und

10. Der Weg Bileams 4/4

(zu Teil 1)        

4. Der Weg des Ungehorsams endet im Gericht

​24.08.2017

Auf den ersten Blick scheint es so, als hätte Bileam erreicht, was er wollte – es scheint, als sei es ihm tatsächlich geglückt, zwischen dem Willen Gottes und seinem eigenen, die richtige Balance zu finden - als hätte er es vereinbaren können, mit den Feinden Gottes gemeinsame Sache zu machen und sich dennoch innerhalb des Erlaubten zu bewegen, denn am Ende erntete er sowohl Lohn als auch Anerkennung. Rein aus menschlicher Sicht, war sein Plan voll aufgegangen.

 

Auch Balaks Strategie war offensichtlich aufgegangen, seine Idee, Bileam für sich zu gewinnen, hatte sich, so zumindest der erste Eindruck, bezahlt gemacht. Zwar hatte Bileam Israel nicht verfluchen können, doch sein listiger Plan, das Volk Gottes zur Unzucht zu verleiten, war von Erfolg gekrönt. Das Heer der Israeliten wurde um 24.000 Mann reduziert, so viele waren es, die aufgrund der Plage starben, mit der Gott Sein Volk bestrafte (V9). Es war also ein verehrender Schaden angerichtet worden, doch dieser Erfolg war nur von kurzer Dauer, denn was ihnen nicht bewusst war, durch ihr halsstarriges Verhalten, hatten sie den Zorn Gottes regelrecht herausgefordert. Nun könnte man sagen, was blieb Balak, der all das angezettelt hatte, für eine andere Wahl? Die Israeliten hätten die Moabiter ohnehin angegriffen, um ihr Land einzunehmen. Doch wir müssen beachten, die Moabiter waren Nachkommen Lots, des Neven von Abraham, Gott hatte Israel verboten, Moab anzugreifen (vgl. 1.Mo 19,36-37; 5.Mo 2,9). Hätte Balak nicht ständig versucht, Gott für sein Vorhaben zu gewinnen, sondern stattdessen nur ein einziges Mal gefragt, welche Absicht Gott verfolgt, dann hätte er auch erfahren, dass es nicht dem Plan Gottes entsprach, Moab durch die Israeliten zu vernichten. König Balak hätte in Israel gar nicht seine Feinde sehen müssen, denn es ging von ihnen gar keine Bedrohung für ihn und sein Volk aus. Seine Angst war also völlig unbegründet, was übrigens symptomatisch für alle Verfolger der Gemeinde ist, sie sehen in den Kindern Gottes eine Bedrohung, obwohl gar keine Gefahr von ihnen ausgeht, sondern im Gegenteil, sie sind das Salz und das Licht für diese Welt. Sie sind, genau wie es bei Israel der Fall war, als Segen und nicht als Bedrohung zu sehen. Durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden (1.Mo 28,14). Doch weil Balak in seiner Verblendung nur darauf aus war, Gott für seine eigenen Pläne zu gewinnen, versäumte er es, nach dem Plan Gottes zu fragen, was zur Folge hatte, dass ihm nicht nur der Wille Gottes verborgen blieb, sondern dass er sich in ein Vorhaben verrannte, das zu keinem guten Ende führen konnte.

So ist das rebellische Menschenherz, es sieht nur sich und seine eigenen Pläne und Wünsche, und sieht in Gott lediglich einen Erfüllungsgehilfen. Anstatt sich durch Gottes Wort den richtigen Weg aufzeigen zu lassen, legt man Gott den eigenen Weg vor, und besteht darauf, dass ER diesen Weg bestätigt und dazu Seinen Segen erteilt. Womit wir wieder zu dem heute gängigen Gottesbild zurückkommen, wo man sich einen Glauben konstruiert hat, der nur der Befriedigung der eigenen Wünsche dient, einen jedoch zu nichts verpflichtet. Relevant ist nur, was mir gefällt und was mir guttut. Höchstes Streben gilt nicht der Heiligung, sondern dem individuellen Wohlergehen nachzujagen. Was unweigerlich zu der Frage führt, mit welchem Motiv wir zu Gott kommen? Wollen wir Seinen Willen erfahren oder geht es uns nur darum, IHN für unseren eignen Willen zu gewinnen?

