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9. Lügenprophet oder wahrhaftiger Prophet? II

Veröffentlicht am 21.05.2016

Wie im letzten Teil gesehen, differieren Lügenpropheten und wahrhaftige Diener Gottes in den Punkten: 1.Unterschiedliche Berufung, 2.Unterschiedliche Ziele und 3.Unterschiedliches Gottesbild, kommen wir nun zu Punkt 4:


4. Unterschiedliche Botschaft

Da sowohl Grundlage, als auch Motivation und Ziel des Dienstes nichts miteinander gemein haben, ist auch der Inhalt der Verkündung, ein völlig anderer: Während wahre Diener Gottes am Wort Gottes festhalten, und sich bei ihrer Verkündigung an das halten, was geschrieben steht, setzen sich Lügenpropheten über das Wort hinweg und verkünden die Überlegungen und die Trugschlüsse ihrer eigenen Herzen (Jer 14,14: 23,26). Da Licht und Finsternis ebenso unvereinbar sind, wie Wahrheit und Lüge, führt dies zwangsläufig zu einem unvermeidlichen Interessenskonflikt: Auf der einen Seite stehen die treuen Zeugen, die die Wahrheit verteidigen (Jud 3), und auf der anderen, die betrügerischen Arbeiter, die der Wahrheit widerstehen (vgl. 2.Tim 3,8).
Diesen Widerstand haben alle treuen Diener Gottes zu allen Zeiten erfahren. Auch im Buch Jeremia wird dieser Konflikt sehr deutlich. Exemplarisch möchte ich dazu Jeremias Auseinandersetzung mit dem Priester Paschhur herausgreifen, bei der uns folgendes berichtet wird: Als aber Paschhur, ein Sohn Immers, der Priester, der zum Vorsteher im Hause des HERRN bestellt war, hörte, wie Jeremia solche Worte weissagte, schlug er den Propheten Jeremia und schloss ihn in den Block am oberen Benjamintor, das am Hause des HERRN ist (Jer 20, 1-2).
Ebenso wie das falsche Priestertum Jeremia entgegenstand, verhielt es sich auch mit den falschen Propheten. Ein Beispiel dafür finden wir in Jeremias Kontroverse mit dem Lügenpropheten Hananja: Obwohl Jeremia den König und das Volk im Auftrag Gottes aufgefordert hatte, dem König von Babel untertan zu sein (vgl. Jer 27,9), trat Hananja vor den König und verkündigte vollmundig: So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Ich habe das Joch des Königs von Babel zerbrochen (Jer 28,2).
Hätte Jeremia die weitherzige, tolerante Sicht eines Großteils der modernen Christenheit geteilt, dann hätte er hier wohl höflich geschwiegen, schließlich muss die Harmonie doch unter allen Umständen gewahrt werden, also niemals unbequeme Wahrheiten ansprechen, geschweige denn, Aussagen, die sich nicht mit dem Wort Gottes decken, als Irrtum entlarven. Stattdessen gilt es, die Gemeinsamkeiten zu suchen, und Gemeinsamkeiten waren ja durchaus vorhanden: Der falsche Prophet war genau wie Jeremia ein Israelit, er war sicher auch beschnitten, hatte bestimmt auch ein sehr frommes Erscheinen und obendrein gab er sich ebenfalls als Prophet Gottes aus. Damit war er, wenn man so will, ein Berufskollege Jeremias, der lediglich einen anderen Standpunkt vertrat. Also hätte sich Jeremia in den Mantel des Schweigens hüllen können, ebenso wie man es heute von einem guten Christen erwartet. Immer lieb sein, immer schön den Daumen hoch, was auch immer im Namen Gottes verkündigt wird.
Jeremia war hier jedoch anders gestrickt, er war aus einem anderen Holz geschnitzt, statt diese Lüge durch Stillschweigen indirekt abzunicken, widerstand Jeremia dem falschen Propheten, doch dies geschah nicht etwa in einem vertraulichen Gespräch unter vier Augen, sondern in der Gegenwart der Priester und des ganzen Volks, die im Hause des HERRN standen. Genauso öffentlich und freimündig wie Hananja seine dreiste Lüge verbreitet hatte, wies ihn Jeremia vor allen zurecht, indem er sprach: Höre doch, Hananja! Der HERR hat dich nicht gesandt; aber du machst, dass dies Volk sich auf Lügen verlässt (Jer 28,15).
An diesem Punkt wird offensichtlich, warum die falschen Propheten Jeremia widerstanden. Er war unbequem, er war ein Störenfried, einer der ihnen ins Handwerk pfuschte und ihre Glaubwürdigkeit in Frage stellte. Doch er tat es nicht aus Kritiksucht, sondern aufgrund seiner Treue zu Gott. Er war der Wahrheit verpflichtet und war es auch seinem Volk schuldig, sie vor den leeren Versprechen, der Lügenpropheten zu warnen. Immer wieder hatte er sie vor diesen Scharlatanen gewarnt und scheute sich, wie gesehen, auch nicht davor, klar zu sagen, dass sie nicht von Gott gesandt waren (vgl. Jer 14,14-15: 27,14-16). Ich empfehle hierzu, das komplette Kapitel 23 zu lesen, das sich ausschließlich mit dem falschen Priester- und Prophetentum befasst.
Abschließend zu diesem Punkt, möchte ich noch bemerken, dass die Botschaft nicht nur unterschiedlich, sondern gegensätzlich ist: Falsche Propheten widerstehen der Wahrheit, wahre Diener Gottes hingegen widerstehen der Lüge.


