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Wir aber predigen Christus

Veröffentlicht am: 25.03.2017

 

„Wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten!“ (1.Kor 1,23), konnte Paulus von sich und seinen Begleitern sagen, doch wo finden wir heute noch solche treuen Diener Gottes, die das mit Recht von sich behaupten können? Dem HERRN sei Dank, es gibt sie noch, doch die unverfälschte Evangeliums Botschaft von einer Kanzel zu hören, ist eben nicht der Regelfall, sondern wird immer mehr zur Ausnahme. Denn bei vielen ist Christus längst nicht mehr Inhalt der Predigt. Zudem kann man auch in vielen Fällen nicht mehr von Predigt sprechen, denn auf den Kanzeln von heute sind nicht Prediger, sondern Entertainer gefragt. Denn die Leute wollen keine biblische Lehre, sondern bevorzugen lieber eine fromme Unterhaltungsshow. So hat die Predigt vielerorts längst ausgedient, obwohl die Schrift unmissverständlich sagt: So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi (Röm 10,17).

Anstatt sich auf dieses geistliche Prinzip zu verlassen, und nur in schriftgemäßer Predigt das geeignete Mittel zur Errettung von Menschen zu sehen, setzt man heute auf andere Methoden. Doch so unterschiedlich diese auch sein mögen, im Grunde läuft alles darauf hinaus, dass man in dieser Welt relevant und angesagt sein möchte. Man will den Menschen den Eindruck vermitteln, es sei „cool“ Christ zu sein. „Hol dir den „Kick“ und komm zu Jesus!“, könnte beispielsweise das Motto einer modernen Jugendkonferenz lauten. Denn entgegen der Lehre der Schrift, geht man fest davon aus, man könne die Menschen für Christus gewinnen, sofern man es nur schafft, sie irgendwie zu beeindrucken. Was natürlich die Frage aufwirft, womit man die Menschen unserer Generation beeindrucken kann? Im vorletzten Beitrag habe vor allem betont, dass in dieser Welt kaum etwas mehr beeindruckt, als hohe Verkaufs- oder Besucherzahlen. Wer so etwas vermelden kann, wird als erfolgreich angesehen, was ihm Bewunderung einbringt. Erflog macht aber nicht nur Eindruck auf andere, sondern in der Regel auch Reich, womit wir einen weiteren Punkt haben, womit man Menschen beeindrucken kann. Und was ist es noch? Es ist zweifellos, wenn man etwas Spektakuläres zu bieten hat oder wenn jemand eine neue Entdeckung macht. Folglich sind es im christlichen Bereich auch neue Lehren oder neue Offenbarungen. Doch was den aufklärten Menschen unserer Tage ebenfalls in Bewunderung versetzen kann, sind hochkomplexe, komplizierte Theorien, wie beispielsweise die Evolutionstheorie. Damit kann man sicher viel mehr Eindruck auf die Menschen unserer Tage machen, als durch den schlichten Schöpfungsbericht der Bibel. Selbst manche Christen haben daran zu knabbern, dass Gott die Erde in 6 Tagen geschaffen hat. Doch glaubt man wirklich an einen allmächtigen Gott, wenn man dies in Frage stellt? Es gibt hierzu übrigens ein sehr interessantes Zitat von Martin Luther, er sagte: Wenn du dir nicht vorstellen kannst, dass Gott die Erde in sechs Tagen geschaffen hat, dann gewähre dem Heiligen Geist die Ehre, gelehrter zu sein als du. Denn mit der Schrift musst du stets so umgehen, dass du bedenkst, dass Gott selbst sagt, was geschrieben steht. Da aber Gott spricht, geziemt es sich nicht für dich, Sein Wort schamlos in jegliche Richtung zu deuten, wie du es gerne hättest.

