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11. Natürliche Geburt oder geistliche Geburt? I

Veröffentlicht am 17.06.2016

So spricht der HERR: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt und hält Fleisch für seinen Arm und weicht mit seinem Herzen vom HERRN. Der wird sein wie ein Dornstrauch in der Wüste und wird nicht sehen das Gute, das kommt, sondern er wird bleiben in der Dürre der Wüste, im unfruchtbaren Lande, wo niemand wohnt.
Gesegnet aber ist der Mann, der sich auf den HERRN verlässt und dessen Zuversicht der HERR ist. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte.
Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen?
(Jeremia 17,5-8).

Nachdem wir diesen Bibelabschnitt bereits unter vielen verschiedenen Aspekten beleuchtet haben, und dabei vor allem die menschliche Verantwortung im Vordergrund stand, soll es abschließend um die Frage gehen, welche Rolle Gott dem Vater bei unserer Errettung zukommt. Wie für alle Teile gilt auch für diesen, dass ich dieser Thematik gewiss nicht gerecht werden kann, sondern lediglich einen kleinen Einblick verschaffen möchte, der den Lesern ein biblisches Thema nahebringen soll, das von vielen eher gemieden, wenn nicht gar geleugnet wird, und das ist die Souveränität Gottes. Betrachten wir dazu zunächst einmal den Ausgangstext, und stellen uns die Frage, wie kann es überhaupt sein, dass es diese beiden unterschiedlichen Bäume gibt? Wie kommt es, dass es Menschen gibt, die überhaupt nicht nach Gott fragen und solche, die all ihr Vertrauen auf IHN setzen?

Wir suchen die Ursache dafür gerne in und selbst und sagen, wenn WIR uns für Gott entscheiden, wenn WIR nach IHM fragen, dann hört ER uns. Wenn WIR von unseren falschen Wegen umkehren, wenn WIR Buße tun, dann vergibt Er uns. Natürlich ist das ein Teil der Wahrheit, natürlich spielt unsere menschliche Verantwortung eine Rolle, doch beachten wir nun einmal die andere Seite und befassen uns mit der Frage, worauf unsere Bekehrung zurückzuführen ist? Waren unsere Buße und unser Glaube ausschlaggebend oder war es die Initiative Gottes und Sein Eingreifen? Was uns dabei beschäftigen soll, ist die Rolle, die Gott dem Vater bei unserer Errettung zukommt. Die konkrete Frage hierbei ist, ob ER mit dem Kreuz von Golgatha, mit dem Opfer Seines Sohnes, lediglich eine Voraussetzung für unsere Errettung geschaffen hat und nun alles weitere in unseren eigenen Händen liegt?
Sollte dem so sein, sollte es tatsächlich allein an unserer guten Entscheidung liegen und ganz und gar von dem Entschluss unseres eigenen Herzens abhängen, dann findet sich in unserem Ausgangstext schon der erste Stolperstein, der da lautet: Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen?

Und damit sind wir beim Ausgangspunkt des Evangeliums: Es geht nicht von guten Menschen aus, die nach Gott fragen, sondern es besagt, wie geschrieben steht: »Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer. Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen« (Röm 3,10-12+18 vgl. Ps 14,1-3: 36,2). Das ist der natürliche Zustand des Menschen seit dem Sündenfall, sein Herz ist verfinstert und verstockt und ebenso verfinstert ist auch sein Verstand (vgl. Röm 1,21; Eph 4,18). Diese Verfinsterung hat zur Folge, dass die rettende Botschaft vom Kreuz in seinen Augen eine Torheit ist (vgl. 1.Kor 1,18+23: 2,14) und dennoch gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben (1.Kor 1,21).
Doch wie kommt es nun, dass bestimmte Menschen, wider all ihrer natürlichen Regungen und Neigungen glauben? Ist es wirklich so, wie viele denken, dass der Mensch sein Schicksal an diesem Punkt selbst in der Hand hat?