5. Unterschiedliches Ende

Im eben genannten Beispiel, bei dem wir kurz auf die Auseinandersetzung Jeremias mit dem Lügenpropheten Hananja eingegangen sind, wird nicht nur der gegensätzliche Standpunkt, sondern noch ein weiterer gravierender Unterschied, deutlich: Wir sehen darin nicht nur die unterschiedliche Zielrichtung und den sich daraus ergebenden Konflikt, sondern auch das unterschiedliche Ende. Liest man den Text nämlich weiter, folgt auf Jeremias Aussage: „Höre doch, Hananja! Der HERR hat dich nicht gesandt; aber du machst, dass dies Volk sich auf Lügen verlässt“; das Gerichtswort: Darum spricht der HERR: Siehe, ich will dich vom Erdboden nehmen; dies Jahr sollst du sterben, denn du hast sie mit deiner Rede vom HERRN abgewendet. Dass dies keine leere Drohung Jeremias war, verdeutlichen die Worte: Und der Prophet Hananja starb im selben Jahr im siebenten Monat (Jer 28,15-18).
In unserer harmoniebedürftigen Zeit, in der man meint, alles sei einerlei, sind sich nur wenige darüber im Klaren, was für ein schreckliches Gericht all jenen droht, die sich darauf spezialisiert haben, das Wort Gottes für ihre Zwecke zu missbrauchen. Insbesondere der 2. Petrusbrief und der Judasbrief sind eindrückliche Warnungen an jene, die den ein für alle Mal den Heiligen überlieferten Glauben verwerfen, und die Gnade Gottes als Deckmantel für ihr ausschweifendes Leben missbrauchen (vgl. Jud 3-4). In Judas 11-13 heißt es über sie: Weh ihnen! Denn sie gehen den Weg Kains und fallen in den Irrtum des Bileam um Gewinnes willen und kommen um in dem Aufruhr Korachs. Sie sind Schandflecken bei euren Liebesmahlen, prassen ohne Scheu, weiden sich selbst; sie sind Wolken ohne Wasser, vom Wind umhergetrieben, kahle, unfruchtbare Bäume, zweimal abgestorben und entwurzelt, wilde Wellen des Meeres, die ihre eigene Schande ausschäumen, umherirrende Sterne; deren Los ist die dunkelste Finsternis in Ewigkeit.
Auch hier finden wir wieder den Vergleich aus unserem Ausgangsvers, in dem ein blühender Baum mit einem kahlen Strauch verglichen wird. Bei Judas nun werden Irrlehrer und falsche Propheten als unfruchtbare Bäume, zweimal abgestorben und entwurzelt, bezeichnet. Sie taugen zu nichts, als ins Feuer geworfen zu werden. Ihr Los ist eine Ewigkeit in dunkelster Finsternis. Das also ist ihr schreckliches Ende, es wird ihnen dasselbe Los zuteil wie Babylon, über das gesagt wird: Gefallen, gefallen ist Babylon, die Große, und ist eine Behausung von Dämonen geworden und ein Gefängnis jedes unreinen Geistes und ein Gefängnis jedes unreinen und gehassten Vogels (Offb 18,2).
Wenn man nun bedenkt, dass das gefallene Babylon ein Sinnbild auf das abgefallene Christentum darstellt, dann wird klar, dass die prunkvolle Kirche unserer Tage, nicht das wahre Christentum, nicht die Braut des Lammes, sondern die abgefallene, treulose Hure verkörpert (vgl. Offb 17,1-17).
Dieses kirchliche System will das Reich Gottes mit menschlichen Mitteln herbeiführen und bringt sich damit genau unter den Fluch, der Ausgangspunkt dieser Beitragsreihe ist: Das Fleisch wurde zum Arm gemacht. Anstatt auf Gottes Macht und Seine Kraft zu vertrauen, setzt man auf menschliche Kraft. Die modernen Verführer sind dabei so überheblich, dass sie den Eckstein, Jesus Christus, verwerfen, und es ablehnen, auf Grundlage der Apostel und Propheten zu bauen. Ihr falsches Glaubenssystem ist auf Philosophie und leereren Trug, nach der Überlieferung von Menschen, gegründet. Sie sind nicht bereit, sich durch Gottes Wort zurechtweisen zu lassen, sondern verschließen ihre Ohren vor der Wahrheit, und widerstehen allen, die sie noch treu verkündigen. Sie gehen selbst nicht hinein und wollen auch andere davon abhalten (vgl. Mt 23,13).
Die Schrift lässt keinen Zweifel, dass ihnen dafür ihre Strafe gewiss ist, doch so schrecklich ihr Ende sein wird, so annehmlich und unbeschwert ist ihr Leben oftmals im Hier und Jetzt. Im Diesseits zählen sie zu den Angesehen, zu den Beliebten und zu den Erfolgreichen, doch im Jenseits werden sie die Verachtetsten und aller Bemitleidenswertesten sein.
Doch ohne Frage, nach weltlichem Ermessen sind sie scheinbar erfolgreich, denn was bereits zurzeit Jeremias der Fall war, hat sich bis in unsere Zeit nicht geändert: Wahre Propheten sind oftmals verhasst und erfahren dieselbe Ablehnung wie ihr Herr, während die Lügenpropheten sich meist großer Popularität und Beliebtheit erfreuen. Doch das ist auch kein Wunder, sie sind aus der Welt und die Welt hört auf sie (vgl. 1.Joh 4,5). Sie finden Gehört, weil hier nicht das Fleisch gekreuzigt werden muss. Treffend bemerkt Arthur Pink: „Der Irrtum war immer populärer als die Wahrheit, denn er setzt die Maßstäbe niedriger an und kommt fleischlichen Begierden entgegen.“ 16
Daher kann der Eigenwille weiter regieren, laut ihrer Theologie geht es nur darum, sich göttlichen Segen abzuholen, aber nicht um Gehorsam oder Nachfolge, geschweige denn um Selbstverleugnung.
Doch egal wie erfolgreich und beliebt sie auch sein mögen, ihr Ende wird ihren Werken entsprechen. Sie sind blinde Leiter, die Blinde leiten, vor denen Jesus mit folgenden Worten gewarnt hat: Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind! An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Sammelt man auch Trauben von Dornen, oder Feigen von Disteln?
So bringt jeder gute Baum gute Früchte, der schlechte Baum aber bringt schlechte Früchte.
Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen, und ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen. Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen (Mt 7,15-19).