Doch kommen wir wieder zurück zu Paulus. Seinerzeit gab es noch keine Evolutionstheorie. Dennoch waren die Erwartungshaltungen der Menschen vergleichbar, mit den eben aufgezählten. Mittenhinein war nun Paulus gestellt worden, mit dem Auftrag, das Evangelium zu verkündigen. Er hatte sich diese Aufgabe nicht selbst ausgesucht, sondern im Gegenteil, eigentlich hatte er den Vorsatz getroffen, diesen Glauben im Keim zu erstickten. Doch ausgerechnet er, der die Nachfolger von Jesus Christus bis aufs Blut verfolgt hatte, war von Christus dazu ausersehen worden, den Glauben, den er ursprünglich zerstören wollte, bis an die Enden der Erde zu tragen. Dreimal wird in der Apostelgeschichte die Berufung des Paulus, der zuvor Saulus hieß, ausführlich geschildert. Interessant ist, dass Jesus dabei sagte: „Ich bin Jesus, den du verfolgst!“ (Apg 9,5: 22,8: 26,15). Hier sehen wir, wie sehr sich Jesus mit Seiner Gemeinde identifiziert. ER sagt nicht: „Es ist meine Gemeinde, die du verfolgst!“, sondern bezieht diese Feindschaft direkt auf Sich. Wer Seine Gemeinde verfolgt, der verfolgt IHN.

Als sich Paulus eines Tages vor Agrippa und Festus, um seines Glaubens willen, verteidigen musste, erzählte er von dieser Begegnung mit dem Auferstanden. Wie ihn plötzlich ein helles Licht umstrahlte, als er im Auftrag der führenden Priester nach Damaskus unterwegs war, um die Christen entweder dazu zu zwingen, ihrem Glauben abzuschwören oder sie zu töten. Mit dieser festen Absicht war er losgereist, als er und seine Begleiter mitten am Tag von einem Licht umstrahlt wurden das heller war als die Sonne. Worauf alle zu Boden stürzten. Als Paulus fragte: „Herr wer bist du?“, gab ihm der HERR zur Antwort: „Ich bin Jesus, den du verfolgst; steh nun auf und stell dich auf deine Füße!. Denn dazu bin ich dir erschienen, um dich zu erwählen zum Diener und zum Zeugen für das, was du von mir gesehen hast und was ich dir noch zeigen will. Und ich will dich erretten von deinem Volk und von den Heiden, zu denen ich dich sende, um ihnen die Augen aufzutun, dass sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott. So werden sie Vergebung der Sünden empfangen und das Erbteil samt denen, die geheiligt sind durch den Glauben an mich!“
Den Schluss den Paulus daraus zog, sehen wir in den Worten, die er direkt darauf an König Agrippa gerichtet hat: Daher, König Agrippa, war ich der himmlischen Erscheinung nicht ungehorsam, sondern verkündigte zuerst denen in Damaskus und in Jerusalem und im ganzen jüdischen Land und dann auch den Heiden, sie sollten Buße tun und sich zu Gott bekehren und rechtschaffene Werke der Buße tun (Apg 26,15-20).

Das war also die Botschaft des Apostel Paulus, er hat Buße gepredigt, indem er die Menschen dazu aufgerufen hat, sich zu Gott zu bekehren und rechtschaffene Werke der Buße tun. Doch entsprach dies etwa dem, was die Leute gerne hören wollten, oder war es etwa eine Botschaft, die sie beeindruckt hätte? Keineswegs, denn wie eingangs gesagt, die Erwartungshaltungen damals, waren nicht anders wie heute. Und das nicht etwa, weil ich es einfach mal so behaupte, sondern weil es Paulus selbst ist, der uns dies wissen lässt, indem er schreibt: Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit (1.Kor 1,22-23). Doch warum war Paulus so stur? Warum ist er nicht auf die Wünsche seiner Zuhörer eingegangen? Er wusste doch nur zu gut, dass die Botschaft nicht überall auf Gegenliebe stoßen würde, sondern hatte mit erheblichem Widerstand zu kämpfen. Warum blieb er unbeirrt bei seiner Botschaft, anstatt sie nach den Wünschen und Erwartungen seiner Zuhörer auszurichten? Paulus hatte mindestens zwei triftige Gründe: Er hat die Botschaft nicht verändert,

1. weil es als Diener Gottes nicht sein Auftrag war, menschengefällig zu predigen (vgl. Gal 1,10).
2. weil sein Dienst in diesem Fall keine Frucht gebracht hätte, da seiner Verkündigung die Kraft Gottes gefehlt hätte (vgl. 1.Kor 1,24).