Ehe ich versuchen möchte diese Frage im Licht der Bibel zu beantworten, möchte ich einige Gedanken aus dem Buch „Sklave Christi“ weitergeben, die sehr gut verdeutlichen wie stark der Einfluss der Sünde auf das menschliche Herz ist. Zu Recht bezeichnet sie Autor John MacArthur als grausamen Tyrann und erklärt weiter: Sie (die Sünde) verdirbt den ganzen Menschen: Sie infiziert die Seele, verdirbt, beschmutzt das Gewissen, verunreinigt die Zueignungen und vergiftet den Willen. Sie ist ein eitriges Krebsgeschwür, das das Leben zerstört und die Seele verdammt und in jedem unerlösten Herz wuchert. Aber Ungläubig sind von der Sünde nicht nur infiziert, sie sind von ihr versklavt. In Johannes 8,34 erklärt Jesus: „Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut, ist der Sünde Knecht“. Desweiteren führt er aus, dass der Mensch bis zu seiner Erlösung unter der Herrschaft von Finsternis und Sünde steht und durch die Sklaverei seines gefallen Zustands völlig verdorben und außer Stande ist, sich selbst daraus zu befreien. Außerdem bemerkt er, dass alle Ungläubigen Gott feindlich gegenüberstehen, IHM in keiner Weise gefallen können und ihre völlige Unfähigkeit von der Tatsache unterstrichen wird, dass sie nicht nur unter die Sünde versklavt sind, sondern durch sie auch blind und tot sind. So kommt er letztlich zu einer sehr treffenden Feststellung indem er sagt: Eines der auffälligsten Merkmale der gänzlich gefallenen menschlichen Natur ist, dass der Sünder sich hinsichtlich seines wahren Zustands täuscht. Angetrieben von Stolz, hält sich der verdorbene Verstand für besser, als er wirklich ist. Aber Gottes Wort analysiert diese Täuschung messerscharf und stellt fest, dass sündige Menschen unheilbar krank, von Natur aus rebellisch und unfähig zu irgendeiner guten geistlichen Sache sind.26

Es gibt ja auch unter den Gläubigen sehr viele Verfechter des sogenannten „freien Willens“, doch kann man angesichts all dieser, durch die Schrift belegbaren, Fakten, wirklich davon ausgehen, dass der unter die Sünde versklavte Mensch, in seinen Entscheidungen tatsächlich frei ist? Natürlich ist er in gewisser Weise frei, doch ist er nicht letztlich nur frei, gemäß seiner Wünsche und Neigungen zu entscheiden?
Wie kann er sich dann dafür entscheiden, eine Botschaft anzunehmen, die in seinen Augen anstößig und lächerlich zugleich ist? Ja, es ist wahr, das Evangelium ist Gottes Versöhnungsangebot, das an jeden Menschen gerichtet ist, doch niemand hat automatisch Anteil daran, es sei denn, er kommt zu Jesus. Das ist die Voraussetzung - nur in diesem Fall gilt Seine Zusage: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen (Joh 6,37b).

Doch wer kommt denn nun zu Jesus? Wer trifft denn die Entscheidung, IHN als seinen Herrn und Erlöser anzunehmen? Zweifellos, es ist die beste Entscheidung, die ein Mensch treffen kann, doch was versetzt ihn denn dazu, diese gute Entscheidung zu treffen? Wir erinnern uns, der sündige Mensch ist, wie John Mac Arthur treffend bemerkt hat, unheilbar krank, von Natur aus rebellisch und unfähig, zu irgendeiner guten geistlichen Sache. Doch wie kommt der Sünder angesichts dessen, zu dem Entschluss, auf den Ruf des Evangeliums zu regieren und von seinem falschen Weg umzukehren? Was veranlasst ihn dazu, die Einladung anzunehmen, die in Offenbarung 22,17, wie folgt ergeht: Und der Geist und die Braut sagen: Komm! Und wer es hört, spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme! Wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst?
Hier sehen wir, dass das Evangelium ein freies Gnadenangebot ist. Es ist eine Einladung, die an alle Menschen ergeht. Überbringer der guten Botschaft, sind der Geist und die Braut, wobei der Geist zweifelsfrei für den Heiligen Geist steht, und in der Braut, die Gemeinde der Erlösten zu sehen ist. Durch sie ergeht an alle Menschen, unabhängig von Herkunft, Sprache oder Geschlecht, die Einladung: Komm! Und wer es hört, spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme! Wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst. Soweit die universelle Einladung des Evangeliums, doch nun zu den Hindernissen:


1) Wie der Vers deutlich macht, richtet sich die Einladung an jene, die hören. Wir finden diese Aussage auch oft in den Evangelien, wenn Jesus sagt: „Wer Ohren hat, der höre!“ (Mt 11,15: 13,19+43; Mk 4,9; Lk 8,8: 14,35). Doch wie soll der Mensch, in seiner gefallenen Natur überhaupt in der Lage zu sein zu hören? Sagt nicht 1.Korinther 2,14: Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden?
Wenn der natürliche Mensch also nichts vernimmt, was vom Geist Gottes kommt, wie kann er dann auf die Einladung des Geistes regieren? Wie im Text gesehen, sind es der Geist und die Braut, die einladen und das Mittel zur Errettung, ist die Botschaft vom Kreuz, die dem natürlichen Menschen eine Torheit ist. Was also soll den natürlichen Menschen dazu veranlassen, einer Botschaft Glauben zu schenken, die in seinen Augen töricht ist?

Oder anders gefragt, wie soll der durch Lüge verblendete Mensch, in der Botschaft des Evangeliums die Wahrheit erkennen? Natürlich könnte man sagen, durch das Zeugnis, das der Herr selbst ablegte, als Er sprach: Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Doch beachten wir hierbei auch, dass Er diesen Worten die Aussage: Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme (Joh 18,37), hinzufügte und damit verdeutlicht hat, dass nur wer aus der Wahrheit ist, Seine Stimme hört. Doch um aus der Wahrheit zu sein, muss man von neuem geboren werden. Wer diese geistliche Wiedergeburt nicht erlebt hat, kann das Reich Gottes weder sehen, geschweige denn hineinkommen (vgl. Joh 3,3+5). Wir sind von Gott, und wer Gott erkennt, der hört uns; wer nicht von Gott ist, der hört uns nicht, schreibt der Apostel Johannes und erklärt weiter: Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums (1.Joh 4,6).
Der Geist des Irrtums ist Satan, die Bibel bezeichnet ihn als Gott dieser Welt und lässt uns wissen, dass er den Sinn der Ungläubigen verblendet hat, so dass sie der Botschaft des Evangeliums keinen Glauben schenken (vgl. 2.Kor 4,4). Somit kann der Ungläubige von sich aus, die Voraussetzung des Hörens nicht erfüllen.

 

2) Weiter haben wir gesehen, dass die Einladung an solche ergeht, die durstig sind. Sie ist also an jene gerichtet, über die Jesus in der Bergpredigt sagt: „Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden“ (Mt 5,6).
Damit haben wir auch schon das zweite Problem, denn wie bereits gesehen, sagt die Schrift: Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer. Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen« (Röm 3,10-12+18 vgl. Ps 14,1-3: 36,2). Das klingt nicht nach einem geistlichen Durst, so wie im Psalm 42, wo es heißt: Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir (V 2), sondern nach einem völligen Desinteresse an geistlichen Dingen: Statt Hunger und Verlangen nach Gott und Seinem Wort zu haben, ist da keiner, der nach Gott fragt. Der Mensch in seinem Stolz und seiner Verblendung glaubt ohne Gott zurechtzukommen. Sein Lebensziel besteht darin, seinen eigenen Wünschen und Vorstellungen hinterherzujagen. Nach dem Wort Gottes hat er kein Verlangen. Doch warum sollte er auch nach einer Botschaft dürsten, die in seinen Augen lächerlich ist? Warum sollte er sich in seinem Stolz soweit erniedrigen und eingestehen, dass er in seiner Natur so verdorben und so verfinstert ist, dass für ihn nur im Kreuz von Golgatha Rettung zu finden ist?