Hier haben wir einen doppelten Gegensatz: Die beliebten Lügenpropheten erwartet ein schreckliches Gericht, die treuen Diener Gottes hingegen, die im Hier und Jetzt oftmals verachtet, verspottet und sogar vielfach um ihres Glaubenswillen gefoltert und getötet werden, erwartet eine ewige Herrlichkeit im Himmelreich. Eine Herrlichkeit, die alles übertreffen wird, was wir uns mit unserer menschlichen Vorstellungskraft ausmalen können: Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben (1.Kor 2,9; Jes 64,3).


6. Warum lässt Gott Verführung zu?

Kommen wir nun zum letzten Punkt, und damit zu der Frage, warum Gott Verführer gewähren lässt? Gerade unsere Zeit ist besonders davon gekennzeichnet ist, dass die Wahrheit gestürzt ist (vgl. Jes 59,14).
Man kann ohne Übertreibung sagen, dass treue Verkündigung immer mehr zur Seltenheit wird, während Irrlehrer und falsche Propheten, wie Pilze aus dem Boden schießen, und immer mehr an Einfluss gewinnen. Obwohl es sehr traurig und schlimm ist, dass in unserer Zeit die Verführung immer mehr überhandnimmt, sehen wir darin sehr deutlich, wie sich biblische Prophetie erfüllt. Insbesondre sehen und erleben wir in diesem vermehrten Auftreten vieler falschen Propheten und Irrlehrer, exakt das, was Jesus in Matthäus 24 für die Zeit angekündigt hat, die Seiner Wiederkunft vorrausgehen wird. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, sprach ER dabei weder davon, dass es so kommen kann, noch dass es so kommen wird, sondern, dass es so geschehen muss (Mt 24,6; Offb 1,1: 4,1: 22,6). Damit hat ER eindeutig unterstrichen, dass diese Verführung, Teil des festbeschlossenen Ratschlusses Gottes ist, doch die Frage ist, warum beinhaltet der Ratschluss Gottes, Verführern freie Hand zu gewähren?

Nun, einen Aspekt finden wir, wie ich meine, im Gleichnis vom Unkraut, in dem es heißt: Lasst beides zusammen wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen, und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber sammelt in meine Scheune! (Mt 24,30; vgl. 24, 40-42).

Soweit der eine Aspekt, doch es gibt noch einen weiteren, und auf diesen wollen wir nun etwas näher eingehen: Wir befassen uns dabei mit einer Bibelstelle aus dem 13. Kapitel des 5. Buch Mose. Hier finden wir im ersten Vers zunächst einmal folgende Warnung:

Das ganze Wort, das ich euch gebiete, das sollt ihr bewahren, um es zu tun. Du sollst zu ihm nichts hinzufügen und nichts von ihm wegnehmen (5.Mo 13,1). Das erinnert sehr stark an den Abschluss der Schrift, der als göttliches Siegel zu sehen ist und den Schlusspunkt der göttlichen Selbstoffenbarung bildet (vgl. Offb 22,10). Auch an dieser Stelle ist die ausdrücklich Warnung zu finden, dass wir dem Wort weder etwas hinzuzufügen, noch etwas hinweg nehmen dürfen (vgl. Offb 22,18-19). Dass gerade dies heute gang und gäbe ist, ist wie gesagt, zwar ein eindeutiges Zeichen unserer Zeit, doch dies entbindet jene, die es tun, nicht von ihrer Verantwortung. Sie werden, wie bereits gesehen, ihre Strafe tragen; doch kommen wir nun wieder zurück zum 5. Buch Mose und der Warnung, dem Wort Gottes nichts hinzuzufügen und nichts hinweg zunehmen, und sehen uns die Worte an, die dieser Aussage folgen. Gerade hier finden wir nämlich einen sehr aufschlussreichen Hinweis, warum Gott Verführer gewähren lässt, wenn es da heißt:
Wenn in deiner Mitte ein Prophet aufsteht oder einer, der Träume hat, und er gibt dir ein Zeichen oder ein Wunder, und das Zeichen oder das Wunder trifft ein, von dem er zu dir geredet hat, indem er sagte: "Lass uns anderen Göttern - die du nicht gekannt hast - nachlaufen und ihnen dienen!", dann sollst du nicht auf die Worte dieses Propheten hören oder auf den, der die Träume hat. Denn der HERR, euer Gott, prüft euch, um zu erkennen, ob ihr den HERRN, euren Gott, mit eurem ganzen Herzen und mit eurer ganzen Seele liebt. Dem HERRN, eurem Gott, sollt ihr nachfolgen, und ihn sollt ihr fürchten. Seine Gebote sollt ihr halten und seiner Stimme gehorchen; ihm sollt ihr dienen und ihm anhängen. Und jener Prophet oder der, der die Träume hat, soll getötet werden (5.Mo 13,2-6).

