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Seid radikal I

Eine Warnung an Verführer

27.08.2016

Obwohl ich die direkte Aufforderung: „Seid radikal!“ nicht wortwörtlich aus der Bibel zitieren kann, stelle ich die provokante Behauptung auf, dass jeder Christ dazu aufgefordert ist, an einem ganz bestimmten Punkt „radikal“ zu sein. Um welchen Punkt es mir dabei geht, möchte ich nachfolgend anhand der Schrift begründen.
Im Grunde genommen ist das Wort „radikal“ ja ein regelrechtes Unwort, wir kennen es im Prinzip nur in negativem Sinn, und wenn ich nun die Aussage treffe, Jesus Christus hat Seine Nachfolger dazu auffordert, radikal zu sein, wird das bei den meisten wohl zunächst einmal Kopfschütteln und Unverständnis auslösen. Dennoch will ich diese Behauptung nicht zurücknehmen, sondern begründen worauf ich hinaus will.

Vorweg sei bemerkt, dass mir sehr wohl bewusst, dass Jesus Seine Nachfolger niemals dazu aufgerufen hat, das Christentum mittels Gewalt durchzusetzen. Anders wie beispielsweise Mohamed, der den Islam durch Gewalt verbreitet hat, lauteten die Worte des HERRN Jesus Christus: „Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen“, (Mt 5,44), oder wie wir an anderer Stelle lesen: „Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen“ (Lk 6,27). Das klingt also eindeutig nicht danach, dass man Ungläubige mit Gewalt zur Bekehrung zwingen soll, oder sie gar im Falle einer Abweisung des Evangeliums erschlagen, erhängen oder enthaupten soll. Doch wenn wir das Wort „radikal“ hören, haben wir wohl genau solche Bilder vor Augen. Wir denken dann an den islamischen Staat, an IS-Terroristen oder an sonstige Extremisten, die bereit sind für ihre Religion oder Ideologie zu töten.

Wenn ich aber dennoch behaupte, dass Jesus von Seinen Nachfolgern erwartet, dass sie „radikal“ sind, obwohl ER doch zur Feindesliebe aufgerufen hat, dann liegt es daran, dass es für diese Feindesliebe eine Einschränkung gibt. Ja, ich behaupte tatsächlich, dass es eine große Ausnahme für diese Feindesliebe gibt, denn es gibt da einen Feind, den wir bildlich gesprochen bis aufs Blut bekämpfen sollen und das ist unser alter Mensch; es ist unsere alte Natur, mit der wir niemals Frieden schließen dürfen. Nein im Gegenteil, wir sind dazu aufgerufen, diese alte Natur täglich zu verleugnen, indem wir unser Kreuz auf uns nehmen und Jesus kompromisslos nachfolgen. Denn Seine Aufforderung an Seine Jünger lautet: „Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und folge mir nach!“ (Lk 9,23).

Jesus zwingt niemanden zur Nachfolge, ER spricht: „Wenn jemand mir nachkommen will“. Wer auch immer meint, der christliche und der muslimische Glaube seien an diesem Punkt gleich, und behauptet, die Kreuzzüge im Mittelalter seien vergleichbar mit den Gräueltaten, die im Namen Allahs verübt werden, der sollte eines bedenken: Es ist geschichtlich nachweisbar, dass Mohammed den Islam auf gewaltsame Art verbreitet hat und im Koran nachzulesen, dass er seine Nachfolger dazu aufgefordert, es ihm gleich zu tun. Exemplarisch möchte ich dazu einen Vers auch Sure 47:4 zitieren, in dem dazu aufgefordert wird: „Und wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt“ (Sure 47:4).
Wenn Islamisten auf den Koran hören und ihrem Propheten an diesem Punkt nacheifern, dann handelt es sich, so traurig und schockierend es klingen mag, um wahre Nachfolger Mohammeds; wer hingegen glaubt, den christlichen Glauben mit Gewalt verbreiten zu müssen, der kann sich nicht auf Jesus Christus berufen. Denn weder Seine Lehre noch Sein Leben lassen einen solchen Schluss zu. (Mehr dazu, siehe Beitrag: Religiöser Fundamentalismus).