3) Die dritte Hürde, die es zu überwinden gilt, finden wir in den Worten „wer da will“. Ja, es besteht keine Frage, das Wasser des Lebens ist umsonst. Die frohe Botschaft des Evangeliums lautet nicht, dass wir uns den Himmel durch religiöse Bemühungen selbst erarbeiten können, sondern dass die Errettung allein aus Gnade geschieht. Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es (Eph 2,8).
Die Errettung ist also eine Gabe Gottes, sie ist ein unverdientes Geschenk, doch für wen ist es bestimmt? Nun, wie gesehen, für jeden, der da will. Und genau hier sehen wir das menschliche Dilemma, und zugleich einen Punkt, der uns wieder zu Jeremia zurückführt. So wie ich in den letzten Teilen festgestellt habe, dass man dieses Prophetenbuch nicht lesen kann, ohne der Thematik des falschen Prophetentums zu begegnen, so ist auch unübersehbar, dass man immer wieder mit der Halsstarrigkeit des Volkes konfrontiert wird. Immer wieder ist da zu lesen, dass sie nicht wollten (vgl. Jer 7,24: 11,10: 13,11: 32,33: 35,17: 43,7). Doch diese ablehnende Haltung gegenüber dem Reich Gottes, war kein besonders Phänomen, das uns nur in den Tagen Jeremias begegnet, nein, es ist eine traurige Tatsache, die sich durch die ganze Bibel zieht, und uns auch im Neuen Testament begegnet. Wir sehen es beispielsweise, wenn Jesus Seinen Dienst und den Seines Vorläufers, Johannes des Täufers beschreibt, indem Er zur Feststellung kommt: Wir haben euch aufgespielt und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben Klagelieder gesungen und ihr wolltet nicht weinen (Mt 11,17); oder an anderer Stelle rückblickend sagt: Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt! (Mt 23,37; vgl. Lk 13,34).
Und weil genau das den Zustand unserer gefallenen Natur beschreibt, haben auch Seine Worte: „Ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet (Joh 5,40), nichts an Aktualität verloren. Man könnte diese Beispiele beliebig fortsetzen, das Nichtwollen wird beim Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl deutlich (vlg. Mt 22,1-13, wir sehen es im Gleichnis von den anvertrauten Pfunden, das die ablehnende Haltung gegenüber der Herrschaft des Königs, die durch die Worte: „Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche!“ (Lk 19,14), zum Ausdruck bringt, und finden es nicht zuletzt, gleich zu Beginn des Johannesevangeliums, wo geschrieben steht: Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf (Joh 1,11).

 

Soweit also die Zustandsbeschreibung und somit die Voraussetzung, die der sündige Mensch von Natur aus zu seiner Rettung beisteuern kann. Ist es angesichts all dessen, denn eine Übertreibung zu sagen, dass wir absolut gar nichts zu unserer Errettung beisteuern können? Wird uns denn von der Schrift nicht ganz klar unser völliger geistlicher Bankrott vor Augen geführt? Wir sind von Natur aus geistlich blind, zudem stößt die rettende Botschaft bei uns auf taube Ohren, doch nicht nur das, wir sind, wie gesehen, Sklaven der Sünde und werden als geistlich tot bezeichnet.
Egal welches Bild wir herausgreifen, wir können es drehen und wenden wie wir wollen, ohne Gottes barmherziges Eingreifen sind wir hoffnungslos verloren. Taub und Blind für geistliche Dinge zu sein, wäre schon schlimm genug, doch unter die Sünde versklavt und zudem geistlich tot zu sein, stellt ein Ding der Unmöglichkeit dar. Folglich muss die Errettung schon früher ansetzen und dass genau dies der Fall ist, möchte ich nun anhand der Schrift auszeigen.

Bis hierher haben wir festgestellt, dass die Errettung eine Sünders menschlich gesehen ein Ding der Unmöglichkeit ist. Dennoch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass etliche der Einladung des Evangeliums gefolgt sind. Viele haben erfahren dürfen, dass Jesus keine leeren Worte gemacht hat, als Er sprach: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“, doch nicht allen ist wirklich bewusst, dass dieser Einladung eine Aussage vorausgeht, die sich ebenso bewahrheitet und die lautet: „Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen“ (Joh 6,37).
Offensichtlich ist aber, dass nicht alle Menschen zu Jesus gekommen sind und dass auch in unserer Generation nicht alle zu IHM kommen. Dass Jesus auch nie davon ausgegangen ist, dass dem so sein wird, sehen wir in Seiner Lehre in Bezug auf den breiten und den schmalen Weg und der damit verbunden Aussage, dass es viele sind, die sich auf dem breiten Weg befinden, der ins Verderben führt, aber nur wenige, die den schmalen Weg gehen, der zum ewigen Leben führt (vgl. Mt 7,13-14). Dennoch war Er sich sicher, dass „alles“ was IHM der Vater gibt, zu IHM kommen wird. Er starb also nicht allein, um eine Rettungsmöglichkeit zu schaffen und es dann dem Menschen und seiner freien Entscheidung zu überlassen, sondern ER starb weil IHM sein Lohn gewiss war. Sein Lohn sind alle, die der Vater bereits vor Grundlegung der Welt erwählt hat (vgl. Eph 1,4). Ihnen gilt Seine unbegreifliche Liebe, ihnen gelten die überwältigenden Worte: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte (Jer 31,3).