Der Schlüsselvers, der uns hierbei die konkrete Antwort gibt, lautet: Denn der HERR, euer Gott, prüft euch, um zu erkennen, ob ihr den HERRN, euren Gott, mit eurem ganzen Herzen und mit eurer ganzen Seele liebt.
Nicht nur Verfolgung, nicht nur Drangsal, nein auch Verführung hat letztlich das Ziel der Leuterung.
Dass gerade dieses Prüfkriterium eine besonders hohe Hürde darstellt, sehen wir darin, dass ein Großteil der sichtbaren Gemeinde, Verführern bedenkenlos folgt. Auch wenn dies ebenfalls der Prophetie des Herrn entspricht, entbindet es uns dies nicht vor unserer Selbstverantwortung. Jesus sagte sehr wohl: „Es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen“, doch diese Worte sind nicht als Alibi für Schläfrigkeit gedacht, sondern stellen vielmehr eine Mahnung zur Wachsamkeit dar. Denn die Warnung des Herrn lautet ganz klar: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe (Mt 24,4).
Viele sind schnell fertig mit diesem Thema, sie meinen Verführung sei ganz einfach auszumachen, gerade so, als hätten Verführer ein Warnschild mit der Aufschrift „Vorsicht Irrlehrer“ um den Hals hängen, doch wir müssen uns bewusst machen, dass es sich um Wölfe im Schafspelz handelt. Sie können sehr smart, sehr nett und umgänglich sein, doch wenn sie sich bei ihrer Verkündigung nicht an das Wort Gottes halten, sind es Verführer. Viele Gemeinden gehen recht unbedacht mit diesem Thema um, sie meinen man müsse sich nur vor den Zeugen Jehovas in acht nehmen und ansonsten sei alles im grünen Bereich, doch gerade darum ist das Christentum unserer Tage zu einem undefinierbaren, religiösen Allerlei geworden. So wie einst Pipi Langstrumpf gesungen hat „mal dir deine Welt, wie sie dir gefällt“, so ist das Christentum zu einer Spielwiese geworden, auf der sich jeder frei nach Lust und Laune entfalten und verwirklichen kann. Wie Recht hat doch Gerhard Maier, wenn er in seinem Kommentar zu Matthäus 24 schreibt: Verführung ist für die Gemeinde gefährlicher als Verfolgung. Verfolgung eint die Gemeinde, Verführung spaltet sie. Verfolgung läßt das Echte hervortreten, Verführung das Unechte triumphieren.17

Ähnlich sah es auch Martin Luther, der sagte: Vor äußeren Feinden habe ich keine Angst, denn die Kirche geht nicht von außen her zugrunde. Aber die inwendigen Übel, die falschen Brüder, die werden es tun.18

Kommen wir nun wieder auf den Ausgangspunkt zurück, und befassen uns mit der Frage, warum Gott falsche Propheten und Irrlehrer überhaupt gewähren lässt. Wie bislang gesehen, geschieht es, um unsere Herzen zu prüfen. Denn der HERR, euer Gott, prüft euch, um zu erkennen, ob ihr den HERRN, euren Gott, mit eurem ganzen Herzen und mit eurer ganzen Seele liebt. (5.Mo 13,4; vgl. 1.Thess 2,4). Verführung ist also ein Echtheitstest, ein Glaubenstest, der dazu