Ist es nicht unverkennbar, dass viele dieselbe Haltung haben, die wir bei Balak sehen? Man teilt Gott mit, was man von IHM erwartet, fragt jedoch nicht, nach Seinen Erwartungen. Nicht was Gott will zählt, sondern das, was ich will, ist relevant, und wenn Gott nicht darauf eingeht, dann versucht man IHN durch religiöse Zeremonien umzustimmen. Doch ob der Mensch nun opfert oder betet, solange er nicht nach dem Willen Gottes fragt, ist selbst sein Gebet ein Gräuel vor Gott, denn geschrieben steht: Wer sein Ohr abwendet vom Hören des Gesetzes, dessen Gebet sogar ist ein Gräuel (Spr 28,9). Und wiederum heißt es: Der Gottlosen Opfer ist dem HERRN ein Gräuel (Spr 15,8).

Doch nun wieder zurück zu Bileam, der um des Lohnes der Ungerechtigkeit willen, bereit war, in Balaks Dienste zu treten. Selbst wenn es so erscheinen mag, als sei die Strategie Bileams aufgegangen – auch wenn es gelungen war, großen Schaden unter dem Volk Gottes anzurichten, und er dafür mit Ehrungen und Geld überhäuft wurde, am Ende machte es sich nicht bezahlt. Denn egal ob man in Midian und Moab große Stücke auf Bileam hielt, selbst wenn man ihn zum Ehrenbürger ernannt hätte, ihm ein goldenes Verdienstkreuz verliehen, Straßen nach ihm benannt, und Bileam-Denkmäler zu seinen Ehren errichtet hätte, so hatte er seine Rechnung ohne Gott gemacht, weil er nicht bedacht hatte, dass er sich mit seinem Verhalten selbst unter den Fluch brachte. Dabei hatte er es bei seinem Ausspruch über Israel sogar noch selbst gesagt: „Gesegnet sei, wer dich segnet, und verflucht, wer dich verflucht!“ (4.Mo 24,9). Diesen Segen, den Gott über Abraham und seine Nachkommen verheißen hat, hatte Bileam selbst zitiert. Die Worte: „Verflucht, wer dich verflucht!“, waren über seine Lippen gegangen. Zudem hatte er immer wieder betont, ein Mann mit sehenden Augen zu sein. Er hatte also klargesehen, was jenen blüht, die sich mit dem Volk Gottes anlegen. So rannte er buchstäblich sehenden Auges in sein Verderben.

Dabei war ihm bereits am Anfang dieses falschen Weges der Engel des HERRN mit dem Schwert in der Hand entgegengestanden. Das Schwert ist zum einen ein Zeichen, das Gottes Gericht ernst zu nehmen ist, doch wie bereits festgestellt, der Begriff „Engel des HERRN“ ist ein Name, mit dem Jesus im Alten Testament bezeichnet wurde, so wie ER sich damals Bileam in den Weg stellte, so stellt ER sich auch uns in den Weg, wenn wir vom Pfad Seiner Gebote abweichen. Wenn ER uns im Buch der Offenbarung als der begegnet, aus dessen Mund ein scharfes, zweischneidiges Schwert hervorgeht, dann ist darin das Wort Gottes zu sehen (vgl. Offb 1,16, Hebr 4,12) Falsche Propheten wie Bileam, können daran ausgemacht werden, dass sie nicht bereit sind, sich diesem Wort zu unterstellen, sie mögen es zitieren, doch die Tatsache, dass sie unbeirrt ihren falschen Weg fortsetzen, zeigt, dass das Wort keine Autorität über ihrem Leben hat. Da sie nicht von ihrem Zeugnis abrücken wollen, Diener Gottes zu sein, versuchen sie das Wort zu umgehen und abzuschwächen. Eine beliebte Methode, dies zu tun, besteht darin, Jesus und das Wort zu trennen, so als würde Jesus heute einen anderen Standpunt einnehmen, als das, was der gesunden Lehre der Schrift entspricht, doch dies war damals nicht der Fall und dies ist auch heute ausgeschlossen, denn Jesus steht nicht nur voll und ganz hinter dem Wort Gottes, ER ist das Wort Gottes (vgl. Joh 1,14; Offb 19,13).

