wären. Hier wird eine Entscheidung getroffen, die eigentlich entgegen dem eignen Wunsch ist, weil die Überzeugung fehlt, etwas Falsches zu tun.

So in etwa sah die Einstellung von Bileam aus, offensichtlich konnte er es problemlos mit seinem Gewissen vereinbaren, einen Fluch über das Volk Gottes auszusprechen, sofern man ihn dafür angemessen belohnen würde. Zu verlockend war das Angebot, als dass er sich wirklich hinter die Entscheidung Gottes stellen wollte. So hielt er sich gewissermaßen ein Hintertürchen offen. Würde man sein Verhalten in dieser Versuchung mit einem Hürdenlauf vergleichen, könnte man sagen, er hat bereits an der ersten Hürde gestreift, so dass er außer Tritt kam, was ihn zwangsläufig bei der zweiten Hürde zu Fall bringen musste. Denn wer weiß, ob nicht gerade seine halbherzige Einstellung, die sein Bedauern durchklingen lies, nicht mitgehen zu dürfen, den Ausschlag gab, dass dieses Thema noch lange nicht durch war. Die Moabiter zogen zwar wieder in ihr Land zurück, um ihrem König alles zu berichten, doch sie sollten bald schon wiederkehren. Und zwar in Form von angeseheneren Männern, die noch verlockendere Versprechen machten. Sie redeten erneut auf ihn ein und ließen ihm von König Balak ausrichten: „So spricht Balak, der Sohn Zippors: Lass dich doch nicht davon abhalten, zu mir zu kommen! Denn ich will dir große Ehre erweisen, und alles, was du mir sagst, das will ich tun. So komm doch und verfluche mir dieses Volk!“ (V 16-17).

Die Art und Weise, wie Bilaem darauf reagiert, ist zunächst sehr verbildlich, denn seine Antwort lautet: Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort des HERRN, meines Gottes, weder im Kleinen noch im Großen (V.18). Es mag hier auf den ersten Blick so erscheinen, als sei Bileam tatsächlich ein unbestechlicher Diener Gottes, den man nicht um alles Geld der Welt dazu bewegen könne, irgendetwas zu tun, was dem Willen Gottes entgegensteht. Das erste Empfinden der gesandten Balaks mag wohl gewesen sein, dass sie sich die weite Reise hätten sprachen können. Aber sie brauchten sich nicht zu beunruhigen, kommentiert Wilhelm Busch und bringt auf den Punkt, wie kläglich Bileam in seiner Rede fortfährt: Es hätte nun doch so weitergehen müssen: »Ich habe es euch gesagt, dass mein Herr mir diese Reise verbietet. Er liebt Israel, und darum liebe ich es auch. Hier ist nichts mehr zu verhandeln.« Aber – leider! geht Bileams Rede so nicht weiter. Zögernd sagt er: »So bleibt doch nun hier diese Nacht, dass ich erfahre, was der Herr weiter mit mir reden werde.« Was ist das für eine Torheit! Was gab es denn da noch zu fragen? Gottes Wille war ja eindeutig. So sind wir nun. Wenn uns ein Gebot Gottes in irgendeiner Sache im Wege steht, zu der unser Herz Lust hat, dann drehen und wenden wir es so lange, bis wir endlich herausbekommen, es könne doch vielleicht Gottes Wohlgefallen auf dieser Sache ruhen. Wie verkehrt ist das Menschenherz!  2

Es muss uns bewusst sein, Gott begnügt sich nicht mit widerwilligen oder halbherzigem Gehorsam, vielmehr steht geschrieben: Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft (5.Mo 6,5). Doch Bileams Herz war zwiegespalten, zwar wusste er, dass Gott das Volk Israel liebte und die Verfluchung dieses Volkes, völlig unvereinbar war, mit dem Willen Gottes. Doch die in Aussicht gestellte Belohnung, war zu verlockend, als dass er die Männer einfach wieder fortgeschickt hätte. Stattdessen sprach er: Und nun, bleibt doch auch ihr noch hier über Nacht, damit ich erfahre, was der HERR weiter mit mir reden wird! (V 19).