dient, dass sich die wahren Kinder Gottes bewähren, und die Spreu vom Weizen getrennt wird. Nur wer Irrlehrer und Verführer überwindet, kann als Bewährter in Christus bezeichnet werden (vgl. Röm 16,10). Das vermehrte Auftreten von Irrlehrern, die sich über das Wort Gottes hinwegsetzen, indem sie es nach Belieben dehnen und interpretieren, bringt ans Licht, ob wir wirklich dem Wort Gottes gehorchen. Wer sein Vertrauen auf solche falschen Lehrer setzt, anstatt auf das geschriebene Wort zu vertrauen, der gleicht dem Mann aus Jeremias Gleichnis, über den es heißt: Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht, und dessen Herz vom Herrn weicht! Er wird sein wie ein kahler Strauch in der Einöde; er wird nichts Gutes kommen sehen, sondern muß in dürren Wüstenstrichen hausen, in einem salzigen Land, wo niemand wohnt.
Nur wenn unser Glaube echt ist, können wir falsche Propheten überwinden, nur dann trifft auf uns zu, was der Apostel Johannes sagt, wenn er schreibt: Ihr seid aus Gott, Kinder, und habt sie überwunden, weil der, welcher in euch ist, größer ist als der, welcher in der Welt ist (1.Joh 4,4).
Dabei geht es gar nicht so sehr darum, immer die aktuellste Irrlehre zu kennen, sondern die Wahrheit im Herzen zu haben. Nur Unmündige stehen in der Gefahr, von jedem Wind der Lehre umhergetrieben zu werden. Ist unser Glaube jedoch fest auf das Wort Gottes gegründet, dann spielt es keine Rolle, in welchem neuen Gewand die Verführung daherkommt, wir werden bemerken an welchen Punkt sie vom Wort abweicht, und den Irrtum abweisen. Wer jedoch nicht bereit ist, am Wort Gottes festzuhalten und ständig auf neue Lehren aus ist, der wird nie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen (vgl. 2.Tim 3,7).
Die Schar solcher Menschen wird in unseren Tagen leider immer größer, sie kommen fromm daher, sie bezeichnen sich als Christen, besuchen auch regelmäßig Gottesdienste, doch mit dem Wort Gottes nehmen sie es nicht so genau. Gerne berufen sie sich auf die Gnade, doch sie beachten nicht, dass die Gnade kein Freibrief für Ungehorsam ist. Sie sind überzeugt Kinder Gottes zu sein, doch in Wahrheit sind sie Söhne des Ungehorsams (vgl. Eph 2,2: 5,6; Kol 3,6). John Mac Arthur vergleicht sie mit den unbelehrbaren Pharisäern und kommt dabei zu folgender Feststellung: Sie ließen sich überhaupt nichts sagen. Viele Menschen sind genau wie sie. Sie bekennen Christus, wollen aber nicht alle Anforderungen wahren Christentums hören. Den Aufruf zu Selbstverleugnung lehnen sie ab. Sie vertreten ihre eignen Vorstellungen, Ziele und Pläne. Sie wollen ihre eigenen Wege gehen, und wenn man versucht, ihnen stattdessen den richtigen Weg zu zeigen, wollen sie das nicht hören - nicht weil sie unbelehrbare Christen sind, sondern weil sie Scheinchristen sind.19