Trotzdem bleibe ich bei meiner Aussage: Christen müssen radikal sein; doch dies, wie bereits angedeutet, nicht etwa in Bezug auf andere, sondern gegenüber sich selbst, konkret gesagt, gegenüber ihrer alten Natur. Es ist wahr, die Bibel lehrt: Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden (2. Kor 5,17).
Dennoch müssen wir hier beachten, dass es sich um die geänderte Grundausrichtung handelt. Bei der Wiedergeburt wird ein Mensch tatsächlich erneuert, doch wir müssen auch sehen, dass es ein Wachstumsprinzip ist. Wir sind nicht mit der Wiedergeburt gleich schon vollendet, vielmehr ist sie der Beginn eines neuen Lebens in Gemeinschaft und Verbindung mit Gott. Doch dieses Leben muss auch gepflegt werden. Wir müssen darauf achten, dass wir alles meiden, was diese Verbindung zerstört, und nichts kann sie mehr zerstören als die Sünde. Aus diesem Grund darf es an diesem Punkt niemals einen Waffenstillstand geben, es ist ein lebenslänglicher Kampf, zu dem jeder wahre Nachfolger aufgerufen ist, und dieser Kampf wird uns alles abverlangen. Es ist dieser Kampf, um den es in dieser Beitragsreihe schwerpunktmäßig gehen soll, und der eigentliche Ausgangstext, der mich dazu bewegt hat die Überschrift: „Seid radikal!“ zu wählen, ist in Markus 9,42-48, zu finden. An dieser Stelle sagt Jesus:

„Und wer einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anlass zur Sünde gibt, für den wäre es besser, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde. Und wenn deine Hand dir Anlass zur Sünde gibt, so hau sie ab! Es ist besser für dich, als Krüppel in das Leben hineinzugehen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das unauslöschliche Feuer. Und wenn dein Fuß dir Anlass zur Sünde gibt, so hau ihn ab! Es ist besser für dich, lahm in das Leben hineinzugehen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden. Und wenn dein Auge dir Anlass zur Sünde gibt, so wirf es weg! Es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes hineinzugehen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, "wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt" (Mk 9,42-48).
Ich hoffe es ist nun einleuchtend, warum ich davon sprach, dass Christen „radikal“ sein sollen. Oder welches Wort wäre besser geeignet, um diesen radikalen Bruch mit der Sünde zu beschreiben?

Schauen wir uns nun den Text etwas näher an. Zunächst einmal finden wir in Vers 42, die eindringliche Warnung, niemanden zur Sünde zu verleiten. Jesus sagt: „Und wer einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anlass zur Sünde gibt, für den wäre es besser, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde“.
Schon dieser Vers allein macht deutlich, dass Jesus die Sünde sehr ernst nimmt; so ernst, dass bereits diese erste Aussage unseres kurzen Textabschnitts mit einer direkten Drohung verbunden ist. Jesus warnt Verführer hier ausdrücklich, dass es für sie besser wäre, wenn sie mit einem Mühlstein um den Hals im Meer versenkt würden, als dem Gericht entgegen zu gehen, das ihnen blühen wird, wenn sie auch nur einen der Geringsten unter Seinen Nachfolgern zum Abfall verleiten.
In unserer Zeit, in der man alles gerne locker und pragmatisch sehen will, sollte sich jeder, der sich für einen Christen hält, prüfen, ob er an dem durch die Heilige Schrift überlieferten Glauben festhält oder ob er dazu neigt, die Schrift aufzuweichen, um besser anzukommen? Menschengefälligkeit kann an diesem Punkt dazu führen, dass Menschenseelen auf ewig verloren gehen, nur weil man es mit Gottes Wort nicht so genau nimmt oder der Meinung ist, man müsse toleranter und großzügiger sein, als alle Apostel und Propheten zusammen, ja großzügiger und toleranter als Jesus Christus, als Gott der Vater und als der Heilige Geist.  Zu Recht warnte bereits Bischof J.C. Ryle: „Hüte dich davor, einen Gott nach deinen eigenen Vorstellungen zu konstruieren; einen Gott, der nur barmherzig und gnädig ist, aber nicht gerecht. Solch ein Gott ist ein Götze deines eigenen Gedankenguts“. 1