Unter diesem Aspekt sind auch die Wort des Herrn zu verstehen, wenn Er sagt: Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat (Joh 6,29).

Wir neigen dazu, uns den Glauben an Jesus selbst zuzuschreiben, so als seien wir klüger gewesen, als die Übrigen und hätten von uns aus diese gute Entscheidung getroffen. Doch bedenken wir, was uns Jakobus lehrt, wenn er sagt: Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch eines Wechsels Schatten. Nach seinem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren (Jak 1,17).
So wie die Schrift unmissverständlich herausstellt, dass alle gute Gabe von Gott kommt, so zeigt sie im Gegensatz dazu, dass unter den gefallen Nachkommen Adams keiner ist, der Gutes tut, keiner der nach Gott fragt. Ist es nicht offensichtlich, dass wenn jede gute Gabe von Gott kommt, der rettende Glaube damit inbegriffen sein muss? Beachten wir hierbei auch die Aussage: Nach seinem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren. Nicht unser Wille, sondern sein Wille, war ausschlaggebend.
Wenn Jacob Spencer zur Feststellung kommt: Wir wissen, dass wir von Natur nichts Gutes an uns haben, sondern soll etwas an uns sein, so muss es von Gott in uns gewirkt werden 27, gilt dies auch für unsere Entscheidung, Jesus nachzufolgen. Auch wenn es unserem Stolz schwerfällt, es einzugestehen, so ist es unserem sogenannten „freien Willen“ nicht möglich, sich für Jesus zu entscheiden. Im Gegenteil, da unsere natürliche Gesinnung Gott feindlich gesinnt ist, haben wir von uns heraus nur die Kraft Jesus abzulehnen. Unser Wille ist nur insofern frei, dass er wählen kann, was seiner gefallenen Natur entspricht. Daher gibt er seinen egoistischen, fleischlichen Interessen stets den Vorzug, vor dem was geistlich und im Sinne Gottes ist. So wie J.N. Darby sagt, indem er schreibt: Die völlige „Freiheit des Menschen“ besteht in dem Sinne, daß niemand ihn zwingt, den Herrn zu verwerfen. Doch ist er gleichzeitig absolut unfrei, da er durch die Knechtschaft der Sünde, deren freiwilliger Sklave er ist, seinem Zustand nicht entfliehen und deshalb auch keine Wahl zum Guten treffen kann. 28
Von Natur aus gehen wir alle unseren eigenen Weg, so wie geschrieben steht: Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg (Jes 53,6). Die mit der Selbstverleugnung verbundene Nachfolge (vgl. Mk 8,34), entspricht in keiner Weise unseren natürlichen Wünschen und Vorstellungen. Wenn es an diesem Punkt zu einem kompletten Sinneswandel bei uns kam, dann dürfen wir die Ursache dafür nicht in uns selbst suchen, sondern im Wirken Gottes und in der Macht Seiner Stärke. ER war es, der uns nachging, ER war es, der uns in Seiner unbegreiflichen Liebe und Güte zu sich gezogen hat.