Genau das kommt also bei dieser Glaubensprüfung zum Vorschein, sie dient dazu den Unterschied zwischen Scheinchristen und treuen Nachfolgern auszumachen. Viele leben hier in einer großen Selbsttäuschung, sie haben einen Scheinfrieden und ihre trügerische Sicherheit wird dadurch verstärkt, dass es zu Genüge falsche Lehrer und falsche Propheten gibt, die ihnen Gottes Segen versprechen und zusichern, dass sie auf dem richtigen Weg seien. Jeder der die Lüge mehr liebt, als die Wahrheit, wird Opfer dieser heimtückischen Verführung, sie ist bereits der Anfang von Gottes Gericht, das beim Haus Gottes beginnt, so wie geschrieben steht : Denn die Zeit ist gekommen, dass das Gericht anfange beim Haus Gottes (1.Petr 4,17).


Verführung bringt zum Vorschein, ob unser Herz wirklich ungeteilt auf Gott gerichtet ist. Mehrfach habe ich in dieser Beitragsreihe bereits, Jeremia 17,9 zitiert, wo es heißt: Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen? Auf diese Frage, gibt der Herr selbst die Antwort indem er sagt: „Ich, der HERR, kann das Herz ergründen!“ Eines der Mittel, die der Herr dazu einsetzt, sind verführerische Lehren. Diese verderblichen Lehren stammen gewiss nicht von IHM. Im Gegenteil, wir haben gesehen, dass der ER sich deutlich von den falschen Propheten distanziert hat. Mehrfach hat ER bekundet, dass er die falschen Propheten nicht gesandt hat. Wenn er dennoch zulässt, dass sie ihre betrügerischen Lehren zu verbreiten, geschieht dies, um unser Herz zu ergründen. Letztlich kommt dadurch ans Licht, ob unser Herz gegenüber dem Herrn und Seinem Wort wirklich loyal ist. Daher lautet die Frage: Vertrauen wir Seinem Wort oder hören wir lieber auf jene, die sich darauf spezialisiert haben, es zu verdrehen und umzudeuten? Nur wenn sich unser Glaube an diesem Punkt bewährt, wird er sich als echt erweisen. Daher sind wir aufgefordert: Prüft euch, ob ihr im Glauben seid, untersucht euch! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, dass ihr etwa unbewährt seid (2.Kor 13,5).

Wir können diese Bewährungsprobe nicht bestehen, wenn wir den christlichen Glauben, mit gutgläubiger Naivität verwechseln, und jedem, der sich als Diener Gottes ausgibt, im blinden Vertrauen alles ungeprüft abkaufen. Gottes Wort fordert uns auf, die Geister zu prüfen, ob sie aus Gott sind (vlg. 1.Joh 4,1). Dass heißt, wir sind dazu aufgefordert, zu prüfen, welcher Geist hinter einer Lehre steckt. Handelt es sich um den Geist Gottes, oder um den Geist der Welt. Ein wesentlichen Merkmal möchte ich hierzu nennen: Der Geist der Welt macht den Menschen groß, der Heilige Geist hingegen, macht Christus groß. Nicht was sich nett anhört, nicht was unserem Fleisch entgegenkommt, sondern nur was mit der Schrift übereinstimmt, dürfen wir annehmen. Wer darüber hinausgeht und bleibt nicht in der Lehre Christi, der hat Gott nicht; wer in dieser Lehre bleibt, der hat den Vater und den Sohn (2.Joh 9).