Wer Menschen so oberflächlich lehrt oder ein Leben führt, das deutlich macht, dass die Schrift und somit Christus keine Autorität über sein Leben hat, der sorgt letztlich dafür, dass andere ein falsches Bild vom christlichen Glauben bekommen. Man sieht darin dann nur noch eine „billige Gnade“, die letztlich jedem zuteilwird, egal wie er zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, steht. Lassen wir uns an diesem Punkt von Jesus warnen und seien wir uns bewusst, welche Verantwortung wir haben. Ein inkonsequenter Glaube fügt, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, tatsächlich Seelen Schaden zu. Um hier noch einmal Bischof J.C. Ryle zu zitieren, möchte ich seinen Kommentar zur Parallelstelle aus dem Lukas Evangelium weitergeben, wo er zur treffenden Feststellung kommt: Die Menschen werden uns weitaus mehr nach dem beurteilen, was sie sehen, als nach dem, was sie hören. Wenn sie sehen, wie der Christ in seiner Praxis dem widerspricht, was er zu glauben bekennt, so nehmen sie zurecht Anstoß und ärgern sich.2
Achten wir also darauf, dass unser Bekenntnis sowohl in Worten, als auch in Werken des Evangeliums würdig ist, so wie geschrieben steht: Wandelt nur würdig des Evangeliums Christi (Phil 1,27), denn darin besteht der Kampf des Glaubens. Nur wenn wir diesen Kampf mit Hilfe des Herrn führen, können wir in dieser Welt Salz und Licht sein. Möge nicht auf uns zutreffen, dass wir Irrsterne sind (vgl. Jud 13); die den Menschen keine Orientierung geben, sondern sie in die falsche Richtung weisen. Flehen wir zum Herrn, dass wir niemals für andere zum Anlass der Sünde werden oder Sünder gar auf ihren falschen Wegen bestätigen oder gar ermutigen ihre verkehrten Wege fortzusetzen. Leider sehen viele Christen dies scheinbar als ihre Aufgabe, doch dies ist eine falschverstandene Liebe. Wahre Nächstenliebe beinhaltet auch vor Gefahren zu warnen, und welche Gefahr kann für einen Menschen größer sein, als auf ewig verloren zu gehen?

Man darf an diesem Punkt auch nicht tolerant sein, denn dafür steht zu viel auf dem Spiel. Mir ist bewusst, dass wir in einer harmoniebedürftigen Zeit leben und mir persönlich ist Harmonie und Einheit auch viel lieber als Konfrontation, doch es ist falsch zu glauben, wir können uns mit allen eins machen oder müssten mit jedem übereinstimmen, der sich als gläubig bezeichnet. Auch das kann eine falsche Signalwirkung haben, denn wenn sich andere an uns orientierten und wir keine klare Richtung haben, uns nicht von Irrlehrern abgrenzen und nach allen Seiten hin Zugeständnisse machen, dann sind wir vergleichbar mit einer Verkehrsampel, die keine klaren Farben anzeigt oder einem Alarm, der nicht alarmierend, sondern eher beruhigend oder gar einschläfernd klingt. Paulus schrieb diesbezüglich einmal folgende Worte: „Und wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zum Kampf rüsten? (1.Kor 14,8).

Ist das nicht entscheidend im Krieg, dass jeder Soldat in Bereitschaft versetzt wird, wenn der Feind näher rückt? Wir Christen sind in einem geistlichen Krieg. Und wir benötigen klare Instruktionen, keine verwässerten Botschaften, kein angepasstes Evangelium, sondern das Evangelium, das uns in der Schrift überliefert ist, doch dieses ist hart umkämpft. Wir dürfen es nicht zulassen, wenn andere versuchen es zu entschärfen oder zu verdrehen und müssen auch selbst darauf achten, es in gerader Richtung zu scheiden. Andernfalls könnte die Warnung: „Und wer einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anlass zur Sünde gibt, für den wäre es besser, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde“, auch auf uns zutreffen.