Paulus hatte also einen festen unerschütterlichen Vorsatz getroffen, was der Inhalt seiner Verkündigung sein sollte. Doch wie gesehen, dem Geschmack der Zuhörer wurde er damit nicht gerecht. Da sich weder die Zuhörer, noch die Botschaft geändert hat, leben wir heute noch in derselben Diskrepanz. Auf der einen Seite, soll die Welt mit dem Evangelium erreicht werden, auf der anderen, ist in den Augen der Welt nichts unattraktiver als die Botschaft vom Kreuz. Es gibt Menschen, denen diese Botschaft gleichgültig ist, es gibt solche, die sich darüber ärgern und sogar solche, die diese Botschaft zur Weißglut treibt, so dass die Christenverfolgung bis in unsere Zeit andauert und somit auch unser Zeitalter nicht ohne christliche Märtyrer ist.

Doch ob die Botschaft nun zu Hass oder Gleichgültigkeit führt, eines ist unbestreitbar, die Botschaft vom Kreuz, ist in den Augen des typischen Weltmenschen keine attraktive Botschaft, sie war es damals nicht, und sie ist es heute nicht. Und darum macht die Bibel auch keinen Hehl daraus, dass der Missionsbefehl, den Jesus Seinen Jüngern gab, rein menschliche gesehen, ein Ding der Unmöglichkeit ist. Es gibt zwar nur diese eine Botschaft die rettet, doch keiner will sie hören, weil sie zu unspektakulär ist und nicht auf die menschlichen Erwartungen eingeht. Um die ganze Tragweite dieser Diskrepanz zu verdeutlichen, möchte ich noch einmal auf die Gedanken zurückkommen, die ich an den Anfang dieses Beitrags gestellt habe, um diese, dem gegenüberzustellen, was die Schrift dazu sagt:

 

1. Wie festgestellt, richtet sich der Weltmensch gerne nach der Mehrheit, für ihn zählt die Masse, doch das Evangelium erfüllt diesen Wunsch nicht, denn Jesus sagte in der Bergpredigt: Geht hinein durch die enge Pforte! Denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der zum Verderben führt, und viele sind, die auf ihm hineingehen. Denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden (Mt 7,13-14). Wer es also lieber mit der Masse hält, der bleibt auf dem breiten Weg. Und wer glaubt, die Wahrheit sei in menschlichen Mehrheitsbeschlüssen zu finden, ebenfalls. Hier sei auch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es nur diese zwei Wege gibt. Entgegen der Annahmen vieler, gibt es keine Neutralität in Bezug auf Jesus. Entweder ein Mensch unterstellt sich Seiner Macht und Herrschaft, indem er Jesus Christus als seinen Herrn und Erlöser annimmt, oder er bleibt unter der Macht dessen, den die Bibel als den Gott dieser Welt bezeichnet. Paulus schreibt diesbezüglich: Wenn aber unser Evangelium doch verdeckt ist, so ist es nur bei denen verdeckt, die verloren gehen, den Ungläubigen, bei denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, damit sie den Lichtglanz des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus, der Gottes Bild ist, nicht sehen (2.Kor 4,3-4).

 

2. Der Weltmensch will sich selbstverwirklichen, er strebt nach Macht, Erfolg und Geld, doch Jesus hat gesagt: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach! (Mk 8,34). Jesus hat Seinen Nachfolgern niemals irdischen Reichtum versprochen, sondern sagte: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er das Haupt hinlege (Mt 8,20), betrachtet man hierzu, dass laut Jesus, ein Jünger niemals über seinem HERRN steht, ist klar, dass ein Nachfolger nicht mit irdischem Reichtum rechnen sollte. Und so warnt auch der Apostel Paulus: Denn die, welche reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstricke und viele törichte und schädliche Begierden, welche die Menschen in Untergang und Verderben stürzen. Denn die Geldgier ist eine Wurzel alles Bösen; etliche, die sich ihr hingegeben haben, sind vom Glauben abgeirrt und haben sich selbst viel Schmerzen verursacht. Du aber, o Mensch Gottes, fliehe diese Dinge (1.Tim 6,9-10). Hier sehen wir, wie weit das Wohlstandsevangelium, am Wort Gottes vorbeigeht.