Viele haben die gesunde Lehre der Schrift verworfen und geben dennoch vor, ihm zu dienen. Wenn wir solchen Verführern folgen, steuern wir auf dasselbe Schicksal zu, das ihnen blüht. Wie bereits gesagt, der Herr hat diese Verführer zwar weder beauftragt, noch gesandt, aber ER lässt sie in ihrer eigenmächtigen Weise dennoch gewähren, damit die Bewährten offenbar werden (1.Kor 11,19). Wir können uns hier nur bewähren, wenn wir beherzigen, wozu uns die Schrift immer wieder auffordert und das ist das Festhalten am Wort. William MacDonald bringt dies sehr schön auf dem Punkt, wenn er sagt: In einer Zeit der Verwässerung müssen wir alles an der Bibel prüfen und ihr gemäß leben. Dafür werden wir bezahlen müssen; es kostet einiges, den Prinzipien des Neuen Testamentes zu folgen. Wir werden Vorwürfe von der Welt und Widerstand von anderen Christen bekommen. Doch unsere Aufgabe ist klar – wir haben Gott zu gehorchen und Ihm allein die Konsequenzen zu überlassen! 20

Verführung ist insbesondere deshalb eines der wirkungsvollsten Mittel, um die Echtheit unseres Glaubens zu testen, weil unsere alte Natur immer dazu tendiert, die Abkürzung Satans zu nehmen. Der Satz: „Ihr werdet keineswegs des Todes sterben!“ (1.Mo 3,4), klingt in unseren Ohren angenehmer, als die Worte: „An dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben“ (1.Mo 2,17). Doch wir müssen eines bedenken, die Aussage, Sünde hätte keine Konsequenz, stammt von dem Vater der Lüge (vgl. Joh 8,44), dessen Ziel grundsätzlich darin besteht, Zweifel am Wort Gottes zu säen. Wie bereits im ersten Teil dieser Beitragsreihe zitiert, formuliert John MacArthur dies sehr treffend, indem er zur Feststellung kommt: „Das Ziel aller Versuchung ist es, Zweifel an Gottes Wort zu säen und es dem menschlichen Urteil zu unterstellen.“ 2

Die Masche Satans besteht darin, die Autorität von Gottes Wort zu untergraben und unser Vertrauen in die Schrift zu schwächen. Die Mittel um dieses Ziel zu erreichen sind, Verblendung, Verführung, Täuschung und Verwirrung. Genau wie Satan, so sind auch seine Diener mit allen Wassern gewaschen; so hinterlistig wie er, gehen auch sie vor. So wie sein Handwerk von jeher darin besteht, das Wort Gottes zu verfälschen, so sind auch seine Diener darauf spezialisiert. Und wie das Ziel jedes Fälschers bekanntlich darin besteht, so nahe wie möglich an das Original heranzukommen, so besteht auch ihr Ziel darin, eine Botschaft zu verkündigen, die dem wahren Evangelium zum Verwechseln ähnlich ist. Doch dies geschieht nicht in guter, sondern in böser Absicht, Ziel sind immer egoistische Eigenenteressen, niemals die Interessen dessen, der einer Täuschung auf den Leim geht. Man denke hier nur an Geldfälscher oder Kunstfälscher, sie sind zweifellos sehr begabt, sie haben herausragende Fähigkeiten, doch wofür setzten sie ihre Fähigkeit ein? Etwa um anderen zu dienen? Nein, sie setzen all ihr Können und all ihr Wissen dazu ein, andere hinters Licht zu führen. Dies entspricht exakt den Aktivitäten Satans und seiner Handlanger.