Abschießend zu diesem Punkt möchte ich noch einmal auf das Beispiel mit der Verkehrsampel zurückkommen. Die Schrift selbst ist an den heilsentscheidenden Punkten klar und deutlich; sie sagt uns unmissverständlich, dass nur in dem Namen des Herrn Jesus Christus das Heil zu finden ist. In Apostelgeschichte 4,12 heißt es dazu: Und es ist in keinem anderen das Heil; denn auch kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden müssen.
Wer auch immer etwas anderes lehrt, indem er dies relativiert und behauptet, es gäbe noch andere Wege zum Heil, der gleicht einem Menschen, der kleinen Kinder versichert, dass es unerheblich sei, welche Farbe eine Verkehrsampel anzeigt. „Ihr dürft jederzeit über die Straße gehen, die Autofahrer werden auf jeden Fall anhalten, egal ob das Männchen nun grün, rot oder gelb ist!“
Wie gesehen, Jesus sprach nicht von Vätern im Glauben, sondern vielmehr lauteten Seine Worte: „Und wer einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anlass zur Sünde gibt...“. Denken wir hierbei an Neubekehrte, an solche, die noch Milch nötig haben und an die vielen Unmündigen (vgl. 1.Kor 3,1), ganz zu schweigen von denen, die nicht wissen, was rechts oder links ist (Jona 4,11)

Angenommen wir erfahren, dass die Erzieherin eines bestimmten Kindergartens, den Kindern so eine dreiste Lüge bezüglich der Fußgängerampel erzählt, oder wir hören von einem Grundschullehrer, der den Kindern so etwas beibringt; wären wir da wohl tolerant, wenn unsere Kinder oder Enkelkinder diesen Kindergarten oder diese Schule besuchen würden? Sicher nicht, doch warum sind so viele Christen in geistlicher Hinsicht so wahnsinnig weitherzig und tolerant, warum lassen sie falsche Aussagen unkommentiert stehen? „Ja, der Pfarrer ist doch sonst ganz nett“, heißt es da vielleicht; gut aber nehmen wir an, die Erzieherin oder der Lehrer aus meinem Beispiel wären ansonsten auch ganz nett und umgänglich, wäre das etwa ein Grund, um sie ungehindert gewähren zu lassen?
Eines ist auf jeden Fall klar, Jesus ist an diesem Punkt nicht tolerant, ER warnt:
Und wer einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anlass zur Sünde gibt, für den wäre es besser, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde“.

Wenn wir, die wir die Wahrheit kennen, Dinge nicht richtig stellen, machen wir uns mitschuldig. Bitten wir den Herrn um Vergebung, wo wir an diesem Punkt versagt haben, bitten wir IHN um den Mut und um die Weisheit, in entsprechenden Situationen richtig zu reagieren, anstatt Irrlehrer ungehindert gewähren zu lassen. Machen wir uns außerdem bewusst, dass dies keine Kavaliersdelikte sind, die man unter den Teppich kehren kann und dass es im genannten Beispiel nicht ausreichend wäre, den Lehrer oder die Erzieherin unter 4 Augen zu sprechen, sondern dass wir es so aufklären müssten, dass jedes der betroffenen Kinder es mitbekommen würde. (Empfehlenswert zu diesem Thema ist auch der Beitrag: „Die Brüder beim Namen nennen“).

Ob es je einen Lehrer oder eine Erzieherin gab, die Kindern so etwas Fatales vermittelt hat, ist fragwürdig, was jedoch außer Frage steht, ist die Tatsache, dass es auf geistlichem Gebiet mittlerweile mehr Leute gibt, die das Evangelium auf diese Weise verdrehen, als solche, die die rettende Botschaft noch unverändert weitergeben. Letztlich sollte uns dies aber nicht entmutigen oder verwundern, denn Jesus sprach immer von einer kleinen Herde, nie von der großen Maße. Die große Maße befindet sich auf dem breiten Weg, der ins Verderben führt. Dennoch sollten wir dankbar sein, für jeden Einzelnen, der sich erretten lässt aus diesem verkehrten Geschlecht (vgl. Apg. 2,40) und uns bewusst sein, dass unser Kampf nicht vergeblich ist, denn das Wort sagt: Daher, meine geliebten Brüder, seid fest, unerschütterlich, allezeit überreich in dem Werk des Herrn, da ihr wisst, dass eure Mühe im Herrn nicht vergeblich ist! (1.Kor 15,58).


 


Quellangaben


1. J.C. Ryle, http://www.glaube-aktiv.de
2. J.C. Ryle, Lukas Band 3, Seite 44
 

 

Dieser Beitrag wird, so der Herr will, in Kürze fortgesetzt.

 

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