Doch wenn schon kein Reichtum, wie steht es dann um das Streben nach Macht und Ansehen? Wer es in der Welt zu etwas gebracht hat, der lässt es sich gut gehen und lässt sich von anderen bedienen. Hat jemand diesen Status erreicht, wird er von allen bewundert, doch was sagt Jesus diesbezüglich zu Seinen Nachfolgern? Wir lesen es in Lukas 22, wo Jesus sagt: Die Könige der Nationen herrschen über sie, und die Gewalt über sie üben, lassen sich Wohltäter nennen. Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch sei wie der Jüngste und der Führende wie der Dienende. Denn wer ist größer, der zu Tisch Liegende oder der Dienende? Nicht der zu Tisch Liegende? Ich aber bin in eurer Mitte wie der Dienende (V 25-27).

 

3. Und wie steht es nun um den menschlichen Wunsch nach Spektakulärem?

Keine Frage, durch Paulus geschahen die Zeichen eines Apostels (vgl. 2.Kor 12,12), doch hat er diese Gabe etwa je dazu eingesetzt, um die Sensationslust der Menschen zu befriedigen, oder sah er darin eine geeignete Methode, um die Masse anzulocken? Keineswegs, es war vielmehr so, wie bereits zitiert: Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit (1.Kor 1,22-23).

Doch wie war es nun bei Jesus, hat ER uns nicht ein Beispiel hinterlassen, dass Zeichen und Wunder das geeignete Mittel zur Evangelisation seinen? Wieder Fehlanzeige, denn als die Schriftgelehrten und Pharisäer auf IHN zukamen, und trotz der vielen Zeichen, die bereits durch Jesus geschehen waren, sprachen: „Meister, wir wollen ein Zeichen von dir sehen!“. Da sagte ER nicht, kein Problem, was für ein Zeichen hättet ihr denn gerne?“, sondern hat wie folgt reagiert: „Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht fordert ein Zeichen, und es wird ihm kein Zeichen gegeben werden außer dem Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein. Die Leute von Ninive werden auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona“ (Mt 12,38-41).
Die Auferstehung des HERRN, war das letzte und das größte Zeichen, und sie wurde von mehr als 500 Augenzeugen bestätigt (vgl. 1.Kor 15,7). Augenzeugen, die zurzeit der Niederschrift des Neuen Testaments größtenteils noch am Leben waren, jeder hätte sie also fragen können. Es gibt kaum ein geschichtliches Ereignis, das besser beglaubigt und bezeugt ist, als die Auferstehung Christi aus den Toten. Dennoch findet der Unglaube immer eine Ausrede, es nicht wahrhaben zu wollen. Im Falle der Pharisäer ging es sogar so weit, dass sie die Soldaten, die das Grab Jesu bewacht hatten, bestochen haben, indem sie sprachen: „Sagt, seine Jünger sind in der Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen!“ (Mt 28,13-15).