Genau aus diesem Grund müssen wir Wachsam sein, und uns bewusst machen, dass Verführung sehr subtil, unterschwellig und bevorzugt scheibchenweise geschieht, hier mal eine Bibelstelle entschärft, da mal etwas umgedeutet und nach und nach, entsteht der Eindruck, man müsse das geschriebene Wort heute nicht mehr so ernst nehmen, zumal Gott ohnehin so gnädig ist. Dass dies nicht nur mein persönlicher Eindruck ist, könnte ich anhand vieler Zitate belegen, um hier nur eines wiederzugeben, möchte Benedikt Peters zitieren, auch er kommt zu der Feststellung, dass wir immer wieder dafür anfällig sind, die Gnade Gottes umzudeuten und daraus falsche Schlüsse zu ziehen. Weiter sagt er: Ein sehr naher Schluss ist, und ich meine, dass dies der vorherrschende Trugschluss unsere Zeit ist, dass die evangelikale Christenheit, die Gnade als einen Anlass sieht, dass man Gott nicht fürchten muss. Man meint, man müsse es mit Gottes Heiligkeit und Gottes Befehlen nicht so ernst nehmen und schließt daraus, dass man Sünde nicht mehr ernst nehmen muss.21

So hat man letztlich das Bild eines völlig antiautoritären Gottes, der gar nicht anderes kann, als großzügig über allen Ungehorsam, über alle Treuelosigkeit und alle Sünde hinwegzusehen. Finden sich dennoch Anweisungen und Gebote in Seinem Wort, macht man daraus letztlich nur eine Frage der Interpretation, der Eine sieht es eben so, und der Andere so, wichtig ist nur, dass wir uns alle lieb haben. Lehre, so die Meinung vieler, sei nebensächlich, Harmonie und religiöse Einheit, das ist es, was in unseren Tage zählt. Doch die Frage ist, worauf gründet sich denn diese Einheit, worauf hat man sich denn geeinigt? Mir scheint, einig ist man sich nur darin, dass man Gottes Wort nicht mehr so ernst nehmen muss. Doch diese Haltung entspricht eben genau dem Ursprung aller Sünde, der wie wir gesehen haben, besagt, dass Ungehorsam gegenüber Gottes Wort, keinerlei Konsequenzen hat. Man missbraucht die Gnade Gottes, als Freibrief für ein zügelloses Leben, und findet an allen Ecken und Enden, falsche Propheten und betrügerische Arbeiter, die allen Menschen einen Platz im Himmel versprechen. Doch selbst wenn diese Verführer noch so oft beteuern, nur die besten Absichten zu haben, entlarvt sie Gottes Wort, indem geschrieben steht: Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, die die Gestalt von Aposteln Christi annehmen. Und kein Wunder, denn der Satan selbst nimmt die Gestalt eines Engels des Lichts an; es ist daher nichts Großes, wenn auch seine Diener die Gestalt von Dienern der Gerechtigkeit annehmen; und ihr Ende wird ihren Werken entsprechen (2.Kor 11,13-15).

Wie gesagt, entscheidend ist, dass wir hier wachsam sind, und nicht jedem blind hinterherrennen. Wir dürfen hier auch nicht auf andere blicken und uns an das halten, was die Mehrheit macht. Wer nur blind der Masse des Christentums nachläuft, anstatt Christus zu folgen, der ist der Verführung schon auf den Leim gegangen. Nachfolge ist keine Massenbewegung, echter Glaube ist nicht nur sehr kostbar und wertvoll, sondern auch sehr selten. Den schmalen Weg der Nachfolge, gehen nur wenige (vgl. Mt 7,14), Verführer hingegen gibt es viele, und wie Jesus angekündigt hat, werden sie bei vielen Erfolg haben. Das bedeutet, viele werden auf ihre betrügerischen Worte hereinfallen, denn der Weg zum Verderben ist breit und viele wandeln darauf (vgl. Mt 7,13). Die wahren Nachfolger hingegen werden als kleine Herde bezeichnet (vgl. Lk 12,32), doch Kennzeichen dieser Schafe ist es, dass sie ausschließlich dem Hirten folgen, einem anderen werden sie nicht folgen (Joh 10,5).

Um es abschließend noch einmal auf den Punkt zu bringen, möchte ich noch einmal wiederholen, dass Verführung ebenso ein Mittel der Leuterung und der Glaubensprüfung ist, wie Drangsal und Verfolgung. All diese Widerwertigkeiten, die wir uns gewiss nicht wünschen und die uns oft hart zusetzen, sind vom Herrn verordnete Mittel, um die Echtheit unseres Glaubens zu prüfen. Das Ziel, das ER damit verfolgt, beschreibt der Apostel Petrus mit folgenden Worten: Damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit (1.Petr 1,7-9).

 


 

Predigtempfehlung zu diesem Thema:

 

• Abtrünnige, seid gewarnt, Teil 1
  Grace to You, Dieter Borchmann 


• Abtrünnige, seid gewarnt, Teil 2
  Grace to You, Dieter Borchmann 

 

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