Doch wenn der Versucher auf den Plan tritt, dann setzt er immer an diesem Punkt an, das Wesen jeder Versuchung können wir an der Infragestellung des Wortes ausmachen: Wo auch immer das geschriebene Wort Gottes in Frage gestellt und uns ein Weg aufgezeigt wird, der von den Geboten Gottes abweicht, ist der Versucher am Werk. Das verführerische Angebot ist immer eine Alternative zu dem, was das Wort sagt und was Jesus gelehrt hat. Bileam war Reichtum und Ansehen versprochen worden, alles was er dafür tun musste, war das zu umgehen, was Gott ihm gesagt hatte. Mit derselben Versuchung trat Satan auch an Jesus heran, wir lesen es im 4. Kapitel des Matthäus Evangeliums, wo geschrieben steht: Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest (V 8-9). Jesus hat dieser Versuchung widerstanden, und zwar mit dem Schwert des Geistes, indem ER dem Versucher 5.Mose 6,13 entgegenhielt, und sprach: „Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben: »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen!“ (V 10).

Jesus war siegreich, Bileam hingegen kam an diesem Punkt zu Fall, sein Wunsch nach Ansehen und irdischem Reichtum war größer, als der Wunsch Gott zu gefallen. So schlug er Gottes Mahnung in den Wind und setzte seinen eigensinnigen Weg unbeirrt fort. Wie gesehen, kurzeitig hatte er tatsächlich Erfolg, doch bald schon sollte es in dem bösen Erwachen enden, dass Gottes Warnung vor dem Gericht, keine leere Drohung war. Dies galt im Übrigen ebenso für die Midianiter, die sich mit den Moabitern gegen Israel verbündet hatten. Dass diese von Gottes Gericht ebenso in voller Härte getroffen wurden, wie der falsche Prophet Bileam, machen folgende Zeilen deutlich: Und der HERR redete mit Mose und sprach: Übe Rache für die Israeliten an den Midianitern, und danach sollst du versammelt werden zu deinen Vätern. Da redete Mose mit dem Volk und sprach: Rüstet unter euch Leute zum Kampf gegen die Midianiter, die die Rache des HERRN an den Midianitern vollstrecken. Aus jedem Stamm je tausend Mann sollt ihr aus allen Stämmen Israels in das Heer schicken. Und sie nahmen aus den Tausendschaften Israels je tausend eines Stammes, zwölftausend Mann gerüstet zum Kampf. Und Mose schickte sie mit Pinhas, dem Sohn des Priesters Eleasar, in den Kampf und er hatte die heiligen Geräte und die Kriegstrompeten bei sich. Und sie zogen aus zum Kampf gegen die Midianiter, wie der HERR es Mose geboten hatte, und töteten alles, was männlich war. Samt diesen Erschlagenen töteten sie auch die Könige der Midianiter, nämlich Ewi, Rekem, Zur, Hur und Reba, die fünf Könige der Midianiter. Auch Bileam, den Sohn Beors, töteten sie mit dem Schwert (4.Mo 31,1-8).

Wir müssen immer auf das Ende sehen, und wer es wagt, sich mit Gott anzulegen, indem er sich halsstarrig Seinem Willen widersetzt, der geht den Weg Bileams. Die Kirchengeschichte ist voll solcher Menschen, sie beteuern immer wieder im Namen Gottes zu reden, berufen sich immer wieder auf die Bibel, sind zugleich jedoch wahre Experten darin, wie man dieses Wort umgehen kann. Denken wir an die Pharisäer zurzeit Jesu, die aus der Schrift ableiteten; dass es ein Gebot zur Scheidung gäbe (vgl. Mt 19,7). Jesus hat dieses verkehrte Denken in der Bergpredigt korrigiert, indem ER sprach: Es ist auch gesagt: »Wer sich von seiner Frau scheidet, der soll ihr einen Scheidebrief geben.« Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, der macht, dass sie die Ehe bricht; und wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe. Tatsächlich wird in 5.Mose 24,1, von einem Scheidebrief gesprochen, doch dies nicht als Gebot, sondern für den von Jesus genannten Fall des Ehebruchs, ein anderer Fall wäre, wenn ein Christ einen ungläubigen Partner hat und dieser auf die Trennung besteht. Die Pharisäer jedoch verdrehten die Schrift, indem sie legitimierten, dass sich Männer aus belanglosen Gründen von ihrer Frau trennen konnten, allein die Behauptung, die Frau hätte das Essen versalzen, war schon ausreichend, dass sie einen Scheidebrief ausstellten, was natürlich eine zusätzliche Einnahmequelle für die Priester war. Aber was damals der Fall war, ist heute nicht anders, denken wir an die vielen religiösen Wortführer unserer Tage, die behaupten, man müsse das Wort Gottes im Kontext unserer Zeit neu bewerten. Die sagen, was heute gesellschaftlich anerkannt und akzeptiert ist, würde auch Jesus befürworten. Vermutlich haben diese Leute eine ganz exklusive Sonderbibelausgabe, dass sie zu solchen Schlüssen kommen, in meiner Bibel jedenfalls steht: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit (Hebr 13,8).