Abschließend zu diesem Punkt, komme ich nicht umhin, zu erwähnen, dass bis Anfang des 19. Jahrhunderts, mit Ausnahme weniger Sekten, alle Gläubigen anhand der Schrift verstanden hatten, dass die Zeit der Zeichen und Wunder nur auf die Anfangszeit beschränkt war. Die Zeichen dienten als Legitimation der Überbringer, der göttlichen Offenbarung. Als diese mit dem letzten Buch der Bibel abgeschlossen war, verschwanden auch die Zeichen, sodass selbst Paulus gegen Ende seines Dienstes Mitarbeiter krank zurücklassen musste. So lesen wir in dem letzten Brief, den er verfasste: Trophimus aber habe ich in Milet krank zurückgelassen (2.Tim 4,20). Das ist kein Widerspruch zu Jakobus, der den Kranken sagt, sie sollen die Ältesten rufen, damit diese mit ihnen beten, denn Jakobus sagt, dass der HERR sie wieder aufrichten würde. Mit anderen Worten, das Gebet der Ältesten wird den Heilungsprozess beschleunigen, wodurch klar ist, es geht hier nicht um eine augenblickliche Heilung, wodurch ein Kranker von einer Sekunde auf die nächste völlig geheilt, und von allen Krankheitssymptomen befreit wird (vgl Jak 5,14-15), denn nur das ist nach biblischem Verständnis ein unwiderlegbares Zeichen, nur hier kann man unbestreitbar von einem Wunder sprechen. Ein typisches Beispiel dafür, war die Heilung der Schwiegermutter des Petrus. Sie lag mit schwerem Fieber im Bett, doch nachdem Jesus sie angerührt hatte, war sie sofort wieder auf den Beinen. In Markus 6,15 heißt es: Und er rührte ihre Hand an, und das Fieber verließ sie; und sie stand auf und diente ihm. Normalerweise muss sich der Körper, selbst wenn das Fieber von ihm weicht, wieder erholen, doch sie konnte sofort aufstehen und Jesus dienen. Das ist gemeint, wenn die Bibel von Zeichen und Wundern spricht, doch nicht nur dies, Jesus hat weitaus Größeres getan, und bringt selbst auf den Punkt, was unter Zeichen und Wundern zu verstehen ist, indem ER sagt: „Blinde werden sehend und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote werden auferweckt“ (Mt 11,5). Dies alles waren die Zeichen des Messias. Sie waren der Beweis dafür, dass Jesus wahrhaftig der versprochene Messias war, auch die Apostel hatten diese Zeichen, doch wie gesagt, nur zu Legitimation, um die Botschaft, die sie im Auftrag des HERRN verbreitet und niedergeschrieben haben, zu beglaubigen. Wie gesagt, bis vor stark hundert Jahren, war allen Christen bewusst, dass die Zeichen und Wunder mit dem Abschluss des Kanons ausgedient hatten. Durch das Aufkommen der Pfingstbewegung wurde dieses Sichtweise, die über Jahrhunderte von allen Gläubigen vertreten wurde, plötzlich in Frage gestellt. Denn die Pfingstler behaupteten, diese Gaben hätten sich in ihren Reihen wieder neu entfacht. Zeitversetzt sprang auch die charismatische Bewegung auf diesen Zug auf, und so ist es heute keine Seltenheit, dass ganze Hallen anlässlich spezieller Heilungsgottesdienste gefüllt werden. Obwohl die Rollstuhlfahrer, diese Hallen wieder so verlassen, wie sie hineingekommen sind, nämlich im Rollstuhl, geht das Konzept auf, denn es gibt kaum christliche Veranstaltungen, die besser besucht werden, als solche, bei denen man die Leute mit leeren Versprechen anlockt. Nach weltlichem Maßstab könnte man die Strategie als erfolgreich bezeichnen, setzt man jedoch den biblischen Maßstab an, kommt man zu einem ganz anderen Ergebnis.

 

4. Doch wenn es keine Zeichen und Wunder sind, durch die man die Sensationslust des Menschen befriedigen könnte, wie seht es dann um das Thema neue Lehren oder neue Offenbarungen?

a) Auch dieses Thema haben sich eben erwähnte Bewegungen zu eigen gemacht, so dass man ständig Neues zu präsentieren hat. Entsprechende Bücher über angelbliche Offenbarungen und neue Visionen finden reißenden Absatz, und selbst gröbste Fehlprophetien werden den großen Propheten dieser Szene nur zu gerne verziehen. Zu sehr kitzelt es in den Ohren, als dass man sie als Lügner brandmarken würden. Ich selbst war lange Teil dieser Bewegung, und kann nur davor warnen. Doch wer meine Warnung nicht hören will, der sollte auf die Worte des bekannten Erweckungspredigers Jonathan Edwards hören. Dieser hingegebene Diener Gottes sagte sinngemäß: „Leute, die zu mir kommen und behaupten: „Der HERR hat mir gesagt…“, sind unbelehrbare Menschen. Was willst du ihnen entgegnen? Sie haben es ja direkt von Gott empfangen, kannst du dagegen deine Stimme erheben?“