Natürlich wird sich kaum ein Neubekehrter solche Gedanken machen, im Gegenteil, wenn er zurückblickt, sieht er zunächst nur sein eigenes Verhalten und denkt, er sei Christ, weil er sich für Jesus entschieden hätte. Selbst große Gottesmänner wie Spurgeon machten diese Erfahrung, an der er uns teilhaben lässt, indem er berichtet, dass ihm eines Tages folgende Gedanken durch den Sinn gingen: „Wie bist du ein Christ geworden?“ Ich habe den Herrn gesucht. „Aber wie bist du darauf gekommen, den Herrn zu suchen?“ In diesem Augenblick leuchtete in mir auf – ich hätte ihn nicht gesucht, wenn er nicht schon vorher meine Gedanken beeinflusst hätte, indem er mich dazu brachte, ihn zu suchen. Ich betete, so dachte ich, aber dann fragte ich mich: Wie kam ich dazu, zu beten? Ich wurde durch die Heilige Schrift zum Beten ermuntert. Wie kam ich dazu, die Heilige Schrift zu lesen? Ich las sie, aber was hatte mich dazu gebracht? Da, in einem Augenblick, sah ich, dass Gott der Urgrund aller Dinge ist, dass er der Urheber meines Glaubens war, und so öffnete sich die ganze Lehre der Gnade vor mir.  Von dieser Zeit an habe ich nicht von ihr gelassen, und ich möchte, dass dies immer mein beständiges Bekenntnis ist: „Ich verdanke meine ganze Veränderung nur Gott.“ 29

Vielleicht denken wir auch, irgendetwas in uns, muss Gott wohl dazu bewogen haben, dass ausgerechnet wir zu den Erwählten zählen. Doch nicht irgendeine besondere Tugend oder eine herausragende Charaktereigenschaft unserseits waren ausschalgebend, dass Er uns zu Sich gezogen hat, sondern allein Seine Güte. Der Grund für unsere Errettung ist nicht in uns selbst, sondern allein in Gottes Liebe zu suchen. Denn Christus ist, als wir noch kraftlos waren, zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben. Denn kaum wird jemand für einen Gerechten sterben; denn für den Gütigen möchte vielleicht jemand auch zu sterben wagen. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist (Röm 5,6-8).
Hier sehen wir, dass Jesus nicht für Gerechte, sondern für Gottlose starb. Er starb für Sünder, über die gesagt wird, dass sie kraftlos waren. Das zeigt das völlige Unvermögen der gefallenen, menschlichen Natur über die gesagt wird: Die aber, die im Fleisch sind, können Gott nicht gefallen (Röm 8,8).

Sollte immer noch jemand einwenden, es müsse irgendetwas in ihm gewesen sein, dass Gott veranlasst hätte ausgerechnet ihn zu sich zu ziehen, dann möchte ich anführen, was in Römer 9,11-12 in Bezug auf Jakob und Esau gesagt wird. Denn als die Kinder noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten - damit der nach freier Auswahl gefasste Vorsatz Gottes bestehen bliebe, nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden -, wurde zu ihr gesagt: "Der Ältere wird dem Jüngeren dienen";wie geschrieben steht: "Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst."
Das Wort „gehasst“ hebt sehr deutlich hervor, dass sich Gott zugunsten von Jakob, gegen Esau entschieden hat. Dass der Grund für die Erwählung Jakobs nicht auf irgendetwas zurückzuführen ist, das Jakob getan hätte, wird mehr als deutlich, indem gesagt wird, dass Gott gemäß Seinem Vorsatz gehandelt hat und Er diesen bereits getroffen hatte, ehe die beiden Kinder geboren waren. Jakob wurde nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund der souveränen Gnadenwahl Gottes erwählt. Dass es hier nicht um einen speziellen Sonderfall geht, indem es sich eher um erbrechtliche Dinge handelt, sondern dass Paulus dieses Argument anführt, um den Grund der Gotteskindschaft zu verdeutlichen, sehen wir in der Aussage: Nicht das sind Gottes Kinder, die nach dem Fleisch Kinder sind; sondern nur die Kinder der Verheißung werden als seine Nachkommenschaft anerkannt (V 8).