Auch Bileam wusste, dass sich Gottes moralische Ansichten nicht ändern würden, er selbst hat es in Worte gefasst, als er sprach: „Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereuen würde!“. Ebenso hatte er klar erkannt, dass jeder der Israel verflucht, selbst unter den Fluch kommen wird. Doch wider besseren Wissens, rannte er getrieben von seiner Gier nach Anerkennung und materiellem Reichtum in sein Verderben. Zu verlockend war für ihn das Angebot Balaks, als das er widerstehen konnte. Ist es nicht erstaunlich und erschreckend zugleich, dass aus Seinem Munde die messianische Prophetie: „Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen. Israel aber wird Sieg haben. Aus Jakob wird der Herrscher kommen“ (4.Mo 24,17.19), hervorging? Hier sehen wir, wie nahe er Gott gekommen war, sein Glaube war wirklich sehr nahe am rettenden Glauben, doch wie sein Herz wirklich beschaffen war, können wir anhand der vier Kategorien, die Jesus im Gleichnis vom Sämann genannt hat, einordnen, wobei unschwer auszumachen ist, dass es jene Kategorie war, über der Jesus sagte: Bei dem aber unter die Dornen gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört, und die Sorge der Zeit und der Betrug des Reichtums ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht (Mt 13,22). Wenn wir nun erfahren wollen, wie es um unser Herz bestellt ist, und genau darauf zielt dieser Bibeltext ab, dann müssen wir uns fragen, ob wir wirklich bereit sind, uns durch das Wort Gottes korrigieren zu lassen? Kehren wir um, wenn uns durch die Schrift klar wird, dass wir einen falschen Weg eingeschlagen haben? Oder setzen wir diesen Weg unbeirrt fort, weil wir unsere eigenen Interessen über den offenbarten Willen Gottes stellen?

Eine weitere Lektion aus diesem Bibelabschnitt ist folgende Frage: Warum hatte Balak panische Angst vor Israel? Die Antwort lautet: Weil, Israel zu jener Zeit siegreich war und ihnen ihre Feinde nicht standhalten konnten. Doch was war der Grund dafür, was war ihr Geheimnis? Wir erfahren es aus dem Ausspruch Bileams: Siehe, ein Volk, das abgesondert wohnt und sich nicht zu den Nationen rechnet (4.Mo 23,9). Hier sehen wir, wenn Gottes Volk der Heiligung nachstrebt und sich von der Welt absondert, dann ist es siegreich. Doch im Gegensatz dazu sehen wir im Text auch, wie das Volk Gottes zu Fall kam, es geschah durch Vermischung mit der Welt. Dieses unveränderliche geistliche Prinzip, müssen wir realisieren: Freundschaft mit der Welt, bedeutet immer Feindschaft mit Gott. Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein (Jak 4,4). Da dies sowohl für Kirchen und Gemeinden als auch für Einzelpersonen gilt, können wir uns auch hier selbst prüfen, ob wir den Weg Bileams gehen. Die Frage dabei lautet, versuchen wir zwei Herren gleichzeitig zu dienen? Oder ist unser Herz ungeteilt auf den HERRN gerichtet? Anders formuliert: Wovon werden wir geleitet, von unseren fleischlichen Begierden oder vom Geist Gottes? Was überwiegt, was gibt letztlich den Ausschlag? Genau daran können wir ausmachen, ob wir wirklich Kinder Gottes sind. Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes (Röm 8,14). Achten wir hier zu aller erst auf unser eigenes Herz, doch im zweiten Schritt müssen wir uns auch fragen, wie es in unserer Gemeinde aussieht, kann es sein, dass hier die Worte Jesu zutreffen: Aber ich habe ein weniges gegen dich, dass du dort solche hast, die an der Lehre Bileams festhalten, der den Balak lehrte, einen Anstoß [zur Sünde] vor die Kinder Israels zu legen, sodass sie Götzenopfer aßen und Unzucht trieben (Offb 2,14)?