Somit kommen wir auch an diesem Punkt nicht umhin, feststellen zu müssen, dass das Evangelium dem Wunsch nach Neuem nicht nachkommt, vielmehr ist es so, wie Johannes schreibt: Geliebte, nicht ein neues Gebot schreibe ich euch, sondern ein altes Gebot, das ihr von Anfang an hattet. Das alte Gebot ist das Wort, das ihr gehört habt (1.Joh 2,7).
Und weil die Botschaft nicht neu ist, halten sie viele, weder für relevant, noch für interessant, noch für beachtenswert. Doch dies liegt daran, weil ihnen nicht bewusst ist, dass Wahrheit nicht täglich neu definiert werden muss. In ihren Augen ist nur das für wahr, was heute in der Tageszeitung steht, doch was heute darinsteht, ist morgen schon wieder Schnee von gestern. Nicht so das Wort Gottes, es ist unverwelklich und besteht in Ewigkeit. Daher vergleicht es Petrus mit einem unvergänglichen Samen, nennt es das lebendige und bleibende Wort Gottes, und stellt es der Vergänglichkeit der Menschen und der Natur gegenüber, indem er sagt: Denn "alles Fleisch ist wie Gras und alle seine Herrlichkeit wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt, und die Blume ist abgefallen; aber das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit." Dies aber ist das Wort, das euch als Evangelium verkündigt worden ist (1.Petr 1,23-25). Die Wahrheit des Evangeliums ist fest und unerschütterlich, denn wenn es vor 2000 Jahren der Wahrheit entsprach, dass Christus von den Toten auferstanden ist, dann ist es auch heute noch wahr. Zudem lässt uns die Schrift ganz klar wissen, dass es sich um eine abgeschlossene Offenbarung handelt, worin uns der vollkommene Ratschluss Gottes ein für alle Mal überliefert wurde.

B) Klammert man das Thema Prophetie aus, und will eher die intellektuellen Wünsche erfüllen, wird das Evangelium auch diesen Wunsch nicht erfüllen. Denn es ist eine einfache Botschaft, viele der Schreiber waren ganz einfache Leute aus dem Volk. Zu glauben, alles könne nur von hochgebildeten Professoren der Theologie ergründet werden, ist ein Trugschluss. Doch wie kann man sich wichtigmachen und von anderen abheben? In der Regel doch so, dass man nur noch zwischen den Zeilen lesen will. Und wenn dann ein geschulter Theologe im uralten Bibeltext etwas entdeckt, was zuvor kein Mensch gesehen hat, dann hat er sich auch schon einen Namen gemacht.

Halten wir also fest, egal auf welche Art man der Botschaft des Evangeliums etwas hinzudichten will, ob auf mystische oder auf intellektuelle, es ist uns nicht erlaubt, dem Wort Gottes etwas hinzuzufügen. Aus diesem Grund, sagte einst ein Prediger zu seiner Gemeinde: „Wenn ich von dieser Kanzel je etwas Neues verkündige, dann steckt mich in eine Zwangsjacke!“ Und von Spurgeon wurde folgendes Zitat überliefert: „Es ist nichts neu in der Theologie - ausgenommen das, was falsch ist!"
Und ebenso sagte er: „Wenn wir wahren Eifer haben, dann müssen wir die gute alte Lehre predigen, indem wir Jesus Christus und ihn als gekreuzigt verkündigen, denn alles andere kommt vom Teufel und weist den Weg in die Hölle. Es wird Zerstörung und nicht das Heil sein!“

 

Da bleibt zum Abschluss nur die Frage, für wen, um alles in der Welt, ist die Botschaft des Evangeliums überhaupt ansprechend? Und wie kommt ein Mensch dazu, all das weltliche Status- und Prestigedenken hinter sich zu lassen? Wer kann in der Schmach Christi einen größeren Reichtum sehen, als in den Schätzen dieser Welt? (vgl. Hebr 11,26). Wer setzt alles auf eine Karte, weil er im Evangelium die kostbare Perle sieht, die ihm mehr bedeutet als alles andere? (vgl. Mt 13,46). Und wer achtet weltliche Auszeichnungen, Status- und Ehrentitel für Dreck, um Christus zu gewinnen? (vgl. Phil 3,8). Im 1. Brief an Timotheus gibt uns Paulus die Antwort, indem er schreibt: Das Wort ist gewiss und aller Annahme wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, Sünder zu retten, von welchen ich der erste bin (1.Tim 1,15).