Wenn jetzt noch einmal auf den 1.Korinterbrief zurückkommen, werden wir sehen, dass uns die Schrift jeglichen Grund zum Rühmen nimmt, indem wir völlig zu Recht gefragt werden: Wer gibt dir einen Vorrang? Was hast du, das du nicht empfangen hast? Wenn du es aber empfangen hast, was rühmst du dich dann, als hättest du es nicht empfangen?“. Es ist unverkennbar: Bei dem HERRN ist die Rettung (Ps 3,9, Jon 2,10), doch diese Errettung wäre wirkungslos, wenn es allein von unserem Wollen oder Laufen abhinge. Denn wie hinreichend beleuchtet, ist weder unser Wollen noch unser Laufen in Richtung des Herrn gerichtet, vielmehr ist das Gegenteil der Fall, in unserer natürlichen Gesinnung sind wir in entgegengesetzter Richtung unterwegs.
Was zu Beginn des Johannes Evangeliums gesagt wird, entspricht der Haltung unserer von Natur aus verstockten Herzen. Wir sind Seine Geschöpfe, geschaffen zu Seiner Ehre, doch wenn ER an unsere Herzenstür klopft, weigern wir uns Ihn aufzunehmen. So wie damals als Er zu Seinem Volk kam, wo es heißt: Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Ich habe diesen Vers bereits zitiert, doch die Aussage ist damit noch nicht beendet, weiter sagt der Text: Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.

Doch warum gibt es diese Ausnahme? Die natürliche Grundhaltung der gefallen menschlichen Natur ist, wie gesehen, eine Ablehnende, die IHM feindlich gesinnt ist; die Reaktion IHN abzuweisen ist also keine Überraschung, sondern nur die logische Folge dessen. Doch was unterscheidet nun jene, die IHN dennoch aufnahmen? Auch hier gibt uns der Text eine Antwort, indem in Bezug auf jene, die diese ungewöhnliche Ausnahme darstellen, gesagt wird: Die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind (Joh 1,11-13).
Das sind also jene, die IHN aufnehmen und an Seinen Namen glauben. Ursache und Grund für ihre Entscheidung, Jesus aufzunehmen, war nicht der Wille ihres Fleisches, es war nicht ihr eigener, sogenannter „freier Wille“, der sie dazu befähigt hat, an Seinen Namen zu glauben, sondern die Folge des göttlichen Eingreifens in ihrem Leben. Dieses Eingreifen ist so grundlegend und fundamental, dass gesagt wird, dass sie von Gott geboren sind. Nicht weniger als diese geistliche Neugeburt ist Grundvoraussetzung, um zu erkennen, was uns von Gott geschenkt (vgl. 1.Kor 2,12). Nur wenn geistliches Leben vorhanden ist, kann eine geistliche Reaktion erfolgen. Nur wer geistliches Leben hat, kann eine geistliche Entscheidung treffen. Denn wie gesehen, der Ungläubige ist geistlich tot, daher ist die Auferweckung des Lazarus ein sehr gutes Bild dafür, was bei der Wiedergeburt geschieht. Als Jesus an sein Grab herantrat und ihn aufforderte: Lazarus, komm heraus! (Joh 11,43), wurden diese Worte für Lazarus buchstäblich zu Geist und Leben (vgl. Joh 6,63).

Lazarus wurde nicht aufgrund seiner eigenen Willensstärke auferweckt, es lag nicht daran, dass sein freier Wille ihn dazu veranlasst hatte, auf die Aufforderung des Herrn zu reagieren. Wäre er an diesem Punkt auf sich und sein eigenes Vermögen angewiesen gewesen, wäre überhaupt nichts passiert, denn er hätte die Worte Jesu weder gehört, noch wäre er in der Lage gewesen darauf zu reagieren. Dass er dennoch auf die Aufforderung des Herrn reagiert hat, begründet sich einzig und allein in der Macht Gottes, ausschlaggebend war die Kraft der Worte selbst und dessen, der sie aussprach. Zweifelsfrei gebührt in diesem Fall alle Ehre dem Herrn, doch wenn es um die Auferweckung geistlich Toter geht, dann neigen wir gerne dazu, die Ursachen bei uns selbst zu suchen. Doch wie bereits zitiert: Was hast du, das du nicht empfangen hast?