Wir dürfen nie denken, Jesus würde Irrlehre tolerieren, im Gegenteil: Jesus hasst Irrlehre (vgl. Offb 2,6). Es ist in Seinen Augen keine Tugend, wenn wir Irrlehre tolerieren, sondern es ist IHM ein Gräuel Und genau dieser Thematik nimmt sich der 2. Petrusbrief an. Müssen wir nicht zugeben wie oberflächlich und leichtfertig wir auf diesem Gebiet sind? Hat nicht gerade unsere Generation es besonders nötig auf die biblischen Mahnungen zu achten, die je mehr es dem Ende der Bibel zugeht, immer häufiger und intensiver auftauchen? Wenn Petrus diesem Thema so viel Aufmerksamkeit geschenkt hat, dann weil er um die Gefahr der verderblichen Einflüsse der Irrlehrer wusste und es sein Herzensanliegen war, Schaden vom Volk Gottes abzuwenden. Nehmen wir seine Worte ernst, und dies wohlwissend, dass es in Wahrheit der Heilige Geist ist, der durch diese Worte zu unseren Herzen redet. Denn Gott redete nicht nur zu Bileam, ER redet auch zu uns, ER spricht zu uns durch Sein Wort. Dies geschieht, wenn wir darin lesen und überall dort, wo Sein Wort noch in Treue verkündigt wird. Und keine Frage, wenn wir zu jenen zählen, die nach Gottes Wort fragen, wenn wir zu jenen zählen, die regelmäßig Gottesdienste besuchen, dann ist es natürlich sehr erfreulich, weil es nämlich die Ausnahme ist. Dennoch gilt es, dass wir unser Herz anhand des Verhaltens von Bileam überprüfen. Er hatte die klaren Worte Gottes, ER wusste, was Gott gefällt und was IHM missfällt, schlug aber dennoch den falschen Weg ein. Wenn wir also nach dem Wort fragen, ist es zwar ein gutes Zeichen, doch wir müssen uns prüfen, ob wir es nicht vielleicht mit derselben Haltung tun, wie Bileam. Eine Haltung, bei der man nur hört, was man hören will. Das menschliche Fleisch neigt immer dazu, sich nur das herauszupicken, was den eigenen Wegen keinen Strich durch die Rechnung macht, doch wenn wir Jesus nachfolgen wollen, müssen wir bereit sein, uns selbst zu verleugnen. Wir müssen unseren Eigenwillen am Kreuz abgeben und uns Seinem Willen unterstellen. Jesus nachzufolgen bedeutet, nicht nach dem zu handeln, was in unseren Augen gut erscheint, sondern nach dem, was in Seinen Augen recht ist. Dass Bileam auf falschem Wege war, hatte ihm der HERR deutlich gezeigt, dennoch setzte er diesen Weg fort, dennoch redete er sich ein, dass dies ein guter Weg sei. Wahrlich auf ihn traf zu, was in den Sprüchen geschrieben steht: Da ist ein Weg, der einem Menschen gerade erscheint, aber zuletzt sind es Wege des Todes (Spr 14,12). In seinen Augen erschien dieser Weg recht zu sein, und dies obwohl der HERR ihm klar gesagt hatte: Siehe, ich bin ausgegangen, um dir zu widerstehen, weil [dein] Weg vor mir ins Verderben führt! Doch wie war diese Verblendung möglich, wie konnte er diesen Weg fortsetzen, wie konnte er sein Gewissen beruhigen und sein Herz beschwichtigen? Es geschah indem, dass er sowohl sein Lippenbekenntnis als auch sein religiöses Tun beibehielt. Immer noch suchte er nach Gottes Reden, immer noch wollte er Gottes Wort hören und da Gott in Seiner Gnade weiterhin zu Bileam sprach, hatte er das Gefühl, Gott sei immer noch mit ihm.