Die Botschaft vom Kreuz ist nur für Sünder ansprechend, nur Menschen, die unter ihrer sündhaften Natur leiden, und sich, wie Paulus, in die erste Reihe der Schuldigen stellen können, werden den unermesslichen Reichtum des Evangeliums zu schätzen wissen. Nur jene, die von ihrem Gewissen geplagt werden und unter der Last ihrer Sünden zusammenbrechen, werden dankbar sein, wenn sie erfahren, dass der Sohn Gottes ihre Sünden ans Kreuz hinaufgetragen hat. Sie, die keinen anderen Ausweg mehr sehen, werden diese Erlösung freudig annehmen. Wer an diesem Punkt angelangt ist, fragt weder nach Zeichen, noch nach sonstigem Spektakel, mit Unterhaltung und Ablenkung ist einem solchen Menschen nicht geholfen, sondern allein mit der Botschaft, was Jesus für ihn getan hat, wie geschrieben steht: Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet (Kol 2,14).

Selbstgerechte hingegen werden dieser Botschaft kaum Beachtung schenken. Doch an sie, ist sie auch nicht gerichtet, denn Jesus kam, wie ER selbst bezeugt hat, nicht um Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße!“ (Lk 5,32). Falls nun jemand einwendet, Gott sei ungerecht, wenn er die Gerechten übergeht, müssen wir uns vor Augen halten, was Jesus in Markus 10:18 sagt: „Niemand ist gut als nur einer, Gott“. Es gibt gar keinen gerechten Menschen, die Schrift sagt klar und unmissverständlich: Alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes (Röm 3,23). Somit ist es ausgeschlossen, dass auch nur ein einziger Mensch dazu in der Lage wäre, sich seinen Platz im Himmel durch seine eigene Gerechtigkeit verdienen zu können. Es gibt nur solche, die sich das einreden. Doch in diesem Fall gilt es vom hohen Ross der Selbstgerechtigkeit herabzusteigen, und sich dem zu unterwerfen, der die Macht hat, Sünder selig zu machen. Wer sich also nicht als Sünder sehen kann, hat keinen Anteil an dem, was Christus getan hat. Den Unterschied zwischen einem Menschen, der seine Schuld eingesteht und einem Selbstgerechten, hat Jesus durch folgendes Gleichnis veranschaulicht. Bezeichnender Weise waren Seine Worte an solche gerichtet, die sich anmaßten, fromm zu sein, und andere verachteten:

Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.
Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden (Lk 18,9-14).

Es wird immer gerne gesagt, Gott würde alle Menschen lieben, oft heißt es auch, Gott liebt die Sünder. Ich möchte es ein wenig präziser sagen: Gott liebt alle Menschen in der Form, dass ER die Sonne aufgehen lässt über Böse und Gute und dass sowohl Gerechte als auch Ungerechte davon profitieren, dass ER es regnen lässt (vgl. Mt 5,45). Alle Menschen, unabhängig ihrer Einstellung zu Gott, haben Anteil an diesen allgemeinen göttlichen Segnungen, die ein Zeichen für die allgemeine Liebe Gottes sind. Doch noch deutlicher sehen wir Gottes Liebe darin, dass ER Seinen Sohn in diese Welt gesandt hat (1.Joh 4,9). Womit wir von der allgemeinen Liebe Gottes, zu Seiner rettenden Liebe kommen, und diese, und darauf möchte ich hinaus, wird nur Sündern zuteil, die Buße tun. So wie es auf den einen Seite wahr ist, dass Gottes gerechter Zorn über dem Leben eines jeden Menschen bleibt, der sich weigert seine Schuld einzugestehen (vgl. Joh 3,36), so ist es auf der anderen wahr, dass IHN das schlichte Gebet: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“, erfreuen wird. Wer in dieser demütigen Haltung vor dem Thron der Gnade erscheinen wird, der wir gewiss nicht abgewiesen, im Gegenteil: Gott der Vater wird sich verhalten, wie der Vater aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn, der seinem reumütigen Sohn keine Vorhaltungen machte, sondern sprach: „Bringt das beste Festgewand her und zieht es ihm an, und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an die Füße; und bringt das gemästete Kalb her und schlachtet es; und laßt uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; und er war verloren und ist wiedergefunden worden!“ (Lk 15,22-24). Diese Festfreude ist ein Bild für die Freude, die im Himmel ausgelöst wird, wenn ein Sünder Buße tut (vgl Lk 15,7.10).

 

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