Was durch die Auferweckung des Lazarus auch deutlich wird, ist dass Jesus ihn bei seinem Namen gerufen hat. Es war kein allgemeiner Ruf, an alle, die in den Gräbern lagen, sondern ein ganz gezielter, der allein Lazarus galt. Hierin sehen wir den Unterschied zwischen dem allgemeinen Ruf, denn viele sind berufen und dem wirksamen Ruf, aber wenige sind auserwählt (Mt 22,14). Der Unterschied liegt in den Worten: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jes 43,1).
Diesem wirksamen Ruf können selbst die Pforten der Hölle nicht standhalten. Wenn Jesus einen Menschen beim Namen ruft, wird er von den Fesseln seiner Gebundenheit gelöst und von der zerstörerischen Macht der Sünde befreit wird. Ein Sklave Satans wird zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes berufen, in dessen Herz nicht mehr das Gesetz der Sünde und des Todes, sondern das Gesetz Christi, regiert. Ein geistlich Blinder wird dadurch sehend, ein Tauber bekommt Ohren zu hören. Ohren, um auf den Ruf des Evangeliums zu reagieren und somit wird ein geistlich Toter zum Leben erweckt.
So wie es uns klar ist, dass sich kein Toter aus eigener Kraft aus dem Grab erhebt, zeigt uns dieses Bild, dass unsere Errettung einzig und allein das Werk Gottes ist. Arthur Pink kommt diesbezüglich zu folgender Feststellung: Die Errettung eines Sünders ist ein Werk der Macht Gottes. Von Natur ist der Sünder ein Feind Gottes, und einzig und allein, wenn Gottes Macht in ihm wirksam wird, kann diese Feindschaft überwunden werden; daher steht geschrieben: Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, es ziehe ihn der Vater, der mich gesandt hat (Joh 6,44) die göttliche Kraft, die die angeborene Feindschaft des Sünders überwindet, macht ihn willig, zu Christus zu kommen, dass er leben habe. 30
Die Voraussetzung, um zu Jesus zu kommen, ist dass wir vom Vater dazu bewegt werden, somit liegt die Errettung einzig und allein in Seinen Händen, so wie geschrieben steht: So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen (Röm 9,16).

Mir ist bewusst, diese Lehre ist sogar für manche Gläubige anstößig, und manche halten sie sogar für ungeeignet, um das Evangelium zu präsentieren, ich sehe das allerdings anders, denn ist es nicht so, dass diese Lehre wie keine andere, die Ehre allein Gott gibt? Ferner vermag es wohl keine andere Lehre, dem Sünder jegliche Hoffnung auf Fleisch zu rauben. Keine Lehre stellt uns unseren geistlichen Bankrott deutlicher vor Augen. Sie zeigt, dass die Errettung eines Sünders, rein menschlich gesehen, ein Ding der Unmöglichkeit ist; sie zeigt wie sinnlos all unsere eigenen religiösen Bemühungen sind und wie aussichtslos es ist, auf uns und unsere Möglichkeiten zu hoffen. Somit haben wir gerade in dieser Lehre ein geeignetes Mittel, um dem eingangs zitierten Fluch: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt und hält Fleisch für seinen Arm und weicht mit seinem Herzen vom HERRN, entgegenzuwirken.

So möchte ich abschließend noch einmal festhalten, dass es ein Trugschluss ist, in Bezug auf unsere Errettung auf uns und unser Vermögen zu vertrauen. Von Natur aus, wohnt in unserem Fleisch nicht Gutes, nichts was Gott gefallen könnte und nichts, das uns dazu bewegen könnte, auf den Ruf des Evangeliums zu reagieren (vgl. Röm 7,18: 8,8). Sollte uns dies bestürzen, sollte jemand verzweifelt fragen, wer dann überhaupt gerettet werden kann, gibt uns Jesus selbst die Antwort, indem Er spricht: Bei Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott; denn bei Gott sind alle Dinge möglich (Mk 10,27). Möge dies dazu führen, dass wir einzig und allein auf den Herrn vertrauen und für uns anstatt dem Fluch der Segen gilt, der da lautet: Gesegnet aber ist der Mann, der sich auf den HERRN verlässt und dessen Zuversicht der HERR ist.

 


 

So der Herr will, werde ich diese Beitragsreihe in den nächsten Tagen mit dem 2. Teil zu diesem Thema abschließen. Danach beabsichtige ich die komplette Beitragsreihe „Fluch oder Segen“ als Onlinebuch zur Verfügung zu stellen.

 

 

 

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