Wie sehr muss es doch Bileams Wunsch entsprochen haben, doch noch einen Weg zu finden, sich den Lohn abzuholen, der ihm in Aussicht gestellt worden war. Auf der einen Seite hatte ihm Gott ganz klar Seinen Willen offenbart, keinesfalls auf das Drängen der Moabiter einzugehen, auf der anderen war das verlockende Angebot von Balak, der ihm versrochen hatte: Denn ich will dir große Ehre erweisen, und alles, was du mir sagst, das will ich tun. So komm doch und verfluche mir dieses Volk!
Hier haben wir eine sehr gute Anschauung, weil hier eine Situation beschrieben ist, die deutlich macht, ob wir dem HERRN wirklich treu ergeben sind. Alles dabei entscheidet sich an der Frage, ob wir bereit sind, uns vor IHM und Seinem Wort zu demütigen, indem wir es lernen unsere Entscheidungen an Seinem offenbarten Willen auszurichten. Wenn wir selbst nicht betroffen sind, wenn es um andere geht, dann können wir oft problemlos zustimmen, doch wenn Gottes Wort einen Strich durch unsere persönlichen Interessen und Pläne macht, dann zeigt sich, ob unser Herz wirklich ungeteilt auf IHN gerichtet ist. Da wir mit der Bibel die abgeschlossene Selbstoffenbarung Gottes haben, sind wir in derselben Situation, in der sich Bileam befand, so wie er den Willen Gottes durch direkte Offenbarung erfahren hatte, so erfahren wir Gottes Willen aus Seinem Wort. Um die Situation Bileams auf uns zu übertragen, müssen wir uns nur fragen, ob wir das Wort Gottes als Ganzes akzeptieren können, oder uns nur die Bibelstellen herauspicken, die sich mit unseren persönlichen Interessen und Ansichten decken? Genau wie Bileam damals bekundet hat, keinesfalls den Befehl des HERRN zu übertreten, so wie er vorgab, sich genau an das zu halten, was der HERR ihm sagen würde, so gibt es auch heute viele, die bekunden bibeltreu zu sein. Doch bei genauem Betrachten, verhalten sie sich genauso wie Bileam, der es nicht darauf beruhen lassen wollte, dass Gott „nein“ gesagt hatte, sondern händeringend eine Möglichkeit suchte, beides zu vereinen, Gottes Gebot nicht zu übertreten und sich zugleich den versprochenen Lohn abzuholen. Und was war es, das man ihm in Aussicht gestellt hatte? „Denn ich will dir große Ehre erweisen!“, hatte ihm König Balak versprochen. Ist es nicht auch das Motiv, das wir bei so vielen erkennen, die vorgeben, Gott zu dienen. Bei ihnen muss der Name Jesus für alles herhalten, solange sie nur Beifall und Anerkennung bekommen. Ihr oberstes Gebot sehen sie nicht in dem, was Gott in Seinem Wort sagt, sondern darin, unter keinen Umständen ihr Ansehen bei der ungläubigen Welt zu verlieren.

Genau wie wir es bei Bileam sehen, ist ihr Wunsch, von den Menschen geehrt zu werden, so groß, dass sie es nicht beim geschriebenen Wort bewenden lassen können. Wie er, halten sie Ausschau nach weiterem Reden des HERRN, doch letztlich ist dieser Wunsch nach weiterem Reden immer darauf zurückzuführen, dass man sich nicht an dem offenbarten Willen Gottes begnügen lassen will. Sie wollen mehr haben, sie wollen über das hinausgehen, was geschrieben steht (1.Kor 4,6). Doch welche Motive stecken dahinter? Bei vielen mag es Sensationslust sein, dies sehen wir vor allem in der Pfingst- und Charismatischen Szene, doch die wahre Ursache ist ein Herz, das nicht bereit ist, sich dem Wort Gottes als höchster Autorität unterzuordnen. Man ist fest entschlossen, seinen eigenen Willen gegen den Willen Gottes durchzusetzen, versucht jedoch weiterhin einen frommen Schein zu wahren. So sucht man sich praktisch ein Hintertürchen – ein Schlupfloch – so wie manche nach Gesetzeslücken suchen, um trotz dunkler Machenschaften straffrei auszugehen. Da ich selbst viele Jahre überzeugter Pfingstler war, möchte ich zunächst die mystische Variante Illustrieren:

Gott sagt uns in Seinem Wort unmissverständlich, dass ER Scheidung hasst (vgl. Mal 2,16), doch was macht man, wenn einem die Gefühle hier etwas anderes vermitteln? Was, wenn man zwar verheiratet ist, aber plötzlich Augen für eine andere Frau hat? Nun, wenn man hier der Überzeugung ist, durch direkte Eingaben geleitet zu werden, ist es recht einfach, man hört solange in sich hinein, streckt sich so lange nach einer Offenbarung aus, bis man endlich die Sondererlaubnis für die Scheidung erhält. Schnell finden sich dann auch fromme Argumente, eines könnte lauten: „Meiner Frau steht etwas Besseres zu, ich kann ihr leider nicht die Liebe geben, die sie verdient hat“. Ein weiteres könnte die Überlegung sein: „Die andere Frau könnte mich bei meinem geistlichen Dienst besser unterstützen!“ Somit ist es ja ein übergeordnetes Ziel, es geht ja um die Sache des HERRN.