Die Anwendung für uns, ist die Frage, ob wir uns nicht schon allein deshalb auf sicherem Wege fühlen, weil wir nach Gottes Willen fragen und uns mit Seinem Wort befassen? Gott erwartet das von uns, es freut IHN wenn wir dies tun, doch entscheidend ist, dass wir dies mit der richtigen Herzenshaltung tun. Keine Frage, Jesus lädt uns alle ein, zu IHM zu kommen. „Kommt her zu mir alle“ (Mt 11,28), lautet Sein freundliches Angebot, doch es gibt zwei Arten dies zu tun. Die erste Art ist die, dass wir wirklich in der demütigen Art eines Jüngers kommen, dessen sehnlichster Wunsch es ist, den Willen Seines HERRN immer mehr zu erfahren, um danach zu handeln. Die zweite Art sehen wir im Weg Bileams, sie ist darin zu sehen, das Wort Gottes in folgender Haltung zu hören: Und sie werden zu dir kommen, wie das Volk zusammenkommt, und werden als mein Volk vor dir sitzen und deine Worte hören, aber nicht danach handeln. Denn wenn sie auch mit dem Mund ihre Liebe bekunden, so läuft ihr Herz doch hinter dem Gewinn her (Hes 33,31). Darüber hinaus gibt es noch eine weitere Art, die jedoch besser als Unart beschrieben ist, und diese können wir beim Verhalten Balaks ausmachen, der sich in Bileam einen religiösen Menschen suchte, der ihm nach den Ohren reden sollte. Wer diese Haltung hat, und weiter seinen falschen Weg fortsetzen will, wird keine Schwierigkeit haben, einen Mann wie Bileam zu finden, der ihn für gute Bezahlung auf diesem Weg begleiten, und ihm den kirchlichen Segen zusprechen wird. Wo dieser Weg jedoch endet, hat uns die Geschichte von Bileam auf eindrückliche Weise vor Augen gestellt. Wie damals so auch heute, Gott zeigt uns durch Sein Wort, dass es zwei Wege gibt. Immer noch gilt, was durch den Propheten Jeremia gesagt ist: So spricht der HERR: Siehe, ich lege euch den Weg des Lebens vor und den Weg des Todes (Jer 21,8).

Als Bileam den falschen Weg eingeschlagen hatte, trat ihm der HERR entgegen und warnte IHN ausdrücklich, dass er auf dem Weg des Verderbens sei. Unmissverständlich zeigte ER ihm auf:Bis hierher und nicht weiter!“. Das war die Grenze, doch Bileam nahm sich die Freiheit heraus, diese Grenze zu verrücken. Doch wenn geschrieben steht: Verrücke nicht die uralten Grenzen, die deine Väter gemacht haben (Spr 22,8), wie viel mehr gilt dies für Grenzen, die uns Gott selbst vorgegeben hat? Beachten wir, die Grenzen des schmalen Weges sind im Wort Gottes klar festgelegt. Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht verspotten! Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten (Gal 6,7), sagt das Neue Testament all jenen, die an ihrem sündigen Lebensstil festhalten und macht unmissverständlich klar: Wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten (Gal 6,7). 

Mögen noch so viele Bileams auf den Plan treten und das Gegenteil behaupten, es ändert nichts an der Tatsache, dass dies der breite Weg des Verderbens ist, von dem Jesus gesagt hat, dass es viele sind, die darauf wandeln. Im selben Zusammenhang hat Jesus auch vor falschen Propheten gewarnt und angekündigt, dass sie viele verführen werden. Doch warum haben sie so leichtes Spiel? Warum haben sie so viel Zulauf? Der Grund ist darin zu sehen, dass es gerade in unserer Generation viele Menschen gibt, die den Willen Gottes ignorieren, indem sie ausblenden, dass ER uns durch Sein Wort den rechten Weg weist. Genau wie Balak pochen sie stattdessen lieber auf ihren eigenen Weg. Damit man diesen Weg nicht mit schlechtem Gewissen gehen muss, kauft man sich einfach einen Bileam, der einen bei guter Bezahlung auf diesem Weg begleitet und dem ganzen einen religiösen Schein verleiht. Auch wenn falsche Lehrer und falsche Propheten, die Grenzen verrücken, die Gott in Seinem Wort klar aufgezeigt hat (vgl. Hos 5,10), der Maßstab Gottes ändert sich dadurch nicht. Der Weg der Nachfolge ist der Pfad Seiner Gebote. „Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten“ (Joh 14,15), sagte Jesus. Daher lautet die Haltung eines Jüngers: Lehre mich, HERR, den Weg deiner Ordnungen, und ich will ihn bewahren bis ans Ende (Ps 119,33). Entspricht dies auch unserer Herzenshaltung oder halten wir es lieber mit Bileam? Gott hatte Bileam eine ganz klare Grenze aufgezeigt, doch er wollte dies nicht wahrhaben, und hat seinen falschen Weg fortgesetzt, wo dieser Weg geendet hat, haben wir gesehen.

 


Allgemeine Info zu dieser neuen Beitragsreihe unter: Ankündigung/Vorwort

 

  Komplettes Kapitel kostenlos als 

 

www.evangeliums-botschaft.de

Nach oben