Soweit ein kurzer Einblick in den mystischen Weg um Gottes Wort zu umgehen, kommen wir nun zu einem der mindestens genauso beliebt und verbreitet ist, und diesen möchte ich mal als den intellektuellen Weg bezeichnen. Es ist der Weg, bei dem man menschliche Weisheit über die Weisheit Gottes stellt und argumentiert, man müsse das Wort Gottes im Kontext unserer Zeit neu bewerten. Das klingt natürlich sehr vernünftig, doch wer so denkt und argumentiert, der unterstellt, dass Gott sich in moralischer Hinsicht weiterentwickeln würde, doch wenn dem so wäre, wie könnte Gott dann allwissend und vollkommen sein? Doch nicht nur diese Frage zeigt, wie abwegig dieses Denken ist, sondern auch die Tatsache, dass Gott in Seinem Wort mehrfach bekundet, dass er sich nicht ändert. So heißt es beispielsweise in Psalm 33,11: Aber der Ratschluss des HERRN bleibt ewiglich, seines Herzens Gedanken für und für (Ps 33,11). Und im Neuen Testament lesen wir, dass Gott der Vater des Lichts ist, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel des Lichts und der Finsternis (Jak 1,17). Keine Frage, diese Welt ist einem ständigen Wandel unterworfen, doch wir dürfen das nicht auf Gott übertragen, im Gegenteil, geschrieben steht: »Du, o Herr, hast im Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind das Werk deiner Hände. Sie werden vergehen, du aber bleibst; sie alle werden veralten wie ein Kleid, und wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen, und sie sollen ausgewechselt werden. Du aber bleibst derselbe, und deine Jahre nehmen kein Ende« (Hebr 1,10-12).

Gott hat sich in moralischer Hinsicht nicht geändert und ER wird sich auch zukünftig nicht ändern. Wenn liberale Theologen heute das Gegenteil behaupten und zugleich ein neues Prophetentum auftritt, das in dieselbe Richtung tendiert, nämlich über die Schrift hinaus, dann wiederholt sich, genau das, was in den Tagen Jesajas der Fall war: Der Älteste und Angesehene, er ist der Kopf; und der Prophet, der Lüge lehrt, er ist der Schwanz. Denn die Führer dieses Volkes werden zu Verführern und die von ihnen Geführten zu Verwirrten (Jes 9,14-15).

Die angesehen Religiösen Führer unserer Generation, tun alles dafür, um das Wort Gottes aufzuweichen und den Eindruck zu vermitteln, dass man es nicht mehr ernst nehmen müsse, und das falsche Prophetentum vereint sich mit ihnen, um diesen Weg durch angebliche Botschaften des Heiligen Geistes zu bestätigen. So entsprechen die Bestrebungen der Evangelischen Allianz ebenso dem Weg Bileams wie die der ökumenischen Bewegung. Die Frage nach der Wahrheit wird schon lange nicht mehr gestellt, festentschlossen setzt man diesen Weg fort, weil man nicht bereit ist, ein göttliches „Nein“ zu akzeptieren. Stattdessen wird solange nachgefragt, bis einem der eigenwillige Weg gewährt wird. Würde man sich am geoffenbarten Willen Gottes genügen lassen und sich demütig darunter beugen, käme man gewiss nicht auf den Gedanken, doch weil man ein rebellisches Herz hat, besteht man auf eine neue Botschaft. Denken wir hier an die Israeliten, die des Mannas überdrüssig waren. Sie forderten Fleisch, Gott gab ihrer Bitte nach, die Schrift sagt: Da erhob sich ein Wind, vom HERRN gesandt, und ließ Wachteln kommen vom Meer und ließ sie auf das Lager fallen, eine Tagereise weit rings um das Lager, zwei Ellen hoch auf der Erde (4.Mo 11,31). Gott hatte ihren Wunsch erfüllt, sie bekamen Fleisch im Überfluss, doch was folgte darauf? Wir finden die Antwort ab Vers 33, wo geschrieben steht: Als aber das Fleisch noch zwischen ihren Zähnen war und ehe es ganz aufgebraucht war, da entbrannte der Zorn des HERRN gegen das Volk und er schlug sie mit einer sehr großen Plage. Daher heißt die Stätte »Lustgräber«, weil man dort das lüsterne Volk begrub.

Dass die Geschichte Bileams letztlich denselben Verlauf nehmen sollte, werden wir bei der Betrachtung der weiteren Punkte sehen.

 

Quellangabe
Https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/dasbibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/bileam-at/ch/24653f978a9cbd72bee68f7e0d5888db/

 


Allgemeine Info zu dieser neuen Beitragsreihe unter: Ankündigung/Vorwort

 

​Beitragsempfehlung zum Thema:

Lügenprophet oder wahrhaftiger Prophet?

 

www.evangeliums-botschaft.de

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